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Landessortenversuche 2019: Winterweizen

Im diesjährigen LSV Winterweizen wurden 29 Sorten in 6 Anbauregionen geprüft. Darunter waren 7 neue Sorten, 2 in Qualitätsgruppe E, 2 in der Gruppe A und 3 in Gruppe B. Durch den Wegfall des Rohproteingehaltes als Kriterium für die Einstufung in die Qualitätsgruppen sind außerdem vom Bundessortenamt 2 Sorten von der Gruppe B nach A und eine Sorte von C nach B umgestuft worden.

 

Die Anbaufläche des Winterweizens beträgt laut Prognose des Landesamtes für Statistik Niedersachsen (LSN) vom 16.08.2019 wieder gut 400.000 ha. Damit ist der durch schwierige Aussaatbedingungen verursachte letztjährige Anbaurückgang weitgehend ausgeglichen worden. Die im Vergleich zu 2017 um ca. 10.000 ha verringerte Fläche wurde möglicherweise durch einen Rückgang beim Stoppelweizen verursacht, indem er durch andere Kulturen wie Wintergerste oder auch Mais ersetzt wurde. Laut den aktuellen Zahlen des LSN wurden niedersachsenweit 82 dt/ha gedroschen. Dieser Durchschnittswert spiegelt die großen Ertragsunterschiede zwischen den Anbauregionen, aber auch kleinräumig nicht wider, da die Niederschlagsereignisse wie im Vorjahr sehr unterschiedlich ausfielen. Während in der Regel Weizen nach Rüben, Kartoffeln oder Mais besser als nach Stoppelweizen dreschen, hatte man dieses Jahr den umgekehrten Eindruck. Insbesondere die Rüben schöpften die Bodenwasservorräte der tieferen Bodenschichten aus, dies bekam der Weizen auch auf den Lehmstandorten zu spüren. Von extremen Mindererträgen, wie sie im letzten Jahr teilweise hingenommen werden mussten, wurde nunmehr nicht berichtet. Allerdings ist die Schwankungsbreite enorm. Innerhalb der Regionen wird von Erträgen zwischen 40 und 80 dt/ha auf den leichteren und von 60 bis 110 dt/ha auf den Hochertragsstandorten berichtet. In der Marschregion wurden in der Regel im Schnitt gute, teilweise sehr gute Erträge erzielt. Die Beschränkung der Beregnungsmengen in den östlichen Beregungsregionen bekamen nach dem Intensivjahr 2018 zuerst das Wintergetreide zu spüren; auf eigentlich notwendige Gaben wurde verzichtet.

 

Die Ernte begann auch 2019 für den Weizen ungewöhnlich früh und konnte meistens ohne größere Unterbrechungen durchgeführt werden. Lediglich in den Marschregionen verzögerte sie sich, da viele Bestände später als im Binnenland abgereift waren. Qualitativ gab es bei den Partien keine Probleme mit zu hohen Feuchtegehalten oder niedrigen Fallzahlen. Allerdings wird von durchweg niedrigen Rohproteingehalten berichtet, vor allem, wenn gute Erträge erzielt wurden. Offensichtlich hat die schnelle Abreife im Juni eine Umverlagerung von Stickstoff begrenzt. Zudem wurde die Stickstoffdüngung durch die hohen Nmin Gehalte zu Vegetationsbeginn deutlich beschnitten.

Durchführung der Landessortenversuche

Die Landessortenversuche (LSV) Winterweizen werden in insgesamt 6 Anbauregionen Niedersachsens durchgeführt. Die angelegten Versuche konnten komplett gedroschen und ausgewertet werden. In den westlichen Regionen der Sand- und Lehmstandorte sowie bei den Höhenlagen wird die Datengrundlage zur Sortenbeurteilung durch Ergebnisse aus Nordrhein-Westfalen ergänzt. Für die Anbauregion Sandböden Nordwest fließen ergänzend die Ergebnisse der Anbauregion Sandböden Nordhannover mit geringerer Gewichtung mit ein.

