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Wickelballensilage - Vorteile erkennen und nutzen

Wickelballensilage bietet bei guten Welkbedingungen ein Konservierungsverfahren mit großen Vorteilen hinsichtlich der Flexibilität in der Handhabung des Futters. Probleme mit zu geringem Vorschub an Anschittflächen entfallen durch die Portionierung. Zudem besteht Konformität mit den Anforderungen der Verordnung zum Umgang mit wassergefährdenden Stoffen (AwSV).

Zu den ertragreichen 1. und 2. Schnitten vom Dauergrünland wird das Wickelballenverfahren vergleichsweise wenig eingesetzt. Ein wesentlicher Grund dafür ist die ungleich höhere Schlagkraft von Feldhäckslern bei gleichzeitig kurzen Erntefenstern. Zu späteren Folgeaufwüchsen kommen jedoch einige Vorteile dieses Konservierungsverfahren zum Tragen. Außerdem gewinnen Wickelballensilagen vor dem Hintergrund ihrer Lagerfähigkeit bzw. der Verordnung zum Umgang mit wassergefährdenden Stoffen (AwSV) an Bedeutung. Worauf bei ihrer Herstellung zu achten ist, wird Ihnen in den nachfolgenden Hinweisen erläutert.
Grundfutter in hoher Qualität ist das Ziel eines jeden Futterwerbungsprozesses. Strategien dazu können unterschiedlich sein und auch nicht jedes Konservierungsverfahren eignet sich für alle Ausgangsmaterialen.  Die Wickelballensilierung ist ein Verfahren im mittleren Trockenmassesegment zwischen klassischer Silierung im Flachsilo und der Heuwerbung. Ideale Zieltrockenmassen zum Zeitpunkt der Ernte bewegen sich hier zwischen 40 und 55 %. Bereits aus dieser Erkenntnis leitet sich ab, dass es sich nicht um ein Verfahren, analog zur klassischen Silierung, nur in kleineren Portionen, handelt. Die chemischen Vorgänge im Futter lassen sich deutlich voneinander abgrenzen und erfordern daher in einigen Punkten eine besondere Handhabung.
Grundsätzlich basiert die Haltbarmachung von Grundfutter auf drei verschiedenen Konservierungsprinzipien:
•    pH-Absenkung durch Milchsäurebildung
•    Hemmung von Schaderregern durch Gärgase
•    Feuchtigkeitsentzug
Die Silierung im Fahrsilo findet üblicherweise mit Trockenmassen zwischen 30 und 40 % statt und beruht vorwiegend auf dem Prinzip der Ansäuerung durch Milchsäurebakterien. Wie auch viele andere Bakterien, reagieren Milchsäurebildner gehemmt auf trockene Umgebungsbedingungen. Daher sind für diese Form der Konservierung TM-Gehalte von unter 40 % erforderlich. Anders verhält es sich bei der Heuwerbung. Diese beruht auf dem Prinzip des weitestgehend vollständigen Wasserentzugs. Da die meisten Schaderreger auf Wasser als Medium für ihre Aktivität und Vermehrung angewiesen sind, wird ihnen somit die Lebensgrundlage entzogen. Das Futter wird auf lange Zeit lagerstabil, sofern eine fachgerechte Lagerung gegeben ist und eine Wiederbefeuchtung ausgeschlossen werden kann.


