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Silierbeginn mit Winterzwischenfrüchten

Mit Grünroggen, Welschem Weidelgras und dem Landsberger Gemenge beginnt die Siliersaison 2021.  Was es bei der Silierung dieser Winterzwischenfrüchte zur Futternutzung zu beachten gilt, damit die Qualität stimmt, lesen Sie im Folgenden. 

Der Anbau von Winterzwischenfrüchten zur Futternutzung hat in den letzten Jahren zugenommen. Die Futterknappheit forcierte diesen Trend zusätzlich. Neben den positiven Aspekten des Zwischenfruchtanbaus zum Grundwasser- und Erosionsschutz sowie zur Belebung der Bodenfruchtbarkeit gewinnt die Futtergewinnung im Frühjahr für Futterbaubetriebe einen größeren Stellenwert. So lässt sich die Winterfeuchtigkeit gut zur frühzeitigen und gesicherten Massebildung nutzen. Unter Berücksichtigung des Klimawandels und der Risiken von Trockenheitsphasen muss das Ziel zunehmend darin bestehen, möglichst viel Grundfutter auf den eigenen Flächen im Frühjahr zu erzeugen. 
Sowohl der Grünroggen als auch das Welsche Weidelgras gehören zu den schnellwüchsigen Winterzwischenfrüchten. Das Landsberger Gemenge entwickelt sich im Vergleich zu den beiden genannten Kulturen zwar nicht ganz so zügig, punktet aber aufgrund des Leguminosenanteils durch viel Rohprotein und Nutzungselastizität. Die Ernte und Silierung dieser Winterzwischenfrüchte rückt, je nach Witterungsbedingungen und Saattermin, ab der zweiten Aprilhälfte immer näher. Im Allgemeinen werden Grünroggen- und Welsch Weidelgrasflächen Ende April geräumt, Flächen mit Landsberger Gemenge eher Anfang Mai.  
Bei der Silierung kommt es nun auf eine möglichst verlustarme Konservierung an. Diesem Schwerpunkt widmet sich dieser Beitrag. 

Grünroggen 
In seiner vegetativen Entwicklung ist der Grünroggen mit den Gräsern gleichzusetzten. Mit dem Erscheinen des letzten Blattes (Fahnenblatt) wird zunehmend Rohfaser eingelagert, während der Rohproteingehalt abnimmt und im gewissen Maße auch der Zuckergehalt ansteigt. 
Der optimale Schnittzeitpunkt liegt vor, wenn sich der Bestand vor dem Grannenspitzen bis zu Beginn des Ährenschiebens (BBCH 45 - 51) befindet.  
Aus tierphysiologischer Sicht ist dann im Futter ein gutes Verhältnis zwischen einer hohen Nährstoffdichte und der Strukturwirksamkeit gegeben. Innerhalb von zwei bis drei Tagen kann die Ähre vollständig geschoben sein, was zu Lasten des Energiegehaltes geht. Vor dem Hintergrund empfiehlt es sich, die Entwicklung kurz vor der Ernte täglich zu beobachten und den Mahdtermin darauf basierend zu planen.  
Für eine fehlgärungsfreie Silierung ist ein Anwelken auf Trockenmassegehalte von mindestens 28 % anzustreben. Diese Empfehlung ist in der praktischen Umsetzung nicht so einfach, denn das günstigenfalls massereiche Futter hat im stehenden Bestand einen Trockenmassegehalt zwischen 16 – 20 %. Zudem kann man in dem Zeitraum April/ Mai noch nicht von raschen Welkbedingungen ausgehen. Allerdings gibt es technische Möglichkeiten, die den Anwelkprozess beschleunigen können. Beispielhaft sei an dieser Stelle der Aufbereiter aber auch die unmittelbare Breitablage direkt beim Mähvorgang genannt. Schnitthöhen von mindestens 8 cm vermeiden nicht nur die Futterverschmutzung bei der Ernte, sondern begünstigen auch die Luftzirkulation des locker im Schwad liegenden Futters. 
Falls die Witterungsbedingungen kein Anwelken über das oben beschriebene absetzige Ernteverfahren ermöglichen, kann die Ernte aus dem stehenden Bestand als Kompromiss in Betracht gezogen werden. Da bei dem Silieren des frischen Materiales auf jeden Fall mit hohen Mengen von Sickersaftaustritt zu rechnen ist, müssen die Siloanlagen auch das separate Auffangen und sachgerechte Entsorgen von Sickersaft gewährleisten. Silos mit ausreichender Kapazität an Sickersaftgruben, wie sie für Biogasanlagenbetreiber vorgeschrieben sind, müssen vorhanden sein. 

