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Grünlanddüngung 2020 – eine schwierige Aufgabe

Neben den immer neuen formalen Aufgaben, die sich durch die Düngebedarfsermittlung nach Düngeverordnung und neue Meldeprogramme ergeben, müssen die Grünlandbetriebe sehr reale Schwierigkeiten auf den Grünlandflächen bewältigen, die den Düngebedarf 2020 beeinflussen.

Für die Planung der Düngung im Grünland 2020 ergeben sich besondere Herausforderungen.

Neben den immer neuen formalen Aufgaben, die sich durch die Düngebedarfsermittlung nach Düngeverordnung und neue Meldeprogramme ergeben, müssen die Grünlandbetriebe sehr reale Schwierigkeiten auf den Grünlandflächen bewältigen.

Nach zwei Dürrejahren erlebten viele Betriebe im nördlichen und nordwestlichen Niedersachsen eine Invasion von Feldmäusen. Infolge der Dürre und der Feldmausschäden war die Nutzung in zwei aufeinander folgenden Jahren (2018/2019) stark eingeschränkt. Auf vielen Flächen konnten nur 2-3 Aufwüchse statt 4-5 Aufwüchse geerntet werden.

Bei der Düngeplanung 2020 sollte daher berücksichtigt werden, dass noch entsprechende unverbrauchte Nährstoffreserven in der Krume vorhanden sein können.

Erträge der Vorjahre berücksichtigen

Die Durchschnittserträge der letzten 3 Vorjahre sollen bei der Bedarfsermittlung für Stickstoff berücksichtigt werden. Aufgrund der extremen Bedingungen konnten aber häufig nur unterdurchschnittliche Jahreserträge erzielt werden. Wie damit nun umgehen bei der N-Bedarfsermittlung 2020? Wenn Schnitthäufigkeit und N-Düngung übereinstimmen ist nicht mit höheren N-Überschüssen zu rechnen. Auch durch Mindererträge im letzten Aufwuchs bedingte N-Überschüsse können durch das Wurzelgeflecht im Boden aufgenommen bzw. im Bodenhumus gebunden werden. Die bei der Bedarfsermittlung zu berücksichtigende N-Nachlieferung aus dem Bodenvorrat (10 – 80 kg N/ha) wird aus diesem N-Vorrat gespeist.

Wenn die Schnittanzahl aufgrund der Trockenheit nicht mit der im Vorfeld erfolgten Düngung 2019 übereinstimmte, ist eine Anpassung des N-Jahresbedarfs 2020 in Höhe der letzten N-Düngung erforderlich. Die Anrechnung der ungenutzten N-Reserven aus der Vorjahresdüngung kann über mehrere Aufwüchse des aktuellen Ertragsjahres verteilt werden.

Wirtschaftsdünger effizienter nutzen

Im Milchviehbetrieb ist die Rindergülle mit einer für das Grünland günstigen Nährstoffzusammensetzung ein wertvolles Düngemittel. Für die Düngeplanung im Betrieb sollte das Ziel formuliert werden, eine mindestens 70 % Wirksamkeit des mit dem Wirtschaftsdünger zugeführten Stickstoff zu erreichen. Die in den Tabellen 3 bis 5 angegebene organische Gabe zum 2. Schnitt kann auch zu einem Folgeschnitt gegeben werden, dann muss allerdings die mineralische Ergänzung entsprechend angepasst werden. Der Termin der Gülledüngung ist betriebsindividuell und in Abhängigkeit der Witterung, der Möglichkeit zur Gülleseparation sowie dem Gülleanfall zu wählen.

Neben der Ausbringungsart (Technik) und der Witterung beeinflusst vor allem die Ausbringungszeitpunkte die N-Effizienz der Gülle wesentlich. Der Schwerpunkt der Gülledüngung sollte früh im Jahr bei nicht zu warmer Witterung erfolgen. Durch eine frühjahrsbetonte organische (Gülle-) Düngung lässt sich die N-Effizienz optimieren (Tabelle 2).

Neuansaaten haben zunächst einen geringeren Nährstoffbedarf. Auch stark lückige Narben, die noch durch Schlitzsaaten mit Weidelgrasmischungen verbessert werden müssen, können nicht den üblichen Ertrag und Nährstoffbedarf aufweisen.

