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Landessortenversuche 2018: Winterweizen

Die Ernte begann 2018 auch für den Weizen ungewöhnlich früh, da ab April überdurchschnittliche Temperaturen und auch eine intensive Sonneneinstrahlung mit einhergehenden Niederschlagsdefiziten die gesamte Pflanzenentwicklung beschleunigten. Trotz der regional sehr unterschiedlichen Ertragsbeeinflussung durch die Trockenheit reagierten viele der geprüften Sorten in den Anbauregionen recht gleichgerichtet.

 

Die Anbaufläche des Winterweizens hat sich gegenüber dem Vorjahr um knapp 20 % verringert. Mit ca. 335.000 ha ist sie nach den vorläufigen Zahlen des Landesamtes für Statistik in Niedersachsen fast auf das Niveau des Jahres 2012 gesunken, wo allerdings der Rückgang durch starke Auswinterungsschäden verursacht wurde. Schwierige Aussaatbedingungen während des gesamten Herbstes ließen vielerorts eine vernünftige Aussaat nicht zu. Insbesondere in den Marschregionen war ein drastischer Rückgang des Winterweizenanbaus zu verzeichnen. Zum Teil wurde er im Frühjahr durch den Anbau von Sommerweizen oder Sommergerste bzw. Hafer kompensiert. Auf Flächen, die auch im Frühjahr erst recht spät bestellbar waren, wurde dann oftmals Mais bestellt. Der Ertragsrückgang wird landesweit mit ca. 15 % prognostiziert. Allerdings sind die Ertragsschwankungen je nach Region und Niederschlagsverteilung sehr ausgeprägt; kleinräumig waren sehr unterschiedlich hohe Regenmengen zu verzeichnen. Dadurch geben die Durchschnittserträge für die durch die Trockenheit besonders betroffenen Landwirte ein unvollständiges Bild wieder, weil die Erträge in diesen Fällen teilweise unter 50 % des Normalertrages abgesackt sind. Landwirte mit Beregnungsmöglichkeiten haben diese soweit es ging genutzt und dadurch die Erträge weitgehend sichern können; allerdings mit einem hohen Arbeits- und Kosteneinsatz.

Die Ernte begann 2018 auch für den Weizen ungewöhnlich früh, da ab April überdurchschnittliche Temperaturen und auch eine intensive Sonneneinstrahlung mit einhergehenden Niederschlagsdefiziten die gesamte Pflanzenentwicklung beschleunigten. Bereits ab Mitte Juli wurden Frühsaaten oder frühreife Sorten gedroschen. Ohne witterungsbedingte Unterbrechungen konnte die Ernte vielfach bereits Ende Juli abgeschlossen werden. Qualitativ wird es bei den Partien keine Probleme mit Feuchtgehalten oder niedrigen Fallzahlen gegeben haben. Bei geringerem Ertragsniveau werden vielfach auch die Rohproteingehalte tendenziell gute Werte erreichen. 

Durchführung der Landessortenversuche 

Die Landessortenversuche (LSV) Winterweizen werden in insgesamt 6 Anbauregionen Niedersachsens durchgeführt. In der Region Marsch fließen zusätzliche Versuchsergebnisse aus Schleswig-Holstein mit ein; aufgrund der Aussaatschwierigkeiten konnte lediglich ein niedersächsischer Standort ausgesät werden. In den westlichen Regionen der Sand- und Lehmstandorte sowie bei den Höhenlagen wird die Datengrundlage zur Sortenbeurteilung durch Ergebnisse aus Nordrhein-Westfalen ergänzt. Für die Anbauregion Sandböden Nordwest fließen ergänzend die Ergebnisse der Anbauregion Sandböden Nordwest mit geringerer Gewichtung mit ein.

