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Silagewettbewerb 2019 – Rückschau auf die Qualität

Mit einem zweiten Dürrejahr in Folge war die Silageproduktion, insbesondere die Grassilagebereitung wiederum erschwerten Bedingungen ausgesetzt. Im Verlauf des Vegetationsjahres setzten die Mäuseschäden dem Grünland zu. Welche Qualitäten in 2019 erzielt wurden, lesen Sie im Interview des landwirtschaftliches Wochenblattes „Land und Forst“ mit Frau Dr. Kalzendorf.

 

Land und Forst: Das Grünland war im Erntejahr 2019 sowohl von der erneuten Trockenheit als auch von den zunehmenden Mäuseschäden betroffen. Wie wirkte sich das auf die Qualität der Grassilagen im Rahmen des Silagewettbewerbes aus?

Hierzu muss man zwischen den jeweiligen Grasaufwüchsen unterscheiden.

Nach der Dürre in 2018 und dem damit verbundenen Futtermangel wurde der erste Grasaufwuchs in 2019 dringend benötigt. Vor dem Hintergrund erfolgte der Schnitt dieses Frühjahresaufwuchses in aller Regel sehr frühzeitig. Das belegen auch die Ergebnisse des Grassilagewettbewerbes. Etwa 82 % der Grassilagen wiesen Rohfasergehalte unterhalb von 24,5 % in der TM auf. Somit wurde das optimale Schnittzeitfenster auf sehr vielen Grünlandflächen bestens eingehalten, was sich natürlich positiv auf die Futterqualität auswirkte. Noch nie war der Anteil an Grassilagen des ersten Aufwuchses mit Energiegehalten über 6,4 MJ NEL/kg TM so hoch wie in 2019. Das Gras zeichnete sich darüber hinaus durch entsprechende hohe Rohproteingehalte, eine gute Verdaulichkeit und sehr gute Gärqualitäten aus. Wie sich die Futterqualität des 1. Schnitts im Vergleich zu den Jahren zuvor darstellt, geht aus Abbildung 1 hervor.

Ganz anders war die Situation dann bereits bei den nachfolgenden Aufwüchsen. Bereits für den zweiten Grasaufwuchs wurde der Einfluss der Trockenheit deutlich, was mit einem geringeren Blattanteil und einem raschen Übergang der Gräser in die generative Phase verbunden war. In der Folge lag der Anteil an Grassilagen mit erhöhten bis hohen Rohfasergehalten (über 24,5 % XF) bereits bei 88 Prozent. Vergleichbar war die Situation für alle weiteren Aufwüchse. Geringe Energiegehalte und nur mäßige Verdaulichkeiten waren für die Grassilagen ab dem zweiten Aufwuchs charakteristisch. Lediglich die Rohproteingehalte erreichten ein auffällig hohes Niveau. Dieses Phänomen war bereits im Dürrejahr 2018 zu beobachten und wiederholte sich in 2019. Es kam offenbar zu einer Anreicherung des Rohproteins aufgrund einer insgesamt zu geringen Massebildung.

Jede vierte Silage war zu hoch angewelkt und wies Trockenmassegehalte oberhalb von 45 % auf. Das klingt zunächst viel. Doch war der Anteil in den Jahren zuvor deutlich höher. Demzufolge wurde auf eine entsprechende Schlagkraft bei der Ernte viel Wert gelegt. Ein zu hohes Anwelken wurde somit trotz der überdurchschnittlich warmen Temperaturen in der Vegetationsperiode recht gut vermieden.

Prinzipiell gab es auch kaum Probleme mit Fehlgärungen der Grassilagen. Bei allen Aufwüchsen lag der Anteil an buttersäurefreien Grassilagen über 80 Prozent. Das dürfte insbesondere die Käsereien der Region sehr erfreuen, denn es ist eine gute Basis mit Clostridien-sporenarmer Rohmilch gute Käsequalitäten zu erreichen.

Land und Forst: Wie bewerten Sie die Futterqualitäten beim Mais?

In erster Linie fiel bei der Auswertung der Maissilagequalitäten eine sehr große Streuung auf. Das betraf insbesondere den Stärkegehalt mit einer Spannweite von 12 bis 41 %. Die Kolbenausbildung und Kolbenfüllung war demzufolge je nach Standort und Region sehr unterschiedlich.  Vor dem Hintergrund gab es Maissilagen mit sehr guten, aber auch mit sehr mäßigen Qualitäten. Die regionale Zuordnung lässt sich bei den Befunden nur bedingt zuordnen, da ein großer Teil der Proben durch Kraftfutter- und Saatgutfirmen, sowie über Siliermittelhersteller eingesandt wurde. Die lange Trockenheit in 2019 beeinträchtigte die Futterqualität der Maissilagen offensichtlich besonders in der südöstlichen Region von Niedersachsen. Hier waren in den vergangenen Jahren oft sehr gute Maissilagen im Rahmen des Silagewettbewerbes geehrt wurden. Diese Region fehlte in 2019 vollkommen bei den Bestplatzierten. Günstige Witterungs- und Wuchsbedingungen waren eher für das nordwestliche und nordöstliche Niedersachsen zu verzeichnen.

Es bleibt zu hoffen, dass in 2020 wieder Silomais mit Stärkegehalten weit über 30 %   

eingefahren wird. Die beiden zurückliegenden Jahre fielen in Bezug auf die Stärkekonzentration im Allgemeinen unterdurchschnittlich aus, was auch aus Abbildung 2 hervorgeht.

Land und Forst: Hatte das Jahr 2019 besondere Auswirkungen auf den Silagewettbewerb? 

