Webcode: 01035726

Landessortenversuche 2019: Wintertriticale

Landessortenversuche der Landwirtschaftskammer Niedersachsen: Wintertriticale 2019

Die diesjährigen Landessortenversuche Wintertriticale umfassten 12 Sorten, davon wurden drei Sorten im zweiten Anbaujahr geprüft, fünf Kandidaten hatten ihr erstes Prüfjahr. Viele dieser Sorten konnten durch eine gute Blattgesundheit überzeugen.

 

Die Aussaatbedingungen für Winterungen 2017 und 2018 konnten kaum gegensätzlicher sein. Der deutliche Rückgang der Aussaatfläche von Triticale 2017 war durch nässebedingte schlechte Aussaatbedingungen im Herbst verursacht. Im Gegensatz zu den übrigen Wintergetreidearten ist die Anbaufläche von Triticale zur Ernte jedoch 2019 nur geringfügig wieder angestiegen und blieb damit ca. 10.000 ha unter den Anbauzahlen der Jahre 2014 bis 2016. Die hohen Gerstenpreise im vergangenen Herbst könnten hier zu einem geänderten Anbauverhalten geführt haben. Die für 2019 prognostizierten Erträge sind trotz der herrschenden Trockenheit wieder deutlich angestiegen, erreichten jedoch nicht das Niveau der Jahre 2012 bis 2015.

Witterung

Die im Herbst bestellten Flächen konnten sich trotz der trockenen Aussaatbedingungen in der Regel normal entwickeln und zeigten auch im Frühjahr keine Auswinterungsschäden. Anfang April setzte eine Trockenperiode mit hohen Temperaturen und intensiver Sonneneinstrahlung ein, die lediglich im südlichen und südwestlichen Bereich durch einzelne, zum Teil nur punktuelle Niederschlagsereignisse gemildert wurde. In der zweiten Aprilhälfte traten kühle Nachttemperaturen bis hin zu Frösten auf. Auch im trüben und kühleren Mai gab es vereinzelt Spätfröste. Die Niederschlagsverteilung war regional sehr unterschiedlich. Auf Grund der trockenen Bedingungen mit hohen Temperaturen kam es im Frühsommer zu einer beschleunigten Wachstumsentwicklung und damit auch zu einer ungewöhnlich frühen Abreife. Ohne witterungsbedingte Unterbrechungen war die Triticaleernte quasi Ende Juli bereits abgeschlossen. Wie im vergangenen Jahr wurde die Ertragsleistung entscheidend durch die Wasserverfügbarkeit der Standorte beeinflusst. Von Trockenschäden waren jedoch sowohl die leichteren Standorte im Nordosten als auch im westlichen Niedersachsen betroffen. Von extrem schlechten Erträgen wie 2018 wurde aktuell nicht berichtet.

Erträge der Sorten

Die überraschend hohen Erträge der Versuchsflächen spiegeln in diesem Jahr nicht unbedingt das leicht unterdurchschnittliche Ertragsniveau der Praxis wider, gleichwohl geben die Sortenleistungen in den unterschiedlichen Anbauregionen wichtige Rückschlüsse für die Sortenwahl. In den Ertragstabellen werden zum Einen die Einzeljahresergebnisse der Sorten in den vier Anbauregionen dargestellt. Ergänzend dazu sind die mehrjährigen Erträge auf Basis der diesjährigen Leistungen der Verrechnungssorten mit dargestellt. Wenn möglich, wurden die Ergebnisse aus den Vorversuchen, wie Wert- und EU-Prüfungen mit einbezogen. Durch die guten Leistungen einiger neuer Sorten wurden somit die Relativergebnisse der mehrjährig geprüften Sorten nach unten gedrückt. In den westlichen Anbauregionen sowie den Höhenlagen fließen auch Einzelortergebnisse aus NRW mit hinein. Auch in diesem Jahr wurden vier neue Sorten erstmals in die Landessortenversuche (LSV) aufgenommen. Mit Ramdam von Limagrain und Ozean von KWS Getreide gehen gleichzeitig auch zwei neue Züchterhäuser an den Start. Von der IG Pflanzenzucht wurden Ramos und Vivaldi neu aufgenommen.

Sortenbeurteilungen und -empfehlungen

Die winterharte Sorte Lombardo erwies sich wieder in allen Anbauregionen sehr ertragskonstant. Die vermehrungsstärkste Triticalesorte bleibt damit für ganz Niedersachsen klar empfohlen. Zu beachten sind die mittleren Einstufungen gegenüber Lagerneigung, Mehltau und Gelbrost, vor allem aber die Anfälligkeit gegenüber Braunrost sowie Ährenfusarium. Dieses Merkmal wurde für Triticale erstmals vom Bundessortenamt ausgewiesen. Insbesondere Aussaaten nach Maisvorfrucht sind daher mit anfälligen Sorten zu vermeiden.