Der mehrjährige relative Durchschnittsertrag der Sorten bezieht sich auf das Leistungsniveau der diesjährigen Verrechnungssorten. In den dargestellten Durchschnittserträgen werden auch Ergebnisse aus sogenannten Vorversuchen, wie Wert- und EU-Prüfungen sowie aus dem Bundessortenversuch mit einbezogen, um auf diese Weise erstmalig im LSV stehende Sorten bereits besser beurteilen zu können.

Die Ergebnisse des BSV können im Internet unter www.Bundessortenversuch.de eingesehen werden.

Die Versuchsstandorte in Niedersachsen wurden unterschiedlich durch die Trockenheit beeinflusst. Auch wenn auf den südhannoverschen und südwestlichen Standorten eine beschleunigte Abreife zu verzeichnen war, wurden hier dennoch überraschend hohe Erträge erzielt. Auf den Sandstandorten Nordhannovers hingegen wurden auf den unberegneten Versuchen drastische Mindererträge in der Größenordnung von unter 35 dt/ha geerntet; intensive Beregnungsstandorte, die auch in der Region mit einfließen, erreichten hingegen knapp 100 dt/ha.

2018 wurden mit Chiron, KWS Fontas, LG Initial und Asory vier neue A-Sorten, mit Informer, Hymalaya (Hybride) und Argument drei B-Sorten sowie mit Safari eine neue C-Sorte geprüft. Frühreife Sorten wurden zusätzlich mit in das LSV-Sortiment einbezogen, um dadurch einen direkten Vergleich zu erhalten. Neben Faustus, Rumor und Porthus, die bereits im Vorjahr parallel geprüft wurden, sind nunmehr mit Euclide und Rusbisko als A-Weizen sowie RGT Sacramento und die ab 2018 als B-Weizen eingestufte Sorte Nemo weitere frühe Sorten integriert worden. Expert wurde in der Marsch als bekannte frühreife C-Sorte ergänzt.

 Hinweise auf die Krankheitsanfälligkeit der Sorten

Die Ertragsergebnisse bilden das Leistungsvermögen der Sorten bei optimaler Gesunderhaltung der Bestände ab. Die ertraglichen Auswirkungen des Verzichts von Wachstumsregulatoren und Fungizidmaßnahmen wird in der Spalte Minderertrag des Anbaujahres 2018 dargestellt. Sorten mit einer guten Festigkeit gegenüber Krankheiten bei gleichzeitig geringer Lagerneigung weisen hier nur geringe Werte auf und sollten dieses auch in der Eigenschaftstabelle bestätigen.

Sortenempfehlungen

Für die Sortenwahl sind gerade nach diesem wieder mal ungewöhnlichen Jahr konstante Leistungen über die Jahre und auf unterschiedlichen Standorten wichtige Kriterien. Zugleich sollten aber auch weitere Faktoren, wie die Festigkeit gegen Lager, Resistenzen gegen Krankheiten und nicht zuletzt die Winterhärte der Sorten berücksichtigt werden. Letzteres Merkmal kann bei den neueren Sorten kaum beurteilt werden, da entsprechende Prüfsituationen nicht gegeben waren. Bei den etablierten Sorten zeigten vor allem KWS Maddox, Rubisko, Benchmark und Porthus stärkere Probleme. Ob diese betroffenen Sorten, wie auch weitere Sorten mit Schwächen in der Winterhärte, dennoch für den Anbau ausgewählt werden, liegt in der unternehmerischen Entscheidung jedes Einzelnen und sollte vor allem auch vor dem Hintergrund des Standortes entschieden werden. Gleiches gilt für den Anbau der C-Sorten, die nach Düngeverordnung mit 20 kg N weniger gedüngt werden dürfen.

Die Qualitätskriterien, wie die Rohproteingehalte und die Fallzahl bzw. Fallzahlstabilität sind vor allem bei der Vermarktung wichtige Parameter. Die Einstufung der Sorten hierzu sind in der Tabelle „Eigenschaften“ auf Basis der Einstufung des BSA dargestellt. In einem folgenden Bericht zur Qualitätsbeurteilung werden die eigenen Untersuchungen und Ergebnisse dargestellt und bewertet.

