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Ackergräser schnittreif

Der Aufwuchs von Feldgras- und Dauergrünlandbeständen ist ein für die Milchviehhaltung unabdingbarer Bestandteil in der Futterration. Der aktuelle Entwicklungsstand des grasbasierten Futterbaus in Niedersachsen wird für den besonders wichtigen ersten Aufwuchs mit der `Reifeprüfung für das Grünland´ wöchentlich berichtet.

Einige Feldgrasbestände (Welsches Weidelgras) wurden bereits frühzeitig bei Rohfasergehalten deutlich unter 20 % in Trockenmasse (XF i.TM) in der 17. Kalenderwoche einsiliert, da aufgrund der einsetzenden Trockenheit kein wesentlicher Zuwachs mehr zu erwarten war. Wo noch eine Maisaussaat folgt, ist deren Vorbereitung jetzt möglichst Wasser sparend zu erledigen.

Wer sein Ackergras weiter nutzt, war mit unserem Bericht vom 17. April gut beraten, denn die auf der Grundlage unserer Probeschnitte erstellte Prognose für die Entwicklung bis zum 23. April (Deutscher Wetterdienst Braunschweig) lies noch keine allgemeine Siloreife erkennen. Die Trockenheit hat sich durch ausbleibende Niederschläge in ganz Niedersachsen verstärkt. Sonne und Wind führten zu einer stetigen Verdunstung in den Beständen. Das anhaltend sehr trockene Wetter kann sich auf die `offene´ Stoppel zusätzlich schwächend auswirken.

Aktuelle Ergebnisse

Die Ertragslage hat sich gegenüber der Prognose etwa bestätigt. In der bislang ertragsschwachen Region Küste wurde in der vergangenen Woche ein Zuwachs von etwa 10 cm (Aufwuchshöhe 38 cm) und etwa 10 dt Trockenmasseertrag (31,4 dt TM/ha) festgestellt. Mit 18,6 % XF i.TM war der Bestand dort aber noch nicht sielierreif. Auch die drei Standorte im westlichen Niedersachsen konnten deutlich zulegen und erreichten am 23. April bereits 42,6 dt TM/ha (38,4 bis 44,8 dt TM/ha) bei einer mittleren Aufwuchshöhe von 44 cm. An den Standorten im Emsland und bei Oldenburg wurden auch bereits 19 bzw. 20 % XF i.TM erreicht, so dass neben günstigen Gesamtzuckergehalten über 20% XZ i.TM auch ausreichende Rohfaser-anteile für die Rationsgestaltung zur Verfügung stehen. Im Klimaraum Hannover-Braunschweig wurde trotz Rohfaserzunahme (+ 2 %) ein noch sehr junges Ackergras mit nur 16,2 % XF i.TM bei nur 13,9 % Eiweiß (XP i.TM) beprobt. Der Bestand erreichte mit 28,3 dt TM/ha gegenüber der Vorwoche nur 6,5 dt TM/ha Mehrertrag. Die Zuckergehalte waren mit 30,9 % XZ i.TM fast unverändert hoch (Vorwoche 31,7 %). Die Aufwuchshöhe wurde mit 38 cm angegeben.

Mit geringer Aufwuchshöhe (34 cm) und trotzdem viel weiter in der Entwicklung zeigte sich das im zweiten Hauptnutzungsjahr stehende Ackergras in Bad Laer im Landkreis Osnabrück (Weser-Leine Bergland). Der Bestand bringt durch seine feste Stoppel auch höhere Rohfaserwerte als vergleichbare Ackergrasbestände im ersten Hauptnutzungsjahr. Es wurden hier bereits 20,1 % XF i.TM bei einer täglichen Zunahme von 0,3 % XF i.TM erreicht. Die Ertragsentwicklung entsprach der Erwartung, so dass sich mit 39,7 dt TM/ha ein täglicher Zuwachs von 2,4 dt TM/ha seit dem 14. April ergab.

Weitere Entwicklung

Das Wochenende und der Montag (18. KW) präsentieren sich teils heiter, teils wolkig, wobei das Schauerrisiko meist noch gering ist. Allerdings bewegen sich die Temperaturen dann nur noch zwischen 13 und 18 Grad. In den Nächten kühlt es auf 7 und 3 Grad ab. Ab Dienstag wird es voraussichtlich etwas wechselhafter mit Schauern, allerdings sind keine nennenswerten flächigen Niederschläge zu erwarten.

Die Prognose des Deutschen Wetterdienstes für die Qualitäts-Reifeentwicklung der Ackergrasbestände reicht nun bis zum 30. April. In der kommenden Woche werden die ersten Aufwüchse der Ackergräser bei 20 bis 22 % XF i.TM sehr gut für die Einsilierung als Grassilage sowie zur Rationsgestaltung in der Milchviehfütterung geeignet sein. Es werden Trockenmasseerträge von 40 dt TM/ha in weniger gut entwickelten Beständen (Hannover-Braunschweig) bis deutlich über 50 dt TM/ha in sehr gut entwickelten Beständen (Westliches Niedersachsen) erwartet. Die bisher noch sehr hohen Zuckergehalte können sich bis dahin abschwächen, aber noch in einem günstigen Bereich (>10-15 % XZ i.TM) liegen, so das auch der Silierprozess gelingen dürfte und ausreichend Qualitätssilage für die ersten Wochen und Monate des Sommers 2020 bereit liegt.

Einige Neuansaaten auf Grünland und einige wenige, wüchsige Grünlandflächen könnten für die zeitgleiche Ernte mit dem Ackergras geplant werden, je nach Entwicklungsstand. Auch hier gilt: bei der Trockenheit ist kaum Zuwachs zu erwarten, vor allem, wenn die Silierreife nicht mehr lang auf sich warten lässt. Aufgrund des stagnierenden Wachstums der älteren Grünlandnarben wird es bis zur Ernte noch dauern. Dann wären die frohwüchsigen Grasbestände auf dem Grünland bereits überständig.


Kontakt:
Gerd Lange
Berater Grünland und Naturschutzprogramme
Telefon: 04271 945-224
Telefax: 04271 945-222
E-Mail:
Meike Backes
Leiterin Fachbereich Grünland und Futterbau
Telefon: 0511 3665-4453
Telefax: 0511 3665-4508
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Stand: 24.04.2020



PDF: 33830 - 655.979492188 KB   Ackergrasergebnis 4.2020   - 656 KB