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Siliermittel für Gras und Leguminosen dominierte Bestände – gleich mehr Sicherheit im Silo

Bessere Gärqualität, verlustärmer silieren, schmackhaftere Silagen – all das ist möglich durch den Siliermittelzusatz. Für diese Wirksamkeiten muss man aber konkret wissen, was und wie etwas einzusetzen ist. Wann machen biologische Produkte Sinn und wann geht es nur über chemische Zusätze? Sollten bei den biologischen Produkten stets homo- und heterofermentative Impfkulturen gemeinsam appliziert werden oder ist es ratsamer, gezielter die passenden Bedingungen zu berücksichtigen? Lesen Sie nachfolgend mehr.   

Die Preisträger des Silagewettbewerbes machen es immer wieder vor, dass mit Siliermitteln ein Plus in Sachen Gärqualität erwartet werden kann.

Natürlich ist der Siliermittelzusatz nur ein Baustein für beste Silagequalitäten. Allem voran bei der Grassilagebereitung stehen siliertechnische Grundregeln, wie ein hochwertiger Weidelgras betonter Grasbestand, das Einhalten des optimalen Erntezeitpunktes, ein effizientes Anwelken, beste Verdichtungsarbeit des gut zerkleinerten Siliergutes und eine unmittelbare, sorgfältige Siloabdeckung.

In dem Zusammenhang kann der Siliermittelzusatz nur ergänzend wirken. Aber immerhin: je nach Produktwahl lassen sich die Gärprozesse gezielter steuern.

Bei ungünstigen Anwelkbedingungen

Eine Milchsäure betonte Gärung ist unter nachfolgenden Gesichtspunkten angebracht:

  • Bei unzureichendem Anwelkgrad von Weidelgras betonten Grasbeständen (TM unter 25%)
  • Bei unzureichendem Anwelkgrad von anderen Grasbeständen (TM unter 28%)
  • Bei unzureichendem Anwelkgrad von Leguminosen reichen Beständen (TM unter 35 %)
  • Bei der Silierung von Winterzwischenfrüchten

Für all diese Fälle ist die Silierbarkeit erschwert, weil entweder zu wenig Pflanzenzucker vorhanden ist und /oder hohe Proteingehalte einer effizienten Ansäuerung entgegenwirken und /oder der gewünschte Anwelkgrad nicht erreicht wird. Soll sich im Silofutterstock dennoch auf Grundlage der Milchsäuregärung ein konservierend wirksamer pH-Wert einstellen, gibt es auf dem Wege von Siliermitteln zwei Möglichkeiten. Die erste Möglichkeit besteht darin, mit chemischen Siliermitteln gezielt die unerwünschten Gärkeime im Zaum zu halten. Den natürlichen Milchsäurebakterien schafft dass Konkurrenzvorteile. So kann die Milchsäuregärung bevorzugt zum Zuge kommen. 
Die zweite Möglichkeit des Siliermittelzusatzes macht sich auf biologische Art und Weise arbeitsfreudige Milchsäurebakterienkulturen zu Nutze, die speziell für diese Anwendungsfälle selektiert wurden. Die Herausforderung für diese Impfkulturen besteht darin, dass sie sich gegen alle anderen Gärkeime auf raschem Wege durchsetzen müssen. Dazu benötigen sie neben einer gleichmäßigen Verteilung im Siliergut in erster Linie Futter, also leicht fermentierbare Kohlenhydrate. Stehen diese nicht in hinreichender Menge zur Verfügung, sind eine unzureichende Ansäuerung und damit eine ungenügende Unterdrückung der unerwünschten Gärkeime die Folgen. 
Deshalb gilt im Allgemeinen: bei sehr ungünstigen Vergärbarkeitsbedingungen haben chemische Siliermittel eine höhere Wirkungssicherheit. Achten Sie auf das DLG-Gütezeichen der Wirkungsrichtung 1a (siehe auch Tabelle 1). Diese Bezeichnung steht dafür, dass eine Wirksamkeit im schwer vergärbarem Futter im Prüfungstest erzielt wurde.
Von den biologischen Produkten sollten die rein homofermentativen Milchsäurebakterien das DLG-Gütezeichen der Wirkungsrichtung 1b tragen. Dieses Wirkungszeichen weist aus, dass eine Verbesserung des Gärverlaufes im mittelschwer vergärbarem Siliergut gegeben ist. Bislang gibt es auf dem Markt noch kein Impfpräparat mit dem DLG Gütezeichen der Wirkungsrichtung 1a. 