Folgende Sorten sind für die unterschiedlichen Anbauregionen zu empfehlen:

Die vermehrungsstärkste Sorte RGT Reform konnte in diesem Jahr nicht an die guten Vorjahresergebnisse anknüpfen. Lediglich auf den Sandstandorten konnte sie gute Ergebnisse erreichen. Mehrjährig betrachtet zählt sie nach wie vor zu den empfohlenen Sorten im A-Segment und zeigt keine gravierenden Schwächen gegenüber Krankheiten. Bei hoher Fallzahl und auch Fallzahlstabilität sind einzig die geringeren RP-Gehalte anzumerken.

Kashmir konnte die guten Vorjahresergebnisse weitestgehend bestätigen. Zu beachten sind die Schwächen im Hinblick auf Lagerneigung sowie die Anfälligkeit gegenüber Gelbrost, Blattseptoria und Halmbruch. Bei sehr guter Fallzahleinstufung erreichte sie im Rohproteingehalt allerdings auch nur unterdurchschnittliche Werte.

Nordkap erreichte in der Marsch ihre besten Ergebnisse und ist dort mit den anderen mehrjährig geprüften Sorten empfohlen. Mit Ausnahme der Schwäche gegenüber Braunrost ist sie als standfeste und ansonsten gesunde Sorte einzustufen, die auch qualitativ zu überzeugen weiß.

Von den neuen A-Sorten erreichten LG Initial und Asory die besten Leistungen in allen Anbauregionen. Bis auf die Schwächen gegenüber DTR und bei LG Initial gegenüber Braunrost bereichern sie diese Qualitätsgruppe und sind für den Probeanbau zu empfehlen.

Die Qualitätsgruppe der B-Weizensorten umfasst das größte Sortenspektrum. Hier sticht die Sorte Benchmark mit konstanten und sehr guten Ertragsleistungen in allen Anbauregionen hervor. Hauptschwäche dieser Sorte ist die mangelnde Winterhärte. Sie ist daher nicht für Frühsaaten nach beispielsweise Raps oder in auswinterungsgefährdeten Lagen geeignet. Bei mittlerer Lagerneigung muss vor allem die erhöhte Anfälligkeit gegenüber Braun- und Gelbrost sowie Blattseptoria beachtet werden. Als hochertragreiche Sorte liegen die Rohproteingehalte und Hektolitergewichte auf einem sehr geringen Niveau, wohingegen die Fallzahleinstufung sehr gut ist.

Die Sorte Bergamo ist ebenfalls aus ertraglicher Sicht für alle Anbauregionen geeignet. Zur Erzielung konstanter Erträge müssen rechtzeitig Behandlungsmaßnahmen gegen Mehltau eingeplant werden. Gegenüber Braunrost ist sie anfälliger geworden. Schwache Fallzahlen müssen bei der Ernteterminierung beachtet werden, auch die Winterhärte ist etwas kritisch zu sehen.

Trotz konstant guter Ertragsleistungen konnte sich KWS Maddox in der Praxis nicht richtig etablieren; die Gefahr zur Auswinterung ist bei dieser Sorte am ausgeprägtesten. Geringe RP-Gehalte und die Gefahr von Ährenfusarium sind weitere zu beachtende Faktoren.

Porthus erreichte bis auf die Sandböden und die Höhenlagen mehrjährig noch leicht überdurchschnittliche Erträge. Zu beachten ist die mangelnde Winterhärte und Schwächen in der Standfestigkeit sowie eine geringe Festigkeit gegenüber Braunrost und Halmbruch.

