Webcode: 01035667

Landessortenversuche 2019: Wintergerste

Landessortenversuche der Landwirtschaftskammer Niedersachsen: Wintergerste 2019

Der Anbau von Wintergerste hat in Niedersachsen 2019 im Vergleich zu den Vorjahren deutlich zugenommen. Im zweiten trockenen Jahr in Folge fielen die Erträge auf den Lehmstandorten erfreulich gut aus, auf trockenen Standorten ohne Beregnung mußten jedoch Ertragseinbußen hingenommen werden.

 

 

Die Wintergerste zählt im Anbaujahr 2018/2019 zu den Gewinnern bei den angebauten Winterungen. Der durch Aussaatprobleme verursachte Rückgang der Anbauzahlen 2018 wurde mehr als wettgemacht. Mit einem vom Landesamt für Statistik Niedersachsen (LSN) prognostizierten Anbauumfang von über 160.000 ha lag die Wintergerste damit weit über dem der Vorjahre. Interessante Preise im vergangenen Herbst und der zunehmende Trend zur Erweiterung weizendominierter Fruchtfolgen sind hierbei mögliche Gründe. Viele Landwirte, die in den letzten Jahren vom Rapsanbau enttäuscht wurden, wechselten scheinbar auch vermehrt zur Wintergerste.

Die Gerstenbestände entwickelten sich in der Vegetationsperiode trotz der recht trockenen Bedingungen auch im Herbst 2018 durchweg gut ohne nennenswerte Probleme beim Aufgang und während der Wintermonate. Eine kühle Periode im Mai mit temporären Nachtfrösten beeinträchtigte lediglich Einzelschläge. Die Wasserversorgung der Bestände reichte auf den besseren Standorten vielfach noch für eine vernünftige Kornausbildung aus. So wurden auf den Lehmstandorten durchweg gute, zum Teil auch sehr gute Erträge erzielt. Ertragseinbußen mussten hingegen vielfach wieder Betriebe auf den leichteren Standorten ohne Beregnungsmöglichkeit hinnehmen. Hier waren dann in diesem Jahr auch vermehrt Standorte im südwestlichen und westlichen Niedersachsen betroffen. Im Durchschnitt Niedersachsens ist laut der Prognose des LSN von einem durchschnittlichen Ertragsniveau auszugehen. Die Ernte begann in den letzten Junitagen und erstreckte sich in den Höhenlagen sowie in der Marsch bis in die dritte Julidekade.

 

 

Die Ergebnisse der Landessortenversuche

In den diesjährigen Landessortenversuchen (LSV) wurden neben etablierten Sorten neun neue Kandidaten aufgenommen Mit Ausnahme der doppelt virusresistenten zweizeiligen Sorte Valerie sind die übrigen Sorten mehrzeilig. Mit der gleichen Resistenz ausgestattet ist auch die mehrzeilige Sorte SU Laurielle, wie die bekannten Sorten Joker und KWS Keeper. Mit Paradies wurde erstmalig eine Sorte mit der Resistenz gegenüber Gelbverzwergungsvirus geprüft. Die weiteren zweizeiligen Sorten KWS Infinity und Zita sowie die mehrzeiligen KWS Keeper und KWS Meridian wurden nicht in allen sechs Anbauregionen (Marsch, Lehmstandorte Nordwest, Sandböden Nordwest, Sandböden Nordhannover, Lehmböden Südhannover, Höhenlagen Mitte/West) geprüft, sondern nur dort, wo sie sich auf Grund der Vorjahresergebnisse behaupten konnten bzw. eine Anbaubedeutung haben. Mit SY Baracooda und Jettoo wurden zwei neue Hyybridsorten aufgenommen. Die niedersächsischen Standortergebnisse werden zum Teil durch die Einbeziehung der angrenzenden Standorte aus Nordrhein-Westfalen und Schleswig-Holstein ergänzt. Der mehrjährige Durchschnittsertrag wird mit Angabe der dahinterstehenden Anzahl Versuchsergebnisse ausgewiesen. In diesem Durchschnittsertrag, der aus den vorliegenden Versuchsergebnissen der Jahre 2015 bis 2019 berechnet wird, sind – wenn vorhanden – auch Ergebnisse aus sogenannten Vorversuchen, wie Wert- und EU-Prüfungen enthalten. Durch Einbeziehung dieser zusätzlichen Ergebnisse können auch die im LSV ein- und zweijährig geprüften Sorten bereits verlässlicher beurteilt werden. Da in den Anbauregionen Sand Nordwest bzw. Nordhannover nur wieder jeweils 3 aktuelle Versuchsergebnisse zur Verfügung stehen, werden bei deren mehrjähriger Darstellung die Ergebnisse des jeweiligen Nachbargebietes für das eigentliche Zielgebiet ergänzend mit herangezogen. In den Ertragstabellen ist für das aktuelle Jahr die Spalte Minderertrag bei Verzicht auf Wachstumsregulatoren und Fungiziden angegeben. Die Werte der Sorten geben entsprechende Hinweise auf die Robustheit der Sorten bei reduzierten Pflanzenschutzmaßnahmen bzw. deren Wegfall.

