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Raps: optimalen Start absichern

Der Raps ist in vielen Betrieben eine wichtige Blattfrucht und für die Auflockerung der getreidelastigen Fruchtfolgen häufig kaum zu ersetzen. Der Vorfruchtwert von Raps kann aufgrund seiner tiefen Bodenlockerung und der hohen Nährstoffrücklieferung bis zu 200 €/ha betragen. Keine andere Frucht ist zudem über alle Standorte so ausgeglichen. Die schlechten Erträge der letzten Jahre haben jedoch zu einem starken Rückgang des Rapsanbaus geführt. Die geringen Erträge sind auf verschiedene Aspekte zurückzuführen.

In vielen Fällen gelang es nicht, aufgrund der Trockenheit, den Raps im Herbst optimal zu bestellen. Die Wetterextreme im Frühjahr haben darüber hinaus die Ertragsbildung begrenzt. Dazu kam häufig ein starker Schädlingsbefall, der auch durch den Wegfall der neonicotinoidhaltigen Beizen begünstigt wurde. Mit der Verschärfung der Düngeverordnung drohen nun weitere Probleme für den Raps. Ab diesem Jahr muss die Herbstdüngung im Frühjahr vom Bedarfswert abgezogen werden. Zudem muss in den roten Gebieten im Frühjahr bekanntlich in allen Kulturen ein Abschlag von 20 % vom Düngebedarf vorgenommen werden. Für den Rapsanbau bedeutet das, dass es gelingen muss, dem Raps, im Herbst, einen optimalen Start zu verschaffen, um eine optimale Entwicklung vor Winter sicherzustellen. Daher muss sowohl die Bodenlockerung als auch die Sortenwahl und der Saattermin auf den Prüfstand.

Raps aus engen Fruchtfolgen befreien
Nach wie vor wird Raps in vielen Betrieben in dreifeldrigen Fruchtfolgen angebaut. Diese enge Fruchtfolge hat in den vergangenen Jahren verschiedene Probleme nach sich gezogen. Dazu zählen u.a. das vermehrte Auftreten der Kohlhernie sowie ein stärkerer Befall mit Pilzkrankheiten wie Verticillium oder Sclerotinia sowie ein stärkerer Schädlingsdruck. Um die Erträge zu steigern und den Pflanzenschutzmitteleinsatz zu begrenzen, sollte der Raps daher nach Möglichkeit in Zukunft in weitere Fruchtfolgen mit anderen Blattfrüchten wie Mais und Zuckerrüben eingebunden werden. Darüber hinaus sollten auf den „Altrapsstandorten“ Sorten mit einer guten Resistenzausstattung bevorzugt werden. U.a. bei der Resistenzzüchtung gegen Kohlhernie ist bei den neueren Sorten ein guter Züchtungsfortschritt zu erkennen. Auch bei Verticillium werden von den Züchtern Sorten mit besserer Toleranz beschrieben. Dazu zählen z.B. Smaragd oder Ambassador.

Böden intensiv lockern
Der Raps wird heute in vielen Betrieben pfluglos bestellt. Dies hat vor allem arbeitswirtschaftliche Vorteile. Viele Versuche haben gezeigt, dass zwischen Pflug und Grubber auf den meisten Standorten kaum Ertragsunterschiede bestehen. Vor allem wenn im Herbst organische Dünger ausgebracht werden, hat die Mulchsaat Vorteile, denn der Dünger ist besser pflanzenverfügbar. Darüber hinaus sichert die pfluglose Bestellung einen besseren Erosionsschutz ab. Durch das Pflügen kann allerdings - vor allem bei Trockenheit - ein höherer Feldaufgang erzielt werden. Voraussetzung ist jedoch, dass die Bodenbearbeitung und die Saat möglichst zeitgleich erfolgen. Zudem fördert das Pflügen die Jugendentwicklung. Daher hat der Pflug bei später Saat ab Anfang September größere Vorteile. Durch die intensive Bodenlockerung wird außerdem die Nährstofffreisetzung verbessert. Auf nährstoffreichen Böden kann durch eine intensive Bodenlockerung unter Umständen eine Herbstdüngung eingespart oder reduziert werden. Durch das Unterpflügen des Ausfallgetreides kann zudem der Herbizidaufwand vermindert werden. Um die Pflanzenentwicklung und die Nährstofffreisetzung zu fördern, muss daher auch in den pfluglosen Anbausystemen über eine größere Intensität der Bodenlockerung nachgedacht werden. Raps steht in vielen Fällen nach Weizen. Damit bleibt häufig nicht viel Zeit für eine optimale Stoppelbearbeitung. Da das Stroh meist auch auf den Flächen verbleibt, müssen zudem hohe Strohmengen in kurzer in den Boden eingearbeitet werden. Bei Mulchsaat sollte daher bereits direkt nach der Ernte eine tiefe Lockerung mit dem Grubber erfolgen. Das Vergraben des Ausfallgetreides sollte dabei in Kauf genommen werden. Damit wird das Stroh bereits intensiv in den Boden eingemischt. Mit einem weiteren tiefen Arbeitsgang direkt zur Saat kann dann meist ein optimaler Feldaufgang abgesichert werden. Bei sehr hohem Strohanfall kann jedoch auch ein dritter Arbeitsgang notwendig sein. Die Tiefe der Lockerung sollte etwa 20 – 25 cm betragen. Auf Sandböden kann es sogar sinnvoll sein, krumentief zu lockern. Vor allem auf dichtlagernden Böden sollten zudem Grubber mit engeren Zinkenabständen eingesetzt werden (etwa 20 cm). Zweibalkige Flügelschargrubber mit Zinkenabständen von 45 cm sind für die Mulchsaat generell ungeeignet.