Johnny überzeugte ertraglich auf der Marsch und den Lehmstandorten Nordwest, wobei neben geringer Winterhärte auch die Anfälligkeit gegenüber den Rosten, Blattseptoria und Halmbruch sowie die schwache Fallzahlstabilität beachtet werden müssen. Sie ist derzeit die krankheitsanfälligste Sorte im Prüfsortiment und das spiegelt sich auch in den Mindererträgen in der unbehandelten Stufe deutlich wider. Insbesondere die deutliche Schwäche gegenüber Gelbrost kann dazu führen, dass sie häufiger und intensiver behandelt werden muss, wodurch die ertraglichen Vorteile dann wieder gegenüber gesünderen Sorten egalisiert werden.

Bosporus erreichte auf den Sandböden Nordhannover und den Lehmböden sowie Höhenlagen gute Erträge. Neben einer guten Winterhärte ist sie bis auf eine zunehmende Anfälligkeit gegenüber Braunrost als gesund einzustufen.

KWS Talent überzeugte in allen Anbauregionen bis auf die Sandböden Nordhannover durch hohe Erträge. Die Halmbruchanfälligkeit ist zu beachten und auch gegenüber Mehltau und Braunrost wird sie im Vergleich zum Vorjahr etwas schwächer eingestuft. Mit Ausnahme der Sandböden Nordhannover ist sie allgemein zu empfehlen.

Die Sorte LG Imposanto konnte in allen Regionen ihr schwaches Vorjahresergebnis verbessern und ist auf Grund der mehrjährigen Ergebnisse in den Anbauregionen Marsch, Lehmböden Südhannover und den Höhenlagen zu empfehlen. Bis auf die Empfindlichkeit bei Blattseptoria zeigte sie keine weiteren Schwächen, sondern überzeugte durch Winterhärte, Ährengesundheit und gute Einstufung gegenüber den Rosten.

Die als gesund eingestufte Sorte Kamerad konnte in diesem Jahr ihre leicht unterdurchschnittlichen Erträge lediglich in der Marsch und auf den Höhenlagen verbessern und könnte dort auch mit reduziertem Fungizideinsatz wirtschaftlich interessant sein. 

Faustus ist als frühreife Sorte bereits bekannt und bestätigte in den LSV-Versuchen die guten Leistungen. Lediglich in der Region Höhenlagen enttäuschte sie in diesem Jahr.  Sie zeichnet sich gegenüber Gelbrost als sehr robust aus; zu beachten sind Schwächen vor allem bei Braunrost, aber auch gegenüber Mehltau und Halmbruch.

Die neue Sorte Informer erreichte bis auf die Sandstandorte die höchsten Erträge in 2018 und ist auch aufgrund keiner gravierenden Schwächen gegenüber Krankheiten in der Marsch und auf den Lehm- und Höhenstandorten für den Probeanbau zu empfehlen. Besonders in der Standfestigkeit sowie Festigkeit gegenüber Mehltau und Gelbrost konnte sie überzeugen.

Aus dem Bereich der C-Sorten hebt sich die zweijährig geprüfte Sorte Sheriff ertraglich positiv hervor. Dank überdurchschnittlicher Erträge in der Marsch und auf den Lehmstandorten könnte sie bei geringen Preisdifferenzen zwischen Back- und Futterweizen durchaus interessant sein. Die erstmals geprüfte Sorte Safari lieferte auch durchweg gute Leistungen ab und überzeugt durch Festigkeit gegenüber Lager, Mehltau, Gelb- und Braunrost. Am ehesten käme ein Probeanbau in der Marsch, auf den Lehmstandorten Nordwest sowie den Sandstandorten Nordhannover in Frage. Die vorwiegend in Maisfruchtfolgen empfohlene Sorte Anapolis konnte zwar aktuell bessere Ergebnisse als im Vorjahr erzielen, käme mehrjährig betrachtet aber nur in den Höhenlagen aus ertraglicher Sicht in Frage. Neuere B-Sorten wie Kamerad oder LG Imposanto sind gegenüber Ährenfusarium vergleichbar gut eingestuft und können in entsprechenden Fruchtfolgen eingesetzt werden. 