Dennoch kann die Rindergülle gezielt für diese Reparaturmaßnahmen genutzt werden. Der Düngebedarf für eine Neuansaat mit Bodenbearbeitung kann mit etwa 60 kg N/ha in der Etablierung angenommen werden. Bei Einsaat einer wüchsigen Deckfrucht (Einjähriges Weidelgras, ggf. Hafer) kann ein höherer Düngebedarf angenommen werden. Nach Anrechnung von 10% der organischen N-Zufuhr des Vorjahres (z.B. 170 kg N/ha) verbleiben noch 43 kg N-Düngebedarf (60 kg abzgl. 17 kg) zum ersten Aufwuchs. Bei nur 50 % Anrechnung aus Gülle im ersten Aufwuchs entspricht eine Gesamtgabe etwa 90 kg N/ha aus Rindergülle (45 kg Nwirksam) daher dem Düngebedarf in Neuansaaten.

Auf die mineralische Ergänzungsdüngung kann und sollte im Falle einer Grünlanderneuerung dann verzichtet werden.

N-Ergänzungsdüngung

Intakte Grünlandnarben mit wesentlich höherem Stickstoffbedarf können bei einer aus Gründen der Narbenverträglichkeit (Ätzschäden, etc.) max. Güllegabe von 25 m3 je Hektar deutlich höhere N-Gaben zum ersten Aufwuchs erhalten. Unter sehr günstigen Bedingungen (niedrige Lufttemperatur, Niederschläge, bodennahe Ausbringung und wüchsige Grasnarbe) kann eine 75 % N-Wirksamkeit aus Gülle während der gesamten Jahresvegetation erreicht werden. Die mineralische Ergänzungsdüngung zum ersten und zweiten Schnitt sollte sich immer an der aktuell mit 50 % kalkulierbaren Wirkung des organischen Wirtschaftsdüngers orientieren, da dies dem sofort verfügbaren NH4-Anteil in der Gülle entspricht. Die verbleibende Nachwirkung von 20-25 % des Gesamtstickstoffs sollte in den Folgeaufwüchsen mit einkalkuliert werden. So können die Vorgaben, besonders hinsichtlich der Nährstoffsalden besser eingehalten werden, ohne auf Ertragspotenzial in den wichtigen ersten Schnitten im Mai und Juni zu verzichten.

Als geeignete N-Düngeformen für die mineralische Stickstoffergänzungsdüngung auf Moorstandorten sind im ersten Aufwuchs schnell verfügbare Stickstoffformen zu bevorzugen.

N-Bedarf nicht pauschal

Die Tabellen 3 bis 5 zeigen Beispiele für die empfohlene Aufteilung der N-Düngung in weitgehend gut erhaltenem Grünland. Die empfohlene Aufteilung berücksichtigt, dass mit abnehmender Wachstumskraft der Vegetation und zunehmender Mineralisationsrate der organischen Bodenanteile (Humus, Torf) die Düngergaben im Jahresverlauf reduziert werden sollten. Weitere notwendige Zu- und Abschläge der N-Zufuhr sind auf Mineralstandorten in Abhängigkeit der Humusgehalte sowie vom mittleren Anteil der Stickstoff bindenden Leguminosen im Bestand, aber auch bei abweichenden Erträgen und Rohproteingehalten zu berücksichtigen (vgl. Vorgaben der Düngeverordnung).

Im sehr stark geschädigten Grünland erbringen die Bestände ggf. nicht genügend Ertrag zum ersten Aufwuchs, so dass auch Abstriche für die nach Tabellenwerten (vgl. Tabellen 3. bis 5.) vorgesehenen Stickstoffgaben anzuraten sind. Zunächst sollte man die Bestände nach dem Schadensausmaß beurteilen und die Düngeplanung an den konkret notwendigen Pflege- und Reparaturmaßnahmen ausrichten. Dabei kann man folgende Ansprache der Grünlandbestände nutzen, um den N-Bedarf nach Tabellenwerten abzuleiten.

Kategorie I: geringe bis mittlere Mängel ohne Reparaturbedarf, Pflegeaufwand erforderlich.

Diese Grünlandbestände sind durch einen hohen Gräseranteil und mittlere bis dichte Narben gekennzeichnet. Diese Bestände konnten sich während der Wintermonate erholen und sind, sofern sich keine Feldmauspopulation etabliert, in der Lage hohe Erträge zu erbringen.

Düngeempfehlung Kategorie I: hier sollte aufgrund der geringen Schädigung mit den Tabellenwerten für organische und mineralische Stickstoffdüngung gedüngt werden, um hohe Futtererträge zu ermöglichen.

Kategorie II starke Mängel im Bestand, hoher Reparaturbedarf durch Nachsaaten.