Der mehrjährige relative Durchschnittsertrag der Sorten bezieht sich auf das Leistungsniveau der diesjährigen Verrechnungssorten und wird anhand der absoluten Einzelortergebnisse in einem aufwändigen mathematischen Verfahren (Hohenheim-Gülzower Modell) ermittelt. In die dargestellten Durchschnittserträge werden auch Ergebnisse aus sogenannten Vorversuchen wie Wert- und EU-Prüfungen sowie aus dem Bundessortenversuch mit einbezogen, um auf diese Weise erstmalig im LSV stehende Sorten bereits verlässlicher beurteilen zu können.

Die Ergebnisse des aktuellen BSV können im Internet unter www.Bundessortenversuch.de eingesehen werden.

Die hohen diesjährigen Ertragsleistungen auf den Versuchsstandorten spiegeln die trockenheitsbedingten Unterschiede in der Praxis nicht wider, gleichwohl geben die Sortenleistungen in den einzelnen Anbauregionen wichtige Rückschlüsse für die Sortenwahl.

Die höchsten Erträge wurden in diesem Jahr mit 115 bis 133 dt/ha auf den niedersächsischen Marschstandorten erreicht. Auf den Lehmböden hatte die Aussaatzeit einen größeren Einfluss als die Vorfrucht. Auf den Lehmböden Südhannovers lag daher das Ertragsniveau der Raps- und Stoppelweizenflächen sowie auf den beiden Standorten in den Höhenlagen zwischen 112 bis 126 dt/ha. Die Trockenheit war auch in diesem Jahr ein großes Thema, dies verdeutlichen die Ertragsunterschiede in den beiden Sandregionen, wo eine Ertragsspanne zwischen 68 und 99 dt/ha festzustellen war. Auf einem um 10 dt/ha höheren Niveau lagen die Erträge der leichten Lehmstandorte

Änderung der Anforderungen an die Einstufung in die Weizen Qualitätsgruppen

Mit dem Wegfall des Rohproteins als einem der Parameter für die Einstufung der Weizensorten in die unterschiedlichen Qualitätsgruppen haben sich auch Änderungen bei bereits eingeführten Sorten ergeben. So wurden von den bisher im LSV geprüften Sorten LG Imposanto und Hymalaya von B- auf A-Weizen heraufgestuft und die C-Weizensorte Sheriff von C- auf B-Weizen. Diese Heraufstufung wird allerdings bei der Vermarktung an den Landhandel keine Bedeutung haben, wenn nach wie vor zum großen Teil Mindestrohproteingehalte gefordert werden.

2019 wurden zwei neue A-Sorten, Lemmy und RGT Depot, sowie drei neue B-Sorten in die Prüfungen mit aufgenommen. Die spät abreifende Sorte SU Selke wurde wegen schwacher Volumenausbeute letztlich von A- auf B-Qualität eingestuft. LG Vertikal und Campesino sind nach dem Wegfall der Rohproteingehalte als Kriterium für die Qualitätseinstufungen von C- auf B-Weizenqualität hochgestuft worden. Damit profitieren sie automatisch von den um 20 kg N/ha höheren Bedarfswerten bei der Düngung.

Hinweise auf die Krankheitsanfälligkeit der Sorten

Die Ertragsergebnisse bilden das Leistungsvermögen der Sorten bei optimaler Gesunderhaltung der Bestände ab. Die ertraglichen Auswirkungen des Verzichts von Wachstumsregulatoren und Fungizidmaßnahmen wird in der Spalte Minderertrag des Anbaujahres 2019 dargestellt. Sorten mit einer guten Festigkeit gegenüber Krankheiten bei gleichzeitig guter Standfestigkeit weisen hier nur geringe Werte auf und sollten dieses auch in der Eigenschaftstabelle bestätigen.

Sortenempfehlungen

Konstante Leistungen in unterschiedlichen Jahren und auf unterschiedlichen Standorten zeichnen erfolgreiche Sorten aus. Weitere Faktoren wie die Festigkeit gegen Lager, Resistenzen gegen Krankheiten und nicht zuletzt die Winterhärte der Sorten sind ebenso mitentscheidende Größen bei der Sortenbeurteilung und -auswahl.