Auch wenn alle siliertechnischen Rahmenbedingungen im Hinblick auf eine gute Zerkleinerung des Grünroggens, der Walzarbeit und der Abdeckung bestens umgesetzt werden und auch die Witterungsbedingungen passen, empfiehlt sich ein Siliermittelzusatz. Es gilt, die Buttersäuregärung des rohproteinreichen und oftmals nur schwach gewelkten Siliergutes zu verhindern. Bei guten Silier- und Welkbedingungen kommen von den biologischen Produkten jene in Betracht, die ausschließlich homofermentative Milchsäurebakterien (DLG Gütezeichen mit der Wirkungsrichtung 1b) enthalten. Bei Schlechtwetterperioden sind chemische Silierzusätze mit dem DLG-Gütezeichen 1a oder 1b wirkungssicherer als die Impfkulturen (s. auch Kapitel unten).

Welsches Weidelgras
Über die Reifeentwicklung des Welschen Weidelgrases wird in den nächsten Ausgaben des Wochenblattes im Rahmen der Grünlandreifeprüfung berichtet. 
Im Allgemeinen zeichnen sich Weidelgräser durch höhere Zuckergehalte im Vergleich zu anderen Gräsern aus. Auch wenn der Zuckergehalt jahreszeitlichen Schwankungen unterliegt, so kann man bei der Silierung von Weidelgräsern in aller Regel eine guten Vergärbarkeit voraussetzen. Hierbei ist ein schnelles und damit effizientes Anwelken auf TM-Gehalte oberhalb von 28 % für gute Gärqualitäten gleichfalls unerlässlich. 
   
Landsberger Gemenge
Als Winterzwischenfrucht wurde auf einigen Flächen auch das Landsberger Gemenge angebaut. Unter Landsberger Gemenge versteht man die Mischung aus Zottelwicke (21 kg/ha), Inkarnatklee (9 kg/ha) und Welschem Weidelgras (30 kg/ha). Konnten sich die Leguminosen im Bestand gut etablieren, liegt zum Zeitpunkt der Ernte nicht nur ein ertragreiches, sondern auch besonders proteinreiches Futter vor.  
Der Schnittzeitpunkt richtet sich nach den Hauptbestandesbildnern. Überwiegen die Grasanteile, und davon ist in aller Regel auszugehen, so liegt der optimale Erntezeitpunkt im gleichen Zeitfenster wie der des Welschen Weidelgrases. Haben die Leguminosen nennenswerte Anteile erreicht, so orientiert sich der Schnittzeitpunkt an der Entwicklung des Inkarnatklees. Dieser sollte sich günstigenfalls noch im Knospenstadium befinden. Im Allgemeinen räumt die Frucht dann erst Anfang bis Mitte Mai.
Die Silierbarkeit des Gemenges wird erwartungsgemäß von den Leguminosenanteilen beeinflusst. Je höher die Leguminosenanteile sind, desto mehr ist die Siliereignung beeinträchtigt.  Vor dem Hintergrund ist es empfehlenswert, Siliermittel zur Verbesserung der Gärqualität in der Wirkungsrichtung 1a oder 1b prophylaktisch einzuplanen. Gleichfalls gilt es, die grobstängeligen Wicken gut zu zerkleinern, damit eine hinreichende Verdichtungsarbeit gesichert ist. 

