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Landessortenversuche 2018: Wintergerste

Wintergerste hat sich 2018 in Niedersachsen um gut 10.000 ha auf nunmehr ca. 130.000 ha Anbaufläche aufgrund der schwierigen Aussaatbedingungen im Herbst reduziert.

Die ab Mai beginnende Trockenphase beherrschte die Entwicklung der Wintergerstenbestände entscheidend. Vor allem auf den leichteren Standorten Nordhannovers mussten erhebliche Ertragseinbußen hingenommen werden, aber auch auf den besseren Standorten lagen die Erträge vielfach unter dem Durchschnitt der letzten Jahre.

 

 Wintergerste hat sich in Niedersachsen um gut 10.000 ha auf nunmehr ca. 130.000 ha Anbaufläche reduziert. Die Gründe hierfür sind klar zu benennen. Die Starkregenereignisse während der Getreideernte 2017 haben viele Flächen nachhaltig durchfeuchtet und zahlreiche Flächen trockneten auch bis zur Bestellung des Wintergetreides im Herbst nicht entsprechend ab. Vor allem die schwereren Böden mit nicht optimaler Wasserführung verhinderten oftmals eine normale Getreidebestellung. Davon waren auch zahlreiche für die Wintergerstenaussaat vorgesehene Flächen betroffen. Vor allem in den Marschregionen musste die Wintergerstenaussaat teilweise unterbleiben.

Trotz dieser wenig günstigen Bedingungen entwickelten sich die bestellten Bestände dann bis zum Winter aber recht gut weiter. Die zeitweiligen kurzen Frostperioden reichten in der Regel nicht aus, um die Strukturschäden der Böden durch die in der vorhergehenden Ernte verursachten Bodenverdichtungen wieder aufzubrechen. Auswinterungsschäden durch die Frostperioden waren praktisch kaum feststellbar.

Die ab Mai beginnende Trockenphase beherrschte die Entwicklung der Wintergerstenbestände entscheidend. Einzelne Niederschlagsereignisse, die zum Teil räumlich eng begrenzt waren, schafften kurzfristige Unterbrechungen. Betroffen durch die Trockenheit waren naturgemäß die leichteren Sandstandorte im nordöstlichen und mittleren Niedersachsen. Wo hier kein intensiver Beregnungseinsatz möglich war, mussten dramatische Ertragseinbußen hingenommen werden. Da die Körner sich in derart geschädigten Beständen nicht entsprechend ausbilden konnten, kamen bei der Vermarktung Probleme durch geringe Hektolitergewichte, die zum Teil deutlich unter 60 kg lagen, hinzu. Aber auch auf den besseren Lehmstandorten waren empfindliche Mindererträge die Regel. Selbst auf den Hochertragsstandorten der Börderegion geht man von Ertragseinbußen von 15 bis 20 % aus, wobei auch hier die „leichteren“ Teilstücke mit geringerem Wasserspeichervermögen bereits im Juni optisch sichtbar wurden.

Durch die ab April einsetzende intensive Sonneneinstrahlung, die sich im Mai mit überdurchschnittlichen Temperaturen noch verstärkte, schritt die Wachstumsentwicklung sehr schnell voran. Vor allem die durch Trockenheit stärker beeinträchtigten Bestände wurden bereits ab der dritten Junidekade beerntet; in Einzelfällen wurde der Mähdrusch durch eine GPS-Ernte ersetzt, weil die Körner nur sehr schwach ausgebildet waren.

 

 Die Ergebnisse der Landessortenversuche

 In den diesjährigen Landessortenversuchen (LSV) wurden neben etablierten Sorten auch sechs neu vom Bundessortenamt zugelassene Sorten geprüft. Einzelne der mehrjährig geprüften Sorten wurden nicht in allen sechs Regionen (Marsch, Lehmstandorte Nordwest, Sandböden Nordwest, Sandböden Nordhannover, Lehmböden Südhannover, Höhenlagen Mitte/West) geprüft, sondern nur dort, wo sie sich auf Grund der Vorjahresergebnisse behaupten konnten. Für die einzelnen Anbauregionen fließen die Ergebnisse mehrerer Einzelorte ein, die in einzelnen Anbauregionen durch die Einbeziehung der angrenzenden Standorte aus Nordrhein-Westfalen und Schleswig-Holstein ergänzt werden. Der mehrjährige Durchschnittsertrag wird mit Angabe der dahinterstehenden Anzahl Versuchsergebnisse ausgewiesen. In diesem Durchschnittsertrag, der aus den vorliegenden Versuchsergebnissen der Jahre 2014 bis 2018 berechnet wird, sind – wenn vorhanden – auch Ergebnisse aus sogenannten Vorversuchen, wie Wert- und EU-Prüfungen enthalten. Durch Einbeziehung dieser zusätzlichen Ergebnisse können auch die im LSV ein- und zweijährig geprüften Sorten bereits verlässlicher beurteilt werden. Da in den Anbauregionen Sand Nordwest bzw. Nordhannover nur wieder jeweils 3 aktuelle Versuchsergebnisse zur Verfügung stehen, werden bei deren mehrjähriger Darstellung die Ergebnisse des jeweiligen Nachbargebietes für das eigentliche Zielgebiet ergänzend mit herangezogen. Die übrigen Anbauregionen wurden auf Basis der im Gebiet vorhandenen Versuche ausgewertet. Die Ergebnisse der Anbauregion Marsch wird zu einem späteren Zeitpunkt veröffentlicht, da die Versuche erst diese Woche beerntet werden.

