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Grassilage - verlustarm vom Halm ins Silo

Zahlreiche Betriebe sehen sich in diesem Frühjahr mit der Kombination aus knappen Futterreserven und durch Mäuse oder Tipulalarven geschädigten Grünlandnarben konfrontiert. Umso wichtiger ist es, die vorhandenen Aufwüchse bestmöglich im Silo zu konservieren.

Die Ausgangssituationen vieler Futterbaubetriebe sind in diesem Frühjahr nicht allzu rosig. Knappe Futterreserven und ggf. zusätzlicher Druck durch Mäusefraß oder Tipulalarven (Wiesenschnake) prägen das Bild. Umso wichtiger ist es, vermeidbaren Futterverlusten entgegenzuwirken.

Effektivität und Effizienz - das sind 2 ähnliche Begriffe, die doch Unterschiedliches bedeuten. Was aber haben sie mit Futtergewinnung zu tun? Effektivität meint, die richtigen Dinge zu tun. Welche Maßnahmen sind nötig, um Ertrag und Futterqualität in größtmöglichem Umfang zu erreichen? Effizienz meint, die Dinge richtig zu tun. Wie kann man Maßnahmen so optimieren, dass Ziele auf schnellstem Weg und bei geringstem Aufwand erreicht werden? Oft gibt es Synergieeffekte, mitunter stehen die Begriffe sich jedoch konfliktär gegenüber. Beispielsweise werden die letzten Dezitonnen Ertrag mit immer höherem Aufwand erzeugt, welcher oftmals in der Bewirtschaftung weiterer Betriebseinheiten besser investiert wäre. Zielkonflikte treten zutage, vor allem aber zeigt sich die Bedeutung einer klaren Strategie, an der sich das eigene Handeln ausrichten sollte. Ist Futterknappheit regional so ausgeprägt, dass Zukauf mangels Verfügbarkeit gar keine Option darstellt, verschieben sich Grenzkosten. In solchen Situationen sollte ein größeres Augenmerk auf die Effektivität gelegt werden - möglichst alle Maßnahmen zugunsten einer sicheren Futterernte ergreifen, im Zweifelsfall auch mit etwas höheren Aufwendungen.

Einige Grundlagen für gute Silagen werden langfristig, d. h. weit im Vorfeld der Ernte geschaffen. Milchsäurebakterien, welche es für die spätere Vergärung zu fördern gilt, sind auf Zucker als Ausgangsstoff angewiesen. Daher sollten zuckerreiche Gräserarten, allen voran Weidelgräser, als Hauptbestandesbildner in Grünlandnarben etabliert werden. Regelmäßige Nachsaaten in Kombination mit weiteren Pflegemaßnahmen, z. B. mittels moderner Grünlandstriegel, sind hierzu geeignet. Diese Maßnahmen sollten, ebenso wie die Düngung, in den vorangegangenen Wochen erfolgt sein. Einen besonderen Punkt stellen in diesem Jahr jedoch die teils sehr lückigen Narben durch Mäuse- und Tipulaschäden dar. Auch bei erfolgreich auflaufender Nachsaat etablieren sich deren Anteile mit Deutschen Weidelgras frühestens zu den Folgeaufwüchsen. Somit sind erhöhte, unvermeidbare Schmutzeinträge und geringere Anteile zuckerreicher Gräser zu erwarten. Solches Ausgangsmaterial kann von vornherein als mittelschwer vergärbar eingestuft werden.

