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Grünlandreifeprüfung - 3. Mitteilung

Viel Aufmerksamkeit gilt jetzt den Winterzwischenfrüchten wie Grünroggen und Welsches Weidelgras. Nach den aktuellen Niederschlägen wird wüchsiges Wetter erwartet. Die Schnittreife ist dann rasch gegeben. 
Das Grünland hat die Weidereife gerade überschritten. Bis zur Mahd muss noch mehr Massebildung erfolgen.
 

Jetzt die Entwicklung des Ackergrases im Fokus haben 


Wachstum auf Dauergrünland noch verhalten 
Zu kühl und zu trocken – diese Witterungsbedingungen prägten den April und damit auch das Wachstumsgeschehen auf den Futterflächen. In einigen Regionen traten gar in der zurückliegenden Woche noch Nachtfröste auf. Dort reagierten vor allem die jungen Blätter mit rot (anthocyan) gefärbten Blattspitzen. Daraus ergibt sich zwar kein nachhaltiger Schaden für den Bestand, aber es zeigt, dass die Gräser unter Stress standen. Viele Böden sind für eine gute Nährstoffmobilisierung noch zu kalt und die kurze Dauer an Sonnenstunden, war für ein nennenswertes Vorankommen der Bestandesentwicklung ungenügend. 
Mit diesem Beitrag berichten wir von unseren Erhebungen auf  Ackergras- und Grünlandbeständen von Praxisflächen. Diese Beprobungen fanden am 27.  April (17. Kalenderwoche) statt. 
Stand der Feldgrasbestände
Das Temperaturgeschehen der letzten Woche hat das Massenwachstum im Hinblick auf Aufwuchshöhe und Ertrag nur wenig vorangebracht. Im Ertragsgeschehen sind die Unterschiede an der Küste, im nordwestlichen Niedersachsen und im Raum Hannover-Braunschweig mit einer Streubreite von 41 bis 46 dt TM/ha gering, was Tabelle 1 zeigt. Ertragshöhen oberhalb von 40 dt TM/ha erreichte der Standort im Weser-Leine-Bergland hingegen noch nicht. An dieser Stelle sei aber angemerkt, dass für diese Region nur ein Standort beprobt wird und die Aussagekraft damit gering ist.
Die Rohfasergehalte der Ackergräser dieser Untersuchungsflächen liegen noch deutlich unter 20 %.  Es handelt sich somit immer noch um junge, nicht ausreichend strukturierte Ackergrasbestände. 
Die Prognosen der Vorwoche (DWD-Braunschweig) haben sich damit recht gut bestätigt. Noch sind die Bestände, wohl witterungsbedingt, durch sehr hohe Zuckergehalte (alle oberhalb von 20 % id.TM) und mäßige Rohproteingehalte geprägt. Diese Situation kann sich mit wüchsigen Wachstumsbedingungen aber rasch ändern. 

Im  Gegensatz zum Welschen Weidelgras konnte sich der zusätzlich untersuchte Futterroggenbestand im westlichen Niedersachsen trotz der kühlen Temperaturen und den fehlenden Niederschlägen beträchtlich weiterentwickeln. Im Vergleich zum Welschen Weidelgras erreichte er doppelt so viel an Ertragszuwachs und an Aufwuchshöhe. Ertraglich ist er damit dem am selben Standort angebauten Welschen Weidelgras um 10 dt TM/ha überlegen. Bei deutlich kürzerer Wachstumszeit wurden die Ressourcen Wasser und Globalstrahlung der Sonne vom Roggen damit wesentlich effizienter genutzt.  Für diesen Bestand wurde der Beginn des Ährenschiebens zum Zeitpunkt der Probenahme noch nicht beobachtet. Dennoch lag der Rohfasergehalt bereits aufgrund des Halmanteils bereits bei 25,8%. Um gute Futterqualität einzufahren, sollte man die Schnitthöhe bewusst als Einflussmöglichkeit nutzen und eher eine etwas höhere Stoppel und etwas weniger Ertrag in Kauf nehmen. Damit lässt sich dann auch besser eine schmutzarme Futterbergung ermöglichen. 