Letzteres Merkmal kann bei den neueren Sorten kaum beurteilt werden, da entsprechende Prüfsituationen nicht gegeben waren. Bei den etablierten Sorten sind Schwächen in der Winterhärte vor allem bei Rubisko, Benchmark und Porthus zu beachten. Ob diese betroffenen Sorten dennoch für den Anbau ausgewählt werden, liegt in der unternehmerischen Entscheidung jedes Einzelnen und sollte vor allem auch vor dem Hintergrund der Standortbedingungen entschieden werden. Gleiches gilt für den Anbau der C-Sorten, die nach Düngeverordnung mit 20 kg N/ha weniger als B-Sorten gedüngt werden dürfen.

Die Qualitätskriterien wie die Rohproteingehalte und die Fallzahl bzw. Fallzahlstabilität sind vor allem bei der Vermarktung wichtige Parameter. Die Einstufung der Sorten hierzu sind in der Tabelle „Eigenschaften“ auf Basis der Einstufung des BSA dargestellt. In einem späteren Bericht zur Qualitätsbeurteilung werden die aktuellen eigenen Untersuchungen und Ergebnisse dargestellt und bewertet.

Folgende Sorten sind für die unterschiedlichen Anbauregionen zu empfehlen:

Zur besseren Orientierung wurden die empfohlenen Sorten in den beiden Tabellen „Empfehlungen und Eigenschaften“ für die einzelnen Anbauregionen markiert, gemeinsam mit weiteren Hinweisen für besondere Anbaueignungen und den wichtigsten Qualitäts- und Krankheitseinstufungen sowie der Standfestigkeit und Winterhärte. Als blattgesund werden Sorten beschrieben, die gegenüber Mehltau, Gelb- und Braunrost sowie Blattseptoria keine Schwächen zeigen und sich in wenigstens einem dieser genannten Merkmale als robust („+“) erwiesen.

Die vermehrungsstärkste Sorte RGT Reform konnte in diesem Jahr ihr Ertragsniveau der Vorjahre bestätigen. Zu beachten ist, dass in diesem und im vergangenen Jahr ertragsstarke Prüfsorten hinzugekommen sind, die die Relativzahlen der mehrjährig geprüften Sorten mindern. Mehrjährig betrachtet zählt sie auf Grund ihrer konstanten Leistungen zu den empfohlenen Sorten im A-Segment und zeigt nach wie vor noch keine gravierenden Schwächen gegenüber Krankheiten. Bei hoher Fallzahl und auch Fallzahlstabilität sind einzig die nur durchschnittlichen RP-Gehalte anzumerken. Da die Erträge in der Marsch und den Lehm- und Höhenstandorten etwas schwächer ausfallen, wurde die Empfehlung hier eingeschränkt.

Kashmir konnte die guten Vorjahresergebnisse weitestgehend bestätigen. Zu beachten sind die Schwächen im Hinblick auf Lagerneigung sowie die Anfälligkeit gegenüber Gelbrost, Blattseptoria und Halmbruch, sodass sie für die Marsch und die Lößstandorte bei etwas schwächeren Erträgen nur eine eingeschränkte Empfehlung erhält. Bei sehr guter Fallzahleinstufung erreichte sie im Rohproteingehalt allerdings auch nur unterdurchschnittliche Werte.

Die nunmehr als A-Sorte geführte LG Imposanto erreichte 2019 durchschnittliche Leistungen und profitiert mehrjährig von den guten Vorjahresergebnissen. Mit Ausnahme der Sandböden Nordwest ist sie in den übrigen Anbauregionen uneingeschränkt empfohlen.

Bis auf die Empfindlichkeit bei Blattseptoria zeigte sie keine weiteren Schwächen, sondern überzeugte durch Winterhärte, Standfestigkeit, Ährengesundheit und guten Einstufungen gegenüber den Rosten. Die Rohproteinwerte sind für eine A-Sorte unterdurchschnittlich. Aufgrund der späten Reife sollte LG Imposanto jedoch nicht spät gesät werden.

LG Initial konnte ihre sehr guten Leistungen des Vorjahres nicht ganz wiederholen. Sie enttäuschte auf den Sandstandorten Nordwest. Mit Ausnahme dieser Region wird sie ansonsten empfohlen, weil sie auch standfest und fusariumtolerant ist. Aufgrund der guten Fußgesundheit eignet sich die Sorte auch als Stoppelweizen sowie für eine frühe Saat. 

