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Ackergras- und Kleegrasmischungen für das Frühjahr

Im April ausgebrachte Frühjahresansaaten für Leguminosengrasmischungen tragen spätestens im August zur Futterproduktion von qualitativ hochwertigem Grundfutter bei. Durch die Einbindung von Deckfrüchten wie Hafer oder Sommergerste lässt sich die Futtergewinnung noch weiter nach vorn verlagern, gute Aufwuchsbedingungen vorausgesetzt. Zudem geben die Deckfrüchte den Feinleguminosen in ihrer Anfangsentwicklung Schutz und mindern so das Anbaurisiko.
In Praxisbetrieben wurde das auch unter den trockenen Frühjahresbedingungen beobachtet und im Folgenden die Ergebnisse beschrieben.  
 

Ackergras- und Kleegras wird in den letzten Jahren wieder häufiger angebaut. Ein erster Aufwärtstrend erfolgte bereits mit dem Greening. Der Klimawandel führt zusätzlich zu einem Umdenken. Mehr Artenvielfalt ist nicht nur für die Umwelt und die Bodenfruchtbarkeit gut, sondern zugleich ein Beitrag für eine breiter aufgestellte Futterproduktion. Sie kann somit als Risikosplitting für die Futtererzeugung angesehen werden. 
Ackergras und Kleegras zählen in der Fruchtfolge als neutrale Fruchtfolgeglieder, die zur Humusmehrung beitragen. 
Die Frage, ob man vorrangig reines Ackergras oder bevorzugt Kleegras anbauen sollte, ist aus zwei Blickrichtungen einzelbetrieblich zu klären. 
Mit Ackergras lässt sich Gülle im gesamten Vegetationsjahr sinnvoll verwerten.
Kleegras verträgt zwar auch eine gewisse Güllegabe, doch darf sie nicht das Wachstum der Leguminose zu stark limitieren. Mit dem Kleegrasanbau sollte vorrangig das Ziel verfolgt werden, viel Eiweiß aus dem Grundfutter zu produzieren. Wer darauf Augenmerk legt, verbessert durch Einsparung des Zukauffutters den Betriebsgewinn. 

Speziell zu dieser Thematik wurde ein bundesweites Demonstrationsnetzwerk mit dem Namen „Klee Luz Plus“ ins Leben gerufen. Ziel des Demonstrationsvorhabens mit der Einbindung von kleinkörnigen Leguminosen ist es, deren Anbau, die Konservierung und Verfütterung zu unterstützen. Verschiedene konventionell oder ökologisch wirtschaftende Praxisbetriebe in ganz Deutschland haben sich bereit erklärt, Weißklee, Rotklee und Luzerne in Mischungen mit Futtergräsern anzubauen, um ihre agronomischen Erfahrungen sowie Ertrags- und Qualitätsdaten öffentlich zu machen. 
Zwei konventionell wirtschaftende Betriebe in Niedersachsen sind seit dem letzten Jahr in dem Vorhaben mit eingebunden. Nachfolgend soll ein kurzer Einblick in diese einjährigen Ergebnisse gegeben werden. 