Die Anbauregionen im Einzelnen

Auf den fünf Versuchsstandorten in der Marsch wurden mit durchschnittlich über 110 dt/ha wieder sehr hohe Kornerträge gedroschen, wobei noch bessere Ergebnisse auf den westlichen Standorten erzielt wurden.

In den Versuchen erzielten von den zwei- und mehrjährig geprüften Sorten Joker, Pixel, SY Galileoo, Toreroo, Quadriga, und KWS Orbit die höchsten Erträge. Bei den einjährigen Sorten konnten Jettoo, die gegenüber dem Gelbverzwergungsvirus tolerante Sorte Paradies und KWS Fleming überzeugen. SU Laurielle zeigte stark schwankende Einzelortergebnisse, sodass die Sortenleistung auf Basis der mehrjährigen Ergebnisse realistischer dargestellt wird. Unter Einbeziehung der mehrjährigen Daten ab 2015 bis 2019 lieferte Joker die besten Ergebnisse. Pixel konnte das gute Vorjahresergebnis nochmals verbessern. Quadriga, KWS Kosmos und KWS Orbit lieferten mehrjährig leicht überdurchschnittliche Ergebnisse. Ertraglich enttäuscht haben in diesem Jahr Mirabelle und SU Jule. Von den mehrjährig geprüften Hybridsorten konnte sich SYGalileoo positiv darstellen. Von den einjährig geprüften Sorten lieferte Jettoo gegenüber SY Baracooda eindeutig die höheren Erträge. Bei den zweizeiligen Sorten konnte sich KWS Infinity gegenüber der neuen Sorte Valerie behaupten.

Auf den Lehmstandorten Nordwest konnten mit durchschnittlich 104 dt/ha ebenfalls sehr gute Erträge erzielt werden. Sie lagen damit 10 dt/ha über den Werten der beiden Vorjahre. Von den Sorten überzeugten ertraglich KWS Higgins und die Hybride SY Galileoo, gefolgt von KWS Orbit. SY Baracooda, KWS Flemming und Melia lieferten von den einjährigen Sorten mit rel. 102 die besten Erträge. Mit zwei guten LSV Jahren erreichte SY Galileoo mehrjährig betrachtet die höchsten Erträge. Von den Liniensorten zeigte sich KWS Orbit sehr ertragsstark. KWS Higgins, Torrero, SU Jule und Quadriga folgen. Von den neuen Sorten erreichten unter Einbeziehung der Vorprüfungen (Wert- und EU-Prüfungen) in der mehrjährigen Auswertung SY Baracooda, Jettoo sowie Melia überdurchschnittliche Leistungen. Die neue zweizeilige Sorte Valerie erreichte leicht unterdurchschnittliche Leistungen.

