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Kartoffeldüngung, alles neu?

 

Im Jahr 1 der neuen Düngeverordnung steht insbesondere die Stickstoffdüngung der Kartoffeln ganz im Zeichen der neuen Düngeverordnung. Oft wird die Frage gestellt, ob eine optimale N – Versorgung der Kartoffeln noch möglich ist. Um es vorweg zu nehmen: Auch in Zukunft ist eine bedarfsgerechte Stickstoffversorgung möglich. Die neue Düngeverordnung zwingt uns jedoch, sich intensiver mit der Düngung auseinanderzusetzen. Vor der Düngung der Kartoffel muss eine Düngebedarfsermittlung durchgeführt werden.

 

Stickstoff - Düngebedarfsermittlung zu Kartoffeln

Ausgangspunkt für die Ermittlung des N-Düngebedarfs ist ein Kultur-spezifischer N-Bedarfswert, der in Abhängigkeit der Verwertungsrichtung und dem Ertragsniveau festgesetzt wurde. Bei dem Anbau von Speise- und Stärkekartoffeln beträgt dieser Wert bei einem mittleren Ertragsniveau von 450 dt/ha 180 kg/ha N, bei Frühkartoffeln liegt der Bedarfswert bei 220 kg N/ha bei einem Ertragsniveau von 400 dt/ha. Werden Kartoffelsorten für die industrielle Verarbeitung angebaut, liegt der Stickstoffbedarf auf einem etwas höheren Niveau bei 220 kg N/ha bei einem Ertrag von 500 dt/ha. Zu den Frühkartoffeln zählen die Reifegruppen sehr früh (sfr) und früh (fr), dabei ist die Einstufung entsprechend der „Beschreibende Sortenliste Kartoffel“ entscheidend. Alle Kartoffeln, die industriell verarbeitet werden, außer Stärkekartoffeln zählen zur Veredlung.

Von dem N-Bedarfswert sind ggf. Zu-/Abschläge auf Grund von abweichendem Ertragsniveau im Durchschnitt der letzten 3 Jahre vorzunehmen: je 50 dt/ha Mehrertrag 10 kg/ha N Zuschlag und pro 50 dt/ha Minderertrag 10 kg/ha N Abschlag vorgegeben. Von diesem Bedarfswert ist der über Nmin ermittelte Stickstoffgehalt im Boden abzuziehen. Im Gegensatz zu der bisherigen Sollwertmethode ist jetzt der Nmin – Wert aus der Bodentiefe 0 bis 90 cm zu berücksichtigen. Hier können eigene Werte des betreffenden Schlages oder die Richtwerte der LWK herangezogen werden. In der Summe dürfen Zuschläge in Höhe von maximal 40 kg N/ha vorgenommen werden.

Beispiele gängiger Kartoffelsorten und deren Einstufungen:

Frühkartoffel: Solist, Annabelle, Glorietta, Juwel, Gala, Marabel, Queen Anne, Zorba, Lady Amarilla, Innovator, usw.

Kartoffel, Speise: Belmonda, Jelly, Krone, Ditta, Melody, usw.

Kartoffel, Stärke: Kuba, Kuras, Saprodi, Stärkeprofi, usw.

Veredlung Pommes: Agria, Challenger, Fontane, usw.

Veredlung Chips: Verdi, Opal, usw.

Veredlung Püree: Gala, Laura, usw

Darüber hinaus werden Abschläge in Abhängigkeit vom Humusgehalt des Bodens (Größer 4% abzgl. 20 kg/ha N), der N-Nachlieferung aus organischer Düngung des Vorjahres (10% des Gesamt-N aus der org. Düngung des Vorjahres) sowie der N-Nachlieferung in Abhängigkeit von Vor- und Zwischenfrüchten gemacht. Hilfestellung bei der Düngebedarfsermittlung kann dabei ein kostenloses von der Landwirtschaftskammer Niedersachsen entwickeltes Excel-Programm bieten, dass unter www.lwk.niedersachsen.de herunter geladen werden kann (webcode 01032563).