Frohwüchsige Hybriden bevorzugen
Im Raps ist in den letzten Jahren vor allem bei der Resistenzzüchtung ein guter Fortschritt zu erkennen. Vor allem die Verbesserung der Phomaresistenz sowie die Resistenz gegenüber dem Wasserrübenvergilbungsvirus ist bei den neueren Sorten gut verankert. Weitere Verbesserungen zeichnen sich bei der Schotenfestigkeit und bei der Nährstoffeffizienz ab. In den letzten Jahren haben sich im Rapsanbau fast überall Hybriden durchgesetzt. Hybridsorten haben den Vorteil, dass sie grundsätzlich eine bessere Frohwüchsigkeit aufweisen. Allerdings sind auch bei Hybriden Unterschiede in der Vorwinterentwicklung zu erkennen. Sehr frohwüchsige Typen sind u.a. die Sorten Albit, Ambassador oder Ludger. Diese Sorten können daher auch noch etwas später bis Anfang September gesät werden. Um eine gute Herbstentwicklung abzusichern, sollte jedoch bei guten Saatbedingungen in diesem Herbst auch eine frühere Saat ab dem 15. – 20. August erwogen werden, um eine gute Herbstentwicklung abzusichern und unter Umständen auf eine Düngung verzichten zu können. In diesem Fall sollten sich die Sorten jedoch nicht überwachsen und zur Stängelbildung neigen. Eine gute Winterhärte ist darüber hinaus wichtig. Als Beispiele können hier u.a. die neueren Sorten Smaragd oder Algarve genannt werden. Bei der Sortenwahl sollten grundsätzlich die Informationen der Züchter sowie die Ergebnisse der Landessortenversuche herangezogen werden.

Spätsaaten vermeiden
In den letzten Jahren hat sich gezeigt, dass in Folge der Trockenheit viele Bestände erst verzögert abgelaufen sind. Die Erträge dieser Bestände sind dementsprechend stark abgefallen. In Hinblick auf den Saattermin sollte daher – sofern eine Bearbeitung möglich ist – bereits ab dem 15. – 20. August mit der Saat vom Raps begonnen werden. Frühe Saaten sind vor allem in den Höhenlagen und auf den schweren Tonböden zu bevorzugen. Auf den Gunststandorten der Börderegionen sollte die Saat ab dem 25. August eingeplant werden. Grundsätzlich sind jedoch Spätsaaten ab dem 5. September zu vermeiden.
Saatmenge den Feldaufgangsbedingungen anpassen
In Hinblick auf die Saatstärke müssen sowohl die Saattechnik als auch die Saatbedingungen beachtet werden. In jüngster Zeit wird Raps immer öfter in Einzelkornsaat bestellt. Versuche haben gezeigt, dass bei dieser Technik die Saatstärke reduziert werden muss, um eine Konkurrenz in der Reihe zu vermeiden. Unter optimalen Bedingungen kann dann die Saatstärke auf 20 – 25 Körner/qm reduziert werden. Bei der Einzelkornsaat kann zudem häufig ein höherer Feldaufgang beobachtet werden, da die Körner optimal abgelegt und rückverfestigt werden. Zur Saatbettbereitung ist jedoch vielfach ein zusätzlicher Arbeitsgang nötig. Bei Breitsaat mit herkömmlichen Getreidesämaschinen sollte die Saatmenge etwa 35 – 40 Körner/qm betragen. Bei schlechteren Feldaufgangsbedingungen sowie bei Spätsaaten sind Zuschläge erforderlich.