Kleegras und aktuelle Praxisergebnisse aus 2020
Sowohl auf dem Seemarschstandort (LK Wittmund) als auch dem humosen Sandstandort (LK Ammerland) wurden die Kleegrasmischungen Anfang April 2020 jeweils mit Grünhafer als Deckfrucht (40 kg/ha) ausgedrillt. Dies geschah in zwei Etappen. Zuerst wurde der Grünhafer auf eine Ablagetiefe von  4 cm in den Boden gebracht. Im Anschluss erfolgte die Saat der Feinsämereien mit möglichst flacher Ablagetiefe (1 cm). Auf dem leichten Sandstandort im Ammerland war es dazu vorteilhaft, die Bodenbearbeitung vorab mit einem Packer rückverfestigt zu haben. Im Anschluss erfolgte ein Walzgang mit der Cambridgewalze. 
Da es in dem Zeitraum an Niederschlägen fehlte und erst im Juni nennenswerte Regenmengen zu verzeichnen waren, fiel der Aufgang der Saaten recht langsam aus. 
Vor allem auf dem Seemarschstandort war in dem Zeitraum viel Geduld bis zur gleichmäßigen Saatreihenentwicklung notwendig. Hier machte sich der Hafer als Deckfrucht besonders positiv bemerkbar. Für den Hafer waren trotz der Bodentrockenheit ein zügiger Aufgang und eine gewisse Anfangsentwicklung zu verzeichnen. Zwar verharrte der Hafer später auch aufgrund der fehlenden Niederschläge in der Massebildung, doch konnte er seine Funktion als Deckfrucht im gewissen Maße schon wahrnehmen. Er bot dem jungen Kleegras Schutz vor einer zu starken Unkrautentwicklung und vor einer zu intensiven Sonneneinstrahlung. Das zeigten die Bonituren im Vergleich zur Saat ohne Deckfrucht. Kurz vor der Niederschlagsperiode im Juni wurde der dünn stehende Hafer gemulcht und damit dem Leguminosengras Raum zur weiteren Entwicklung geschaffen. Die Niederschläge im Juni verhalfen den jungen Pflanzen, deutlich an Masse zuzulegen. So war auf dem Seemarschstandort eine erste Mahd der Leguminosengrasmischungen  Mitte August möglich und ein zweiter Schnitt nach weiteren vier Wochen. 
Auf dem humosen Sandstandort in Westerstede konnte der Grünhafer bereits 9 Wochen nach der Saat als Reinigungsschnitt geerntet werden. Dieser trug damit schon zu einer gewissen Futterproduktion im Frühjahr bei. Die nachfolgenden Niederschläge förderten die weitere Entwicklung der Klee- und Luzernegrassaaten. Die Leguminosengrasmischungen wurden gleichfalls Mitte August und später noch einmal Mitte September geerntet. 
Auf beiden Flächen trat zum ersten Aufwuchs ein gewisser Durchwuchs des Grünhafers auf. Eine vollständige Verdrängung der Deckfrucht war aber mit dem anschließenden Aufwuchs gegeben.  
Die Ertragsergebnisse von beiden Standorten zeigt Abbildung 1. Erwartungsgemäß wirkte sich die unterschiedliche Bodengüte der beiden Standorte auf das Ertragsgeschehen aus. Trotz der schwierigeren Startbedingungen fielen die Erträge auf dem Seemarschstandort höher aus als auf dem leichten Sandstandort. Aber auch auf dem humosen Sandstandort wurden mit den Frühjahressaaten gute Erträge erzielt, die zwischen 50 und 60 dt TM/ha lagen. 
Im Ertragsniveau der Leguminosengrasmischungen gab es auf den jeweiligen Prüfstandorten nur geringe Unterschiede. Lediglich die Mischung der Luzerne mit den beiden Graspartnern Rohr- und Wiesenschwingel bildeten aus Ertragssicht das Schlusslicht der angebauten Varianten. Beide Grasarten sind in ihrer Anfangsentwicklung bei Neuansaaten im Allgemeinen sehr langsam. Hier kann sich mit der Nutzung in 2021 ein anderer Trend herauskristallisieren. 
Letztendlich ist die Etablierung der Leguminosengrasmischungen auf beiden Standorten trotz der langen Trockenheitsphase im Frühjahr gut gelungen. Mit seiner guten Konkurrenzkraft erreichte der Rotklee höhere Bestandesanteile als die Luzerne. Dennoch: auch die Luzerne war in den Mischungen mit nennenswerten Anteilen vertreten. Hierbei ist zudem zu berücksichtigen, dass sich die Knöllchenbakterien im Saatjahr erst ansiedeln müssen, bevor die symbiontische N-Fixierung in Gang kommen kann. Erkennbar wird das u.a. an den Rohproteingehalten. Für die Aufwüchse im August lagen die Rohproteingehalte im Durchschnitt noch bei 14 %, im September allerdings schon bei 25 % in der TM. 
Die hier vorgestellten Mischungen in den beiden Praxisbetrieben werden in zwei weiteren Jahren weiter hinsichtlich Quantität und Qualität bewertet. 

