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Futter für das Frühjahr

Aufgrund der knappen Futterreserven gilt es in diesem Jahr, schnell und nachhaltig Grundfutter zu produzieren. Aus diesem Blickwinkel werden in diesem Beitrag mögliche Optionen zur Futterproduktion dargestellt.  

 

Nach den massiven Mäuse- und auch Tipulaschäden wird die Grasernte des ersten Aufwuchses auf dem Grünland sehr spärlich, wenn nicht sogar gänzlich, ausfallen. 
Vor dem Hintergrund müssen sich die Bemühungen der Futterproduktion auf den Acker konzentrieren. Grünlandbetriebe raten wir dringlich zu Anbauverträgen oder Futterabnahmevereinbarungen mit Ackerbau- und Gemischtbetrieben. Im Rahmen der Grundfutterbörse sind diese Modelle nicht neu und es sollte auch in 2020 eine Wiederbelebung erfolgen. 

Winterzwischenfrüchte nutzen
Einiges an Futter wächst bereits auf dem Acker. Dazu gehören das Welsche Weidelgras, Grasuntersaaten und Grünroggen. Alle drei Futterarten sind Winterzwischenfrüchte, die im Winter 2019/2020 keinen Wachstumsstop unterlagen und eine frühzeitige Ernte versprechen. 
Manche Grasuntersaat im Mais wurde in 2019 bevorzugt zum Zweck des Erosions- und Grundwasserschutzes angebaut. Das Gras hat sich bedingt durch die milde Witterung gleichfalls üppig entwickelt, so dass eine Futternutzung zusätzlich in Betracht kommt. Hier und da sollte auf einigen dieser Flächen alsbald ein Walzen erfolgen, um die Maisstoppel zu zerstören, bevor das Gras zu lang ist. 

Gräser, Grünhafer und Kleegras
Das Einjährige Weidelgras ist ein klassisches Ackergras für die Frühjahressaat. Unter guten Wuchsbedingungen erlangt das Einjährige Weidelgras nach etwa 30 Tagen die Weidereife und ein erster Schnitt kann bereits nach etwa 45 Tagen möglich sein. Zu ertragreichen Sorten für den Hauptfruchtanbau gehören gemäß der Beschreibenden Sortenliste des Bundessortenamtes 19 Sorten, von denen die Sorten Volubyl, Melworld, und Meljump (t) als besonders ertragsstark aufgeführt sind. 
Bei den knappen Saatgutbeständen ist es allerdings fraglich, ob sowohl von den leistungsfähigen Sorten als auch von der Grasart selbst ausreichend Saatgut zur Verfügung steht. Achten Sie deshalb vor allem darauf, dass die Sorten in Deutschland zugelassen sind. 
Neben dem Einjährigen Weidelgras kommt zum Anbau für das Frühjahr auch die Ackergrasmischung A2 in Betracht. 
Wie der Tabelle 1 zu entnehmen ist, setzt sich diese Mischung aus zwei Grasarten zusammen: dem Welschem und dem Einjährigen Weidelgras. Im Hinblick auf den Futterwert ergänzen sich beide Grasarten sehr gut, denn das Welsche Weidelgras bleibt als Obergras bei Frühjahrsaussaat ein blatt- und energiereiches Untergras, während das Einjährige Weidelgras durch die Schoss- und Ährenbildung die für Wiederkäuer wichtige Struktur liefert. Die nicht winterfeste Ackergrasmischung A2 ist vorzugsweise zur Schnittnutzung mit 3 bis 4 Schnitten vorgesehen.