Die Wickelballensilage stellt gewissermaßen den Mittelweg der zuvor genannten Verfahren dar. Die Folge ist, dass weder der Beitrag der Ansäuerung, noch jener der Trocknung für sich alleine ausreichend wären, um das Futter sicher konservieren zu können. Zwar genügen TM Gehalte oberhalb von 40 % allgemein, um Buttersäuregärungen relativ sicher vorbeugen zu können. Diese unerwünschten Bakterien, auch Clostridien genannt, reagieren sehr empfindlich auf den Entzug von Feuchtigkeit. Pilzliche Schaderreger hingen können bis in weit höhere TM-Bereiche aktiv bleiben und sich vermehren. Um dies zu verhindern, spielt die inhibierende, sprich die hemmende Wirkung von entstehenden Gärgasen die wichtigste Rolle. Bei der Veratmung von Restsauerstoff und anderen Gärprozessen wird Kohlendioxid (CO2) frei, welches im Folienmantel eingeschlossen wird.  Dieses wirkt hemmend auf Hefen und Schimmelpilze. Da das Gärgas von großer Bedeutung für Futterkonservierung ist, gilt es möglichst alle Maßnahmen rund um die Ernte darauf auszurichten, den Einschluss und Erhalt des Kohlendioxids im Ballen sicherzustellen.
Dies beginnt bereits mit dem Einhalten des benannten TM-Korridors. Für Rundballen sind Werte zwischen 40 und 50 % TM anzustreben, bei Quaderballen reicht der Idealbereich bis hin zu 55 % TM. Mit höheren TM-Gehalten nimmt jedoch die Dichtlagerung im Ballen ab, im Umkehrschluss nehmen der verbleibende Restsauerstoff und die Grobporen zu. Ziel ist die Herstellung formstabiler Ballen mit hoher Lagerungsdichte. Bei Rundballen sind Werte oberhalb von 150 kg TM je m³ anzustreben. Bei Quaderballen sind Werte von bis zu 220 kg TM/m³ möglich. Die Lagerungsdichte steht in einem engen Zusammenhang mit der Länge und Beschaffenheit des Ausgangsmaterials. Der Einsatz von Messern ermöglicht dieses zu zerkleinern und dadurch 6 bis 12 % höhere Lagerungsdichten zu realisieren. Diese Maßnahme erleichtert nicht nur das spätere Auflösen der Ballen. Durch die höheren Erntemengen je Ballen und der daraus resultierenden Kostendegression wird der Preisaufschlag für den Messereinsatz in der Regel kompensiert. Bei sehr großer Steigerung der Lagerungsdichte kann sogar eine kleine Ersparnis je Tonne Futter erzielt werden.
Der Landmaschinenmarkt bietet vielseitige Lösungen zur Erzeugung von Wickelballen. Seitens der Rundballen ist hier zwischen Festkammer- und Variokammerpressen zu unterscheiden. Bei den kostengünstigeren Festkammerpressen lässt sich der Ballendurchmesser nicht variieren. Die Verdichtungsarbeit erfolgt erst mit Abschluss der Presskammerfüllung, so dass ein relativ weicher Kern, dafür aber eine sehr harte Außenschale charakteristisch für diesen Ballentyp ist. Bei den technisch aufwändigeren und teureren Variokammerpressen lassen sich die Ballendurchmesser flexibel gestalten. Die Verdichtungsarbeit erfolgt bereits während der Kammerfüllung, mit dem Ergebnis einer relativ gleichmäßigen Lagerungsdichte im gesamten Ballen. Einen technischen Kompromiss stellen sogenannte semivariable Festkammerpressen dar. Hierbei handelt es sich vom Funktionsprinzip her um Festkammerpressen, bei denen das Zielvolumen der Presskammer in einem gewissen Umfang verstellt werden kann.