In den Versuchen wurden 15 mehrzeilige und drei zweizeilige Liniensorten sowie vier Hybridsorten geprüft. Die zweizeiligen Sorten wurden auf den Sandstandorten angebaut, da sie hier noch eine gewisse Anbaubedeutung haben.  Von den sechs neuzugelassenen und erstmalig im LSV geprüften Sorten ist mit Galileoo auch eine neue Hybride dabei. Die Ergebnisse dieses Jahres zeigen wieder, dass ertragsstarke Liniensorten nach wie vor nicht schlechter als Hybridsorten dreschen. Hybridsorten müssten auf Grund der höheren Saatgutkosten trotz reduzierter Aussaatstärke nach wie vor Mehrerträge von ca. 4 dt/ha erbringen.

In den westlichen Regionen sowie bei schwierigen Aussaatbedingungen ist allerdings eine Zunahme des Hybridgerstenanbaus zu verzeichnen, da diese Sorten unter Stressbedingungen scheinbar unproblematischer reagieren. Bei Spätsaaten, wie sie zum Teil zur Bekämpfung von Ackerfuchsschwanz durchgeführt werden, fällt die Sortenwahl auch zunehmender auf Hybridsorten, obwohl Versuchsergebnisse hierzu bislang noch keine verlässlichen Aussagen zulassen. Generell sind zur Sortenbeurteilung die Ertragsleistung und -treue ganz wichtige Aspekte. Die weiteren Sorteneigenschaften, wie die Qualitätseigenschaften, die Standfestigkeit sowie die Festigkeit gegenüber Halm-, Ährenknicken und Krankheitsbefall, wie sie in der Tabelle (Eigenschaften) dargestellt sind, geben wertvolle Zusatzinformationen, die bei der Sortenwahl in jedem Fall zu beachten sind.

 

Für den Anbau 2018/19 aus ertraglicher Sicht empfohlene Sorten

In allen Anbauregionen Niedersachsens hat sich die mehrjährig geprüfte Sorte Joker in den LSV erneut bewährt. In diesem Jahr erreichte sie gute bis sehr gute Leistungen, die sich dementsprechend in der mehrjährigen Verrechnung widerspiegeln. Der gegen Gelbmosaikvirus doppelten Resistenz stehen allerdings ein geringes Hektolitergewicht (hl-Gewicht) und Mängel in der Standfestigkeit und Strohstabilität gegenüber.

Hier zeigt auch die inzwischen zweijährig geprüfte Sorte KWS Higgins Probleme, hinzu kommt eine Schwäche gegenüber Zwergrost. Ertraglich konnte die Sorte auch in der mehrjährigen Verrechnung die Erwartungen erfüllen, sie lieferte einen guten Marktwareanteil und ein hohes hl-Gewicht.

Quadriga wird wie im Vorjahr für die bisher ausgewerteten Anbauregionen empfohlen und zeigt trotz großer Halmlänge keine Schwächen in der Standfestigkeit. Hl-Gewicht und Anteil Marktware sind gut; zu beachten ist die Anfälligkeit gegenüber Zwergrost.

Auch KWS Kosmos ist mit Ausnahme der Lehmböden Südhannover wieder allgemein empfohlen. Sie liefert einen hohen Marktwareanteil und weist eine gute Winterhärte auf, ist aber empfindlich gegenüber Zwergrost.