Bei der aufgeführten beispielhaften Düngebedarfsermittlung (Abbildung 1) wurde angenommen, dass vor den Kartoffeln eine über Winter abgefrorene Zwischenfrucht angebaut wurde. Im Vorjahr wurden einschließlich der Mengen zu der Zwischenfrucht 100 kg/ha Gesamt N über organische Dünger ausgebracht. Liegen Nmin Ergebnisse vor oder werden andere Werte erwartet, so sind die Düngeempfehlungen entsprechend zu korrigieren.

Abbildung 1: Beispiele zur Düngebedarfsermittlung

Der auf diesem Wege ermittelte Düngebedarf stellt dabei eine Obergrenze da, die nicht überschritten werden darf. Es kann aber auch sinnvoll sein, die Stickstoffdüngung auf einem niedrigeren Niveau zu belassen. Eine verhaltende Stickstoffdüngung beeinflusst die innere Qualität der Kartoffeln positiv. Bei einer überzogenen N Düngung nimmt die Festigkeit gegen Schwarzfleckigkeit und Kochdunkelung ab, der Nitratgehalt in der Knolle und die Beschädigungsempfindlichkeit erhöhen sich, wodurch auch die Lagerfähigkeit vermindert ist. Zudem steigt die Neigung zur Ausbildung hohlherziger Knollen, insbesondere bei unsicherer Wasserversorgung.

In Veredelungskartoffeln hat sich gezeigt, dass auf Standorten mit sehr hohem Ertragsniveau auch höhere Stickstoffmengen sehr gut in Ertrag umgesetzt werden können. Bei hohem Ertragsniveau können besonders bei dem Anbau von Sorten für die Pommesproduktion korregierte Düngebedarfswerte von 200 – 240 kg N/ha sinnvoll sein.

Im Stärkekartoffelanbau muss die N-Düngung am Stärkeertrag und nicht nur am Knollenertrag bemessen werden. Höhere N-Mengen führen häufig zu einer Verringerung des Stärkegehaltes und somit des Stärkeertrages. Gerade bei späten, blattgesunden Sorten, die die Nährstoffe im Boden sehr gut nutzen, kann die Düngung reduziert werden, so dass in diesen Fällen auch Werte unterhalb des Düngebedarfswertes sinnvoll sind.

Im Speisekartoffelanbau steht die Speisequalität im Vordergrund. Daher ist eine überhöhte Düngung zu vermeiden und die Basisempfehlung 180 kg/ha N abzüglich des Nmin-Gehaltes (0-90 cm) zu beachten.

Korrekturen erfolgen aufgrund der Standortbedingungen und Vorfrüchte sowie ggf. der Sorte. Einige Speisesorten reagieren deutlich auf eine hohe N-Düngung mit Qualitätseinbußen. Zur Erzeugung von Qualitätsspeisekartoffeln wird daher empfohlen, die N-Düngermenge auf 130-160 kg/ha N incl. Nmin (0 – 90 cm) zu begrenzen.

In der Pflanzgutproduktion wird die Düngung noch stärker begrenzt, um Übergrößen zu reduzieren. 100-140 kg/ha N incl. Nmin (0 – 90 cm) sind in den meisten Fällen ausreichend, um gleichmäßig fallendes Pflanzgut zu erhalten.

 

Kalium beeinflusst Qualitäts- und Verarbeitungseigenschaften

Die Kaliumdüngung beeinflusst neben den Knollenerträgen insbesondere die inneren Qualitäten grundsätzlich positiv, wodurch gerade Speisekartoffeln profitieren. Eine höhere Festigkeit gegen Schwarzfleckigkeit, Rodebeschädigungen und eine Förderung des festkochenden Charakters sowie eine bessere Lagerfähigkeit sind hier die Hauptvorteile.

Im Stärkekartoffelanbau hingegen kann Stärkegehalt mit überzogener Kalidüngung abnehmen. Daher gelten für die Stärkekartoffel niedrigere Düngungsempfehlungen als für den Speise- und Veredlungskartoffelanbau (Tabelle 2).