Asory bestätigte die sehr guten Vorjahresleistungen in allen Anbauregionen, wenn auch nicht auf gleich hohem Niveau des Vorjahres. Mit Ausnahme der Schwäche gegenüber DTR ist sie als blattgesund, fusariumtolerant und winterhart einzustufen. Zu beachten ist die mangelnde Standfestigkeit.

Die frühreifen und begrannten Sorten Euclide und Rubisko sind in den Anbauregionen Sandböden Nordwest und Lehmböden Südhannover sowie erstgenannte auch für die Sandböden Nordhannover aufgrund ihrer Frühreife bei gleichzeitig akzeptablen Erträgen empfohlen. Euclide käme darüber hinaus dank der guten Winterhärte auch für die Höhenlagen in Frage, während Rubisko nur eine geringe Winterhärte besitzt.

Die Qualitätsgruppe der B-Weizensorten umfasst das größte Sortenspektrum. Hier sticht die Sorte Benchmark mit sehr konstanten und sehr guten Ertragsleistungen in allen Anbauregionen und auf fast allen Einzelstandorten positiv hervor. Hauptschwäche dieser Sorte ist die mangelnde Winterhärte sowie die starke Krankheitsanfälligkeit. Sie ist daher nicht für Frühsaaten nach beispielsweise Raps oder in auswinterungsgefährdeten Lagen geeignet. Bei guter Standfestigkeit muss vor allem die erhöhte und zunehmende Anfälligkeit gegenüber Braun- und Gelbrost sowie Blattseptoria beachtet werden. Auf Standorten und in Regionen mit erhöhtem Krankheitsdruck wird die Sorte daher trotz der Erträge zunehmend kritischer gesehen. Die deutlichen Mindererträge bei Verzicht auf Fungizide verdeutlichen das. Als hochertragreiche Sorte liegen die Rohproteingehalte und Hektolitergewichte auf einem sehr geringen Niveau, wohingegen die Fallzahleinstufung sehr gut ist.

Porthus und Faustus zählen im B-Segment zu den frühreiferen Sorten. Dabei erzielte erstgenannte Sorte in allen Anbauregionen gute Erträge und verbesserte sich gegenüber dem Vorjahr. Faustus hingegen lieferte etwas schwächere Leistungen ab. In der Kombination Ertragsleistung und Frühreife wird Porthus in allen, Faustus mit Ausnahme der Marschregion empfohlen. Die Empfehlung wurde eingeschränkt, wenn die mehrjährigen Erträge eher durchschnittlich ausfielen, was bei Faustus mit Ausnahme der Sandstandorte der Fall war. Bei Porthus sind die etwas bessere Ertragsleistung und die sehr gute Fusariumtoleranz bei allerdings erhöhter Auswinterungsgefahr hervorzuheben. Zudem ist Porthus lageranfällig. Für Faustus sprechen die gute Standfestigkeit und auch die Fusariumtoleranz bei mittlerer Winterhärte. Beide Sorten sind gegenüber Gelbrost unempfindlich, zeigen jedoch größere Schwächen gegenüber Braunrost.

KWS Talent konnte dies- und mehrjährig mit Ausnahme der Sandböden Nordhannover ertraglich überzeugen und wird entsprechend für den Anbau empfohlen. Dank der Blattgesundheit und sehr guten Winterhärte ist sie unproblematisch und besonders für die Höhenlagen auch für Frühsaaten gut geeignet. In der Standfestigkeit ist sie in Niedersachsen noch durchschnittlich eingestuft.

Die in den B-Bereich hochgestufte Sorte Sheriff konnte ebenfalls dies- und mehrjährig aus ertraglicher Sicht überzeugen. Sie ist mit Ausnahme gegenüber DTR als blattgesund, standfest, fusariumtolerant und winterhart eingestuft und wird daher empfohlen. Mit sehr geringen Rohproteingehalten ist sie allerdings nur als reiner Futterweizen anbauwürdig und könnte daher in den veredlungsstarken Regionen eine zunehmende Anbaubedeutung erlangen.

