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Landessortenversuche 2021: Wintergerste

DIe Erträge des Landessortenversuchs Wintergerste fielen zum Teil nicht so gut aus, wie die Bestände es bis in den Juni hinein erwarten ließen. Dabei traten jedoch deutliche regionale Unterschiede auf. Neben den Ertragsleistungen waren in diesem Jahr auch weitere Parameter wie Qualitätseigenschaften, Pflanzengesundheit und Halmstabilität gefordert. 

Trotz eines leichten Rückgangs konnte sich die Anbaufläche von Wintergerste mit 149.000 ha laut Landesamt für Statistik Niedersachsen (LSN) auf einem guten Niveau behaupten. Ob sich die prognostizierten Erträge von 77 dt/ha letztendlich bestätigen, bleibt abzuwarten. Der Anbaurückgang gegenüber dem Vorjahr von knapp 6.000 ha oder vier Prozent erfolgte vermutlich zugunsten des Rapses bzw. des Weizens.

 

Die Witterungsbedingungen waren niedersachsenweit für die Winterungen bis Mitte Juni als günstig einzustufen. Die Aussaat der Landessortenversuche Wintergerste erfolgte standortabhängig ab der dritten Septemberdekade bis Mitte Oktober. Sie verlief auf allen Standorten unproblematisch und dank ausreichender Feuchtigkeit durch entsprechende Niederschläge konnten sich die Bestände durchweg gut entwickeln. Während des relativ milden Herbstes war ein regional stärkerer Zuflug von Blattläusen festzustellen, sodass vielfach Insektizidmaßnahmen zur Verhinderung von Virusbefall erforderlich wurden. Probleme mit Virusbefall waren in erster Linie im südwestlichen und mittleren Niedersachsen vorzufinden, aber auch geschützte Lagen in anderen Regionen waren betroffen. Der starke Wintereinbruch Ende Januar/Anfang Februar mit Temperaturen bis zu -18 °C führte dank einer leichten Schneebedeckung nicht zu Auswinterungsschäden.

Das kühle und feuchte Frühjahr ließ die Bestände verhalten, aber insgesamt ungestört heranwachsen. Ein Beregnungseinsatz war selbst auf den leichten Standorten im nordöstlichen Bereich bis Mitte Juni nicht erforderlich. Ein bundesweit ab dem 16. Juni einsetzender starker Temperaturanstieg führte zu einer regional unterschiedlich intensiven Hitzeperiode mit Temperaturen über 30 °C. In dieser Stressphase wurde die Kornfüllung erheblich beeinträchtigt und viele Bestände gingen vorzeitig in die Abreifephase. Das wirkte sich vor allem bei der Korngröße und im Hektolitergewicht aus. So wurden in der Praxis vielfach volle Anhänger vom Feld gefahren, die jedoch nicht das erhoffte Gewicht aufwiesen.

Vor allem auf den süd- und südosthannoverschen Standorten wurden die bis Mitte Juni erstellten hohen Ertragsprognosen nicht erfüllt. Das belegen auch die dortigen Versuchsstandorte, deren Erträge mit durchschnittlich 83 dt/ha eher ernüchternd ausfielen. In der Marsch sowie in den westlicheren Regionen war die Diskrepanz zwischen Ertragserwartung und tatsächlichem Kornertrag weniger ausgeprägt. Vermutlich durch die kürzere Hitzeperiode war die Kornfüllungsphase hier weniger beeinträchtigt. Das zeigte sich auch an den vergleichsweise höheren Hektolitergewichten.

Die Ernte begann am Ende der zweiten Julidekade und zog sich bis ca. 25. Juli hin. Durch Ernteverzögerungen aufgrund häufiger, lokal begrenzter Niederschläge waren viele Bestände stärker zusammengebrochen, konnten dennoch in der Regel verlustarm gedroschen werden. Krankheiten, hier in erster Linie Zwergrost und Ramularia, traten regional unterschiedlich ausgeprägt auf.

Die Ergebnisse der Landessortenversuche

In den Landessortenversuchen Wintergerste 2021 wurde 22 Sorten geprüft, hiervon 4 Zweizeilige und 3 Hybriden. Bei den vier neuen Kandidaten sind mit SU Midnight eine doppelt GMV-resistente Sorte sowie KWS Morris im mehrzeiligen Bereich aufgenommen worden. Darüber hinaus standen die beiden zweizeiligen Sorten SU Laubella und LG Carthago neu in den Prüfungen. Im zweiten Jahr wurden KWS Memphis (2xGMV), Esprit, Viola, Teuto und Finola sowie die zweizeiligen Sorten KWS Moselle und Bordeaux getestet. Quadriga, KWS Higgins, KWS Orbit, SU Jule, Journey, KWS Flemming, Melia, Paradies (GvzV) und die Hybriden SY Galileoo, SY Baracooda und Jettoo stehen drei- und mehrjährig in der Prüfung.