Schönwetterperioden und passender Anwelkgrad
Schlechtwetterbedingungen und unzureichende Anwelkgrade, wie oben aufgeführt, waren in den letzten Jahren in Niedersachsen kaum gegeben. Im Gegenteil: betrachtet man die Silagebefunde aus der Praxis, so ist der Anteil von zu trockenen Grassilagen das weitaus größere Problem. 
Prinzipiell laufen alle Gärprozesse bei Trockenmassegehalten um die 40 % und darüber langsamer und weniger intensiv ab. Gärschädlinge wie Buttersäurebakterien reagieren auf Welkgrade von mehr als 30 % mit nachlassender Aktivität. Der Stoffwechsel von Milchsäurebakterien verlangsamt sich hingegen erst bei TM-Gehalten oberhalb von 40 %. Somit kann allein durch den Anwelkgrad die gewünschte Keimgruppe gefördert werden.
Gut angewelktes oder auch zu trockenes Siliergut birgen jedoch Risiken der Nacherwärmung. Hefen gelten als Wegbereiter für diese Prozesse, bevor sich später auch Schimmelpilze sichtbar dazu gesellen. 
Bei diesen Silierbedingungen muss der Fokus auf das Vermeiden von Nacherwärmungen liegen. Dementsprechend ist die Wahl der Siliermittelanwendung zu treffen. 
In aller Regel kommen hierbei biologische Produkte in Betracht. Doch die Zusammensetzung dieser Siliermittel ist anders im Vergleich zum mittelschwer vergärbarem Futter. 
Innerhalb der biologischen Produkte ist nun der Schwerpunkt auf heterofermentative Milchsäurebakterien zu legen. Eine Kombination mit homofermentativen Milchsäurebakterien ist möglich, solange das Futter noch jung geerntet und sich im gewünschten TM-Bereich von 30 % bis etwa 40 % befindet. Je höher der Anwelkgrad, desto ratsamer wird es, sich ausschließlich auf heterofermentative Milchsäurebakterien zu fokussieren. Sie bilden bevorzugt Essigsäure, indem entweder der Pflanzenzucker oder ein Teil der Milchsäure verstoffwechselt wird. Von der Essigsäure ist im Allgemeinen eine Hefe hemmende Wirkung bekannt. Diese muss in ausreichender Menge produziert werden. Das Anwelken darf somit nicht übertrieben werden, denn es müssen noch intensive Gärprozesse stattfinden. Damit wird zugleich eine entsprechende pH-Wertabnahme ermöglicht. Erst bei hinreichend tiefen pH-Werten, liegt ein hoher Anteil undissoziierter Essigsäure vor. Dieser bewirkt ein Ausschalten der Hefeaktivität. Die Vorgänge für eine gute Wirksamkeit gegen Hefen als Störkeim durch heterofermentative Impfkulturen müssen folglich durch die Silierarbeit mit unterstützt werden.
Als Fazit daraus lässt sich für den Praktiker bei Anwendung heterofermentativer Milchsäurebakterien neben der Sorgfalt aller Siliergrundsätze ziehen: 1) Vermeiden Sie Anwelkgrade, die deutlich oberhalb von 40 % TM liegen  2) Lassen Sie das Silo mindestens 8 Wochen lang geschlossen, um die Gärvorgänge komplett abgeschlossen zu haben. 3) Stören Sie die Gärgashaube nicht durch ein Hochheben der Folie. 4) Achten Sie auf Produkte mit dem DLG Gütezeichen 2. 
Das Gütezeichen in der Wirkungsrichtung 2  weist Produkte aus, die zur Verbesserung der aeroben Stabilität beitragen (Tabelle 1). 