Informer fiel im vergangenen Jahr als ertragsstärkste Sorte auf und lieferte mit Ausnahme der Sandböden Nordwest wiederum hohe Erträge und wird daher in den anderen fünf Anbauregionen empfohlen. Überzeugen kann die Sorte zudem durch eine sehr gute Standfestigkeit und Winterhärte, sie ist außerdem sehr blattgesund. Durch die nur durchschnittliche Fusariumtoleranz sollte sie nicht unbedingt nach Mais angebaut werden.

Als B-Sorte ist sie im Rohproteingehalt vergleichsweise gut eingestuft.

Als langstrohigste Sorte fiel Argument in den Versuchen auf und konnte vor allem in der Marsch und auf den nordhannoverschen Sandböden ertraglich überzeugen. Trotz ihrer Pflanzenlänge zeigte sie in der Lagerneigung keine Auffälligkeiten. Gute Einstufungen weist die Sorte bei der Blattgesundheit und Winterhärte auf. Dank der sehr guten Fusariumtoleranz kommt sie auch in Maisfruchtfolgen, wie beispielsweise auf den nordwestlichen Sandstandorten, in Frage, wenn der Wachstumsreglereinsatz berücksichtigt wird.

Johnny wurde noch in der Marsch geprüft und konnte die Ertragsleistungen wieder bestätigen. Gute Standfestigkeit und Fusariumtoleranz sprechen für ihren Anbau, die starke Empfindlichkeit gegenüber Rosten und Blattseptoria sowie die mangelnde Winterhärte eher nicht.

Aus dem Bereich der C-Sorten hebt sich die zweijährig geprüfte Sorte Safari in den Anbauregionen Marsch, den Sandböden sowie auf den leichten Lehmstandorten ertraglich hervor. Als standfeste und blattgesunde Sorte trägt sie allerdings die Bürde, dass sie als C-Sorte mit 20 kg N/ha weniger bei der Düngungsbemessung auskommen muss als vergleichbare B-Sorten wie z. B. Sheriff.

Sorten für den Probeanbau

Aus dem A-Bereich konnte die mittelspät abreifende Sorte RGT Depot durch gute Erträge auf den Sandstandorten Nordhannover sowie den Lehmstandorten und Höhenlagen überzeugen und sich für den Probeanbau empfehlen. Zusätzlich sind die Blattgesundheit und Standfestigkeit positiv hervorzuheben.

Von den drei neuen B-Sorten bietet sich vor allem die mittelfrühe Sorte Campesino durch sehr gute Ertragsleistungen in allen Anbauregionen für den Probeanbau an. Sie ist standfest und mit Ausnahme der Schwäche bei DTR als blattgesund einzustufen. Die ursprünglich als C-Sorte in die Prüfungen aufgenommene Sorte liefert entsprechend niedrige Rohproteinwerte, ebenso wie die Sorte LG Vertkal. Diese Sorte konnte im ersten LSV-Jahr nicht ganz an die guten Vorprüfungsergebnisse anknüpfen. Dank dieser mehrjährigen Ergebnisse wird sie für die Lehmstandorte Nordwest sowie für die Lehmböden Südhannover für den Probeanbau empfohlen. Sie ist ebenfalls standfest und insgesamt noch als blattgesund einzustufen. SU Selke wurde wegen schwacher Volumenausbeute als B-Sorte eingestuft und hat es daher schwer mit den ertragsbetonten Sorten mithalten zu können. Aus ertraglicher Sicht kann daher keine Empfehlung ausgesprochen werden. Für den Anbau der Sorte könnte die sehr gute Blattgesundheit, die Standfestigkeit und Fusariumtoleranz sowie die für die A- und B-Qualitätsgruppen sehr hohen Rohproteinwerte sprechen, mit denen die verbreiteten Vermarktungsanforderungen beim Landhandel recht sicher erfüllt werden könnten. Ähnliches ist bei der frühen A-Sorte Lemmy zu sagen. Ertraglich konnte die Sorte nicht mithalten, sie liegt bei den Rohproteinwerten aber an der Spitze und kann auf den Lehmstandorten in diesem Merkmal mit den E-Sorten mithalten. In allen weiteren Eigenschaften wie Standfestigkeit, Blattgesundheit, Fusariumtoleranz und Winterhärte überzeugt die Sorte ebenfalls. Im direkten Ertragsvergleich mit den E-Sorten in der Anbauregion Lehmböden Südhannover lag sie 2019 deutlich vorn.