Sortenleistungen in den einzelnen Regionen

In der Anbauregion der Marsch konnten die Sorten RGT Reform und Kashmir die guten Vorjahresergebnisse nicht wiederholen. Bessere Leistungen zeigte hier Nordkap. Die drei mehrjährig geprüften Sorten liegen damit insgesamt auf vergleichbarem Ertragsniveau und sind beim Anbau von A-Sorten zu empfehlen. Von den neuen Sorten kommt LG Initial aufgrund sehr guter Erträge in Frage.

Aus dem B-Segment erreichten von den mehrjährig geprüften Sorten Benchmark, Porthus und Bergamo sowie die zweijährig geprüfte Sorte KWS Talent die höchsten Erträge und sind vornehmlich für den Anbau zu empfehlen. Überdurchschnittliche Leistungen zeigten auch Johnny und LG Imposanto. Faustus kommt trotz sehr schwacher aktueller Erträge neben Porthus als frühreife Sorte für den Anbau in Frage. Die weiteren frühreifen Sorten enttäuschten. Von den neuen Sorten aus diesem Segment lieferte Informer die mit Abstand höchsten Erträge und ist für den Probeanbau geeignet. Ertraglich überzeugen konnte hier auch die sehr lange Sorte Argument, bei der allerdings das erhöhte Lagerrisiko zu berücksichtigen ist.

Bei den C-Sorten konnte Sheriff das schwache Vorjahresergebnis wettmachen und käme daher für den Anbau in Frage. Für die neue ertragreiche Sorte Safari sollten weitere Ergebnisse abgewartet werden, um eine Empfehlung auszusprechen. Zu empfehlen sind: RGT Reform, Nordkap, Kashmir (alle A), KWS Talent, Benchmark, Bergamo, Porthus und auch als frühreife Sorte Faustus (alle B). Von den C-Sorten ist Sheriff zu nennen; für den Probeanbau: LG Initial, Asory (beide A) und Informer (B). In der Praxis haben sich darüber hinaus auch die C-Sorten Elixer und die frühreife Sorte Expert etabliert. Auf Standorten mit erhöhtem Blattseptoriadruck sollten entsprechend unanfällige Sorten, wie Kamerad oder Sheriff ausgewählt werden.

Auf den Sandböden Nordwest überzeugte bei den A-Sorten RGT Reform dies- und mehrjährig mit einem hohen Ertrag. Die zweijährig geprüfte Sorte Kashmir erzielte auch 2018 wieder gute Erträge. Asory lieferte von den neuen Sorten die besten Erträge.

Folgende B-Sorten erreichten insgesamt mehrjährig die höchsten Erträge: Benchmark, KWS Maddox, Bergamo und KWS Talent, wobei letztgenannte Sorte die höchsten Jahreserträge erzielte. Faustus empfiehlt sich in erster Linie als früh abreifende Sorte. Von den neuen Sorten hebt sich noch keine Sorte entscheidend hervor, was eine Empfehlung für einen Probeanbau bei den B-Sorten rechtfertigen würde.

Die C-Sorten können wiederum das Ertragsniveau der besten B-Sorten sowohl einjährig als auch mehrjährig nicht erreichen. Lediglich Sheriff und die neue Sorte Safari erreichen dank Einbeziehung der Ergebnisse der Sandstandorte Nordhannover gute Leistungen.

In dieser durch Veredlung dominierten Region spielt der Anbau Fusarium resistenter Sorten eine entscheidende Rolle, da der Weizen vorwiegend in der Fütterung eingesetzt wird. Daher sind vor allem Sorten mit sehr guter Einstufung gegenüber Ährenfusarium wichtig. Ohne ertraglich voll zu überzeugen, sind daher dennoch Sorten wie LG Imposanto und Kamerad wichtige Sorten und für den Einsatz in der tierischen Veredlung zu empfehlen.