Auf das Pressen folgt das Einstretchen der Wickelballen. Wichtig ist, dass dies zum einen zeitnah und zum anderen mit hochwertigen Folien geschieht. Wesentliche Eigenschaften sind die Gasdurlässigkeit, welche möglichst gering sein sollte, sowie die UV-Beständigkeit zugunsten einer höheren Lagerdauer. Die Deutsche Landwirtschafts-Gesellschaft (DLG) führt ein Prüfsiegel für Silofolien und Netze. Dieses unterstützt Landwirte darin, sich bei der Vielzahl von Produkten am Markt zu orientieren und Stretchfolien von hoher Qualität zu erkennen. Auch die Farbpalette vermag heutzutage fast jeden noch so außergewöhnlichen Wunsch zu bedienen. Dabei geht es jedoch nicht nur um Geschmacksfragen. Helle Farben neigen bei Sonneneinstrahlung weniger zur Erwärmung. Ihre Ausdehnung, welche meist mit einer Steigerung der Gasdurchlässigkeit einhergeht, ist im Vergleich zu dunkleren Farbtönen geringer. 
Das Einwickeln kann mit Press-Wickelkombinationen in einem Arbeitsgang erfolgen oder mit separaten Maschinen im abgesetzten Verfahren. Keines der beiden Verfahren kann als das zweifelsfrei bessere benannt werden. Beim direkten Einstretchen wird das Gärgas von Beginn an im Ballen eingeschlossen, was der Konservierung zugutekommt. Jedoch besteht das Risiko von Folienbeschädigungen bei den Verladearbeiten und dem Transport zur Endlagerstätte. Dies ist beim abgesetzten Verfahren nicht der Fall, sofern dabei die Ballen vor dem Einwickeln dorthin überführt werden. Jedoch sollte auch hier das Einwickeln innerhalb von maximal 2 Stunden nach dem Pressvorgang erfolgen. Als nötiges Minimum sind 6 Folienlagen bei 50 % iger Überlappung anzusehen. Ausgangsmaterial mit harten und robusten Stängeln, wie es z. B. bei späten Schnitten oder Extensivgrünland vermehrt der Fall ist, birgt eine größere Gefahr den Folienmantel zu durchstechen. In solchen Fällen sind 2 zusätzliche Folienlagen und damit eine 8-fache Umwickelung anzuraten. Jedoch darf auch bei vermeintlich unproblematischem Material eine 8-fach-Wickelungen in Betracht gezogen werden, da sich der merklich robustere Mantel deutlich unempfindlicher gegen Beschädigungen aller Art erweist. Zwar schlagen diese zusätzlichen Wicklungen mit Kosten von 1 bis 2 € je Ballen zu Buche, sind verglichen mit dem Totalverlust eines Ballens infolge vermeidbarer Beschädigungen jedoch gut investiertes Geld.

Das Wissen um die schützende Wirkung des Gärgases legt einen schonenden Umgang mit dem Ballen nach dem Pressvorgang nahe. Mechanische Einwirkung, z. B. durch das Greifen mit einer Siloballenzange, kann bereits gebildetes Gas wieder aus der Konserve herauspressen. Deshalb ist von Praktiken, Ballen erst einige Tage nach der Ernte zur Lagerstätte zu überführen, dringlichst abzuraten! Aus dem gleichen Grund sind die Ballen nach dem Erreichen ihres endgültigen Bestimmungsortes penibel auf mögliche Schäden durch Transportarbeiten oder auch durch Vögel zu kontrollieren. Aus jedem noch so kleinen Loch würde entstehendes Kohlendioxid langsam entweichen können und der Ballen dem Verderb ausgesetzt sein. Daher sind alle Beschädigungen schnellstmöglich mit geeigneten Klebebändern zu verschließen. Ein weiteres Risiko mechanischer Einwirkung geht aus wenig formstabilen Ballen und unsachgemäßen Stapeltechniken hervor. Rundballen sollten möglichst mit den flachen Seiten aufeinandergestapelt werden. 
Werden Ballen auf unbefestigtem Untergrund abgelegt, sind später häufig Tunnelgänge von Schadnagern unter ihnen zu finden. Gelegentlich beschädigen sie dabei auch den Folienmantel und dringen ins Balleninnere. Um dem vorzubeugen, ist die Ablage der Ballen auf Paletten ideal. In der Praxis stößt diese Vorgehensweise natürlich oftmals mangels Paletten an ihre Grenzen. Einen kleineren, aber dennoch wertvollen Beitrag zum Schutz kann das vorherige Unterlegen einer gebrauchten Siloplane leisten. Eine umschließende Abdeckung mit Siloschutznetzen beugt zudem Schäden durch das Picken von Vögeln vor. Idealerweise werden vor dem Aufziehen der Netze noch Reifen auf die oberen Ballen gelegt. Der entstehende Hohlraum zwischen Ballen und Netzen erschwert das Durchpicken zusätzlich. Allen Schutzmaßnahmen zum Trotz ist eine regelmäßige Kontrolle der Ballenlagerstätte auf Folienschäden unerlässlich.

