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Landessortenverusche 2021: Wintertriticale

Der züchterische Fortschritt macht sich bei den neuen Triticalesorten sowohl im Ertrag als auch in der Blattgesundheit bemerkbar. Über die aktuellen Landessortenversuchsergebnisse informiert der folgende Artikel.

Mit 56.000 ha hat sich die Anbaufläche von Wintertriticale um knapp 3.000 ha gegenüber dem Vorjahr reduziert. Damit war der Flächenrückgang nicht so drastisch wie in einigen Jahren zuvor und setzte sich also nur noch abgeschwächt fort. Nach den beiden Trockenjahren 2017 und 2018 wurde statt Triticale auf den leichteren Standorten wieder vermehrt Roggen angebaut.

Wie die anderen Winterungen entwickelten sich die Triticalebestände bis Mitte Juni durchweg gut und versprachen in gleicher Weise eine sehr ertragreiche Ernte. Aber diese Bestände wurden auch durch die Hitzeperiode Mitte Juni in ihrer weiteren Entwicklung beeinflusst, sodass hier ebenfalls eine beschleunigte Abreifeentwicklung einsetzte und die Kornfüllungsphase beeinträchtigt wurde, wenn auch anscheinend nicht so ausgeprägt, wie es beim Weizen der Fall war. Die Ertragseinbußen sind auch bei Triticale auf die schwach ausgebildeten Körner zurückzuführen, was an den geringen Hekotlitergewichten ersichtlich wird. Während früh gedroschene Triticaleflächen keine Auffälligkeiten durch Auswuchs in der Ähre zeigten, stieg mit zunehmender Verzögerung der Ernte und wiederholten Niederschlagsereignissen die Gefahr an, vor allem bei früh lagernden Beständen. Die überwiegende Teil der Erntemengen zeigte jedoch keine Probleme.

