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Grundfuttermangel spitzt sich durch Mäuse zu

Grundfuttermangel weiter zunehmend- Mäuseaktivität ungebrochen hoch – wie ist der aktuelle Stand (Interview der „Land und Forst-Wochenzeitschrift “  mit dem Fachbereich Grünland und Futterbau)

Das Jahr 2019 war wie im Vorjahr von Trockenheit und Hitze geprägt, was erneut zu Ernteausfällen geführt hat. In der zweiten Vegetationsperiode von 2019 traten zudem verstärkt Mäuseschäden auf, die zusätzlich zu Ertragsausfällen geführt haben.

In der Zwischenzeit erreicht das Schadbild der Mäuse auf dem Grünland dramatische Ausmaße und es ist zu befürchten, dass im Frühjahr auf vielen Grünlandflächen kein Futter wächst. Wie sich die Situation aktuell darstellt, darüber wird im Folgenden berichtet.

 

1. Über die Schäden durch Mäuse auf dem Grünland hatten wir im Spätsommer 2019 bereits berichtet. Wie ist die Situation aktuell zu bewerten?

Die von Mäusen geschädigten Flächen waren bereits in der zweiten Vegetationshälfte 2019 ein großes Problem und trugen zum Futterausfall des dritten und vierten Aufwuchses bei. Normalerweise geht man davon aus, dass die Population von selbst wieder zusammenbricht und sich das Problem natürlicherweise löst. Es ist aber bis heute nicht der Fall. Der bislang wiederholt fehlende Winter hat dazu geführt, dass der Anteil an geschädigten Flächen zugenommen hat. Es gibt Landstriche, wo flächendeckend kein Aufwuchs mehr vorhanden ist. Das betrifft sowohl das Wirtschaftsgrünland als auch Grünland in Schutzgebieten. Die Flächengröße lässt sich schwer exakt schätzen. Dazu bedarf es einer Bewertung fast jeder Einzelfläche. Es gibt Grünland, wo auf dem ersten Blick noch Gräser vorhanden sind. Erst der Gang auf die Fläche lässt erkennen, wie groß die Lückigkeit und damit der Ausfall des Bestandes ist.

Große und zum Teil flächendeckende Schäden sind in der Wesermarsch, Friesland, Leer, Ostfriesland sowie in Regionen der Landkreise von Cuxhaven, Osterholz, Stade und Rotenburg zu sehen. Hierbei stellen sich die Schäden kleinräumlich höchst unterschiedlich dar.  Die Spannweite liegt zwischen leichtem Mäusebefall und Totalschaden. In diesen Gebieten verschärft sich dadurch die ohnehin sehr angespannte Futterlage, da betroffene Grünlandbetriebe bereits 2 Jahre in Folge aufgrund der Trockenheit erhebliche Ertragseinbußen zu verkraften haben. Die Winterfuttervorräte sind arg knapp. Seit Monaten muss deshalb schon jetzt Rauhfutter zugekauft werden. Neben der unzureichenden Futtergrundlage und der damit verbundenen wirtschaftlichen Dimension, wirken sich die Grünlandschäden auch negativ in Schutzgebieten wie FFH und Natura 2000 als Beispiel aus. Auch hier sind besondere Habitate von geschützten Wiesenbrütern von Fraßschäden betroffen, die wiederhergestellt werden müssen.

2. Was kann bei solchen akuten Fällen unternommen werden?

In der Literatur werden die Bekämpfungsmaßnahmen und langfristigen Erfolgschancen bei akutem Feldmausbefall als gering beschrieben. Dies vor allem, weil immer wieder eine Einwanderung von benachbarten Flächen möglich ist, ein gewisser Prozentsatz an Mäusen auf der Fläche verbleibt und ihre Vermehrungsrate hoch ist. Vor dem Hintergrund muss zwischen vorbeugenden Maßnahmen und einer Akutbehandlung unterschieden werden.
Kommen wir zunächst zur Akutbehandlung. Auf der Grundlage einer chemischen Bekämpfung ist der Spielraum gering. Es ist bekannt, dass keine breitflächige Ausbringung von zur Mäusebekämpfung geeigneten Präparaten auf Zinkphosphid-Basis (Rodentizide) erfolgen darf. Dazu wäre die Gefahr der Primärvergiftung für andere Tiere, insbesondere Vögel und andere Nagetierarten zu groß. Deshalb sind diese Präparate nur mit der Legeflinte verdeckt auszubringen, das heißt, sie sind direkt in die Löcher hineineinzulegen. Je nach Ausmaß der geschädigten Flächen ist das ein erheblicher Aufwand, der nur praktikabel ist, wenn die Flächengröße noch überschaubar ist.
Aus unserer Sicht sollte der Fokus für die großräumigen Plagegebiete aktuell auf Bodenbearbeitungsmaßnahmen liegen. Bodenbearbeitungstiefen von 20 bis 25 cm sind sowohl gemäß der Literatur als auch aus aktueller Erfahrung hilfreich, Mäuse zu vertreiben. Hierfür kommt vordergründig der Pflug in Betracht oder auch andere, tiefer arbeitende Geräte mit durchmischender Wirkung. Die aktiv angetriebene Kreiselegge, die Spatenegge, die Spatenmaschine oder von den passiven Geräten der Grubber mit Gänsepflugschar sollten hier nur als Beispiele erwähnt werden. Aus Gründen des Boden und- Naturschutzes ist der Grünlandumbruch jedoch genehmigungspflichtig. An dem Genehmigungsverfahren sind mehrere Institutionen beteiligt, was mitunter Zeit kostet.
Zu wünschen wäre es, jetzt so schnell wie möglich mit einer Bodenbearbeitung die Mäusebekämpfung zu beginnen und Mäusenester jetzt zu zerstören. Treten dann im Verlaufe des Februars Frost- oder auch Nässeperioden ein, kann beides helfen, die Mortalität der Mäuse zu forcieren. Prinzipiell gilt: eine Neuansaat oder Nachsaat macht erst Sinn, wenn die Mäuse weitestgehend bekämpft sind.

