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Viel Stress auf Grünland - Neuansaaten erforderlich

Neben der Trockenheit schädigen aktuell exorbitant viele Mäuse das Grünland, was an abgestorbenen und immer größer werdenden Arealen auf den Grünlandflächen schon von weitem erkennbar ist. Auf entsprechende Reparaturmaßnahmen sollte man sich einrichten.  In vielen Fällen wird die Nachsaat nicht mehr genügen und vielmehr eine Grünlanderneuerung in Betracht kommen.

 

Grünland ist zahlreichen Einflussfaktoren ausgesetzt, die den Zustand der Grasnarbe oft negativ verändern. Neben der Art und Weise der Bewirtschaftung wirken sich umweltbedingte Faktoren auf die Bestandeszusammensetzung aus. Die klimatischen Einflüsse der letzten Jahre haben auf unseren Grünlandflächen gleichfalls deutliche Spuren hinterlassen. Zunächst schädigte das nasse Jahr 2017 die Grasnarbe durch Staunässe sowie durch Tritt- und Fahrspurschäden. In 2018 verdorrten wertvolle Gräser infolge der Trockenheit und Hitze. Hohe Lückenanteile waren die Folge. In der Praxis wurde mit Nachsaaten oder gar Neuansaaten auf diese Bestandesschäden reagiert. Nun wird der Lohn dieser Pflegearbeiten auf dem Grünland aktuell durch Mäusefraß und erneuter Trockenheit zunichte gemacht.

Wiederum bedarf das Grünland einer Reparatur. In einigen Fällen sind Umbruchmaßnahmen unvermeidlich.   

Berücksichtigen Sie in diesem Zusammenhang, dass der Grünlandumbruch – seit März 2018 einer rechtzeitigen Genehmigung bedarf (Webcode 01034862).

Nachsaaten bei Lücken ohne Fremdbesatz

Mit der Grünlanderneuerung durch Umbruchmaßnahmen ist zwar auf schnellem Weg ein guter Zustand der Grasnarbe wiederhergestellt, doch ist diese Maßnahme auch mit den höchsten Kosten und zugleich mit Unsicherheiten des Ansaaterfolges, vor allem bei den weiterhin zu trockenen Bedingungen verbunden.

Ob zunächst eine Nachsaat ausreichend oder der Umbruch unvermeidlich ist, hängt von dem Anteil unerwünschter und minderwertiger Kräuter und Gräser ab. Bewerten Sie die Bestandeszusammensetzung anhand des in Tabelle 1 aufgeführten Schemas.

Den Nachsaaterfolg begünstigen Sie, wenn nachfolgende Grundsätze beachtet werden: 

Die Grasnarbe sollte nicht verfilzt und vorzugsweise eher lückig sein. Aktuell ist dieser Zustand allein schon durch das Vorkommen der enormen Mäusepopulation gegeben.

Schaffen Sie bei verkrauteten Beständen zunächst durch eine Herbizidmaßnahme und nachfolgend durch scharfes Striegeln bewusst Lücken.

Günstig ist es, wenn die Konkurrenz der Altnarbe bereits gemindert ist. Nachsaaten gelingen im Sommer daher oft besser als im Frühjahr.

Das bodennahe Ablegen des Saatgutes im Direktsaatverfahren und anschließendes Walzen wirken sich förderlich auf die Keimungsrate aus.  

Warten Sie günstigenfalls eine Niederschlagsperiode ab, um den raschen Aufgang der Saat zu fördern. Je schneller das Gras die Lücken ausfüllt, desto geringer bleibt der Anteil unerwünschter Kräuter- und Grasarten.  

Für Nachsaaten verwendet man Grasmischungen mit konkurrenzstarken Gräsern. Diese Eigenschaft ist vor allem dem Deutschen Weidelgras eigen. Es stehen hierbei drei Deutsch Weidelgras-Mischungen mit den Bezeichnungen GV, GV spät, GV-Klee zur Auswahl. Wie aus Tabelle 2 hervorgeht, liegen die Unterschiede dieser Mischungen vor allem in den Anteilen der Reifegruppen. Ein gewisser Anteil früher Sorten des Weidelgrases trägt im Erntegut zur Struktur im Futter bei. Setzt sich die Mischung nur aus mittleren und späten Sorten zusammen, liegt der Fokus in einer besseren Nutzungselastizität und einer hohen Futterqualität. Enthält die Mischung zusätzlich Weißklee, so lässt sich damit gezielter der Rohproteingehalt steigern. Somit wird bereits mit der Wahl der Nachsaatmischung im gewissen Sinn Einfluss auf die Futterqualität genommen.

Narbenabtötung – 1. Schritt der Grünlanderneuerung

Die Notwendigkeit der Grünlanderneuerung durch eine Umbruchsmaßnahme liegt dann vor, wenn sich entweder auf der Fläche vermehrt hartnäckige Unkräuter oder Ungräser mit vegetativen Regenerationsvermögen angesiedelt haben oder die Bewirtschaftung aufgrund von Tritt- oder Fahrspurschäden stark erschwert und ein Einebnen der Fläche erforderlich ist.