Prognostizierte Entwicklung des Ackergrases
Der Tabelle 2 sind zugleich die vom Deutschen Wetterdienst prognostizierten Entwicklungsdaten zu entnehmen. 
Ertragszunahmen von  etwa 15 dt TM/ha werden demzufolge für die Küstenregion, das nordwestliche Niedersachsen und den Raum Hannover-Braunschweig erwartet. Für das Weser-Leine Bergland fällt die erwartete Ertragszunahme mit 10 dt/ha etwas geringer aus. Mildere Temperaturen und die Niederschläge bringen nun auch rasche Veränderungen in den Inhaltsstoffen mit sich. So werden die Rohfasergehalte (%XF) bis kommender Woche voraussichtlich um 1 bis 1,5 % ansteigen. Bei dieser großen Streubreite ist es nun angebracht, seine eigenen Bestände günstigenfalls täglich in Augenschein zu nehmen. Vor allem in der Küstenregion und im Raum Hannover-Braunschweig bewegt sich die Entwicklung auf den optimalen Schnittzeitpunkt zu. Mit der Rohfasereinlagerung verändern sich auch die Proteingehalte. Der Prognose folgend, werden diese voraussichtlich um weitere 2 bis 2,5 % XP pro Trockenmasse (0,2 - 0,25% XP täglich) abnehmen.

Entwicklungsstand des Grünlandes  
Die Untersuchungsergebnisse für das Grünland und das prognostizierte Wachstum zeigt Tabelle 3. Die Beprobung von den 16 Praxisschlägen erfolgte auch hier am 27. April. Wie aus den Befunden hervorgeht, hatten die Grünlandbestände zu diesem Zeitpunkt kaum die Weidereife erreicht. Im Mittel der sechs Klimaregionen lag diese Streubreite der Aufwuchshöhen zwischen 12 und 23 cm. Die Erträge fielen dementsprechend gering aus.  Mit Ausnahme der Region IV unterliegt das Ertragsgeschehen innerhalb einer Klimaregion recht großen Streuungen. Beispielsweise lagen die Erträge in der Küstenregion zwischen 7,4 bis 21,1 dt TM/ha. Vor allem auf dem Grünland wirken sich die Bestandeszusammensetzung, der jeweilige Standort, die Düngung sowie die Nährstoffverfügbarkeit erheblich auf die Ertragsbildung neben der  Witterung aus. Wir können mit unseren, in Tabelle 3 ausgewiesenen Mittelwerten somit nur einen Trend darstellen. Den Blick auf die eigenen Grünlandflächen und das kritische Verfolgen des Wachstumsgeschehens entbindet es nicht. 

Prognostizierte Entwicklung des Grünlandes
Mit den Niederschlägen dieser Woche und des zurückliegenden Wochenendes werden vom Deutschen Wetterdienst bis zum 6. Mai wüchsige Bedingungen und damit ein deutlicher Wachstumsschub erwartet. Aufgrund der zu kühlen Vorwochen ist das Ertragsniveau in den Regionen immer noch sehr unterschiedlich, wird aber allgemein ein Niveau zwischen 20 und 30 dt TM/ha erreichen. Nach unserer Tabelle liegt das nordöstliche Niedersachsen im Ertragsgeschehen vorn. Hierbei ist anzumerken, dass nur ein Standort (humoser Sand) diese Region beschreibt. Der Grünlandbestand ist in einem sehr guten Zustand und konnte rechtzeitig mit Grundnährstoffdünger versorgt werden. 
Der Rohfasergehalt ist entscheidendes Kriterium für die Schnittreife. Diese fallen im Allgemeinen nicht nur im Untersuchungsbefund, sondern auch mit der Prognose noch gering aus. Wie beim Welschen Weidelgras wurden bislang sehr hohe Zuckergehalte und recht geringe Rohproteingehalte ermittelt. An dieser Situation ändert sich bislang noch wenig.
Insgesamt ist damit zu rechnen, dass die Reifeentwicklung im Dauergrünland zunächst noch verhalten bleibt, insbesondere bei hohem Untergrasanteil. Die aktuellen Niederschläge werden in vielen Regionen dringend gebraucht und wohl auch schnell aufgezehrt sein. Die Schnittreife lässt sich zum aktuellen Zeitpunkt noch nicht exakt kalkulieren. Bei sprunghaft sommerlichen Temperaturen kann die Reifeentwicklung sehr rasch voranschreiten. Besser ist es daher, die wöchentlichen Wachstumsschübe dieser Beitragsserie mit zu verfolgen.  Wünschenswert sind vorerst weitere Niederschläge und eine mäßige Zunahme der Tagestemperaturen, um die Massebildung voranzubringen. 


Kontakt:
Gerd Lange
Berater Grünland und Naturschutzprogramme
Telefon: 04271 945-224
Telefax: 04271 945-222
E-Mail:
Meike Backes
Leiterin Fachbereich Grünland und Futterbau
Telefon: 0511 3665-4453
Telefax: 0511 3665-4508
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Stand: 05.05.2021