Erträge der Sorten
Die differierenden Erträge auf den Versuchsstandorten in den unterschiedlichen Regionen spiegeln die Situation in der Praxis recht gut wider. Auf den Sandstandorten West lagen die Leistungen der drei niedersächsischen Versuche im Bereich von 68 bis 76 dt/ha, während am NRW-Standort 96 dt/ha geerntet werden konnten (Mittel: 77 dt/ha). Auf den Sandstandorten Nord lagen die Erträge in einem Bereich von 67 bis 86 dt/ha (Mittel: 74 dt/ha) und damit auf dem Niveau des Vorjahres. Auf den leichten Lehmstandorten variierten die Erträge in einem engen Bereich von 90 bis 95 dt/ha (Mittel: 92 dt/ha). Damit wurden vergleichbare Ergebnisse wie beim Weizen erzielt. In den Höhenlagen wurden im Durchschnitt der 3 Standorte aus Hessen, Niedersachsen und Nordrhein-Westfalen 78 dt/ha gedroschen, die in einer Spanne von 63 bis 88 dt/ha lagen.
In den Ertragstabellen werden ergänzend zu den Einzeljahresergebnissen der Sorten die mehrjährigen Leistungen auf der Verrechnungsbasis des Jahres 2021 in den vier Anbauregionen dargestellt. Wenn möglich, wurden die Ergebnisse aus den Vorversuchen, wie Wert- und EU-Prüfungen, mit einbezogen. Die guten Leistungen einiger neuer Sorten führen dazu, dass bei den älteren Sorten die Relativergebnisse aus den Vorjahren abgewertet werden. In diesem Jahr wurden vier neue Sorten erstmals in die Landessortenversuche (LSV) aufgenommen, dies sind Lumaco (Syngenta), Presley, Charme (IG Pflanzenzucht) und die EU-Sorte Brehat (DSV).
Sortenbeurteilungen und -empfehlungen
Ramdam erreichte in diesem Jahr nicht die herausragenden Ergebnisse der Vorjahre, zählt mehrjährig betrachtet aber zu den leistungsstärksten Sorten in allen Anbauregionen. Darüber hinaus ist die gute Blattgesundheit hervorzuheben. Trotz ihrer Wuchshöhe ist sie durchschnittlich standfest. In entsprechend gefährdeten Regionen ist die schwächere Winterhärte zu beachten. Die Sorte wird dennoch in allen Anbauregionen empfohlen.
Rivolt konnte an die sehr guten Ertragsleistungen des letzten Jahres nicht ganz anknüpfen. Vor allem auf den Sandstandorten Nord zeigte sie an zwei von drei Standorten Schwächen. Mehrjährig und unter Einbeziehung der Vorprüfungsergebnisse erreichte sie jedoch überdurchschnittliche Erträge und wird daher aus ertraglicher Sicht generell empfohlen. Zu beachten ist die Anfälligkeit gegenüber Gelbrost und die mittlere Standfestigkeit. In Befallssituationen sind ohne Pflanzenschutzmaßnahmen deutliche Ertragseinbußen zu befürchten, wie es auf den Lehmstandorten erkennbar war. Gegenüber Ährenfusarium scheint die Sorte sehr robust zu sein, auch wenn es hierzu noch keine offiziellen Einstufungen gibt.
Die winterharte Sorte Lombardo erwies sich wieder in allen Anbauregionen als sehr ertragskonstant. Die nach wie vor vermehrungsstarke Triticalesorte bleibt damit für Niedersachsen empfohlen, für die Höhenlagen aufgrund mittlerer Erträge nur eingeschränkt. Zu beachten sind die durchschnittlichen Einstufungen gegenüber Lagerneigung, Mehltau und Gelbrost, vor allem aber die Anfälligkeit bei Braunrost und Blattseptoria. Gegenüber Ährenfusarium wurde die Sorte mit einer mittleren Anfälligkeit eingestuft. Insbesondere Aussaaten nach Maisvorfrucht sind mit anfälligen Sorten zu vermeiden. Die Krankheitsanfälligkeit spiegelt sich in den höheren Mindererträgen (siehe Tabelle) wider, wenn bei dieser Sorte auf Fungizideinsatz verzichtet wird.
Ozean konnte die guten Ertragsleistungen des Vorjahres leider nicht bestätigen und fiel daher mehrjährig auf unterdurchschnittliche Werte. Lediglich auf den Sandstandorten Nord konnte sie noch akzeptable Erträge erreichen. Dort wird sie eingeschränkt empfohlen, da sie sich als blattgesund, standfest, winterhart und fusariumtolerant erwiesen hat.
Die ebenfalls blattgesunde, standfeste und fusariumtolerante Sorte Vivaldi erzielte ebenso auf den Sandböden Nord noch ihre besten mehrjährigen Ergebnisse und wird dank der beschriebenen positiven Eigenschaften dort eingeschränkt empfohlen.
Da Temuco in den Ertragsleistungen mehrjährig gesehen nicht mehr an die Leistungen der ertragsbetonten Sorten heranreichen kann, wird sie trotz der positiven Einstufungen in den Eigenschaften Standfestigkeit, Blattgesundheit, Winterhärte und Fusariumtoleranz nicht mehr empfohlen. Steht nicht der Ertrag im Vordergrund, sondern es wird die Robustheit der Sorte bevorzugt, ist sie sicherlich nach wie vor anbauwürdig.
Belcanto konnte ertraglich in beiden Jahren nicht überzeugen, wird aber hinsichtlich ihrer Unempfindlichkeit gegenüber Blattkrankheiten, Ährenfusarium, Lageranfälligkeit und Auswinterung sehr gut eingestuft.
Mit Lumaco wurde eine sehr langstrohige neue Sorte aufgenommen, die an allen Standorten mit sehr hohen Erträgen überzeugte. Darüber hinaus wird sie als sehr blattgesund und wenig anfällig gegenüber Ährenfusarium eingestuft. Sie erhält daher ganz klar eine Anbauempfehlung für den Probeanbau in allen Anbauregionen.
Die standfesten Sorten Presley und Charme wurden als zwei weitere Prüfkandidaten in den LSV aufgenommen, die ertraglich noch nicht voll überzeugten. Einzig Presley konnte auf den Sandböden Nord und in den Höhenlagen mittlere bis gute Leistungen zeigen. Charme hingegen fiel durch die gute Blattgesundheit positiv auf und wird auch im Hinblick Festigkeit gegenüber Ährenfusarium und Auswinterung gut beurteilt.
Brehat lieferte in den EU-Prüfungen gute Ergebnisse ab und zeigte sich im ersten LSV-Jahr mit konstanten und leicht überdurchschnittlichen Erträgen. Unter Einbeziehung der Vorprüfungsergebnisse verbessern sich die mehrjährigen Leistungen. Zu beachten ist die sehr hohe Halmlänge, sodass die Sorte Probleme in der Standfestigkeit hat. Sie ist als blattgesund eingestuft und wird auf den Lehmböden und in den Höhenlagen eingeschränkt für den Probeanbau empfohlen.