In die Ergebnisse der einzelnen Anbauregionen fließen teilweise auch Standortergebnisse der Nachbarbundesländer Nordrhein-Westfalen und Schleswig-Holstein (Marsch) mit ein. Der mehrjährige Durchschnittsertrag wird mit Angabe der dahinterstehenden Anzahl Versuchsergebnisse ausgewiesen. Durch Einbeziehung der Vorprüfungsergebnisse aus WP- und EU-Prüfungen können die im LSV ein- und zweijährig geprüften Sorten bereits verlässlicher beurteilt werden. Auch in diesem Jahr hat sich gezeigt, dass innerhalb der Anbauregionen die Streuung der Einzelergebnisse von Standort zu Standort recht ausgeprägt sein kann. Daher ist die Betrachtung der mehrortigen Auswertung Voraussetzung für eine seriöse Sortenberatung. In den Ertragstabellen ist für das aktuelle Jahr die Spalte Minderertrag bei Verzicht auf Wachstumsregulatoren und Fungizide angegeben. Die Werte geben entsprechende Hinweise auf die Robustheit der Sorten bei reduzierten Pflanzenschutzmaßnahmen bzw. deren Wegfall.

Die Ertragsleistungen der Sorten in den einzelnen Anbauregionen

Auf den vier Versuchsstandorten in der Marsch wurden durchschnittlich 102 dt/ha gedroschen, wobei der Standort Otterndorf (LK CUX) mit knapp 90 dt/ha an die Leistungen der übrigen Prüforte (104 bis 107 dt/ha) nicht herankam. Die Ertragsunterschiede lassen sich hier u.a. gut durch die Hektolitergewichte erklären, die an den drei ertragsstärksten Standorten im Mittel über 66 kg lagen, während in Otterndorf lediglich 62 kg ermittelt wurden.

In den Versuchen erzielten von den zwei- und mehrjährig geprüften Sorten Jettoo, SY Galileoo und Viola sowie KWS Higgins, KWS Orbit und KWS Flemming die höchsten Erträge. Von den einjährig geprüften Sorten überzeugte SU Midnight. Mehrjährig betrachtet erreichten Jettoo, Viola, SY Galileoo und Esprit sowie dank sehr guter Erträge in 2020 auch Bordeaux (zz) die höchsten Erträge. KWS Flemming überzeugte ebenfalls.   

Auf den Lehmstandorten Nordwest schwankten die Ertragsleistungen in einem Bereich von 72 dt/ha in Astrup (LK OS) bis 104 dt/ha in Borwede (LK DH) und verfehlten im Schnitt mit 91 dt/ha die Leistungen der Vorjahre. Der auch im Osnabrücker Land angesiedelte Standort Buer konnte aufgrund starken Befalls durch Gelbverzwergungsvirus nicht mitberücksichtigt werden, gibt aber Aufschluss auf die Ertragsauswirkungen dieser Schädigungen (Erläuterung hierzu unter Sortenbeschreibung der gelbverzwergungsresistenten Sorte Paradies (GvzV). Ertragsstärkste Sorten waren SY Galileoo, SY Baracooda, Jettoo, KWS Higgins, SU Jule und Melia. Gute Leistungen lieferten auch Esprit und KWS Orbit. Von den erstmalig geprüften Sorten lieferte SU Midnight mit rel. 100 die besten Ergebnisse. Die höchsten mehrjährigen Erträge erzielten SY Galileoo, Jettoo, Esprit, SY Baracooda, Melia und Viola, gefolgt von KWS Orbit, KWS Higgins und Teuto. Bordeaux erreichte mit rel. 98 das beste Ergebnis bei den zweizeiligen Sorten.

Auf den Sandstandorten Nordwest und Nordhannover konnten in den vergangenen zwei Jahren in jeder Anbauregion lediglich zwei bis drei Standortergebnisse gewertet werden. 2021 waren jeweils drei Versuche auswertbar. Daher fließen auch dieses Jahr bei der mehrjährigen Sortenbeurteilung beider Regionen die Ergebnisse der jeweiligen Nachbarregion ergänzend mit ein.