Im fortschreitenden Vegetationsverlauf stellt sich die Frage nach dem idealen Schnittzeitpunkt. Als Indikator dient dazu bei Grasaufwüchsen die Rohfaser (XF). Durch den Prozess der Lignifizierung nimmt ihr Gehalt im Laufe der Abreife zu, während Rohprotein- und Energiegehalte rückläufig sind. Für den Zweck der Milchvieh- und Rinderfütterung hat sich der Zielkorridor zwischen 21 und 23 % XF in der Gesamttrockenmasse bewährt. Ein Zeichen für das Erreichen dieses Stadiums kann das Ährenschieben der Hauptbestandsbildner sein. Im Rahmen der Grünlandreifeprüfungen veröffentlicht die Landwirtschaftskammer Niedersachsen zudem wöchentlich aktuelle Ergebnisse von Referenzflächen in zahlreichen Regionen. Außerdem ist die individuelle Untersuchung einer eigenen Aufwuchsprobe im Labor ein guter Anhaltspunkt. Dies ist vor allem für die Rohrschwingelbestände zu empfehlen, welche im Allgemeinen sehr früh Rohfaser einlagern. Dominiert der Rohrschwingel im Bestand, sollte der Schnitt bereits bei dessen Rispenschwellen erfolgen, um niedrigen Futterwerten entgegenzuwirken.

Besonders niedrige Schnitthöhen sichern kaum mehr Ertrag, führen jedoch zu größeren Schmutzeinträgen und können den Wiederaustrieb der Gräser durch Abtrennen der Vegetationskegel verzögern. Die Schnitthöhe ist daher individuell dem Bestand anzupassen, hat sich bei weidelgrasbetontem Schnittgrünland jedoch rund um 7 bis 8 cm bewährt. Insbesondere auf Flächen mit starken Narbenschäden sollte keinesfalls tiefer gemäht werden. Abweichend können bei nennenswerten Luzerneanteilen Schnitthöhen von 10 cm und darüber ratsam sein. Hinsichtlich der Tageszeit für die Mahd gibt es unterschiedliche Philosophien. Ziel ist grundsätzlich, das Futter schnellstmöglich angewelkt und ins Silo transportiert zu bekommen, um die Veratmungsverluste des Pflanzenmaterials gering zu halten. Der Einsatz von Mähaufbereitern kann diesen Prozess beschleunigen. Außerdem werden unerwünschte Buttersäurebakterien dadurch von vornherein stärker gehemmt, welche empfindlich auf den Feuchteentzug reagieren. Idealerweise laufen die Erntearbeiten binnen 24 Stunden ab. Erscheint es wegen geringer Erträge und hochsommerlicher Witterung innerhalb eines Arbeitstages möglich, empfiehlt sich die Mahd am Vormittag. Die meist üppigen Erträge des 1. Schnitts und die Witterung im Mai lassen dies jedoch nur selten zu. In solchen Situationen ist tendenziell zur Mahd am Nachmittag zu raten, da durch den Photosyntheseprozess dann die höchsten Gehalte an Zuckerverbindungen vorliegen.

Das geschnittene Material sollte idealerweise innerhalb von 24 Stunden bis in einen Bereich zwischen 30 % und maximal 40 % TM angewelkt werden. Bei Zettern und Schwadern ist auf die Höhe der Zinkenführung zu achten, um Schmutzeinträge zu vermeiden. Beides sind keine Bodenbearbeitungsgeräte! Wichtig ist auch die Abstimmung der Ernte-Kette zur Einhaltung des Ziel-TM-Bereichs. Niedrigere TM-Gehalte erhöhen das Risiko einer ungewünschten Buttersäuregärung, insbesondere wenn das Pflanzenmaterial eher zuckerarm ist und es eine hohe Pufferkapazität aufweist. Zu hohe TM-Gehalte wiederum wirken der Verdichtbarkeit des Häckselmaterials entgegen. So können größere Mengen Restsauerstoff im Futterstapel verbleiben und später, nach Öffnen des Silos, kann neuer Sauerstoff schneller durch die Grobporen in die Silage einströmen. Beides wirkt sich negativ auf die aerobe Stabilität des Futters aus.

Die richtige Häcksellänge ist der Trockenmasse anzupassen und stellt stets einen Kompromiss zwischen den Anforderungen der Wiederkäuferfütterung und der Futterkonservierung dar. „So lang wie möglich für die Tiere, so kurz wie nötig für eine sichere Verdichtbarkeit“ – zwischen diesen beiden Anforderungen gilt es einen Mittelweg zu wählen, welcher sich in der Praxis meist zwischen 2 cm bei sehr trockenem und 5 cm bei feuchterem Ausgangsmaterial bewegt.