Temuco erreichte vor allem auf den leichteren Sandstandorten und in den Höhenlagen überdurchschnittliche Erträge. In diesen Regionen erhält sie aufgrund der mehrjährigen guten Ergebnisse eine uneingeschränkt Anbauempfehlung. Dank der insgesamt günstigen Eigenschaften, wie gute Standfestigkeit, Blattgesundheit und Fusariumtoleranz wird sie bei knapp durchschnittlichen Erträgen auch auf den Lehmstandorten empfohlen.

Die Sorte Cedrico erreichte lediglich auf den Höhenstandorten gute Erträge. Auf den Lehmstandorten enttäuschte sie im zweiten Jahr. Mehrjährig lieferte die Sorte aus ertraglicher Sicht in den Höhenlagen die besten Ergebnisse und wird daher empfohlen. Als standfeste und vor allem gegenüber Ährenfusarium sehr stabile Sorte wird sie in der Kombination von mittleren Erträgen und den beschriebenen weiteren Eigenschaften auch auf den Sandstandorten eingeschränkt empfohlen.

Barolo, die in der Vermehrung an zweiter Stelle in Niedersachsen rangiert, konnte 2019 wiederum ertraglich nicht überzeugen und erreicht damit auch mehrjährig nur unter- bzw. leicht unterdurchschnittliche Erträge. Insgesamt ist sie gegenüber Lombardo als gesünder und kurzstrohiger einzustufen, wobei die Mehltauanfälligkeit zu beachten ist. Sie hebt sich positiv durch eine gute Winterhärte sowie Fusariumtoleranz hervor.

Von den drei zweijährig geprüften Sorten erzielte Lanetto mit Ausnahme der Höhenstandorte gute Erträge und zählt damit auch mehrjährig in den drei Regionen zu den ertragsstärksten Sorten und wird daher empfohlen. Die mehltauresistente Sorte zeigte jedoch größere Schwächen gegenüber Blattseptoria und den Rosten und weist nur eine mittlere Standfestigkeit auf. Die Bestände müssen daher intensiv gegenüber Krankheiten kontrolliert und gegebenenfalls behandelt werden.

Porto und Riparo erreichten auf den Sand- und Lehmböden West durchschnittliche bis gute Erträge und werden dank hoher Vorjahreserträge in diesen Regionen empfohlen. Die sehr guten Erträge in 2018 konnte Riparo in den Höhenlagen nicht wiederholen. Darüberhinaus sind beide blattgesund - vor allem Porto. Zu beachten ist die Schwäche gegenüber Ährenfusarium, wodurch sie nach Mais nicht unbedingt angebaut werden sollten.

Bei den einjährig geprüften Sorten konnte vor allem Ramdam ertraglich voll überzeugen und wird daher in allen vier Anbauregionen für den Probeanbau empfohlen. Darüber hinaus überzeugt die Sorte durch sehr gute Blattgesundheit. Trotz großer Pflanzenlänge ist sie durchschnittlich standfest.

Ramos erzielte auf den Sandböden Nord, den Lehmböden und in den Höhenlagen auch überdurchschnittliche Erträge und wird dort für den Probeanbau empfohlen. Schwächen zeigte die standfeste Sorte gegenüber Gelbrost, was sich auf einzelnen Prüfstandorten bei Verzicht auf Fungizideinsatz auch ertraglich drastisch auswirkte. Ozean lieferte vor allem auf den Höhenlagen sehr gute Erträge, sodass sie dort für den Probeanbau empfohlen wird. Dank der guten Standfestigkeit, Blattgesundheit und Fusariumtoleranz könnte sie auch in weiteren Anbauregionen interessant sein. Vivaldi konnte im ersten LSV-Jahr mit Ausnahme auf den Sandböden Nord ertraglich noch nicht voll überzeugen. Sie ist hinsichtlich der Parameter Standfestigkeit, Blattgesundheit und Fusariumtoleranz vergleichbar gut wie Ozean einzustufen und daher sicherlich auch eine gute Ergänzung in diesem Sortiment.

RGT Belemac hatte 2019 ihr erstes offizielles Prüfjahr. Auf den Lehmstandorten und in den Höhenlagen erreichte sie gute bis durchschnittliche Erträge, die eine Probeanbauempfehlung jedoch noch nicht rechtfertigen. Hervorzuheben ist allerdings die sehr gute Festigkeit gegenüber Krankheiten und Ährenfusarium. Die Blattgesundheit zeigte sich auch im geringen Minderertrag bei Verzicht auf Fungizideinsatz.