Mit Erträgen zwischen 68 und 90 dt/ha konnte sich auf den westlichen und nordhannoverschen Sandstandorten das Ertragsniveau gegenüber dem Vorjahr verbessern, da Trockenschäden keine Rolle spielten. Lediglich eine Beregnungsgabe erfolgte auf dem in den Vorjahren intensiv beregnetem Standort Hamerstorf (LK UE).

Ertraglich überzeugen konnten dieses Jahr auf den westlichen Sandstandorten Jettoo, Esprit, SY Galileoo, KWS Orbit, Teuto und Melia. Die beiden neuen mehrzeiligen Sorten SU Midnight und KWS Morris erreichten ebenfalls überdurchschnittliche Erträge. Die sich letztjährig unter den trockenen Bedingungen besonders positiv hervorgetane Sorte KWS Flemming konnte 2021 nicht an die Leistungen anknüpfen. Bei den Zweizeiligen erreichten SU Laubella und Bordeaux gute bis mittlere Leistungen. Auf den nordhannoverschen Standorten erzielte Melia überraschend ein sehr gutes Ergebnis. Darüber hinaus lagen Esprit, die neue SU Midnight, Teuto, KWS Higgins, Bordeaux, SY Galileoo, Viola und KWS Morris auf einem überdurchschnittlichen Niveau. In der mehrjährigen Betrachtung erzielte die Hybridsorte SY Galileoo sehr gleichmäßig überdurchschnittliche Erträge, während Jettoo vor allem auf den westlichen Standorten überzeugte. Esprit und Teuto ereichten ebenfalls in beiden Regionen sehr gute Leistungen, während Viola nur auf den östlichen Standorten ihr gutes Vorjahresergebnis bestätigen konnte. Dank der guten Vorjahresleistungen erzielte KWS Flemming mehrjährig hohe Erträge. Während KWS Orbit auf den westlichen Standorten gut abschnitt, war es auf den östlichen Standorten KWS Higgins.  Die neue Sorte SU Midnight überzeugte in beiden Regionen. Bei den zweijährig geprüften zweizeiligen Sorten lieferte Bordeaux mit rel. 98 bzw. 99 die besseren Ergebnisse.

Auf den Lehmstandorten Südhannover wurden mit durchschnittlich 83 dt/ha recht enttäuschende Erträge erreicht, die unter anderem durch sehr schwache Hektolitergewichte erklärbar sind. Die Ertragsunterschiede zwischen den Standorten waren mit 78 bis 88 dt/ha relativ gering. Von den mehrjährig geprüften Sorten erreichten SU Jule, Melia, Teuto, Jettoo, Esprit, SY Baracooda, KWS Higgins, SY Galileoo und KWS Orbit die höchsten Erträge. Von den zweijährig geprüften zweizeiligen Sorten KWS Moselle und Bordeaux konnte vor allem Letztgenannte ihre gute Leistung bestätigen. Mehrjährig betrachtet waren Esprit, Jettoo, Teuto, SY Baracooda, KWS Orbit, SY Galileoo, Melia und SU Jule am ertragsstärksten. Bordeaux (zz) untermauert ihr Vorjahresergebnis.

In den Höhenlagen stehen diesjährig derzeit lediglich zwei Versuchsergebnisse mit einem Durchschnittsertrag von 84 dt/ha zur Verfügung, wobei der niedersächsische Standort Mollenfelde 77 dt/ha erreichte. Die Leistungen der Sorten schwankten zwischen den Standorten zum Teil recht deutlich, sodass daher in erster Linie die mehrjährigen Sortenleistungen betrachtet werden. Die drei Hybridgersten zählen auch dank guter aktueller Ergebnisse zu den ertragsstärksten Sorten in dieser Anbauregion. Das gleiche trifft auch für Melia mit konstanten überdurchschnittlichen Leistungen zu. KWS Higgins profitiert noch von dem sehr guten Ergebnis aus 2019, das trifft für KWS Memphis bezogen auf die Ergebnisse aus 2020 zu. Esprit hingegen konnte ihr Ergebnis dank diesjähriger sehr guter Erträge deutlich steigern. Die beiden zweizeiligen Sorten KWS Moselle und Bordeaux erreichten 2021 sehr hohe Erträge. So erzielte zumindest KWS Moselle mehrjährig knapp durchschnittliche Werte. Von den einjährig geprüften Sorten schnitt SU Midnight gut ab.   