Weitere Sorten in den Prüfungen

Kamerad konnte in diesem Jahr in allen Anbauregionen ertraglich nicht überzeugen und liegt damit auch mehrjährig deutlich unter dem Durchschnitt. Nach wie vor zählt sie auf Grund der Festigkeit gegenüber Krankheiten zu den blattgesunden Sorten. Die geringen Ertragsverluste bei Verzicht auf Fungizideinsatz bestätigen das. Darüber hinaus kann die Sorte durch Standfestigkeit, Winterhärte und einer sehr guten Fusariumtoleranz punkten. Wie Porthus, Argument, LG Imposanto, Rubisco und auch die E-Sorte Moschus wäre sie insbesondere in Maisfruchtfolgen sinnvoll einsetzbar.

Die Hybridsorte Hymalaya präsentierte sich in allen Anbauregionen in beiden Jahren sehr ertragsstark; vor allem auf den leichteren Standorten konnte sie überzeugen. Gegenüber den herkömmlichen Sorten reicht die Ertragsleistung jedoch nicht aus, um ökonomisch die höheren Aussaatkosten zu kompensieren. In den Punkten Blattgesundheit, Fusariumtoleranz und Winterhärte erweist sie sich sehr gut, die mangelnde Standfestigkeit ist zu berücksichtigen. Apostel, Bosporus und Elixer konnten ertraglich nicht mehr überzeugen und wurden daher bei der Sortenempfehlung nicht weiter berücksichtigt, wobei die Sorten wie in den Eigenschaftstabellen beschrieben durchaus besondere Eigenschaften bieten, die einen Anbau rechtfertigen können. Zu den drei E-Sorten Ponticus, Moschus und KWS Emerick wird im Rahmen der Veröffentlichung der Qualitätsergebnisse detaillierter Stellung genommen.

 Sortenleistungen in den einzelnen Regionen (Sorteneigenschaften siehe Sortenempfehlungen)

In der Anbauregion der Marsch verbesserten sich aus dem A-Bereich die Sorten RGT Reform und Kashmir gegenüber dem Vorjahr und werden dank der mehrjährigen Leistungen eingeschränkt empfohlen. Für RGT Reform sprechen die insgesamt günstigen Eigenschaften bei eher durchschnittlichen Erträgen. Kashmir wird trotz Schwächen gegenüber Krankheiten aufgrund zufriedenstellender Erträge empfohlen. Die zweijährig geprüften Sorten LG Initial, LG Imposanto, KWS Fontas können aufgrund ihrer Ertragsleistungen empfohlen werden, wobei hier vor allem LG Initial die besten Leistungen zeigte.

Von den B-Sorten überzeugte vor allem KWS Talent mit regelmäßig hohen Erträgen. Informer, Porthus, Sheriff, Benchmark und Argument lieferten ebenfalls hohe Erträge. Bei Benchmark und Johnny wurde die Anbauempfehlung wegen der hohen Krankheitsanfälligkeit vor allem gegenüber den Rosten und Blattseptoria eingeschränkt. Als sehr ertragsstark erwies sich die neue Sorte Campesino, die für den Probeanbau als Futterweizen in Frage kommt. 

Auf den Sandböden Nordwest überzeugte bei den A-Sorten RGT Reform mehrjährig, trotz schwächerer Leistungen in 2019. Kashmir hingegen lieferte in allen Jahren gute Ergebnisse. Hymalaya, Asory, KWS Fontas und Euclide erzielte in beiden Jahren gute Erträge.

Folgende B-Sorten erreichten insgesamt mehrjährig die höchsten Erträge: Benchmark, KWS Talent, Sheriff. Einjährig überzeugte die neue Sorte Campesino.

Empfohlen werden für den Anbau RGT Reform, Asory, KWS Fontas und eingeschränkt Kashmir (alle A-Weizen) sowie Benchmark, KWS Talent, Sheriff (alle B-Sorten) und die C-Sorte Safari. Rubisko, Euclide (A), Porthus und Faustus (B) sind als frühreife Sorten vorteilhaft. Für den Probeanbau ist die ertragsstarke Sorte Campesino zu nennen.