Aus ertraglicher Sicht empfohlene Sorten sind: RGT Reform, Kashmir (alle A), Benchmark, KWS Maddox, Bergamo, KWS Talent sowie die frühreife Sorte Faustus (alle B). Für den Probeanbau ist Asory (A) zu nennen. Zunehmend setzen auch in dieser Region die Landwirte auf unempfindliche Sorten, die winterhart sind und mit geringerem Pflanzenschutzaufwand sichere Erträge erzielen.

In der Region Sandböden Nordhannover erreichte RGT Reform aktuell und mehrjährig die besten Erträge. Die zweijährig geprüfte Sorte Kashmir lieferte als A-Sorte ebenfalls noch gute Erträge. Interessant sind die neuen Kandidaten LG Initial und Asory, die beide überzeugen konnten; Asory vor allem auf dem stark trockenheitsgeschädigten Standort.

Bei den zwei- und mehrjährig geprüften B-Sorten erzielten wie in den Vorjahren Benchmark und KWS Maddox die höchsten Erträge. Bosporus und Bergamo konnten auch mit konstanten Leistungen überzeugen, während die Leistungen von Porthus schwankten. Nicht überzeugen konnten 2018 Johnny und KWS Talent. Die frühreife Sorte Faustus zählt mehrjährig betrachtet auch zu den ertragsstarken Sorten. Von den neuen Sorten konnte noch keine durch herausragende Leistungen überzeugen, wobei gerade in dieser Anbauregion auch sehr spezielle Bedingungen durch die Trockenheit herrschten. Ertraglich am besten schnitt die Hybridsorte Hymalaya ab, gefolgt von der langstrohigen Sorte Argument. Im Bereich der C-Sorten setzte einzig die neue Sorte Safari dank guter Vorergebnisse ein Ausrufezeichen. Am ehesten mit den ertragsstärksten B-Sorten konnte Sheriff mithalten. Empfohlen werden: RGT Reform, Kashmir (beide A), Benchmark, KWS Maddox, Faustus (alle B); für den Probeanbau: Asory und LG Initial (beide A). Bergamo und Bosporus wären aufgrund der konstanten Leistungen weitere Alternativen.

Auf den Lehmstandorten Nordwest erreichte Kashmir von den A-Sorten die besten Leistungen. RGT Reform konnte ertraglich wiederum nicht überzeugen, zählt mehrjährig betrachtet dennoch zu den ertragsstärksten A-Sorten. Nordkap und Apostel liegen dahinter. Von den neuen Sorten überzeugten Asory und LG Initial einjährig und unter Einbeziehung der Vorversuche. Die frühreifen Rubisko und Euclide lieferten vergleichsweise gute Erträge ab.

Bei den B-Sorten konnten die Sorten KWS Maddox, KWS Talent, Benchmark und Bergamo im aktuellen Jahr sowie mehrjährig durch konstante Leistungen überzeugen. Die vor allem gegenüber Mehltau resistente Sorte Gustav erreichte wie Johnny, Bosporus, Porthus, Faustus und LG Imposanto durchschnittliche Leistungen. Johnny zählt dank hoher Erträge aus den Vorjahren noch zu den ertragsstärksten Sorten, ist aber auch insbesondere in dieser Anbauregion stark von einem intensiven Fungizideinsatz, besonders gegenüber Gelbrost, Braunrost und Blattseptoria, abhängig. Von den neuen Sorten empfiehlt sich vor allem Informer für den Probeanbau.

Im Bereich der C-Sorten erreichte in erster Linie Sheriff das Ertragsniveau der besten B-Sorten.

Empfohlen werden: Kashmir, RGT Reform (A), Benchmark, KWS Talent, Johnny, Bergamo, Gustav, KWS Maddox (alle B) und Sheriff. Als frühe B-Sorten sind zudem Porthus, Rumor und Faustus zu nennen. Für den Probeanbau sind LG Initial und Asory sowie Rubisko als frühreifer Grannenweizen (alle A) zu nennen. Aus dem B-Segment empfehlen sich Informer und als C-Sorte Safari für den Probeanbau.  