Qualitäten 2021

In diesem Jahr traten bei der Vermarktung verstärkt Probleme durch schwache Hektolitergewichte auf. Die für die Vermarktung in der Regel erforderlichen Werte von 62 kg/hl wurden vielfach nicht erreicht. Dies war überraschenderweise nicht unbedingt auf den leichten Sandstandorten festzustellen, sondern vielmehr auch oder besonders häufig auf den Hochertragsstandorten der südlichen und südöstlichen Lehmstandorte. Die dort erzielten schwächeren Erträge sind anscheinend vor allem in den schwachen hl-Gewichten und auch im Kleinkornanteil begründet. Auf den westlicheren Marschstandorten traten diese Probleme weniger häufig auf, hier wurden auch durchaus gute Erträge erzielt. Zusätzlich zur Tabelle hl-Gewichte wird auch der diesjährige Marktwareanteil (Sortierung > 2,2 mm) für die unterschiedlichen Anbauregionen dargestellt. Analog zum hl-Gewicht differenzieren in diesem Merkmal logischerweise auch die Anbauregionen. Innerhalb der Prüfsorten zeigen sich deutliche Unterschiede. Die Vorteile beim hl-Gewicht konnten hier vor allem die zweizeiligen Sorten bestätigen, was sich entsprechend deutlich dann auch auf den Lößstandorten und etwas abgeschwächter auf den Lehmstandorten Nordwest und den Höhenlagen widerspiegelte. Sorten mit höherer TKM hatten hier auch bei den mehrzeiligen Sorten weniger Probleme. Dazu zählen u. a. SU Jule, SY Baracooda, Melia und KWS Memphis.

Für den Anbau 2021/2022 empfohlene Sorten

In den diesjährigen Prüfungen wurden einige langjährig getestete Sorten, wie z. B. KWS Kosmos, Joker oder KWS Keeper nicht mehr weiterverfolgt, weil sie ihre Leistungen über die Jahre bestätigt haben und daher für neuere Kandidaten herausgenommen wurden. Gleichwohl sind diese Sorten bei entsprechend guten eigenen Erfahrungen nach wie vor anbauwürdig.

Von den aktuell geprüften Sorten wird die zweijährig im LSV stehende Sorte Esprit in allen Anbauregionen aufgrund ihre hohen Ertragsleistung empfohlen. Darüberhinaus sind die Strohstabilität und Blattgesundheit sowie ein sehr hoher Marktwareanteil und ein gutes Hektolitergewicht positiv hervorzuheben. Gegenüber Ramulariabefall wird sie als wenig anfällig eingestuft.

KWS Orbit empfiehlt sich auf Basis der mehrjährigen Ergebnisse für alle Anbauregionen; zum Teil allerdings eingeschränkt. Gegenüber dem Vorjahr zeigte sich die Sorte deutlich ertragsstabiler, dennoch wurden mehrjährig in der Marsch, auf den Sandböden Nordhannover sowie in den Höhenlagen durchschnittliche Erträge erreicht. Die Empfehlung beruht daher auf den positiven Eigenschaften hl-Gewicht, Marktwareanteil und Strohstabilität. Zu beachten ist die Schwäche gegenüber Zwergrost. Diese Schwäche mag Ursache dafür sein, dass sie in einigen Regionen bei Verzicht auf Fungizide deutliche Ertragsminderungen hinnehmen musste.

Von den Hybridsorten zeichnet sich SY Galileoo durch eine sehr hohe Ertragskonstanz in den Jahren und auch innerhalb der Anbauregionen aus. In der Marsch, auf den Sandböden Nordwest und Nordhannover sowie den Lehmstandorten Nordwest erreichte sie mehrjährig mit rel. 103 sehr gute Ertragsleistungen, die die Mehrkosten beim Saatgut gegenüber dem Durchschnitt der Sorten mehr oder weniger kompensieren. Vor allem die Ertragskonstanz sowie die Blattgesundheit sprechen für ihren Anbau. Auf den Lehmböden Südhannover und den Höhenlagen sind die Ertragsvorteile weniger ausgeprägt, sodass hier die höheren Saatgutkosten gegenüber den beschriebenen Vorteilen abzuwägen sind. Zu beachten sind die Lageranfälligkeit und die schwächere Strohstabilität.