In dieser durch Veredlung dominierten Region spielt der Anbau fusariumresistenter Sorten eine entscheidende Rolle, da der Weizen vorwiegend in der Fütterung eingesetzt wird. Daher sind vor allem Sorten mit sehr guter Einstufung gegenüber Ährenfusarium wichtig. Ohne ertraglich voll zu überzeugen, sind daher Sorten wie LG Imposanto und Argument wichtige Sorten und für den Einsatz in der tierischen Veredlung zu berücksichtigen.

Zunehmend setzen auch in dieser Region die Landwirte auf unempfindliche Sorten, die winterhart sind und mit geringerem Pflanzenschutzaufwand sichere Erträge erzielen.

In der Region Sandböden Nordhannover erreichten die A-Sorten Hymalaya (Hybride), Asory, LG Initial, RGT Reform und Kashmir mehrjährig die besten Erträge und sind bis auf die Hybridsorte für den Anbau zu empfehlen. Folgende mehrjährig geprüfte Sorten aus der Qualitätsgruppe B und C überzeugten im Ertrag: Benchmark, Sheriff, Informer, Argument und Faustus (alle B) sowie die C-Sorte Safari. Aus diesen Qualitätsgruppen werden Benchmark, Faustus, Sheriff, Informer, Argument und Safari (C) empfohlen. Euclide und Porthus sind für den Frühdrusch interessant. Für den Probeanbau kommen die A-Sorte RGT Depot sowie die B-Sorte Campesino in Frage, die in ihren Qualitätsgruppe gute Erträge lieferten und beide als standfest und blattgesund eingestuft wurden.

Auf den Lehmstandorten Nordwest konnten von den A-Sorten Hymalaya, Kashmir, LG Imposanto, LG Initial und Asory ertraglich überzeugen und sie werden mit Ausnahme der Hybridsorte empfohlen. RGT Reform ist trotz der etwas schwächeren Erträge aufgrund ihrer sonstigen positiven Eigenschaften eingeschränkt empfohlen. Für den Probeanbau ist auch in dieser Anbauregion RGT Depot zu nennen.

Bei den B-Sorten konnten die Sorten Benchmark, KWS Talent, Sheriff, Informer und Porthus im aktuellen Jahr sowie mehrjährig durch konstante Leistungen überzeugen und sind empfohlen. Von den neuen Sorten kommen vor allem Campesino und LG Vertikal für den Probeanbau in Frage. Letztere profitiert dabei von ihren guten Vorprüfungsergebnissen.

Im Bereich der C-Sorten erreichte Safari ein hohes Ertragsniveau und ist dank ihrer Standfestigkeit und Blattgesundheit ebenfalls empfohlen. Vor allem standfeste und fusariumtolerante Sorten sind auch auf den Lehmstandorten Nordwest interessante Sorten, wenn sie in engen Maisfruchtfolgen angebaut und vornehmlich organisch gedüngt werden. Hierzu zählen dann Sorten wie z. B. Kamerad, LG Imposanto.

In der Standortgruppe der Lehmböden Südhannover werden neben den A-, B-, und C-Sorten auch die E-Sorten mitgeprüft. An drei Standorten wird das Prüfsortiment sowohl nach Blattvorfrucht als auch als Stoppelweizen parallel getestet. Die Erträge der E-Sorten werden in den Tabellen mit dargestellt. Eine Kommentierung dieser Sorten erfolgt jedoch in der Veröffentlichung zu den Qualitätsuntersuchungen.

Im Bereich der A-Sorten überzeugten von den mehrjährig geprüften Sorten LG Imposanto, LG Initial und Asory. Am besten schnitt die Hybride Hymalaya ab. Die drei erstgenannten werden für den Anbau uneingeschränkt empfohlen. RGT Reform ist nach wie vor dank der insgesamt günstigen Eigenschaften anbauwürdig. Kashmir erhält aufgrund der geringen Standfestigkeit und höheren Krankheitsanfälligkeit eine eingeschränkte Empfehlung. Aufgrund der Frühreife werden die Grannenweizen Rubisko und Euclide für den Frühdrusch empfohlen, wobei Rubisko nicht auf auswinterungsgefährdeten Standorten angebaut werden sollte.