Die Regionen im Einzelnen zusammengefasst

Auf den Sandböden West erreichten Ramdam, Lombardo, Riparo, Temuco und Lanetto die höchsten Erträge.

Empfohlen werden aufgrund der mehrjährigen Ergebnisse Lanetto, Lombardo, Riparo, Porto und Temuco sowie dank der Fusariumtoleranz eingeschränkt auch Cedrico. Ramdam ist aufgrund der sehr guten Erträge und der Blattgesundheit für den Probeanbau geeignet.

In der Anbauregion Sandböden Nordhannover erreichte die standfeste, blattgesunde und fusariumtolerante Sorte Temuco die besten Erträge, die vor allem auf den Trockenstandorten ihre besten Leistungen erzielte. Es folgen von den neuen Sorten Ramos Vivaldi, Ozean und Ramdam sowie Lombardo. Empfohlen werden insgesamt Lombardo, Temuco und Lanetto sowie Cedrico wegen der sehr guten Fusariumtoleranz. Ramdam und Ramos bieten sich für den Probeanbau an.

Auf den Lehmen West war Ramdam die ertragsstärkste Sorte, gefolgt von Ramos, Lombardo, RGT Belemac, Riparo und Lanetto. Aus mehrjähriger ertraglicher Sicht erhalten Lanetto und Lombardo sowie Riparo und Porto eine Anbauempfehlung. Temuco überzeugt bei mittleren Erträge durch ihre sonstigen sehr günstigen Eigenschaften. Für den Probeanbau kommen Ramdam und Ramos in Frage.

Im Anbaugebiet Lehmböden/Hügelland erreichte Ramdam auch die höchsten Erträge. Temuco, Lombardo sowie die neuen Sorten Ozean und Ramos folgten. Eine Anbauempfehlung erhalten die mehrjährig mit guten Leistungen sich auszeichnenden Sorten Temuco, Cedrico und Lombardo. Die guten einjährigen Erträge bei Ramdam, Ramos und Ozean sprechen für einen Probeanbau

Qualitätseinstufungen

Die Proteingehalte liegen in der Ernte 2019 mit durchschnittlich 11,7 % auf einem eher geringen Niveau. Die Proteingehalte der Sorten scheinen zum Teil auch durch deren Ertragsniveau beeinflusst worden zu sein. So erreichte beispielsweise Ramdam und Temuco unterdurchschnittliche Gehalte. Durch hohe RP-Werte zeichnen sich Ramos, Porto, Riparo und Lanetto aus. Die mit Abstand höchsten hl-Gewichte lieferte wie im Vorjahr Porto. Aber auch Ramos, Vivaldi, Cedrico, Ozean und Lanetto erreichten überdurchschnittliche Werte.

Auswirkungen von Intensitätsminderungen

Der Verzicht auf den Einsatz von Fungiziden wird in den Ertragstabellen durch den Minderertrag gegenüber der behandelten Stufe dargestellt. Sorten, die sich in der Festigkeit gegenüber Krankheiten und damit als blattgesund erweisen, zeigen daher in der Regel deutlich geringerere Mindererträge als empfindliche Sorten.

Die Gelbrostproblematik spielte nur regional eng begrenzt eine größere Rolle, wo dann die empfindlichen Sorten wie Ramos und Lanetto entsprechend stärker reagierten. Insgesamt eine stärkere Bedeutung hatte die Bekämpfung von Braunrost und Blattseptoria. In den westlichen Anbauregionen war ein verstärkter Ertragseffekt bei Verzicht auf den Fungizideinsatz erkennbar. Die Ertragsminderungen bei den vorwiegend als gesund eingestuften Sorten waren hier auch am geringsten. Das wird bei RGT Belemac, Porto, Ramdam, Temuco, Cedrico, Vivaldi und Ozean erkennbar.

Zusammenfassung

Viele der ein- bzw. zweijährig geprüften Sorten zeichnen sich durch eine deutlich verbesserte Blattgesundheit aus und bereichern somit das Angebot an anbauwürdigen Sorten. Durch die Darstellung der Fusariumanfälligkeit der Sorten können insbesondere auch in den veredelungsstarken Regionen mit hohen Maisanteilen in der Fruchtfolge geeignete tolerante Sorten ausgewählt werden. Hier wird sicherlich auch ein besonderes Augenmerk auf die Standfestigkeit und Blattgesundheit gelegt.

 


Kontakt:
Carsten Rieckmann
Pflanzenbau, Leiter Sachgebiet Mähdruschfrüchte, Nutzungssysteme u. Qualitätserzeugung
Telefon: 0511 3665-4357
Telefax: 0511 3665-4508
E-Mail:
Gesche Rieckmann
Pflanzenbau
Telefon: 0511 3665-4447
Telefax: 0511 3665-4508
E-Mail:


Stand: 16.08.2019