In der Standortgruppe der Lehmböden Südhannover werden neben den A-, B-, und C-Sorten auch die E-Sorten mitgeprüft. Die einbezogenen Standorte sind allesamt in Niedersachsen, wobei an drei Standorten das Prüfsortiment sowohl nach Blattvorfrucht als auch als Stoppelweizen getestet wird. Mit über 100 dt/ha Kornertrag wurde auf diesen Standorten trotz Trockenheit sehr gut gedroschen. Die Erträge der E-Sorten werden in den Tabellen mit dargestellt. Eine Kommentierung dieser Sorten erfolgt jedoch in der Veröffentlichung zu den Qualitätsuntersuchungen.

Im Bereich der A-Sorten erreichte von den zwei- bis mehrjährig geprüften Sorten Kashmir die besten Erträge. RGT Reform konnte die Ergebnisse der Vorjahre nicht bestätigen, erreicht im Mittel der Prüfjahre aber wie Kashmir die besten Leistungen. Nordkap und Apostel erreichten etwas bessere aktuelle Jahresergebnisse, zusammenfassend liegen sie jedoch zwei Prozentpunkte hinter den beiden vorgenannten Sorten. Mit LG Initial und Asory sind zwei neue Sorten mit hohen Erträgen geprüft worden. Von den früh abreifenden Grannensorten erreichte auch Rubisko ein sehr gutes Ergebnis.

Bei den B-Sorten konnte die neue Sorte Informer insgesamt den höchsten Ertrag erzielen, gefolgt von LG Imposanto und KWS Talent. Mehrjährig betrachtet ist Benchmark auch dank sehr konstanter Leistungen die ertragsstärkste Sorte. Bergamo, KWS Talent und KWS Maddox folgen danach. Johnny zählt nach wie vor zu den ertragsbetonten Sorten, genau wie die früher abreifende Sorte Porthus. LG Imposanto konnte ihr schwaches Ergebnis aus 2017 deutlich verbessern. Neben Porthus gehört auch Faustus als frühreife Sorte zu den empfohlenen Sorten. Die Hybridsorte Hymalaya ereichte auch hier hohe Erträge, die aufgrund der erhöhten Saatgutkosten wirtschaftlich betrachtet noch nicht ausreichend sind.

Von den geprüften C-Sorten erreichte Sheriff sehr gute Jahreserträge, die sich auch im Durchschnitt der Jahre entsprechend positiv niederschlagen. Erfreuliche Leistungen zeigte auch die bewährte Sorte Elixer. Im mehrjährigen Vergleich konnte lediglich Sheriff das Ertragsniveau der besten B-Sorten knapp erreichen. Besonderheiten wie die Robustheit gegenüber Ährenfusarium in Maisfruchtfolgen, die für den Anbau der Sorte Anapolis genannt werden, können jedoch auch durch Sorten wie LG Imposanto, Porthus oder Rubisko bei gleichem oder höheren Ertragsniveau erfüllt werden.

Empfohlen werden: RGT Reform, Kashmir, (beide A), Bergamo, KWS Talent, Faustus als frühreife Sorte, sowie unter Berücksichtigung der Auswinterungsgefahr Benchmark, KWS Maddox, Porthus (frühreif), (alle B); für den Probeanbau: LG Initial, Asory, Rubisko (frühreifer A-Grannenweizen mit der Gefahr der Auswinterung), Informer (B).

Auch in den Höhenlagen Mitte/West zeigte RGT Reform gegenüber dem Vorjahr ein deutlich schwächeres Ergebnis. Mit insgesamt recht schwankenden Ertragsleistungen zwischen den Jahren zählt die Sorte dennoch zu den empfohlenen A-Sorten. Ertraglich besser sieht das Ergebnis der Sorte Kashmir aus. Auch Apostel und Nordkap erreichen 2018 bessere Ergebnisse als RGT Reform, sind mehrjährig betrachtet jedoch etwas schwächer einzustufen. Asory und LG Initial erreichten als neue Sorten die besten Erträge und bestätigen auch in dieser Region ihre guten Leistungen. KWS Fontas und Chiron konnten wie in den übrigen Anbauregionen noch nicht überzeugen. Von den geprüften Grannenweizen konnte keine Sorte überzeugen. Euclide wäre aufgrund der Winterhärte am ehesten geeignet.