Auf den Sandstandorten Nordwest und Nordhannover konnten in den vergangenen zwei Jahren in jeder Anbauregion lediglich drei Standortergebnisse gewertet werden. Daher werden bei der Sortenbeurteilung in beiden Regionen schwerpunktmäßig die mehrjährigen Ergebnisse betrachtet, wo die Daten der Nachbarregion ergänzend mit einfließen. In diesem Jahr lag das Ertragsniveau der Einzelorte in einem Bereich von 80 bis 98 dt/ha. Hier spiegelte sich die unterschiedliche Wasserversorgung der Standorte deutlich wider. Der mäßig beregnete Standort Hamerstorf lieferte dabei mit 80 dt/ha lediglich leicht unterdurchschnittliche Erträge, Lüchow (LK DAN) oder Essen (LK EL) hingegen über 95 dt/ha ohne Beregnung. Einzig SY Galileoo konnte sich von den mehrjährigen Sorten ertraglich deutlich positiv hervorheben. Mit Ausnahme von Quadriga und KWS Keeper lagen die übrigen mehrjährigen Sorten auf einem leicht überdurchschnittlichen Niveau auf den nordwestlichen Standorten. Von den neuen Sorten zeigte hier Jettoo die besten Leistungen. Auf den nordhannoverschen Standorten erreichten Pixel, KWS Higgins, KWS Orbit, KWS Kosmos und Joker gute Erträge. Von den neuen Sorten sind am ehesten KWS Flemming und Jettoo zu nennen. Die drei zweizeiligen Sorten KWS Infinity, Zita und Valerie konnten ertraglich nicht punkten. Dennoch sind gerade diese zweizeiligen Sorten aufgrund der in der Regel guten hl-Gewichte häufig im Anbau zu finden. Das erklärt auch die Tatsache, dass die nicht mehr im LSV stehende Sorte California in Niedersachsen nach wie vor eine hohe Anbaubedeutung auf den eher leichten Standorten besitzt.

Auf den Lehmstandorten Südhannover wurden mit durchschnittlich 114 dt/ha Spitzenerträge erreicht. Insbesondere lagen die Ergebnisse gegenüber dem Vorjahr um 17 dt/ha höher. Von den mehrjährig geprüften Sorten erreichten KWS Higgins, Joker und KWS Orbit die höchsten Erträge. Die neuen Sorten SY Baracooda, Jettoo und KWS Flemming erzielten vergleichbar gute Leistungen. Überraschend stark zeigte sich hier bei sehr hohem Ertragsniveau der Prüfstandorte die zweizeilige Sorte Valerie. Mehrjährig betrachtet waren KWS Orbit, KWS Higgins, SY Galileoo, SU Jule und Joker am ertragsstärksten.

In den Höhenlagen wurden durchschnittliche Versuchserträge von 101 dt/ha gedroschen, wobei der niedersächsische Standort auf dem sehr guten Ertragsniveau der Lößstandorte lag. Bei den Sorten erwies sich ertraglich am stärksten KWS Higgins, nicht nur ein- sondern auch mehrjährig. KWS Orbit, KWS Kosmos, Joker sowie die einjährigen Sorten KWS Flemming, Melia, SY Baracooda und Jettoo lieferten 2019 überdurchschnittliche Erträge. Mehrjährig betrachtet konnten neben KWS Higgins Joker, KWS Kosmos und KWS Orbit die besten Erträge erzielen.

Für den Anbau 2019/2020 empfohlene Sorten

In allen Anbauregionen Niedersachsens hat sich die mehrjährig geprüfte Sorte Joker in den LSV bewährt und wird aus ertraglicher Sicht empfohlen. Bis auf die nordwestlichen Sandstandorte erreichte sie in diesem Jahr erreichte sie wieder gute bis sehr gute Leistungen, die sich dementsprechend in der mehrjährigen Verrechnung widerspiegeln. Der gegen Gelbmosaikvirus doppelten Resistenz stehen allerdings ein geringes Hektolitergewicht (hl-Gewicht) und Mängel in der Standfestigkeit und Strohstabilität gegenüber. Insbesondere wegen der schwachen Hektolitergewichte erlangt die Sorte als Marktfrucht in den Ackerbauregionen und als lageranfällige Sorte in den intensiv organisch gedüngten Veredelungsregionen nur eine geringe Anbaubedeutung.

Mit Ausnahme der Marschregion konnte die inzwischen zweijährig geprüfte Sorte KWS Higgins in diesem Jahr in allen Anbauregionen ertraglich gute bis sehr gute Ergebnisse bei hohen hl-Gewichten abliefern und wird daher mit Ausnahme der Marschregion aus ertraglicher Sicht empfohlen. Dank guter hl-Gewichte erreicht sie auch einen hohen Marktwareanteil. Mangelnde Standfestigkeit und Strohstabilität sowie die stärkere Schwäche gegenüber Zwergrost gilt es zu beachten. Diese Punkte führen allerdings dazu, dass die Sorte am empfindlichsten auf den Verzicht von Wachstumsreglern und Fungiziden reagiert.