Das Besondere in 2019 war ein sehr enges und hohes Punkteniveau, vor allem für die Grassilagen des Frühjahresaufwuchses. Die Unterschiede in den Qualitäten der Erst-, Zweit- und Drittplatzierten waren minimal. Es konnten letztendlich drei Betriebe mit 200 Punkten die maximale Punktzahl erreichen. Zudem gab es drei Zweitplatzierte mit 195 Punkten und vier Drittplatzierte mit 190 Punkten. So eng war das Feld der Siegersilagen noch nie. Es wirkt sich hier der frühe Grasschnitt ganz besonders aus.

Die besten Maissilagen kamen in 2019 vor allem aus dem nordöstlichen und nordwestlichen Teil von Niedersachsen. Die qualitativen Unterschiede von der Siegersilage mit 195 Punkten bis zu den vier Drittplatzierten mit 180 Punkten sind ebenfalls als gering  zu bewerten.

Eines sei an dieser Stelle noch erwähnt: Es ist erfreulich, dass die Teilnehmerzahl trotz der schwierigen Produktionsbedingungen nicht gesunken ist. Mehr Detailwissen zum eigenen Grundfutter zu bekommen, bringt viele Vorteile. Für die Futterrationsberechnung kann das Eiweiß- und Mineralfutter viel gezielter ausgewählt werden. Zudem kann der Untersuchungsbefund für die Gras- und Maissilagen

als innerbetriebliches Controlling betrachtet werden, um zu beurteilen, ob im Hinblick auf Pflanzenbau und Siliertechnik alles im Lot ist.

Land und Forst: Lassen sich prinzipielle Verbesserungen in der Futterqualität des Silagewettbewerbes erkennen?

Das ist eine schwierige Frage, da gerade in den letzten Jahren die Futterqualität durch verschiedene Witterungskapriolen beeinträchtigt wurde. Sturm und Nässe in 2017 sind fast in Vergessenheit geraten, da die zurückliegenden Dürrejahre von 2018 und 2019  mit ihrem Futtermangel aktuell sehr zu Buche schlagen.

Macht man die Antwort auf Ihre Frage anhand der Punktzahl für die Gras-und Maissilagen fest, die in den letzten Jahren beim Silagewettbewerb im Durchschnitt erreicht wurde, so zeichnet sich folgender Trend ab:

Die Futterqualität der Grassilagen des ersten und zweiten Schnitts konnte in der Tendenz verbessert werden.

Für die Folgeaufwüchse der Grassilagen aber auch für die Maissilagen ist das Bild nicht so klar. Hier schwanken die Futterqualitäten sehr und machen die Auswirkung der Witterung deutlich.

Land und Forst: Was empfehlen Sie den Landwirten aus Sicht der Silagebereitung für das Jahr 2020?

Dort, wo die Grünlandflächen nicht durch Mäuse geschädigt sind, sollten die Grünlandpflegemaßnahmen frühzeitig beginnen. Das zum einen, weil man wohl mit einem frühen Vegetationsbeginn rechnen kann und weil jede Aktivität auf den Flächen gleichzeitig Mäuse stört. Es besteht ja die Gefahr, dass die Mäusepopulation durch den milden Winter nicht zusammenbricht und sie auf die noch nicht geschädigten Flächen wandern. Zum anderen werden mit Striegeln, Schleppen und gegebenenfalls Walzen die Bestockung und das Wachstum angeregt. Wenn sich die klimatischen Bedingungen so fortsetzen, wie in den Jahren 2018 und 2019 empfiehlt sich ein früher Schnitt. So kann das Grundwasservorkommen auch noch für einen guten zweiten Ertragsschnitt ausreichend sein, bevor vielleicht wieder zu wenige Niederschläge fallen.

Für alle Grünlandflächen, die einen weitest gehenden Totalausfall durch Mäuseschäden zu verzeichnen haben, sollte nach Genehmigung des Grünlandumbruchs so schnell wie möglich mit einer Bodenbearbeitungsmaßnahme reagiert werden. Das setzt natürlich die Befahrbarkeit der Fläche voraus. Eine Bodenbearbeitungstiefe von etwa 20 – 25 cm ist anzustreben. Das Ziel ist hier zunächst, die Mäusenester zu zerstören und die Mäuse so gut wie möglich zu vertreiben. Eine unmittelbare Einebnung des Bodenhorizontes muss nicht sofort geplant werden. Durch Nässe und Frost kann der offene Boden die Mortalität der Mäuse beschleunigen. Die Saatbettbereitung macht erst Sinn, wenn die Mäuse weitestgehend vertrieben bzw. durch den Stress gemerzt sind. Die Herrichtung des Saatbettes sollte nicht erzwungen werden. Gute Bedingungen des Bodenzustandes sind abzuwarten, um die Feinsämereien in ein gut abgesetztes Saatbett flach zu drillen.

Bei dem ersten Schnitt dieser Neuansaaten ist auf eine Schnitthöhe oberhalb von 7 cm zu achten, denn die Narbe ist noch offen und es besteht das Risiko des Schmutzeintrages. Zudem ist ein rascher Wiederaustrieb gegeben, wenn nicht zu tief gemäht wird.

Wenn wir die Situation zum Silieren besser abschätzen können, werden wir natürlich über die Fachpresse detailliertere Empfehlungen geben können.


Kontakt:
Dr. Christine Kalzendorf
Beraterin Grünland, mehrj. Ackerfutterbau und Futterkonservierung
Telefon: 0441 801-428
Telefax: 0441 801-432
E-Mail:
Meike Backes
Leiterin Fachbereich Grünland und Futterbau
Telefon: 0511 3665-4453
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Stand: 14.04.2020