Schönwetterperioden, zu hoher Anwelkgrad
Oft passiert es, dass die oberen Schichten des Silos einen Trockenmassegehalt weit über 40 % haben. Das Futter siliert nur noch schwach. Erschwerend kommt die unzureichende Verdichtung diesen trockenen Materiales hinzu. All das sind beste Voraussetzungen sowohl für Hefe- als auch Schimmelpilzwachstum. Für diese Bedingungen kann nur ein geeignetes chemisches Siliermittel die Wirksamkeit aufbringen, um beide schwierigen Keimgruppen besser im Zaum zu halten. Zu den Siliermitteln mit einem DLG-Gütezeichen 2 gehören in aller Regel Siliersalze auf der Basis von Benzoat, Sorbat oder Propionat. Oft handelt es sich hierbei um Neutralsalzlösungen oder Granulate mit wenig (keinen) korrosiven Wirkungen. Auch die heute auf dem Markt für diese Fragestellung üblichen Siliersäuren werden in aller Regel abgepuffert angeboten, so dass ihre ätzende und korrosive Wirkung geringer sind. Somit hat sich das Handling verbessert. Die in das Siliergut einzubringenden Aufwandmengen liegen, je nach Produkt und Zustand des Siliergutes, zwischen 3 bis 5 l/t FM. Vor dem Hintergrund sind passende Dosiergeräte erforderlich. 
Die Gärqualität der oberen Silofutterschicht und der Silokanten werden von den Praktikern sehr häufig beklagt und sind im Bereich der Grassilagen wesentlicher  Gegenstand der Beratungsarbeit. Unter den Nacherwärmungsprozessen leiden der Futterwert durch Nährstoffverlust, der hygienische Zustand und letztendlich dann das Tier. Wo sich diese Mängel jährlich wiederholen, ist zu empfehlen, zumindest die obere Schicht im Silo (mindestens 30 bis etwa 50 cm) mit chemischen Siliermitteln zu behandeln. Bei höherer Nachfrage rentiert sich auch für Lohnunternehmer und Maschinenringe die Beschaffung der jeweiligen Applikationstechniken. 

Richtig dosieren
Neben der richtigen Siliermittelwahl ist für die gewünschte Wirksamkeit eine  gleichmäßige Dosierung in ausreichender Menge wichtig. Besprechen Sie die Siliermittelanwendung im Voraus mit Ihrem Lohnunternehmer und fragen Sie nach den dort zur Verfügung stehenden Dosiergeräten nach. Für granulierte oder flüssige Produkte bedarf es spezieller Dosiergeräte. Die Pumpenleistung des Dosiergerätes ist insbesondere für chemische Produkte von Bedeutung, denn hier sind im Vergleich zu den biologischen Produkten deutlich höhere Aufwandmengen zu applizieren.
Den Siliermittelverbrauch im Verlauf der Erntearbeiten zu kontrollieren, ist eine sinnvolle Controllingmaßnahme. Ein Leck im Schlauchsystem, Verstopfungen der Düsen, der Abriss von Schläuchen etc. – all das sind Schäden, die bei der robusten Feldarbeit auftreten können. Werden Mängel zu spät oder gar nicht erkannt, geht das zu Lasten der Qualität.

Fazit

  • Ob biologisches oder chemisches Siliermittel, wählen Sie bewusst nach den gegebenen Silierbedingungen aus.
  • In extremen Situationen, zu nasses oder zu trockenes Siliergut, sind chemische Siliermittel wirkungssicherer.
  • DLG-Gütezeichen sind ein Beleg dafür, dass das Produkt unabhängig und mit Erfolg geprüft wurde.
  • Für eine gleichmäßige Verteilung des Siliermittels im Siliergut ist im Rahmen der passenden Applikationstechnik zu sorgen. Silierzusätze können nur dort wirken wo sie hingekommen sind. 

 


Welches Produkt passt zu welchen Bedingungen?
Nutzen Sie für diese Frage auch den webcode 01039108. Im Rahmen dieser Dateianwendung erfahren Sie mehr zur Produktgruppenwahl.


 


Kontakt:
Dr. Christine Kalzendorf
Beraterin Grünland, mehrj. Ackerfutterbau und Futterkonservierung
Telefon: 0441 801-428
Telefax: 0441 801-432
E-Mail:
Meike Backes
Leiterin Fachbereich Grünland und Futterbau
Telefon: 0511 3665-4453
Telefax: 0511 3665-4508
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Stand: 29.04.2021



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