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Grünland-Neuansaat als letztes Mittel

Zwei aufeinanderfolgende Dürresommer sowie Schädlingsdruck durch Mäuse und Tipula‑Larven haben vielen Grünlandbeständen stark zugesetzt. Sanierungsversuche blieben infolge des erneut trockenen Frühjahres vergebens. In solchen Fällen können Neuansaaten die sinnvollste Maßnahme zur Wiederherstellung der Flächen sein.

Der Zustand vom Dauergrünland in Niedersachsen lässt sich aktuell kaum verallgemeinernd abbilden. Zu unterschiedlich haben sich Einflussfaktoren im Zeitraum der vergangenen 2 Jahre auf die Bestände ausgewirkt. Langanhaltende Trockenheit führte zum Rückgang einzelner Arten und gebietsweise sorgten Mäuse sowie Tipula-Larven (Wiesenschnake) für weitere Schäden, mitunter gar für Totalausfälle. In solchen Situationen kann eine Neuansaat die sinnvollste Maßnahme sein.

Üblicherweise offenbart ein aufmerksamer Begang in den ersten Frühjahrsmonaten den Zustand, in welchem das Grünland in die neue Vegetationsperiode starten wird. In diesem Jahr kamen zahlreiche Landwirte zum Ergebnis, dass Schadschwellen überschritten waren oder die Artenzusammensetzung auch mit einer Nachsaat keine guten Erträge und Futterqualitäten zu erreichen versprach. Daraufhin ergriffene Pflegemaßnahmen zur Sanierung von Grünlandnarben und damit verbundene finanzielle Aufwendungen erwiesen sich leider oftmals als vergebens. Das erneut trockene Frühjahr 2020 und z. T. der Restdruck noch verbliebener Schaderreger boten ungünstige Auflaufbedingungen für die neue Saat. Was nun also tun, um das Grünland wieder in einen guten Zustand zu überführen?

Ein Grundsatz ist gleichermaßen simpel wie unumgänglich: Pflanzen brauchen Wasser! Das gilt für Gräser in besonderem Maße. Daher ist die Sinnhaftigkeit von Nach- oder Neusaaten in Dürresituationen stets zu hinterfragen. Ein trockener Oberboden ist für die Bearbeitung und die Aussaat kein Hindernis, ggf. sogar günstig. Ohne begründete Erwartung anstehender, umfangreicher Niederschläge birgt der Zeitpunkt jedoch ein unnötig großes Risiko. Die üppigen Regenereignisse zwischen der 24. und 29. Kalenderwoche vermochten jedoch die Wasserknappheit des Oberbodens in den meisten Regionen vorübergehend deutlich zu entschärfen.

Zudem gilt es abzuklären, inwieweit Schaderreger ursächlich für den schlechten Zustand der Narbe waren und wie stark diese noch präsent sind. Ohne ein ausreichendes Abklingen dieser, könnten verfrühte Maßnahmen erneut ohne Effekte bleiben oder gar dem Druck der Schaderreger erneut Vorschub leisten. Bei Feldmäusen lässt sich beispielsweise die aktuelle Befallssituation anhand der Löcher bewerten. Zur Unterscheidung von alten und neuen Löchern, werden die Altbauten dafür durch eine Bearbeitungsmaßnahme, z. B. mit einem Striegel oder einer Wiesenschleppe, verschüttet. Anschließend wird eine Referenzfläche von üblicherweise ca. 16x16 m (≈ 250 m²) abgesteckt und am darauffolgenden Tag auf neue Mauselöcher kontrolliert. Als Schadschwelle gelten 10 neue Löcher binnen 24 Stunden auf der benannten Fläche von 250 m². Ab einer Zahl von 20 Wiederöffnungen wird dies als Starkbefall gewertet.

Nachfolgend möchten wir uns mit den Erfordernissen und Besonderheiten von Neuansaaten beschäftigen. Diese gelten als letztes Mittel, wenn Pflegemaßnahmen mit Nachsaat keine ausreichenden Verbesserungen erwarten lassen. Dafür sollte die Befallsdichte der benannten Schaderreger höchstens als mäßig eingestuft werden können, sprich weniger als 4 wiedergeöffnete Mäuselöcher je 100 m² betragen. Was jedoch, wenn die Schadschwellen überschritten werden? In Ackerbausystemen würde man üblicherweise mit einer Ausweitung der Fruchtfolge bzw. einer Anbaupause der betroffenen Kultur reagieren. Dadurch kann dem Schaderreger gewissermaßen der Wirt genommen und die Überdauerung erschwert werden. Selbst wenn es die Futterreserven zulassen würden, ist dieses Vorgehen bei Dauergrünland nur sehr eingeschränkt umsetzbar. Einzig bei Wechselgrünland mit Ackerstatus wäre der vorübergehende Anbau anderer Futterpflanzen möglich. Hier wäre der einmalige Anbau einer Getreidekultur zur GPS-Ernte eine sinnvolle Option. Bei herkömmlichem Dauergrünland jedoch ist jeglicher Umbruch zwecks Neuansaat seit dem 30.03.2018 genehmigungspflichtig und eine Umwidmung ohne entsprechende Umbruchrechte verboten. Ziel ist es daher, die Dichte von Schaderrergern durch invasive Maßnahmen auf das erforderliche Minimum zu reduzieren. Die besten Erfolge verspricht eine intensive, wendende Bodenbearbeitung mit dem Pflug. Auf leichten Standorten kann auch eine Spatenmaschine zu vergleichbaren Ergebnissen führen. Bei einer standortangepassten Arbeitstiefe zwischen 15 bis 25 cm wird von einer direkten Mortalität der Mäusepopulation von bis zu 80 % berichtet. Neben der reinen Intensität der Bodenbearbeitung hat auch die Frequenz bei mehrfachen Eingriffen einen Einfluss. Ziel ist es, die Schaderreger in ihren Lebens- und Vermehrungsabläufen zu stören. So werden bei Weidenutzung tendenziell niedrigere Befallsdichten festgestellt, da die dauerhafte Aktivität der Weidetiere eine vergrämende Wirkung auf die Mäuse ausübt. Analog dazu empfiehlt es sich, im Nachgang der Grundbodenbearbeitung noch weitere, flache Arbeitsgänge mit Grubber, Fräse oder Kreiselegge durchzuführen. Einige Tage zeitlichen Abstands zwischen den Maßnahmen steigern die Effektivität. Ohnehin empfiehlt sich zur Saatbettbereitung ein abschließender Arbeitsgang mit Kreiselegge/Kreiselgrubber oder die Aussaat mit einer entsprechenden Drillkombination.