Grünlandbestände der Kategorie II weisen größere Lücken im Bestand auf, sind ggf. stark verkrautet und haben keine oder nur nesterweise Mäuseschäden. Die Bestände der Kategorie II lassen sich im Verlauf der nächsten Monate durch intensive Pflegemaßnahmen, ggf. Pflanzenschutz (Herbizide, Biozide) und Nachsaaten in einen günstigen Grünlandbestand nach Kategorie I überführen. Feldmausnester müssen ggf. gezielt mit der Legeflinte angegangen und bekämpft werden.

Düngeempfehlung Kategorie II: die organische Düngung sollte zeitnah wie vorgesehen erfolgen. Eine mineralische N-Ergänzung kann im ersten Aufwuchs um 50% reduziert werden. Alle weiteren Aufwüchse sollten wie vorgesehen Stickstoff erhalten, sofern die Grasnarben sich bei ausreichender Bodenfeuchte erholen.

Kategoreie III: starke Mängel, Renovierung, Bodenbearbeitung, Ansaat erforderlich.

Die Kategorie III beschreibt Grünlandbestände mit Erneuerungsbedarf. Da es sich hierbei in der Regel um starken Feldmausbesatz handelt, sind die Flächen nach Empfehlung der Landwirtschaftskammer nur durch einen intensiven Eingriff mit ggf. mehrfacher Bodenbearbeitung über ein längeres Zeitfenster wieder zu erneuern. 

Düngeempfehlung Kategorie III: Die organische Düngung zum ersten Aufwuchs sollte erst zur Ansaat und nach den intensiven, ggf. mit wendender Bodenbearbeitung durchzuführenden, Vorbereitungen flach eingearbeitet werden. Auf eine mineralische Ergänzungsdüngung zum ersten Aufwuchs kann zunächst verzichtet werden!

Grunddüngung

Hohe Futtererträge und gute Futterqualitäten setzen eine ausreichende Versorgung mit den Grundnährstoffen Phosphor (P2O5), Kalium (K2O), Magnesium (Mg), Calcium (CaO) und Schwefel (S) voraus. Zudem ist auf die Versorgung mit Spuren­elementen zu achten. Bei reduzierter N-Düngung kann eine gezielte Grundnährstoffversorgung umso wichtiger werden. Die Gehalte der Wirtschaftsdünger sind dabei in voller Höhe anzurechnen. Kalium kann im Grünland neben Stickstoff das entscheidende Element für die Ertragsbildung der Gräser sein.

Wirtschaftsdünger kann genügen

Die Dürrejahre 2018/2019 in Verbindung mit geringen Niederschlägen und Sickerwasser lassen für 2020 erwarten, dass für Kalium, Magnesium und Phosphor noch ein guter Vorrat besteht. Mit 170 kg N aus der Rindergülle werden bereits etwa 85 kg P2O5 und 200 kg K2O gedüngt. Je nach Versorgungsstufe und Kaliumdüngeempfehlung für das Vegetationsjahr ist eine rein organische Grunddüngung in Erwägung zu ziehen.

Nach den aktualisierten Richtwertdeckungsbeiträgen der Landwirtschaftskammer Niedersachsen wurde 2019 in vier Aufwüchsen ein Minderertrag von 25 dt (Moor) bis 30 dt (Marsch) Trockenmasse kalkuliert, bei drei Schnitten anstelle von vier wurde ein Minderertrag von bis zu 38 dt TM/ha kalkuliert. Im Vergleich zum eingeplanten Düngebedarf wurden mit  praktisch 27 kg P2O5 (0,71 kg/dt TM) und 110 kg K2O (2,89 kg/dt TM) weniger entzogen als theoretisch eingeplant (vgl. Tabelle 2).

Die Entzugswerte bei intensiver Schnittnutzung betragen unter Berücksichtigung dieser potenziellen Nährstoffreserven lediglich 40 kg P2O5 und 170 kg K2O, so dass die mit der organischen Düngung von 170 kg N/ha aus Wirtschaftsdünger Rindergülle zugeführten Grundnährstoffe in der Regel ausreichen werden.

 


Kontakt:
Gerd Lange
Berater Grünland und Naturschutzprogramme
Telefon: 04271 945-224
Telefax: 04271 945-222
E-Mail:
Meike Backes
Leiterin Fachbereich Grünland und Futterbau
Telefon: 0511 3665-4453
Telefax: 0511 3665-4508
E-Mail:


Stand: 27.02.2020



PDF: 33405 - 482.150390625 KB   Düngung Tabellen1-2   - 482 KB  
PDF: 33406 - 751.475585938 KB   Düngung Tabellen3-5   - 751 KB