Quadriga konnte nicht ganz an die guten Vorjahresergebnisse anknüpfen. Aufgrund der mehrjährig gezeigten Leistungen wird sie in der Marsch und auf den Lehm-, Löß- und Höhenstandorten empfohlen. Ein hohes hl-Gewicht und der sehr gute Marktwareanteil tragen zur hohen Anbaubedeutung in Niedersachsen bei. Mit Ausnahme der Anfälligkeit gegenüber Zwergrost ist sie als langstrohige Sorte dennoch standfest und ansonsten gegenüber den weiteren Blattkrankheiten recht robust.

KWS Kosmos konnte vor allem auf den Sandböden in diesem Jahr überzeugen und gleicht damit die schwächeren Vorjahresergebnisse wieder aus. In den Höhenlagen bestätigte sie ihre guten Leistungen der Vorjahre, sodass sie auch dort wieder empfohlen wird. Sie liefert einen hohen Marktwareanteil und weist eine gute Winterhärte und Strohstabilität auf, ist jedoch empfindlich gegenüber Zwergrost.

Von den zweijährig im LSV geprüften Sorten empfiehlt sich KWS Orbit in allen Anbauregionen. Sie hat ein gutes hl-Gewicht, ist standfest und stabil gegenüber Halm- und Ährenknicken, zeigt aber Schwächen gegenüber Zwergrost. Diese Schwäche mag Ursache dafür sein, dass sie durch Verzicht auf Fungizide deutliche Ertragsminderungen hinnehmen muss.

SU Jule wird für die Lehmböden und bei konstanten Erträge auf den nordwestlichen Sandstandorten dank guter Standfestigkeit, Strohstabilität und dem hohen hl-Gewicht auch dort empfohlen. Die Mehltauanfälligkeit ist zu beachten.

Die recht früh abreifende Sorte Pixel erreichte auf den Marsch- und Sandstandorten Nordhannover im zweiten Jahr sehr gute Ertragsleistungen und wird daher empfohlen. Zu beachten ist bei dieser Sorte, dass sie nur ein sehr schmales Erntefenster besitzt, da neben der höheren Lageranfälligkeit auch die Schwächen gegenüber Halm- und Ährenknicken zu beachten sind. Verspätete Beerntungen können zu empfindlichen Verlusten führen.

Mirabelle konnte in den meisten Regionen leider nicht an die guten Vorjahresergebnisse anknüpfen. Da die Sorte sich aber durch hohe hl-Gewichte und einer guten Standfestigkeit und Strohstabilität auszeichnet und keine Probleme gegenüber Krankheiten aufweist, ist sie bei durchschnittlichen Ertragsleistungen dennoch für die nordwestlichen Sandstandorte zu empfehlen.

KWS Keeper mit doppelter GMV-Resistenz, erhält eine eingeschränkte Empfehlung für die Lehmböden Südhannover und die Höhenlagen, da sie trotz schwächerer Erträge gegenüber Joker dank hoher hl-Gewichte und guter Standfestigkeit bei geringem Krankheitsdruck nach wie vor eine entsprechende Anbaubedeutung besitzt.

Hybridsorten: (eingeschränkte Empfehlung aufgrund der erhöhten Saatgutkosten je ha)

Von den mehrjährig geprüften Hybridsorten konnte in erster Linie SY Galileoo ertraglich überzeugen. Mit Ausnahme der Höhenlagen wird sie daher eingeschränkt empfohlen, da die erhöhten Saatgutkosten entsprechend zu berücksichtigen sind. Bei mittleren hl-Gewichten und einer guten Blattgesundheit ist allerdings die mangelnde Standfestigkeit und das verstärkte Ährenknicken zu beachten.

Toreroo zeigte insgesamt etwas schwankende Erträge. Auf den nordwestlichen Sand- und Lehmstandorten zeigte die Sorte mehrjährig jedoch gute Leistungen, auch 2019. Bei Verzicht auf Wachstumsregulatoren und Fungizide zeigt sie die geringsten Ertragsminderungen und bestätigt dadurch ihre Robustheit. Als neue Hybridsorten wurden SY Baracooda und Jettoo erstmalig geprüft. Dabei konnte letztgenannte vor allem in der Marsch sowie den nordwestlichen Sand- und Lehmböden ertraglich überzeugen, SY Baracooda ebenfalls auf den Lehmböden Nordwest sowie Südhannover. Beide Sorten sind etwas lageranfällig aber recht blattgesund, mit Ausnahme von SY Baracooda´s Schwäche gegenüber Zwergrost. In den genannten Regionen sind die Sorten unter Berücksichtigung der höheren Saatgutkosten für den Probeanbau empfohlen.