Auf den Lehmböden Südhannovers werden Tamina und KWS Meridian trotz schwacher aktueller Ergebnisse weiterhin empfohlen, KWS Meridian auch für die Höhenlagen. Sie liefert einen hohen Marktwareanteil und zeigt eine gute Winterhärte, allerdings auch Schwächen in der Standfestigkeit und Strohstabilität. Dank der sehr konstanten Leistungen sollte auch die etwas lageranfällige, ansonsten aber gegenüber Krankheiten sehr gut eingestuften Sorte LG Veronika beachtet werden

Hybridsorten: (eingeschränkte Empfehlung aufgrund der erhöhten Saatgutkosten je ha)

Hier kann ertraglich in erster Linie die mehrjährig geprüfte Sorte Wootan überzeugen. Sie erreicht hohe Erträge, zeigt aber Schwächen bei Strohstabilität und Zwergrostbefall, ihre hl-Gewichte. sind gut. Die zweijährig geprüfte Toreroo erreicht auf den Lehmstandorten Nordwest gute Leistungen. Sie ist strohstabil und gesund.

Die einjährig geprüfte Sorte Galileoo liefert hohe Erträge, ist trotz großer Halmlänge standfest, zeigt aber deutliche Schwächen gegenüber Ährenknicken, ist aber ansonsten als gesunde Sorte einzustufen.

Probeanbau: Für den Probeanbau kommt die einjährig geprüfte Sorte KWS Orbit für alle Standortgruppen bis auf die Höhenlagen in Frage. Sie hat ein gutes hl-Gewicht, ist standfest und stabil gegenüber Halm- und Ährenknicken, zeigt aber Schwächen gegenüber Zwergrost. SU Jule bietet sich für die Lehmböden an. Sie hat ein gutes hl-Gewicht, ist standfest, strohstabil und unempfindlich gegenüber Ährenknicken; die Mehltauanfälligkeit ist zu beachten. Pixel zeigte auf den Sandstandorten ihre höchsten Erträge, hat aber Probleme in der Standfestigkeit und in der Strohstabilität. Besonders das Halm- aber auch Ährenknicken bei dieser früh abreifenden Sorte deutet auf ein sehr schmales Erntezeitfenster hin.  

Die weiteren neuen Sorten im Überblick

Mirabelle erreichte im ersten LWSV-Jahr gute Ertragsleistungen, die jedoch für eine vorläufige Empfehlung noch nicht ausreichend waren. Sie zeichnet sich durch hohe hl-Gewichte, eine gute Standfestigkeit und sehr gute Halmstabilität aus und zeigt keine Probleme gegenüber Krankheiten.

Wenke konnte im ersten LSV-Jahr ertraglich und im hl-Gewicht noch nicht überzeugen. Dank sehr guter Standfestigkeit und Halmstabilität bei gleichzeitig guter Festigkeit gegen Krankheiten ist sie für den extensiveren Anbau mit vermindertem Pflanzenschutzaufwand geeignet.

SU Ruzena und Zita erreichten im ersten Jahr nur unterdurchschnittliche Erträge. Gegenüber KWS Infinity sind sie als recht gesund einzustufen, insbesondere beim Mehltau

 

Die Anbauregionen im Einzelnen

Da die Versuche in der Marsch erst in Woche 29 gedroschen wurden, wird die Veröffentlichung der Ergebnisse für diese Anbauregion um eine Woche verzögert erfolgen.

Die Versuche in der Anbauregion Lehmstandorte Nordwest waren durch die Trockenperiode nur wenig beeinflusst, weil dort immer wieder einzelne Niederschläge die Trockenphasen unterbrochen haben. Dadurch erklärt sich der gute Kornertrag in Höhe von 94 dt/ha, der auf gleichem Niveau der Vorjahre liegt. Den höchsten Ertrag lieferte die neue Hybridsorte Galileoo, wobei sie auf allen Standorten jeweils überdurchschnittliche Ergebnisse erreichte. Mit KWS Orbit und SU Jule konnten zwei weitere neue Sorten ebenso überzeugen. KWS Higgins und Toreroo erreichten mit rel. 102 von den zweijährig geprüften Sorten den gleichen Ertrag. Von den etablierten Sorten überzeugten vor allem Quadriga, gefolgt von Wootan, KWS Kosmos, Joker und LG Veronika. Sonnengold, KWS Keeper, KWS Meridian, Tamina und Hedwig erreichten nur leicht unterdurchschnittliche bis unterdurchschnitte Erträge. Mit rel. 99 zeigte Bazooka als Hybride kein optimales Ergebnis. Von den übrigen einjährig geprüften Sorten erreichte Mirabelle noch einen durchschnittlichen Ertrag, während Pixel mit deutlich schwankenden Erträgen und Wenke mit insgesamt schwachen Leistungen abfielen. Bei Betrachtung der zusammengefassten mehrjährigen Ergebnisse überzeugen von den Liniensorten Quadriga, Joker, KWS Kosmos und KWS Higgins, die auch für den Anbau aus ertraglicher Sicht empfohlen werden. Wootan und Toreroo liefern im Vergleich zu den Liniensorten leicht höhere Erträge ab, die auf Grund der erhöhten Saatgutkosten ökonomisch betrachtet jedoch nur eingeschränkt empfohlen werden können. Für den Probeanbau sind KWS Orbit und SU Jule zu nennen und bei der Hybride Galileoo müssen die oben genannten erhöhten Saatgutkosten berücksichtigt werden. Zu beachten ist bei dieser Sorte das stärkere Ährenknicken.