Die Narbenabtötung mittels eines Glyphosat-haltigen Herbizids ist in aller Regel die erste Maßnahme zur Grünlanderneuerung, um damit der erneuten Fremdbesiedelung wirksam zu begegnen.

Soll das zugelassene Totalherbizid seine volle Wirksamkeit erlangen, muss der Bestand hinreichend Blattmasse (mindestens 3 bis 4 Blätter) entwickelt haben. Ein gleichmäßiger Bewuchs ist die beste Voraussetzung für den Erfolg der chemischen Unkrautbekämpfung. Das Totspritzen erfolgt in aller Regel drei- bis vier Wochen nach einer vorausgegangenen Mahd. Bei ausreichender Einwirkzeit des Herbizides wird der abgestorbene Bewuchs rasierschnittartig gemäht und vorzugsweise abgeräumt.

Die Verfahrensschritte zur Grünlanderneuerung sind der Abbildung 1 zu entnehmen. Prinzipiell unterscheidet man zwischen einer Direktsaat ohne Grünlandumbruch und dem Verfahren mit einer wendenden Bodenbearbeitung mittels Pflug oder Fräse.

Bodenbearbeitung

Ob der Pflug zum Einsatz kommen sollte, hängt vom Standort sowie von der Geländebeschaffenheit ab. Für das Einebnen und Planieren der Fläche kommt nur die wendende Bodenbearbeitung in Betracht.

Das Pflügen erfolgt in der Regel mit einer mittleren Pflugtiefe von 25 cm. Wird zu flach gepflügt, kann die Altnarbe rasch wieder durchwachsen. Zu tiefes Pflügen vergräbt hingegen die oberflächennah angereicherten Nährstoffe.

Bei stark verfilzten Narben kann zur Erleichterung der Pflugarbeit zusätzlich gefräst werden.

Es ist auch möglich, die Bodenbearbeitung nur mit der Fräse durchzuführen. Der Vorteil hierbei ist, dass die Struktur tiefer liegender Bodenschichten erhalten bleibt, der Nährstoffabbau vermindert wird und die Rückverfestigung des Saatbettes schneller gewährleistet ist. Mit der flachen Zerstörung der totgespritzten Narbe steht das Verfahren in dem Sinne zwischen der Direktsaat ohne Umbruch und der Pflugvariante.

Nach jeder wendenden Bodenbearbeitung ist ein feinkrümeliges, gut abgesetztes und festes Saatbett anzustreben. Die Feinsämereien dürfen nicht vergraben werden. Sowohl für die flache Drillsaat von maximal 1 cm als auch für den Aufgang der Saat ist daher die Güte des Saatbettes maßgebend.  

Das Walzen nach der Saat trägt zum Bodenschluss bei und verbessert den Ansaaterfolg.

Umbruchlose Erneuerung

Die umbruchlose Grünlanderneuerung im Direktsaatverfahren ist auf nicht pflugfähigen (z.B. schwere Brackmarschen) oder auf umbruchsempfindlichen Grünlandstandorten (z.B. vermullte Moorböden) zu empfehlen sowie zur Minimierung des Nährstoffaustrages (Wasserschutzgebiete). Nach dem Abtrag der totgespritzten Altnarbe erfolgt die Aussaat mit Spezialsägeräten wie beispielsweise die Scheiben-, Fräs- oder Schlitzdrillmaschine, günstigenfalls gleich in Kombination mit einer Walze. Zu beachten ist, dass sich die Saat bei umbruchloser Grünlanderneuerung nicht so zügig entwickelt wie bei dem Verfahren mit Grünlandumbruch.

Saatstärke

Bei guten Saatbedingungen ist eine Aussaatstärke von 30 kg/ha im Allgemeinen für alle Grünlandmischungen ausreichend. Höhere Saatgutmengen werden nur bei Mischungen mit hohem Anteil tetraploider Sorten empfohlen oder bei Einsaat von Rohrschwingelmischungen.

Richtige Mischung wählen

Für die Neuansaat von Dauergrünland stehen mit den Qualitäts-Standardmischungen GI, GII, GIII, GIII-S und G IV fünf grundlegende Grasmischungen zur Auswahl (Tabelle 2).  Die spezielle Eignung der Mischungen ist im Kasten beschrieben. Mehr Details erhalten Sie im Faltblatt

„Qualitätsstandard-Mischungen für Grünland, Sortenempfehlung 2018 – 2020“, welches Sie auf dieser Seite ebenfalls herunterladen können.

Welche Mischung für die Neuansaat gewählt wird, hängt in erster Linie von der Nutzungsintensität ab. Je höher der Weidelgrasanteil in der Saatgutmischung ist, desto intensiver kann sie genutzt werden. Demzufolge sind die beiden Qualitätsstandardmischungen GIII und die GIII-S für eine sehr intensive Bewirtschaftungsweise prädestiniert. 