Herbstdüngung prüfen
In diesem Herbst ist grundsätzlich noch eine Herbstdüngung zum Raps erlaubt. Voraussetzung ist jedoch eine Bestellung bis zum 15. September. Die Sperrfrist beginnt dann ab dem 1. Oktober. Eine Düngung ist bis max. 60 kg/ha Gesamt N möglich (30 kg NH4 – N). Bei Strohabfuhr vermindert sich der Düngebedarf auf 40 kg/ha anrechenbaren Stickstoff. Auf Standorten mit einem Humusgehalt über 4 % bzw. bei P Gehalten über 13 mg P/100 g Boden ist die Düngung jedoch verboten. Ab diesem Herbst gilt jedoch die Pflicht eine Herbstdüngung im Frühjahr abziehen zu müssen. Bei organischen Düngern gilt dies für den NH4 – Anteil. Dünger mit geringeren NH4 Gehalten wie Puten- oder Hähnchenmiste und HTK sind daher in Zukunft günstiger zu bewerten, da hier der Abschlag geringer ist. Der Mineraldünger muss hingegen zu 100 % im Frühjahr abgezogen werden. Vor allem in den Roten Gebieten in denen im Frühjahr ein weiterer Abschlag der Düngung erfolgen muss, ist daher eine Herbstdüngung grundsätzlich zu prüfen. Ein Instrument für die Bedarfsermittlung ist eine Nmin Probe (0 - 60 cm) kurz vor der Saat. Die Werte sollten hier über 50 kg/ha liegen, denn der Raps nimmt im Herbst bei normaler Entwicklung etwa 80 – 100 kg/ha auf (1 kg/qm Frischmasse entsprechen etwa 50 kg/ha N). Sofern der Raps nach früher Bestellung im September optimal wächst, kann darüber hinaus an der Pflanzenentwicklung ein Düngebedarf abgeleitet werden. Günstig ist, wenn der Raps bereits Mitte September 4. – 6. Blätter gebildet hat. Bei schwächerer Entwicklung sollte dann eine Stickstoffdüngung zur Förderung der Herbstentwicklung erfolgen. Neben Stickstoff sollte der Raps bereits im Herbst mit Phosphat und Kalium versorgt werden. Als Grundlage der Düngung sollte die Abfuhr herangezogen werden. In Ackerbaubetrieben ohne organische Düngung im folgenden Getreide kann die Abfuhr des nachfolgenden Weizens hinzugerechnet werden. Damit beträgt der Düngebedarf hier etwa 170 kg/ha P2O5 und 120 kg/ha K2O. Der Raps alleine fährt mit dem Korn etwa 80 kg/ha Phosphat und 45 kg/ha Kalium ab. Die Aufnahme an Kali ist jedoch mit etwa 200 kg/ha wesentlich höher. Neben Kalium reagiert Raps zudem auf Magnesiummangel sehr empfindlich. Sofern Magnesium nicht über eine Kalkung zugeführt wird, sollte im Frühjahr eine Düngung mit Kieserit (2 dt/ha) eingeplant werden. Auf leichten Standorten ist im Herbst eine Blattdüngung mit Bor einzuplanen.

Fazit:
Der Raps dankt den Anbau in weiteren Fruchtfolgen. Damit der Raps einen guten Start hat, sollten die Böden zur Bestellung intensiv gelockert werden. Dies sichert eine optimale Pflanzenentwicklung und begrenzt den Düngebedarf. Die Notwendigkeit einer Herbstdüngung kann zusätzlich durch eine frühere Saat vermindert werden. Voraussetzung dafür ist jedoch die Wahl ertragreicher, gesunder und winterharter Sorten.

 


Kontakt:
Dr. Ulrich Lehrke
Berater Pflanzenbau
Telefon: 0511 4005-2251
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Stand: 15.07.2020