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Grünlandreifeprüfung 2. Mitteilung - Ernte hat begonnen

Mit dem Ertragszuwachs schreitet nun auch die physiologische Entwicklung der Gräser voran, so dass der Energiegehalt abnimmt. In vielen Betrieben herrscht größte Futterknappheit. Der Schnitttermin sollte daher als ein Kompromiss verstanden werden, den es gut abzuwägen gilt.

Der erste Grünlandschnitt 2020 ist für die Milchvieh-Futterbaubetriebe von entscheidender Bedeutung. Die Grundfutterversorgung der Milchviehherde ist stark gefährdet und um die Tierbestände versorgen zu können, müssen in vielen Betrieben Kompromisse bei der Grundfutterqualität eingegangen werden.

Entwicklung im Grünland beobachten

Mit dem Ertragszuwachs schreitet nun auch die physiologische Entwicklung der Gräser voran, so dass der Energiegehalt abnimmt. In vielen Betrieben herrscht größte Futterknappheit. Der Schnitttermin sollte daher ebenfalls als ein Kompromiss verstanden werden, den es gut abzuwägen gilt. Sehr frühe qualitätsorientierte Schnitte bedeuten immer auch Ertragsverzicht. Mischbestände mit hohem Anteil junger Untergräser sowie feinblättriger Kräuter (z.B. Löwenzahn, Wiesenschaumkraut) sind im Mai nutzungselastischer als die einheitlichen Weidelgrasbestände. Aufgrund der regional sehr unterschiedlichen Vorschädigung der Grünlandflächen sind allgemeine Hinweise zum Stand der Entwicklung daher kritisch zu überprüfen, das eigene Grünland anzusehen und ggf. durch eigene Frischgrasanalysen zu ergänzen.

Ertragszuwachs nutzen

Das Ertragsniveau in den niedersächsischen Regionen lag in der ersten Maiwoche in einer Spanne von etwa 25 bis 35 dt TM/ha. Einzelstandorte weichen davon mitunter stark ab (18,8 bis 44,3 dt TM/ha). Im Vergleich zur Vorwoche war der Zuwachs gering. Die Standorte in den Klimaregionen Weser-Leine Bergland (33,3 dt TM/ha), Hannover Braunschweig (29,6 dt TM/ha) und Westliches Niedersachsen (28,9 dt TM/ha) erreichten relativ geringe tägliche Trockenmassezuwächse von 0,4 bis 0,5 dt TM/ha bzw. 0,7 dt TM/ha (Klimaregion V). In den Regionen I bis III wurden bessere tägliche Wachstumsraten von 1,1 dt TM/ha (Küste 26,6 dt TM/ha, Nördliches Niedersachsen 32,2 dt TM/ha) und 1,3 dt TM/ha (Nordöstliches Niedersachsen 27,4 dt TM/ha) ermittelt.

Die Entwicklung der Rohfasergehalte war in der Vorwoche ebenfalls nicht einheitlich. Die täglichen Zunahmen der Rohfaserwerte (% XF i.TM) differierten zwischen 0,1 % XF i.TM im nördlichen Niedersachsen (Klimaregion II) bis 0,5 % XF i.TM in der Klimaregion III (Nordöstliches Niedersachsen). Die Entwicklung der Bestände im Nordöstlichen Niedersachsen musste auf der Grundlage der Prognose vom 30. April geschätzt werden. Es bestehen große Unsicherheiten hinsichtlich der dargestellten Ergebnisse, die aktuell überprüft und in der kommenden Woche berichtet werden sollen.

Die in der in der Region IV (Nördliches Niedersachsen) beprobten Standorte sind ebenfalls vorsichtig zu beurteilen, denn der Standort 8 (Grasberg) unterscheidet sich als ein sehr gut etablierter Bestand mit dominant Deutsches Weidelgras (Ansaat 2017) durch frühzeitig im März wirksame mineralische Düngung von den üblichen Praxisflächen. Die Werte der weiteren Standorte dieser Klimaregion lagen um 1,1 bis 1,8 % bzw. um 6,0 bis 11,8 dt TM/ha unter denen des Standortes in Grasberg.

Mit 38,5 dt TM/ha und 20,5 % XF i.TM wurde in Grasberg ein überdurchschnittliches Ergebnis erzielt, welches den Mittelwert von insgesamt vier Standorten beeinflusst.

Die Standorte der Region Hannover Braunschweig (20,7 % XP i.TM) sind ebenfalls uneinheitlich in der Entwicklung. Während Aufwuchshöhen (30-34 cm) und die  Ertragslage (28,7 – 30,4 dt TM/ha) ähnlich sind, deutet der um 1,7% höhere Rohfasergehalt auf dem Hochmoorstandort bei 19,8% XP i.TM (Rohprotein)  auf eine wesentlich bessere Stickstoffversorgung des Bestandes hin. Damit wird auch die physiologische Reifeentwicklung vorangetrieben.

Weiter vorangeschritten sind auch die Standorte der Region Weser-Leine Bergland (Klimaregion V). Diese Bestände sind durch höhere Obergrasanteile (Standort 9) bzw. größere Lücken (Standort 13) im Bestand geprägt. Die Rohfaseranteile dieser Bestände erreichten 21,8 %  XF i.TM bei geringen täglichen Zunahmen von 0,2 %.

Die Eiweißgehalte haben im Vergleich zur Vorwoche nur geringfügig abgenommen. Im Mittel aller 16 Standorte wurden 16,6 % XP i.TM im Aufwuchs der Proben vom 5. Mai ermittelt. Die höchsten Rohproteinwerte wurden im Nördlichen Niedersachsen (20,4 %XP i.TM) erreicht. Einzelstandorte lagen hier auch über 20% XP i.TM.

Weitere Entwicklung

Die frühe Qualitätsreife ist bzw. wird in der 20. Woche in den Regionen erreicht sein. Weit voran sind die zwei Standorte der Region V (Weser-Leine-Bergland) mit dann schon 24 % XF i.TM und einem Ertragsniveau über 40 dt TM/ha. Auf diesem Niveau werden dann laut Prognosemodell des Deutschen Wetterdienstes auch die Standorte im Nördlichen Niedersachsen (42,2 dt TM/ha) schnittreif sein. Standorte dieser Klimaregion wie auch in der Region Küste erreichen dann etwa 21,7 % XF i.TM, an der Küste jedoch mit einem geringeren Ertragsniveau von 36,5 dt TM/ha.

In Hannover-Braunschweig und im westlichen Niedersachsen können bis 14. Mai bei mit einem vergleichbaren Ertrag von 35,0 und 36,6 dt TM/ha schon 22,2 und 23,2 % XF i.TM erreicht werden. Die Eiweißgehalte sinken weiter dann weiter ab und erreichen in den Regionen Werte zwischen 10 bis 17,3 % XP i.TM.


Kontakt:
Gerd Lange
Berater Grünland und Naturschutzprogramme
Telefon: 04271 945-224
Telefax: 04271 945-222
E-Mail:
Meike Backes
Leiterin Fachbereich Grünland und Futterbau
Telefon: 0511 3665-4453
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Stand: 11.05.2020



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