Die Auswahl der Mischung ist der erste Schritt, um Grünland über mehrere Jahre auf gutem Stand zu halten.

FMN Kontrollsiegel

Achten Sie bei dem Kauf der Mischung zugleich auf das niedersächsische Kontrollsiegel. Das rote oder auch magentafarbene Kontrollsiegel stehen für die Verwendung empfohlener Sorten, die Korrektheit der Mischungszusammensetzung, die Sortenechtheit und die Einhaltung der gesetzlichen Mindestanforderungen an die Mindestkeimfähigkeit und technische Reinheit.

Wir fassen zusammen

Neben der Nässe in 2017 und der Trockenheit in 2018 sowie in 2019 sind nunmehr weitere Schäden des Grünlandes durch Mäuse zu beobachten.

Die Grünlanderneuerung durch Umbruch wird, je nach Schädigungsgrad, teilweise nicht zu umgehen sein.

Treffen Sie auf Grundlage der Bestandeszusammensetzung Ihrer Grünlandflächen die Entscheidung, ob zur Grünlandverbesserung bevorzugt noch eine Nachsaat oder eher der kostenaufwändigere und genehmigungspflichtige Umbruch erforderlich sind.

Die Neuansaat kann pfluglos oder nach einer Bodenbearbeitung erfolgen, je nach standörtlichen Gegebenheiten.

Eine gute Vorbereitung der Grünlanderneuerung im Hinblick auf das Herstellen eines weitestgehend unkrautfreien und gut abgesetzten Saatbettes, eine flache Drillsaat zu einem Zeitpunkt, wo Regen nachhaltiger zu erwarten ist sowie die Wahl einer an die nachfolgende Nutzung passende Grünlandmischung haben Einfluss auf den Ansaaterfolg.


Eignung der einzelnen Standardmischungen zur Neuansaat

Qualitätsstandard G I: Kleehaltige Mischung für frische bis mäßig feuchte Standorte mit mittlerer bis extensiver Bewirtschaftung bei vorwiegender Mähnutzung. Besonders geeignet für stark frost- und schneeschimmelgefährdete Lagen.

Qualitätsstandard G II: Kleehaltige Mähweidemischung für klimatisch günstigere Lagen. Große Anpassungsfähigkeit, daher auch für ungünstige Lagen (Moore) mit intensiverer Bewirtschaftung geeignet.

Qualitätsstandard G III: Kleehaltige Mischung für Weidelgras sichere Standorte mit hoher Nutzungsfrequenz bei überwiegender Beweidung. Für die vorrangige Schnittnutzung und regelmäßige Neuanlage eignet sich die Variante G III-S ohne Wiesenrispe.

Qualitätsstandard G IV: Knaulgras betonte Ansaatmischung für sehr sommertrockene Standorte zum Zwecke der Mähweidenutzung.  Hierzu werden spezielle Sorten mit Weideeignung empfohlen.


 

Abbildung 1: Verfahrensschritte der Grünlanderneuerung (mit Umbruch, umbruchlos)

Zeitpunkt Totalherbizid mit Umbruch Totalherbizid mit Direktsaat
Juli Grünlandbestand mächen, Nachwuchs abwarten bis Wuchshöhe von 10 - 15 cm erreicht ist (etwas 3 - 4 Wochen)
Anfang/Mitte August

Narbenabtötung mit Totalherbizid (Glyphosat) bei 10 - 15 cm Wuchshöhe des Grasbestandes

Wartezeit (14 Tage) und Wirkungszeit beachten (bei Ampfer 3 Wochen)

Mitte/Ende August ggf. Entfernen des abgestorbenen Pflanzenaufwuches, Bodenbearbeitung, ggf. Planierarbeiten, Grunddüngung und Saatbettbereitung abgestorbenen Bewuchs rasierschnittmäßig mähen und entfernen
Ende August/Anfang September Einsaat mit Drillmaschine, Walzen Einsaat mit Direksaatmaschine, Walzen
ggf. Herbizidnachbehandlung gegen auflaufende Unkräuter, wenn erforderlich ab 4- bis 5-Blattstadium oder im Frühjahr

 


Kontakt:
Dr. Christine Kalzendorf
Beraterin Grünland, mehrj. Ackerfutterbau und Futterkonservierung
Telefon: 0441 801-428
Telefax: 0441 801-432
E-Mail:
Meike Backes
Leiterin Fachbereich Grünland und Futterbau
Telefon: 0511 3665-4453
Telefax: 0511 3665-4508
E-Mail:


Stand: 08.08.2019



PDF: 32294 - 105.37890625 KB   Grünlanderneuerung Tabelle 1   - 105 KB  
PDF: 32295 - 196.731445312 KB   Grünlanderneuerung Tabelle 2   - 197 KB