Die Regionen im Einzelnen zusammengefasst
Auf den Sandböden West und Nord werden Ramdam, Rivolt und Lombardo für den Anbau empfohlen. Ramdam und Rivolt erzielten mehrjährig hohe Ertragsleistungen, obwohl sie in diesem Jahr etwas schwächere Werte ablieferten. Lombardo hingegen konnte aktuell wieder überzeugen und schneidet insgesamt ebenfalls gut ab. Zu beachten sind bei Lombardo die höhere Krankheitsanfälligkeit. Sie punktet jedoch mit einer sehr guten Winterhärte. Ramdam erwies sich als blattgesund, während Rivolt Schwächen gegenüber Gelbrost hat. Für den Probeanbau wird klar die neue Sorte Lumaco empfohlen, da sie mit rel. 115 auf den Sandböden West bzw. mit rel. 108 auf den Sandböden Nord mit Abstand die höchsten Erträge erzielte und darüber hinaus blattgesund und fusariumtolerant ist. Zu beachten ist die mittlere Standfestigkeit aufgrund ihrer Pflanzenlänge. Für die nördlichen Sandstandorte werden zusätzlich die mehrjährig geprüften Sorten Ozean und Vivaldi eingeschränkt empfohlen. Bei aktuell schwächeren Erträgen lieferten sie insgesamt noch gute Ertragsleistungen. Beide Sorten sind standfest, blattgesund und fusariumtolerant. Zusätzlich zeigt Ozean auch eine sehr gute Winterhärte.
Auf den Lehmstandorten West erwiesen sich Ramdam, Rivolt und Lombardo im Mittel der Jahre am ertragsstärksten und werden für den Anbau empfohlen. Während bei Lombardo die sehr gute Winterhärte, aber auch die Empfindlichkeit gegenüber Blattseptoria und Braunrost hervorzuheben sind, ist es bei Ramdam umgekehrt. Hier ist auf die schwächere Winterhärte zu achten, dafür ist sie blattgesund. Rivolt punktet durch die Ertragsleistungen, zu beachten ist die höhere Gelbrostanfälligkeit. Die neue blattgesunde und fusariumtolerante Sorte Lumaco erreichte auch hier mit Abstand die höchsten Erträge und wird klar für den Probeanbau empfohlen. Unter Einbeziehung der Vorprüfungsergebnisse erreichte Brehat ebenfalls überdurchschnittliche Erträge und kommt bei Beachtung der höheren Lageranfälligkeit eingeschränkt für den Probeanbau in Frage.
Im Anbaugebiet Höhenlagen Mitte/West verdankt Lombardo die eingeschränkte Empfehlung ihrer guten Winterhärte. Ertraglich liegt sie in den mehrjährigen Ergebnissen knapp unter dem Mittel. Ramdam hingegen überzeugte insgesamt durch hohe Ertragsleistungen bei guter Blattgesundheit. Zu beachten ist für diese Anbauregion die schwächere Winterhärte. Rivolt erhält ihre Anbauempfehlung wegen der insgesamt überdurchschnittlichen Erträge bei allerdings etwas schwankenden Leistungen. Die langstrohige Sorte ist durchschnittlich standfest und die Gelbrostanfälligkeit ist zu beachten. Für den Probeanbau wird auch hier klar die blattgesunde und fusariumtolerante Sorte Lumaco empfohlen. Die langstrohige Sorte zeigt eine mittlere Standfestigkeit und Winterhärte. Die sehr gesunde, aber lageranfällige Sorte Brehat kommt aufgrund ihrer Ertragsleistungen ebenfalls für den Probeanbau, allerdings eingeschränkt, in Frage.