Auf Moorstandorten hingegen sollten bodenbearbeitende Maßnahmen möglichst vermieden werden. Tiefreichende Bearbeitung trägt zum Abbau des Moorbodens und somit zur Kohlenstofffreisetzung bei. Dabei kann ungewollt nährstoffarmes organisches Material mit sehr niedrigen pH-Werten < 4,0 in die obere Krume befördert werden. Sofern es nicht ein bestehender Schaderregerbefall zwingend erfordert, bietet eine chemische Abtötung der Altnarbe mit darauffolgender Direktsaat auf solchen Standorten die beste Lösung. Ein weiterer Vorteil dieser Variante ist, dass die Befahrbarkeit der Fläche weitgehend erhalten bleibt.

Um einer späteren, neuen Vermehrung der Feldmäusepopulation vorzubeugen, lohnt es sich deren biologische Feinde mit einfachen Maßnahmen zu fördern. Dazu zählen auch Greifvögel. Sitzkrücken erleichtern diesen ambitionierten Jägern die Sichtung ihrer Beute. Bei Zäunen mit klassischen Massivholzpfählen ist diese Eigenschaft in der Regel bereits gegeben. Für Grünland zur reinen Schnittnutzung stellen entsprechende Sitzstangen eine günstige und relativ wirksame Maßnahme dar.

Prinzipiell haben sich die in Tabelle 1 aufgeführten Grünlandmischungen für Neuansaaten bewährt. Die Erträge sind im ersten Nutzungsjahr bei Neuansaaten im Allgemeinen gut bis überdurchschnittlich, vor allem, je mehr Deutsches Weidelgras in der Mischung enthalten ist. Bei akuten Futterengpässen und der dringenden Notwendigkeit, wieder Futterreserven aufzubauen, könnten in 2020 auch andere Strategien in Betracht kommen. Direkte Einsaaten mit ausdauernden Gräsern, z. B. Deutschem Weidelgras, erbringen im Folgejahr hohe Massenerträge. Daher kann eine Beimischung mit Einjährigem Weidelgras eine Strategie sein, um die Futtererträge noch in diesem Jahr zu erhöhen. Das Ackerfuttergras dient hierbei als Ammengras, welches in Größenordnungen von 15 bis 20 % beigemengt wird.

Eine zweite und andere Strategie ist auf den besseren Grünlandböden (fakultative Grünlandstandorte) denkbar, wenn anstatt der in Tabelle 1 aufgeführten Grünlandmischungen beispielsweise eine A3-Mischung mit Welschem Weidelgras, Bastardweidelgras und Deutschem Weidelgras gedrillt wird. Damit sind in zwei Hauptnutzungsjahren üppige Erträge zu erzielen. Ein stets früher Schnitt ist in den Folgejahren ratsam, um neben Quantität auch die Qualität im Blick zu haben. Spätestens im zweiten Nutzungsjahr lässt die Triebkraft der Ackergräser nach. Ab diesem Zeitpunkt sind unbedingt Nachsaaten mit Deutschem Weidelgras für einen gleitenden Übergang hin zu einer Dauergrünlandnarbe erforderlich.

Vor- und Nachteile dieser beiden Optionen sind einzelbetrieblich abzuwägen und stellen nicht die zukünftige Regel dar. Wichtig sind neben den besseren Standortqualitäten der rechtzeitige Erntezeitpunkt und eine intensive Nutzung, um die Ackergräser möglichst ab dritten Nutzungsjahr aus dem Bestand zu verdrängen.

Die Aussaat einer Knaulgras-betonten Mischung kann ebenfalls eine sinnvolle Option für Standorte sein, die zur Trockenheit neigen. In dem Zusammenhang überzeugt auch der Rohrschwingel mit Robustheit sowohl gegenüber Trockenheit als auch gegen Nässe. Aufgrund der sich verändernden Klimabedingungen geraten diese beiden Grasarten mehr in das Blickfeld. Mitte August ist hier als spätester Aussaatzeitpunkt zu sehen. Sollen damit gute Qualitäten erzielt werden, ist das Augenmerk auch hier auf bevorzugt führe Erntetermine zu legen.


Kontakt:
Karsten Bommelmann
Telefon: 04271 945 200
E-Mail:
Meike Backes
Leiterin Fachbereich Grünland und Futterbau
Telefon: 0511 3665-4453
Telefax: 0511 3665-4508
E-Mail:


Stand: 17.07.2020



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