Die Hybridsorte Jettoo erzielte mit Ausnahme der Anbauregion Sandböden Nordhannover ebenfalls sehr gute mehrjährige Ertragsleistungen, die eine Anbauempfehlung auch unter Berücksichtigung der Saatgutmehrkosten rechtfertigen. Während die Blattgesundheit und geringe Ramulariaanfälligkeit positiv hervorzuheben sind, sollten die Lageranfälligkeit und das mittlere Hektolitergewicht beachtet werden.

Teuto erreichte auf den Sandstandorten und den Lehmstandorten nach zwei LSV-Jahren überdurchschnittliche Erträge. Daher wird sie in diesen Anbauregionen empfohlen. Die Strohstabilität und Blattgesundheit, besonders gegenüber Zwergrost, und die geringe Ramulariaanfälligkeit werden ebenfalls positiv beurteilt. Lediglich die mittlere Standfestigkeit ist zu berücksichtigen.  Bei der Vermarktung sprechen der hohe Marktwareanteil sowie ein hohes Hektolitergewicht für die Sorte.

KWS Higgins überzeugte ertraglich mehrjährig auf den Sandstandorten Nordhannover, den Lehmstandorten Nordwest sowie in den Höhenlagen und wird hier aus ertraglicher Sicht auch dank hoher hl-Gewichte und Marktwareanteile empfohlen. Schwächen in der Standfestigkeit und Strohstabilität sowie eine hohe Zwergrostanfälligkeit müssen beim Anbau beachtet werden. Diese Punkte führen dazu, dass die Sorte sehr empfindlich auf den Verzicht von Wachstumsreglern und Fungiziden reagiert.

KWS Flemming konnte vor allem auf den Lehm- und Höhenstandorten nicht an die Vorjahresergebnisse anknüpfen. Hier büßte sie vor allem durch schwache hl-Gewichte auch ertraglich ein. Daher bleibt die Anbauempfehlung nur noch für die Marsch und Sandstandorte aufrechterhalten. Für ihren Anbau spricht die gute Blattgesundheit. Allerdings sind die mittlere Standfestigkeit und die Schwäche im Ährenknicken zu berücksichtigen.

Melia erzielte dieses Jahr überraschend hohe Erträge, sodass sie auf den Lehmböden Nordwest, Südhannover und in den Höhenlagen auch mehrjährig überdurchschnittliche Ergebnisse aufwies. Während der hohe Marktwaranteil und das hl-Gewicht für ihren Anbau sprechen, müssen allerdings Schwächen in der Strohstabilität und Standfestigkeit sowie die Empfindlichkeit gegenüber Netzflecken und Zwergrost beachtet werden.

Die Hybridsorte SY Baracooda erzielte auf den Lehm- und Höhenstandorten hohe Ertragsleistungen, die jedoch die Saatgutmehrkosten gegenüber Liniensorten nicht ganz kompensieren können. Für einen Anbau sprechen in erster Linie die Ertragskonstanz sowie die guten Vermarktungsparameter Marktwareanteil und hl-Gewicht. Die mittlere Standfestigkeit sowie Schwächen im Ährenknicken und gegenüber Zwergrostbefall sind zu berücksichtigen.

SU Jule konnte ihre sehr schwachen Vorjahresleistungen, zumindest auf den Lehmstandorten, wieder wettmachen. Dadurch wird sie aus ertraglicher Sicht für die Lehmböden Südhannover noch empfohlen. Die Ertragsschwankungen gilt es jedoch zu beachten. Für ihren Anbau sprechen die sehr gute Strohstabilität und Standfestigkeit sowie die guten Qualitäten, allerdings ist die Mehltauanfälligkeit zu beachten.

Die doppelt GMV resistente Sorte KWS Memphis erreichte bis auf die Lehmstandorte Nordwest noch leicht unterdurchschnittliche bis durchschnittliche Erträge. Sie wird auf Grund ihrer Resistenz für gefährdete Standorte jedoch eingeschränkt empfohlen. Sie weist sehr gute Marktwareanteile und hl-Gewichte auf und ist darüber hinaus auch standfest. Insbesondere gegenüber den älteren 2xGMV resistenten Sorten stellt sie in den qualitativen Eigenschaften eine deutliche Verbesserung dar.

Von den zweijährig geprüften zweizeiligen Sorten konnte Bordeaux ertraglich in der Marsch und auf den Lehmstandorten Südhannover überzeugen. Neben sehr guten Qualitäten weist die Sorte auch eine hohe Blattgesundheit auf, allerdings mit Ausnahme der Ramulariaanfälligkeit. Diese insgesamt positiven Eigenschaften, vor allem die hl-Gewichte sind Veranlassung, die Sorte eingeschränkt mit Ausnahme der Höhenlagen zu empfehlen.