Die Anbauwürdigkeit von Hybriden scheint für diese Region am ehesten gegeben zu sein, obwohl die Mehrerträge gegenüber den ertragsstärksten Liniensorten die höheren Saatgutkosten je Hektar noch nicht ganz kompensieren können.

Von den drei Standorten in der Anbauregion der Sandböden Nordwest wurde lediglich Wehnen (Lkr. OL) in der Abreifephase etwas stärker durch die Trockenheit beeinflusst, was sich auf Ertrag und hl-Gewicht auswirkte. Wie bereits erwähnt wurde die Anbauregion Sandböden Nordhannover als Nachbarregion in der mehrjährigen Zusammenfassung mit hinzugezogen. Neben Galileoo konnten mit KWS Orbit, Mirabelle und Pixel auch weitere neue Sorten überzeugen. Lediglich Wenke zeigte ein etwas schwächeres Ergebnis. Bei den zwei- bis mehrjährig geprüften Sorten lieferten Toreroo, Wootan und Bazooka die höchsten Erträge ab. Joker und LG Veronika erreichten gute und KWS Higgins sowie KWS Kosmos leicht unterdurchschnittliche Ergebnisse. Quadriga erreichte, wie auch KWS Keeper und vor allem Hedwig nur schwache Leistungen. Von den drei zweizeiligen Sorten konnte sich am ehesten die bekannte Sorte KWS Infinity behaupten. Auf Grund der mehrjährigen Ergebnisse  werden KWS Kosmos, Joker, Quadriga und KWS Higgins für den Anbau empfohlen. Dank der guten Leistungen im ersten Jahr, auch in der Nachbarregion Sand Nord, kämen KWS Orbit und eingeschränkt Pixel für den Probeanbau in Frage. Von den Hybridsorten käme in erster Linie die auch auf den Sandstandorten ertragsstärkste Sorte Galileoo mit den beschriebenen ökonomischen Einschränkungen in Frage.

Die Erträge in der Standortgruppe Sandböden Nordhannover lagen mit 68 dt Kornertrag je Hektar deutlich unter den Erträgen der Vorjahre. Von den drei Versuchen wurde Hamerstorf (Lkr. UE) (6 x mit insges. 180 mm) und Holtorfsloh (Lkr. WL) (2x mit insges. 50 mm) beregnet, während in Rotenburg (Lkr. ROW) ohne Beregnung deutliche Trockenschäden auftraten und mit 44 dt/ha ein auch in der Praxis vielfach erreichter Ertrag erzielt wurde.

Joker, KWS Orbit, Pixel, Wootan, und Galileoo erreichten die höchsten Erträge bei den mehrzeiligen Sorten. KWS Infinity zeigte mit rel. 104 ebenfalls ein hervorragendes Ergebnis. Auf dem ertragsschwächsten Standort konnte sie die mit Abstand höchsten Erträge erzielen. Aber auch SU Ruzena und Zita lieferten hier überdurchschnittliche Leistungen ab und untermauern die Aussage, dass insbesondere auf leichten und ertragsschwachen Standorten die zweizeiligen Sorten ihre Berechtigung haben. Für die Anbauregion werden auf Basis der mehrjährigen Ergebnisse die Sorten KWS Kosmos, KWS Higgins, Joker und Quadriga empfohlen. KWS Orbit und Pixel kommen für den Probeanbau in Frage. Von den Hybriden könnte aus rein ertraglicher Sicht Galileoo probiert werden, ansonsten können die Hybriden aufgrund der Ergebnisse für diese Region nicht empfohlen werden. Von den zweizeiligen Sorten ist aus ertraglicher Sicht KWS Infinity für ertragsschwache Standorte aufgrund guter hl-Gewichte eine Option. Die neuen zweizeiligen Sorten SU Ruzena und Zita sind ertraglich nach dem ersten Jahr schwächer, zeigen jedoch eine bessere Blattgesundheit.