Benchmark, Informer, KWS Talent, Sheriff und Porthus lieferten von den B-Sorten die höchsten Erträge und sind empfohlen, wobei die beschriebenen Eigenschaften der einzelnen Sorten zu beachten sind. Auf die Auswinterungsgefahr bei Benchmark und Porthus, die ausgeprägte Krankheitsanfälligkeit bei Benchmark und die sehr geringen Rohproteinwerte von Sheriff wurde hingewiesen. Für den Probeanbau kommen die A-Sorte RGT Depot sowie Campesino und LG Vertikal (B) in Frage.

In den Höhenlagen Mitte/West erreichten Hymalaya, Asory, Kashmir, LG Imposanto, und LG Initial mehrjährig die besten Leistungen, die mit Ausnahme der erstgenannten Sorte eine Anbauempfehlung erhalten. RGT Reform konnte sich gegenüber dem Vorjahr verbessern und wird auf Grund der weiteren positiven Eigenschaften, insbesondere der Winterhärte, unter Berücksichtigung schwächerer Erträge eingeschränkt empfohlen.

Für den Frühdrusch kommt am ehesten die Grannenweizensorte Euclide in Frage, die eine gute Winterhärte aufweist.

Aus dem B-Bereich konnte Informer die sehr guten Vorjahresergebnisse bestätigen und liefert somit mehrjährig die höchsten Leistungen. Als sehr winterharte, standfeste und blattgesunde Sorte kann sie uneingeschränkt empfohlen werden. KWS Talent zeigte ebenfalls gute aktuelle und mehrjährige Ergebnisse und ist dank guter Winterhärte und Blattgesundheit ebenfalls zu empfehlen. Sheriff lieferte mittlere Erträge, ist aber ebenfalls winterhart, standfest, blattgesund, und fusariumtolerant, sodass sie in dieser Region u. a. auch für Maisfruchtfolgen empfohlen wird. Benchmark überzeugte im Ertrag ebenfalls wieder, erhält aufgrund der erhöhten Auswinterungsgefahr und der Krankheitsanfälligkeit nur eine eingeschränkte Empfehlung. Von den frühreifen B-Sorten käme trotz schwächerer Erträge vornehmlich Faustus in Frage, da die ertragsstärkere Sorte Porthus auswinterungsgefährdeter ist. Für den Probeanbau bietet sich die standfeste und blattgesunde Sorte Campesino an, die die höchsten Erträge erzielte.

Zusammenfassung

Die Ergebnisse der letzten Versuchsjahre zeigen, dass einige neue interessante Sorten in die Prüfungen aufgenommen wurden, die sich nicht nur durch gute Erträge, sondern auch durch weitere positive Eigenschaften wie Blattgesundheit, Fusariumtoleranz oder Winterhärte auszeichnen. Sorten mit geringer Anfälligkeit gegenüber Krankheiten werden zunehmend von den Landwirten angebaut, um die Pflanzenschutzmaßnahmen zu reduzieren.

Die Trockenheit dieses Jahres zeigt aber auch, dass auf Grenzstandorten des Weizenanbaus, wo die Beregnungsmöglichkeiten zugunsten wirtschaftlich lohnenderer Feldfrüchte wie Kartoffeln, Rübe und Zwiebeln eingeschränkt werden, möglicherweise auf Kulturen mit geringem Wasserbedarf ausgewichen wird.

Die geringen Rohproteingehalte des Weizens, sowohl in den Versuchen als auch in der Praxis, lassen dieses Merkmal für die Vermarktung möglicherweise wieder stärker in die Sortenwahl einfließen, obwohl es für die offizielle Qualitätseinstufung nicht mehr herangezogen wird, für die Vermarktung jedoch weiterhin bedeutsam sein wird.

 


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Carsten Rieckmann
Pflanzenbau, Leiter Sachgebiet Mähdruschfrüchte, Nutzungssysteme u. Qualitätserzeugeng
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Stand: 22.08.2019