Die Kosten dieses Konservierungsverfahrens lassen sich nur bedingt pauschalisieren. Grund hierfür ist, dass sie sich aus flächenabhängigen Festkosten für Mähen, Zetten und Schwaden auf der einen Seite und variablen Kosten für Pressen, Wickeln und Einlagern auf der anderen Seite zusammensetzen. Neben dem starken Eintragseinfluss variiert auch die Anzahl notwendiger Zett- und Schwadvorgänge in Abhängigkeit der Witterung. Wird die Kostenbetrachtung auf den Prozess des Pressens und des Wickelns reduziert, so lassen sich bei Rundballen mit einem 1,40 m Durchmesser und 6-facher Folienwicklung praxisübliche Preise mit 14 bis 16 € je Ballen beziffern. Darüber hinaus sind Aufschläge für den Einsatz von Messern oder für zusätzliche Folienlagen möglich. Die Kosten für Bergung und Einlagerung können je nach Maschinenausstattung und Ausprägung der Schutzabdeckung ebenfalls stark variieren, liegen zumeist aber in Größenordnungen zwischen 2 und 4 € je Ballen.
Der anfallende Kunststoffmüll sorgt bei Wickelballensilage gelegentlich für Kritik. Ob diese berechtigt oder unberechtigt scheint, ist primär eine Frage der Perspektive. Auch wenn die anfallenden Mengen üppig erscheinen mögen, beträgt das Gewicht des reinen Kunststoffanteils kaum mehr als 1 kg je Rundballen. Das Verhältnis von Kunststoff- zur damit konservierten Futtermenge ist im Flachsilo natürlich nochmal um ein Vielfaches besser. Zur Bewertung sollte jedoch die Frage im Vordergrund stehen, was mit den Folien im Anschluss geschieht. Die meisten hiesigen namhaften Hersteller von Agrarfolien sind dem Rücknahmesystem "Erntekunststoffe Recycling Deutschland", kurz ERDE, angehörig. Sie organisieren zusammen mit Partnern in nahezu allen Regionen Deutschlands Stationen zur Folienabgabe. Teile der Verwertungskosten werden über verkaufsabhängige Beiträge durch die Firmen selbst übernommen. Die Folienreste werden zerkleinert, gewaschen und regranuliert. Der Wiederverwertungsgrad dieses Prozesses beläuft sich auf rund 98 %. Typische Endprodukte sind Baufolien oder Müllbeutel. Wichtig beim Abliefern der Folien sind Besenreinheit und die strikte Trennung der Fraktion 1 (Flachsilofolien, Unterziehfolien, Siloschläuche) von Fraktion 2 (Silagestretchfolien, Netzersatzfolien). Hierbei handelt es sich nicht um eine Tugend, sondern um eine zwingende Notwendigkeit für das Recycling. Bereits ab einem Fremdbesatz von nur 10 % können die Erntekunststoffe nicht wiederverwertet werden. Zudem konkurrieren Agrarfolien mit dem meist reinerem Material anderer Branchen um begrenzte Verwertungskapazitäten. Daher sind die Entsorgungskosten und die Frage nach der Umweltverträglichkeit der Wickelballensilage sehr eng mit der Sorgfalt der Landwirte beim Abliefern ihrer Folien verbunden.

Resümierend ist die Wickelballensilage bei guten Welkbedingungen ein Konservierungsverfahren mit großen Vorteilen hinsichtlich der Flexibilität in der Handhabung des Futters. Durch die Portionierung in Ballen entfallen Probleme, die z. B. bei zu geringem Vorschub an einem Fahrsilo zu erwarten wären. Es erweist sich als ideal für Betriebe mit variierendem Futterbedarf, z. B. bei saisonaler Weidehaltung. Durch die vorrangige Konservierung über Gärgas wird die Haltbarmachung auch von Ausgangsmaterial möglich, welches ansonsten z. B. mangels Zucker oder wegen hoher Pufferkapazitäten nicht mittels Silierung haltbar gemacht werden könnte. Außerdem bietet Futter in Ballenform neben allgemein geringeren Verlusten auch gute Transport- und somit Verkaufsmöglichkeiten. Ein besonders wichtiger Punkt für die Wickelballensilage ist jedoch die Konformität mit den Anforderungen der aktuellen Verordnung zum Umgang mit wassergefährdenden Stoffen (AwSV). Daher sind die zunächst etwas höheren Produktionskosten auch vor dem Hintergrund der Lager(-stätten)kosten alternativer Konservierungsverfahren zu sehen.
 


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Stand: 29.05.2020