Das gleiche trifft auch für KWS Moselle zu, die in den Anbauregionen Marsch, Sandböden Nordhannover, Lehmböden Südhannover und in den Höhenlagen eine eingeschränkte Empfehlung auf Basis der bei Bordeaux genannten Parameter erhält.

Probeanbau:

SU Midnight ist eine neue doppelt GMV resistente Sorte und konnte vor allem in der Marsch und den Sandstandorten auch ertraglich überzeugen. Daher wird sie für den Probeanbau, bei etwas schwächerer Ertragsleistung eingeschränkt, empfohlen.  KWS Morris präsentierte sich im ersten Prüfjahr als sehr blattgesund und auch strohstabil und wird trotz etwas schwächerer Erträge eingeschränkt für den Probeanbau empfohlen, wenn eine geringe Behandlungsintensität im Vordergrund steht.

Schäden durch Befall mit Gelbverzwergungsvirus

Im aktuellen Anbaujahr wurde sowohl aus der Praxis als auch an einzelnen Versuchsstandorten ein vermehrter Virusbefall festgestellt, der die Nachfrage nach entsprechend resistenten Sorten deutlich ansteigen lässt. Neben Paradies gibt es mit Contra, Paroli (zz) und Idilic weitere Sorten mit vergleichbarer Resistenz, die jedoch zumindest in der unbehandelten Stufe ertraglich etwas schwächer eingestuft wurden. Stark beworben und auch bereits auf einer größeren Fläche in Niedersachsen vermehrt ist die EU Sorte Sensation, die von Seiten des Züchters als sehr frühreif beschrieben wird und neben der Gelbverzwergungsresistenz auch die doppelte GMV Resistenz aufweist. Da sie als sogenannte „Exklusivsorte“ vertrieben wird, werden leider in diesem Jahr keine LSV-Ergebnisse vorliegen.

Als Vertreter der gegenüber Gelbverzwergung resistenten Sorten wurde Paradies 2019 stellvertretend für Sorten mit dieser Eigenschaft ausgewählt und in die Prüfungen aufgenommen. Die Resistenz konnte sie vor allem in diesem Jahr auch eindrucksvoll bestätigen. In Versuchen mit starkem Befall stachen die Paradies-Parzellen randscharf optisch sehr positiv hervor. Am Standort Buer (LK OS) trat ein starker diesbezüglicher Schaden auf. Hier erreichte Paradies 71 dt/ha, während im Durchschnitt der übrigen Sorten 52 dt/ha erzielt wurden mit einer Spannbreite von 36 bis 63 dt/ha in Abhängigkeit von der Schädigung.

Das bedeutet, dass bei Gefahr eines stärkeren Befalls der Anbau resistenter Sorten absolut sinnvoll ist. Andernfalls müssen gefährdete Flächen intensiv kontrolliert werden, um eine gezielte Insektizidbekämpfung vorzunehmen.

Da Gelbverzwergung in diesem Jahr ein wichtiges Thema war, wurde bei Paradies unabhängig vom Ertragsniveau in den einzelnen Anbauregionen eine entsprechende Empfehlung (v) eingetragen. In den Ergebnissen zeigte sich ihre gute Blattgesundheit; allerdings gilt es, auch die schwächere Standfestigkeit und die schlechte Strohstabilität zu berücksichtigen. Auch den schwachen Marktwareanteil sowie das mittlere hl-Gewicht gilt es zu beachten.

Zusammenfassung

Viele der zweijährig in den Landessortenversuchen geprüften Sorten konnten ihre Leistungen bestätigen. Bei den erstmalig geprüften Sorten fallen die sehr erfreuliche Blattgesundheit und Strohstabilität auf. Neben den Ertragsleistungen werden zunehmend die weiteren Eigenschaften mit in die Sortenentscheidungen einbezogen, die zum Teil stärker als der Ertrag berücksichtigt werden.

Sorten mit besonderen Eigenschaften, wie in diesem Jahr aktuell die Resistenz gegenüber Gelbverzwergungsvirus, könnten künftig noch stärkere Bedeutung erlangen.

 

 


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Carsten Rieckmann
Pflanzenbau; Leiter Sachgebiet Mähdruschfrüchte, Nutzungssysteme u. Qualitätserzeugung
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Stand: 05.08.2021