In den westlichen Regionen sowie bei schwierigen Aussaatbedingungen ist eine Zunahme des Hybridgerstenanbaus zu verzeichnen, da diese Sorten unter Stressbedingungen anscheinend unproblematischer reagieren. Bei Spätsaaten, wie sie zum Teil zur Bekämpfung von Ackerfuchsschwanz durchgeführt werden, fällt die Sortenwahl auch zunehmender auf Hybridsorten, obwohl Versuchsergebnisse hierzu bislang noch keine verlässlichen Aussagen zulassen. Inwieweit sich der Hybridgerstenanbau wegen der höheren Saatgutkosten rechnet, hängt stark von dem Preisgefälle zwischen den Saatgutpreisen ab.

Probeanbau:

Von den neuen Sorten bekommt im Prinzip keine Sorte eine uneingeschränkte Probeanbauempfehlung. Einzig KWS Flemming erreichte in vier Anbauregionen, nämlich Marsch, Sandböden Nordwest, Lehmböden Südhannover und Höhenlagen überdurchschnittliche Erträge. Bei hohen hl-Gewichten und einer guten Blattgesundheit ist allerdings die Schwäche in der Standfestigkeit zu berücksichtigen.

Journey lieferte hohe Erträge in den Höhenlagen ab und zeichnet sich durch gute Strohstabilität und Blattgesundheit aus.

Melia konnte in den Höhenlagen und auf den Lehmböden Nordwest ertraglich überzeugen. Besonders die Schwächen hinsichtlich Lagerneigung und Ährenknicken sind Faktoren, die insbesondere in den Veredelungsregionen mit intensiver organischer Düngung Probleme bereiten könnten.

Die gegenüber Gelbverzwergungsvirus tolerante Sorte Paradies überraschte in der Marsch mit einem sehr guten Ertrag. Bei guter Blattgesundheit sind allerdings die mangelnde Standfestigkeit und die sehr schlechte Strohstabilität zu berücksichtigen, die dann auch nur einen Probeanbau rechtfertigen.

Die weiteren neuen Sorten im Überblick

Die weiteren erstmalig im LSV geprüften Sorten SU Laurielle und Diadora konnten im ersten Jahr noch nicht überzeugen. Hier sind weitere Ergebnisse abzuwarten.

Qualitäten der Ernte

Die Hektolitergewichte fielen in diesem Jahr überraschend hoch aus. Insbesondere auf den ertragsstarken Standorten – besonders auf der Marsch - konnten sehr gute Gewichte ermittelt werden. In Abhängigkeit der Standortgüte wurden die Unterschiede deutlich erkennbar, Im Mittel aller Orte erzielte die neue zweizeilige Sorte Valerie die höchsten Werte, gefolgt von KWS Infinity. Von den mehrzeiligen Sorten lieferten auch KWS Kosmos, Mirabelle, SU Jule und KWS Flemming sehr gute Ergebnisse.

 Zusammenfassung

In den diesjährigen Landessortenversuchen wurden zahlreiche neue Sorten erstmalig neu geprüft. Ertraglich ist derzeit noch kein signifikanter Sprung nach vorne erkennbar. Tendenziell sind die Sorten jedoch unempfindlicher gegenüber Zwergrost geworden. Allerdings sind viele der Sorten langstrohiger und damit lageranfälliger. Insbesondere bei der Gerste kann somit auf zahlreiche, in Versuchen aber vor allem in der Praxis bewährte Sorten, nicht verzichtet werden. Neben den Ertragsleistungen werden zunehmend die weiteren Sorteneigenschaften mit in die Sortenentscheidungen einbezogen, die zum Teil stärker als der Ertrag berücksichtigt werden.

 

 


Kontakt:
Carsten Rieckmann
Pflanzenbau; Leiter Sachgebiet Mähdruschfrüchte, Nutzungssysteme und Qualitätserzeugung
Telefon: 0511 3665-4357
Telefax: 0511 3665-4508
E-Mail:


Stand: 01.08.2019