In der Anbauregion Lehmböden Südhannover konnten auch 2018 durchweg hohe Erträge von 97 dt/ha erzielt werden; ein Beleg für die zumindest in den Versuchen geringen Beeinträchtigungen durch die Trockenheit.

Die höchsten Erträge erreichten die neuen Sorten KWS Orbit, SU Jule sowie die Hybride Galileoo. Aber auch Toreroo, Bazooka und Wootan erreichten als mehrjährig geprüfte Sorten vergleichbar hohe Leistungen. Mit Quadriga, Joker und LG Veronika zählen aber auch Liniensorten zu den ertragsstarken Sorten. 

Auf Basis der mehrjährigen Ergebnisse werden für den Anbau folgende Sorten empfohlen: Joker, Quadriga und KWS Higgins erreichen mehrjährig überdurchschnittliche Erträge. Die Sorten KWS Meridian und Tamina haben sich langjährig in dieser Anbauregion bewährt und sind daher trotz schwacher aktueller Ergebnisse noch in der Anbauempfehlung. LG Veronika konnte in allen drei Prüfjahren sehr konstante Leistungen aufweisen und ist von daher auch zu beachten.

Von den Hybridsorten käme für den Probeanbau vornehmlich die ertragsstarke Sorte Galileoo in Frage.

In den Höhenlagen Mitte/West lieferte der niedersächsische Standorte mit knapp 70 dt/ha das schwächste Ergebnis, wodurch der Ertragsdurchschnitt dieser Anbauregion auf 86 dt/ha fiel.

Die höchsten Erträge im aktuellen Jahr erreichte Wootan, gefolgt von Joker, Galileoo KWS Kosmos, Quadriga und KWS Higgins. Von den neuen Liniensorten konnte noch keine voll überzeugen. Die Sorte Wenke konnte hier in den Höhenlagen mit durchschnittlichen Erträgen ihr bestes Ergebnis erzielen.

Zu den empfohlenen Sorten zählen auf Basis der mehrjährigen Ergebnisse vorrangig Joker, KWS Kosmos, Quadriga und KWS Higgins. Unter Berücksichtigung der Saatgutkosten käme von den Hybridsorten dank insgesamt guter diesjähriger Ergebnisse Galileoo in Frage.

 

Qualitäten der Ernte

Die anhaltende Trockenheit hatte nicht nur negative Auswirkungen auf den Ertrag, sondern beeinflusste vielfach auch die Hektolitergewichte. Von daher lohnt ein Blick auf die Unterschiede der Sorten in diesem Merkmal besonders. Wie in der Praxis so ist auch in den Versuchen eine große Spannweite von guten bis zu sehr geringen Hektolitergewichten ermittelt worden. Um bessere Aussagen hierzu treffen zu können, wurden die diesjährigen Ergebnisse in drei unterschiedliche Gruppen zusammengefasst; zum einen die ertragsstarken Lehmstandorte, die ertragsstarken Sandstandorte, die zum Teil beregnet wurden oder aber entsprechende Niederschläge nutzen konnten, und die von Trockenstress besonders in der Abreifephase betroffenen leichten Sandstandorte. Drastische Einbrüche bei den hl-Gewichten, die bis auf wenige Ausnahmen unter den Wert von 60 kg fielen, waren naturgemäß auf den Trockenstandorten zu verzeichnen. Von den mehrzeiligen Sorten konnten insgesamt (über alle Prüforte) Quadriga, Bazooka, Wootan und die neuen Sorten SU Jule, Mirabelle, KWS Orbit gute Ergebnisse erzielen. Die drei zweizeiligen Sorten, vor allem aber KWS Infinity lieferten ebenfalls hohe Werte ab und konnten diese auch unter Trockenstressbedingungen gut bestätigen. Bekannte Schwächen zeigten Joker, Sonnengold und die neue Sorte Wenke.

 

Zusammenfassung

Die diesjährigen Landessortenversuchsergebnisse zeigen, dass die mehrjährige Bewertung der Sorten der sicherste Hinweisgeber zur Sortenbeurteilung ist. Konstante Leistungen über die Jahre und wenn möglich auch in den unterschiedlichen Anbauregionen sind wichtiger als Einzelergebnisse mit Spitzenerträgen von Einzelstandorten. Zur Sortenbeurteilung sollten neben den Ertragsleistungen in jedem Fall auch die weiteren Eigenschaften der Sorten mitberücksichtigt werden.


Kontakt:
Carsten Rieckmann
Leiter Sachgebiet Mähdruschfrüchte, Nutzungssysteme u. Qualitätserzeugung
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Stand: 20.08.2018