Siliermittel
Für die Silierung von Zwischenfrüchten ist ein Siliermittelzusatz zur Verbesserung der Gärqualität stets anzuraten. Bei guten Welkbedingungen wären biologische Produkte auf der Basis homofermentativer Milchsäurebakterien ausreichend, wie es oben schon beschrieben wurde. 
Die Wettersituation zum Zeitpunkt der Ernte ist jedoch immer ungewiss. Lediglich bei zu hohen Anwelkgraden kann es auch für Winterzwischenfrüchte sinnvoll sein, wenn das Bakterienpräparat zusätzlich heterofermentative Milchsäurebakterien enthält. 
Im Falle von Schlechtwetterlagen wird in aller Regel ein hinreichendes Anwelken in der empfohlenen Feldliegezeit von 24 Stunden nicht erreicht. Für diese schwierigen Gärbedingungen sind chemische Siliermittel (Siliersalze in der Wirkungsrichtung 1a) aufgrund ihrer sicheren Wirksamkeit zu bevorzugen.
Besprechen Sie die unterschiedlichen Siliersituationen mit Ihrem Siliermittelvertreter bzw. Lohnunternehmer. Wenn man sich nur auf ein Produkt im Voraus festlegt, schränkt dies das flexible Handeln ein mit dem Risiko, dass der Silierzusatz im falschen Anwendungsbereich zum Einsatz kommt.
Zur Auswahlentscheidung zu Siliermitteln mit DLG-Gütezeichen für die unterschiedlichen Grundfuttermittel und Siliersituationen finden Sie auf unserer Homepage ein pdf-Dokument, welches in Abstimmungsarbeit des Bundesarbeitskreises Futterkonservierung entwickelt wurde. Es soll nicht nur Landwirten, sondern auch Lohnunternehmern, Maschinenringen und Beratern zur unabhängigen Entscheidung geeigneter Siliermittel helfen.

Fazit
Im Allgemeinen gehören Winterzwischenfrüchte zur Futternutzung zu schwer- bis mittelschwer vergärbaren Siliergütern. Eine gute Gärqualität lässt sich dennoch erzielen, wenn man
-    das optimale Erntezeitfenster einhalten kann
-    den siliertechnischen Regeln entsprechende Sorgfalt beimisst 
-    den Siliermitteleinsatz und die passende Applikationstechnik im Voraus gut plant.


Durch Beerntung der Grasuntersaaten weitere Futterreserven nutzen
Grasuntersaaten im Mais dienen dem Wasser- und Erosionsschutz. Die diesjährigen Grasuntersaaten haben sich nach der Maisernte 2020 zum Teil sehr gut entwickelt, so dass einige dieser Grasbestände auch zur Silierung in Frage kommen. Das gelingt dort problemlos, wo nach der Maisernte auch noch eine Stoppelzerkleinerung (Zünslerbekämpfung) erfolgte. Wurde aber auf diese Stoppelbearbeitung verzichtet, ist bei der Silierung dieser Grasuntersaaten zwangsläufig mit dem Eintrag der Maisstoppel und damit mit einem hohen Anteil von Verderbkeimen zu rechnen. Das wirkt sich nicht nur auf den Futterwert, sondern auch auf die Silierung und die aerobe Stabilität nachteilig aus. Vor dem Hintergrund ist die Silierung dieser Grasbestände nur dann in Erwägung zu ziehen, wenn die Futterknappheit extrem groß ist. Chemische Siliermittel der Wirkungsrichtung 2 sind für dieses keimbelastete Erntegut bei gutem Anwelkgrad im Vergleich zu biologischen Produkten wirkungssicherer. Günstigenfalls sollte das Erntegut nicht gemeinsam mit den anderen Winterzwischenfrüchten siliert werden. Eine getrennte Lagerung ist zu bevorzugen, beispielsweise in Rundballen oder einer separaten Miete. Auf eine sehr gute Zerkleinerung des Erntegutes sollte wegen der Maisstoppelanteile besonders geachtet werden. Es besteht aktuell mit einem Walzgang in Mahdrichtung die Möglichkeit, die Stoppel zum Umknicken und damit zum Andrücken auf den Boden zu bringen. Achten Sie dann bei der Mahd auf die Schnitthöhe, die nicht unter 7 cm liegen sollte. So lässt sich der Stoppelanteil zumindest reduzieren.
Auch eine Beweidung der Grasuntersaat kann eine attraktive Nutzungsmöglichkeit darstellen.


 


Kontakt:
Dr. Christine Kalzendorf
Beraterin Grünland, mehrj. Ackerfutterbau und Futterkonservierung
Telefon: 0441 801-428
Telefax: 0441 801-432
E-Mail:
Meike Backes
Leiterin Fachbereich Grünland und Futterbau
Telefon: 0511 3665-4453
Telefax: 0511 3665-4508
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Stand: 19.04.2021