Empfohlene Klee- und Ackergrasmischungen
Bewährte Qualitätsstandardmischungen weisen die nordwestdeutschen Landwirtschaftskammern gemeinsam aus. Unter dem Webcode 01037477finden Sie auf dieser Homepage vertiefende Informationen zu diesen Mischungen.
Dort wird zwischen einjährigen und mehrjährigen Leguminosengrasmischungen unterschieden. 
Von den einjährigen Mischungen zur Frühjahrsblanksaat gibt es zwei Auswahlmöglichkeiten zwischen einer Ackergras- und einer Kleegrasmischung.

Die nicht winterfeste Ackergrasmischung A2 ist vorzugsweise zur Schnittnutzung mit 3 bis 4 Schnitten vorgesehen.
Auch die einjährige und gleichfalls nicht winterfeste Kleegrasmischung mit der Bezeichnung A6 wird vorzugsweise zur Mahdproduktion mit ca. 3 Schnitten genutzt. Von der A6- Mischung stehen zwei Varianten zur Auswahl, die entweder Perser- oder Alexandrinerklee enthalten.
Wer den Kleegrasanbau zunächst nur kurzzeitig in Betracht zieht, kann vorerst diese Mischungen wählen. 
Zu den mehrjährigen Mischungen berichten wir zu einem späteren Zeitpunkt. Prinzipiell kann ihre Etablierung aber auch bereits im Frühjahr erfolgen, wie die Beispiele oben zeigen. 

Agronomische Hinweise zur Saat
Ein gut vorbereitetes, gut abgesetztes und unkrautfreies Saatbett ist für die Etablierung der sich langsam entwickelnden Feinsämereien genauso wichtig, wie die Absicherung einer hinreichenden Grundnährstoffversorgung. Kalidünger sollte in etwa drei Wochen vor der Saat ausgebracht und möglichst eingearbeitet werden, da Leguminosen empfindlich auf Kalisalze reagieren. Speziell die Leguminosen danken eine ausreichende Magnesium- aber auch Molybdänversorgung. Bei der Luzerne ist zudem auf Bor zu achten.
Der N-Düngebedarf steht im engen Bezug zu den Leguminosenanteilen (Tabelle 1). Haben sich die Leguminosen mit Ertragsanteilen oberhalb von 50 % gut und gleichmäßig im Bestand angesiedelt, könnte auf N-Gaben auch gänzlich verzichtet werden. Zumindest ist es empfehlenswert, dem geringen N-Düngebedarf  bevorzugt im Frühjahreszeitraum nachzukommen.

Wir fassen zusammen
Mit Acker- oder Leguminosengras lässt sich hochwertiges Futter in Ertrag und Qualität produzieren.
Die Einbindung von Grünhafer als  Deckfrucht hat sich zu den Frühjahressaaten bewährt. Der als Dünnsaat gedrillte Hafer bietet den jungen Kleegrasmischungen in der Etablierungsphase Schutz und begrenzt das Unkrautaufkommen. Bei günstigen Witterungsperioden  kann mit dem Hafer frühzeitig Futter produziert werden. 


Kontakt:
Dr. Christine Kalzendorf
Beraterin Grünland, mehrj. Ackerfutterbau und Futterkonservierung
Telefon: 0441 801-428
Telefax: 0441 801-432
E-Mail:
Meike Backes
Leiterin Fachbereich Grünland und Futterbau
Telefon: 0511 3665-4453
Telefax: 0511 3665-4508
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Stand: 06.04.2021