Um eine ausreichende Verdichtung zu gewährleisten, sind die Walzkapazitäten und die stündliche Siliergutanfuhr aufeinander abzustimmen. Eine Faustregel besagt, dass ein Viertel der stündlich angefahrenen Tonnage als Walzgewicht im Fahrsilo vorzuhalten ist. Nicht der Feldhäcksler, sondern die Walzschlepper geben das Tempo der Ernte vor! Zielwerte für die Dichtlagerung liegen oberhalb von 200 kg TM/m³. Hohe Reifendrücke von über 2 bar verringern die Aufstandsfläche und führen somit zu einer besseren Tiefenwirkung der Verdichtungsarbeit. Zwillingsbereifungen steigern an kritischen Schrägungen die Standsicherheit der Walzschlepper, vermindern jedoch die Verdichtungsintensität. Einseitige Zwillingsbereifungen können einen guten Kompromiss darstellen. Wichtig ist auch, dass nur dünne Schichten neuen Materials aufgetragen werden. Diese sollten niemals dicker als 25 cm (lose aufgeschüttet) ausfallen. Die Einflussmöglichkeiten hierauf werden natürlich maßgeblich durch die Silogeometrie mitbestimmt. Im Sinne eines hohen Vorschubs an der späteren Anschnittfläche sollte die Grundfläche tendenziell lang und dafür schmal zugeschnitten sein. Als Vorschub werden 2,5 m je Woche im Sommer und 1,5 m bei winterlichen Bedingungen empfohlen.

Nach Beendigung der Erntearbeiten ist das Silo schnellstmöglich gasdicht mit geeigneten Folien abzuschließen. Eine verlässliche Orientierung hinsichtlich der Folienqualität gibt das DLG-Prüfsiegel für Silofolien und -netze. Bis in die Nacht andauernde Erntearbeiten führen oft dazu, dass die Verschlussarbeiten erst am Vormittag des nächsten Tages erfolgen. Dies ist mit Blick auf die Arbeitsbelastung nachvollziehbar, sollte jedoch, wenn nur irgend möglich durch eine angepasste Planung vermieden werden. Zum einen kann eine effiziente Ansäuerung durch Milchsäurebakterien erst gelingen, wenn kein Sauerstoff mehr im Silostock vorhanden ist. Zum anderen können sauerstoffliebende Hefen und Pilze diese Phase zu ihrer massiven Vermehrung nutzen. Sollte es auch nicht direkt zu Nacherwärmungen führen, wirken sich die erhöhten Besatzstärken mit Schaderregern negativ auf die aerobe Stabilität des Futters über die gesamte Nutzungsdauer des Silos aus. Insbesondere bei ausgeprägter Futterknappheit sollten solche vermeidbaren Konservierungsrisiken so weit wie möglich ausgeschlossen werden. Dies kann auch den prophylaktischen Einsatz von Siliermitteln, z. B. heterofermentativer Milchsäurebakterien, bei vermeintlich unproblematischem Ausgangsmaterial einschließen. Die Verschlusszeit des Silos sollte mindestens 6 bis 8 Wochen betragen, damit die Siliervorgänge sicher abgeschlossen werden können. Wegen zur Neige gehender Reserven wird sich eine solche Wartezeit auf vielen Betrieben nicht darstellen lassen. In diesen Fällen ist zur Anlage eines kleineren, zusätzlichen Übergangssilos zur raten, um dem Großteil der Futtermenge die erforderliche Silierdauer zu ermöglichen.


Kontakt:
Karsten Bommelmann
Telefon: 04271 945 200
E-Mail:
Meike Backes
Leiterin Fachbereich Grünland und Futterbau
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Stand: 21.04.2020