3. Gibt es Empfehlungen für vorbeugende Maßnahmen?

Sowohl nach einer Grünlanderneuerung als auch für alle Flächen mit aktuell geringem Mäusebefall ist sehr viel Wert auf vorbeugende Maßnahmen zu legen. Es gilt, der Einwanderung der Mäuse zu begegnen. Das beginnt mit der Förderung der natürlichen Fressfeinde durch das Aufstellen von Sitzstangen für Greifvögel, dem Anlegen von Steinhaufen für Mauswiesel und Hermeline sowie dem Pflegen der Randbereiche, um den Mäusen die Attraktivität dieses Rückzugsgebiet zu nehmen. In dem Zusammenhang sind auch Gespräche mit der Jägerschaft anzuraten, denn nicht in jedem Fall muss der Fuchs aktuell bejagt werden. Diese biologischen Maßnahmen sind zwar alles kleine Stellschrauben, doch ihre Wirkung sollte nicht unterschätzt werden. Zudem empfehlen wir, die Flächen regelmäßig zu prüfen. Bei erkanntem neuen Befall im Vorgewende ist der Aufwand zum Auslegen von Giftweizen mittels der Legeflinte noch praktikabel. Alles was störend auf der Fläche wirkt, vertreibt die Mäuse. Das Striegeln und Schleppen von Grünlandflächen ist für die Frühjahrespflege des Grünlandes im Allgemeinen üblich. Darauf sollte auch in 2020 nicht verzichtet werden. Die Beweidung wird in dem Zusammenhang auch gern als „goldene Hufe“ bezeichnet, denn der Tritt der Tiere ist gleichfalls als ein störendes Element gegen die Mäuseplage zu werten.   

4. Wie stellt sich aktuell die Futtersituation dar?

Der erste Aufwuchs im letzten Jahr fiel noch gut aus. Allerdings wurden die Silagen des ersten Grasschnittes in aller Regel frühzeitig geöffnet, um den Futtermangel aus 2018 zu kompensieren. Die Grundfuttermengen, die zur Reserve für den Winter angelegt werden, sind sehr überschaubar. Es wird mit Bestandsabstockung, Strohfütterung oder Futterzukauf reagiert.

Wie im Vorjahr werden die Futterrationen für das Jungvieh mit Stroh gestreckt, um den Kühen noch so lang wie möglich das vermeintlich bessere Futter zu überlassen. Für den zunehmenden Strohimport sollte aus seuchenhygienischen Aspekten die Herkunft hinterfragt werden. Strohzukauf z.B. aus Gebieten Osteuropas ist aus Sicht der Einschleppung von Erregern der Amerikanischen Schweinepest (ASP) bedenklich.

Zu beobachten ist auch, dass die Futterqualitäten des Spätsommer- und Herbstschnittes von 2019 nicht gut ausfallen. Die Grasnarben waren ausgezehrt und lückig. Erhöhte Schmutzanteile sind die Folge. Der späte Herbstaufwuchs war im Hinblick auf einen nochmaligen Futteraufwuchs zwar zu begrüßen, doch die Bedingungen der Silierung ungünstig.

Die Hilfe der Landwirte untereinander in Form der Grundfutterbörsen darf durchaus wiederbelebt werden und könnte zumindest ein wenig helfen, die Situation zu entspannen.

5. Wie kann die Landwirtschaftskammer unterstützen?

Aufgrund der Sorgen um die Versorgung der Tiere wurde seitens der Kammerleitung im Januar eine interdisziplinäre Facharbeitsgruppe „Grundfuttermangel- Schäden im Grünland und ihre Folgen“ einberufen. Diese Arbeitsgruppe hat das Ziel, das Ausmaß der Situation sowie die betroffenen Gebiete zu skizzieren, Handlungsfelder zu beschreiben sowie Maßnahmen und Hilfeleistung für die betroffenen Landwirte zu erarbeiten.
Wir halten Sie an dieser Stelle bei den bevorstehenden Veranstaltungen sowie über unsere Internetplattform auf dem Laufenden.  

 


Kontakt:
Dr. Christine Kalzendorf
Beraterin Grünland, mehrj. Ackerfutterbau und Futterkonservierung
Telefon: 0441 801-428
Telefax: 0441 801-432
E-Mail:
Meike Backes
Leiterin Fachbereich Grünland und Futterbau
Telefon: 0511 3665-4453
Telefax: 0511 3665-4508
E-Mail:


Stand: 30.01.2020