Qualitätseinstufungen
Die Rohproteingehalte lagen auf den niedersächsischen Versuchsstandorten in der Ernte 2021 mit durchschnittlich 11,5 % auf einem niedrigen Niveau, wobei die Werte zwischen den Orten von 9,9 % bis 12,7 % schwankten. Die Rohproteingehalte der Sorten wurden zum Teil sicherlich auch durch deren Ertragsniveau beeinflusst. So lagen die Gehalte bei Rivolt, Lombardo und Ramdam auf einem niedrigen Niveau. Belcanto, Presley, Ozean und Charme wiesen hingegen die höchsten Werte auf. Überraschender Weise erreichte die mit Abstand ertragsstärkste Sorte Lumaco ebenfalls überdurchschnittliche Werte.
Auch bei Triticale spiegeln sich die schwächer als erwartet ausgefallenen Ertragsleistungen im Merkmal Hektolitergewicht wider. Gegenüber dem Vorjahr rutschten die Werte von 74,6 kg auf 68,8 kg im Schnitt der Sorten und Standorte. Die mit Abstand höchsten hl-Gewichte erreichten Belcanto sowie die neuen Sorten Charme und Presley. Die Streuung zwischen den Orten war auch hier mit 66,7 bis 72,2 kg recht ausgeprägt.

Auswirkungen von Intensitätsminderungen
Der Verzicht auf den Einsatz von Fungiziden wird in den Ertragstabellen durch den Minderertrag gegenüber der behandelten Stufe dargestellt. Sorten, die eine geringe Anfälligkeit gegenüber Blattkrankheiten aufweisen, zeigen daher in der Regel deutlich geringere Mindererträge als empfindliche Sorten. Die als gesund eingestuften Sorten Belcanto, Charme, und Lumaco bestätigten das besonders, wobei in den Höhenlagen Lumaco aufgrund von Lager dort höhere Ertragsminderungen zu verzeichnen hatte.
Die krankheitsanfälligeren Sorten Lombardo und Rivolt waren besonders auf den Lehm- und Höhenstandorten auffällig. Bei Lumaco und Brehat spiegelte sich die höhere Lageranfälligkeit in diesen Anbauregionen wider, da neben den Fungiziden auch auf Wachstumsregler verzichtet wurde. 

Zusammenfassung
Im Vergleich zum Winterweizen waren die Ertragsleistungen bei Triticale noch relativ zufriedenstellend. Züchterisch zeigt sich sowohl im Hinblick auf die Blattgesundheit als auch in der Ertragsleistung eine merkliche Verbesserung. Viele der neueren geprüften Sorten zeichnen sich durch eine bessere Blattgesundheit aus und bereichern somit das Angebot an anbauwürdigen Sorten. Die Einstufung im Merkmal Fusariumanfälligkeit der Sorten macht es möglich, insbesondere in den veredelungsstarken Regionen mit hohen Maisanteilen in der Fruchtfolge geeignete tolerante Sorten auszuwählen. Hinzu kommt dort ein besonderes Augenmerk auf die Standfestigkeit und Blattgesundheit. Da neben Roggen auch Triticale für die Doppelnutzung Korn oder GPS in Frage kommt - je nachdem, welche Verwertungsrichtung am sinnvollsten erscheint - stehen mit den langstrohigeren Sorten interessante Kandidaten zur Verfügung.
 


Kontakt:
Carsten Rieckmann
Pflanzenbau; Leiter Sachgebiet Mähdruschfrüchte, Nutzungssysteme u. Qualitätserzeugung
Telefon: 0511 3665-4357
Telefax: 0511 3665-4508
E-Mail:


Stand: 09.09.2021



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