Bei Rückbesinnung auf altes Fachwissen ist auch der Grünhafer als ein schneller Futterlieferant einzuordnen. Er eignet sich neben der Sommergerste sehr gut als Deckfrucht für die Etablierung von Feinsämereien, wie den mehrjährigen Kleegras- (Tabelle 2)und Ackergrasmischungen(Tabelle 1) aber auch Reinsaaten von Rotklee oder Luzerne. Nach der Saatbettbereitung wird zunächst der Hafer bei einer Saattiefe von 2 – 3 cm und einer Saatstärke von etwa 40 bis maximal 60 kg/ha ausgebracht. Mit einem zweiten Drillgang erfolgt im Anschluss die flache Drillsaat der Feinsämereien. Letztere könnten auch mit der Striegelsaattechnik eingebracht werden. 
Die Feinsämereien profitieren von der schnell wachsenden Deckfrucht in mehrfacher Hinsicht. Mit der sogenannten Ammenkultur wird ein spezielles Mikroklima geschaffen. Das Blätterdach der Deckfrucht schützt den Boden vor Austrocknung und einer zu starken Sonneneinstrahlung. Das kommt zugleich den sich langsam entwickelnden Gräsern und Leguminosen zu Gute. Zudem trägt die Deckfrucht zum Erosionsschutz bei und sie unterdrückt ein zu starkes Aufkommen von Unkräutern. 
Der Hafer hat ein vergleichbar schnelles Wuchsverhalten wie das Einjährige Weidelgras. Bereits nach 5 bis 7 Wochen kann er im vegetativen Stadium und spätestens vor dem Rispenschieben geerntet und siliert werden. In diesem jungen Stadium sind die Pflanzen noch vital und das Risiko von Mehltau- oder Rostbefall gering. Zudem zeichnet sich das jung geerntete Futter durch einen guten Nährstoff- und Energiewert aus. 
Die Fläche wird somit effizient genutzt, denn nach der frühen Räumung der Deckfrucht kann sich die Kleegras- bzw. Grasmischung ungestört weiterentwickeln.

Getreideganzpflanzen
Prinzipiell kann auch bereits jetzt darüber nachgedacht werden, Getreidebestände bevorzugt als Getreideganzpflanzen zu silieren. Damit wird gleichfalls frühzeitig Futter geborgen, was notwendig ist, um die Wintervorräte wieder aufzufüllen. Zudem räumt auch diese Frucht frühzeitig und im Anschluss bieten sich weitere Möglichkeiten für den Anbau einer Zwischen- oder Zweitfrucht an. In einem späteren Beitrag wird ausführlicher zu den Getreideganzpflanzen noch berichtet.

Fazit
Aufgrund des großen Futtermangels und der stark geschädigten Grünlandflächen sollte in 2020 die Futterproduktion auf dem Acker ausgeweitet werden. 
Unter Deckfrüchten wie Hafer können sich Acker- oder Kleegrasmischungen etablieren. Nach früher Futterernte der Deckfrucht kann sich im Anschluss die Untersaat weiter entwickeln. Ein altbewährtes und effizientes System für die Futternutzung rückt damit wieder in den Fokus.
Winterzwischenfrüchte wie das Welsche Weidelgras, Grünroggen und Grasuntersaaten haben sich aktuell gut entwickelt und lassen eine frühzeitige Ernte erwarten.
Getreideganzpflanzen sind vielseitig in der Fütterung einsetzbar. Sie räumen die Fläche auf dem Acker frühzeitig und erlauben im Anschluss den Anbau einer Zwischen- oder Zweitfrucht.
Es gilt, die Grundfutterbörse wieder zu beleben. Anbaukontrakte zwischen Gemischt- und Grünlandbetrieben können hilfreich sein, um den Futterengpass zu entspannen.


 „Was vor der Saat für die Entwicklung guter Bestände zu beachten ist“
•    Ackergras gedeiht auf allen ackerfähigen Standorten
•    gute Wasserversorgung ist von Vorteil für sichere Ertragsleistungen im Vegetationsverlauf
•    ungeeignet sind Moorflächen und zur Vernässung neigende Böden
•    bei der Auswahl der Mischung auf die im nordwestdeutschen Raum empfohlenen Sorten oder gezielt auf das rote bzw. magentafarbene Kontrollsiegel zur Freiwilligen Mischungskontrolle achten
•    ein gut abgesetztes, feinkrümeliges Saatbett herrichten 
•    die Feinsämereien nur flach ablegen
•    mit einem Walzgang nach der Saat für den kapillaren Anschluss sorgen


 


Kontakt:
Dr. Christine Kalzendorf
Beraterin Grünland, mehrj. Ackerfutterbau und Futterkonservierung
Telefon: 0441 801-428
Telefax: 0441 801-432
E-Mail:
Meike Backes
Leiterin Fachbereich Grünland und Futterbau
Telefon: 0511 3665-4453
Telefax: 0511 3665-4508
E-Mail:


Stand: 19.03.2020