Mit Abstand die höchsten Erträge erzielte die neue Sorte Informer aus dem B-Bereich. Aber auch von den zwei- und mehrjährig geprüften Sorten konnten Bergamo, Bosporus, LG Imposanto und Kamerad überzeugen. Mehrjährig betrachtet erreichten wieder Benchmark und Bergamo sowie KWS Talent überdurchschnittliche Ergebnisse. Insbesondere für diese Region sei nochmals auf die deutliche Schwäche in der Winterhärte bei Benchmark hingewiesen. Frühsaaten nach beispielsweise Raps sollten vermieden werden. Als Stoppelweizen mit nicht zu üppiger Vorwinterentwicklung hat sich die Sorte in den letzten Jahren bewährt. Bosporus, LG Imposanto und Kamerad konnten sich dank der guten aktuellen Erträge insgesamt verbessern.

Gut behaupten konnte sich nach wie vor auch Johnny mit konstanten Leistungen. Rumor und Porthus fielen ertraglich ab. Die stark auswinterungsgefährdete Sorte KWS Maddox erreichte ein leicht überdurchschnittliches Niveau.

Die frühreife Sorte Faustus erzielte sehr schwache Erträge, sodass sie insgesamt nur unterdurchschnittlich abschneidet.

Von den C-Sorten lieferten 2018 Anapolis und Sheriff überdurchschnittliche Ergebnisse, liegen mehrjährig betrachtet jedoch nur auf einem mittleren Ertragsniveau. Die in Maisfruchtfolgen häufig angebaute Sorte Anapolis sollte aufgrund der erhöhten Auswinterungsgefahr durch Sorten wie Kamerad oder LG Imposanto getauscht werden, die ertraglich vergleichbare Ergebnisse erreichen können.

Zu empfehlen sind: RGT Reform, Kashmir (beide A), Bergamo (B), KWS Talent, LG Imposanto, Bosporus, Kamerad. Porthus als frühreife Sorte, Benchmark und KWS Maddox sind wegen der Gefahr zur Auswinterung nur eingeschränkt zu empfehlen; für den Probeanbau LG Initial, Asory (beide A), Informer (B).

Zusammenfassung 

Trotz der regional sehr unterschiedlichen Ertragsbeeinflussung durch die Trockenheit reagierten viele der geprüften Sorten in den Anbauregionen recht gleichgerichtet. Positiv überrascht hat die Leistungsfähigkeit des Weizens unter schwierigen Witterungsverhältnissen in den Ackerbauregionen Südhannovers. Gleichzeitig wurden dem Weizen aber auch die Grenzen auf den leichten Böden ohne Beregnungsmöglichkeit aufgezeigt. Die diesjährigen Weizensortenergebnisse zeigen, dass viele der bewährten Sorten nach wie vor ihre Anbaubedeutung behalten. Jedoch sind in allen Qualitätsgruppen interessante neue Sorten mitgeprüft worden, die künftig ihre guten Einstiegsergebnisse unter Beweis stellen müssen. Die zunehmende Anfälligkeit der Sorten vor allem gegenüber den Rosten führt in der Praxis auch zu einem Umdenken im Hinblick auf den Fungizideinsatz. Neben der Ertragsleistung werden daher auch stärker die Aspekte der Blattgesundheit Beachtung finden.

 

Carsten Rieckmann

LWK Niedersachsen

 


Kontakt:
Carsten Rieckmann
Pflanzenbau; Leiter Sachgebiet Mähdruschfrüchte, Nutzungssysteme u. Qualitätserzeugung
Telefon: 0511 3665-4357
Telefax: 0511 3665-4508
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Stand: 18.09.2018