Neben der Kaliummenge hat die Kaliumform (Kaliumchlorid oder Kaliumsulfat) einen erheblichen Einfluss auf die Stärkegehalte. Chloridionen beeinträchtigen die Stärkeeinlagerung und führen somit zu geringeren Stärkegehalten. Daher ist darauf zu achten, bei sehr hohen Kaligaben (280 kg K2O /ha) ca. 1/3 sulfatisches Kalium einzusetzen. Bei Sorten mit genetisch bedingtem niedrigem Stärkegehalt (z.B. Montana, Princess, Soraya, Wega) sind insgesamt sulfatische Kalidünger zu bevorzugen.

Wirtschaftsdünger enthalten ebenfalls Chloride. Tabelle 3 zeigt zur besseren Abschätzung neben Nährstoffgehalten unterschiedlicher Dünger auch mittlere Chloridgehalte einer Rinder- bzw. einer Schweinegülle sowie bei Kartoffelfruchtwasser. Diese Werte können jedoch stark variieren, so dass eigene Analysen empfehlenswert sind.

Tabelle 3:  Kalium-, Magnesium-, Schwefel- und Chloridgehalte verschiedener Dünger

 

Phosphat – an der Wurzel wirkt es besser!

Bei der Phosphatdüngung (Tabelle 2) sollte darauf geachtet werden, dass Phosphat möglichst vollständig in den später intensiv durchwurzelten Dammbereich zu bringen, da es im Boden sehr unbeweglich ist und von Wurzeln aktiv erschlossen werden muss. Die P-Düngung auf den Enddamm ist daher nicht empfehlenswert. Die beste Düngewirkung ist mit der Unterfußdüngungstechnik zu erwarten. Ist die Möglichkeit der Unterfußdüngung (UFD) an der Pflanzmaschine nicht vorhanden, sollte das Phosphat so ausgebracht werden, dass eine vollständige Einmischung in den Boden beim Pflanzen erfolgt. Wasserlösliche Phosphate (z.B. MAP, DAP, Triplesuperphosphat) sind zu bevorzugen.

Tabelle 2: Düngeempfehlung für Phosphor, Kali und Magnesium in kg/ha bei 400 dt/ha Ertrag (in Versorgungsstufe „E“: generell keine Düngung)

 

Düngungszeitpunkt und optimale Düngerplatzierung

Der Zeitpunkt der Düngung kann in der Regel ohne pflanzenbauliche Nachteile weitgehend nach arbeitswirtschaftlichen Kriterien gewählt werden, z.B. direkt vor der Pflanzung oder als Splittingmaßnahmen. Auf sehr leichten Standorten bietet eine geteilte Gabe mit Stickstoff- und Kalidüngern Vorteile, wenn eine ausreichende Wasserversorgung gewährleistet ist. Bei einem kalkulierten Stickstoffbedarf von weniger als 80 kg/ha macht allerdings eine Aufteilung der Düngergaben wenig Sinn.  

In den letzten Jahren hat zunehmend die Unterfußdüngungstechnik beim Kartoffelpflanzen Einzug gehalten. Die platzierte Düngung bietet deutliche Vorteile insbesondere auf leichten Standorten und bei Trockenheit im Hinblick auf Nährstoffausnutzung, da der Dünger in einem optimal durchwurzelbaren Bereich abgelegt ist. Gute Ergebnisse ergeben sich mit einer geteilten N/K-Düngung, wenn Phosphat zu 100% unter Fuß beim Pflanzen gegeben wird, Kalium und Stickstoff jedoch auf ca. 50-70% der gesamten Nährstoffmenge begrenzt werden. Eine Nachdüngung der restlichen Menge erfolgt dann bei sicherer Wasserversorgung kurz vor Reihenschluss der Kartoffeln. Bei unsicherer Wasserversorgung sollte die Nachdüngung bei 10-15 cm Wuchshöhe erfolgen oder die gesamte Menge zum Pflanzen gegeben werden. Mehrnährstoffdünger oder gut gemischte Einzelnährstoffdünger eignen sich am besten für die Unterfußdüngung. Es ist aber auch hierbei die Kaliumform (Chlorid / Sulfat) zu beachten. Nur die speziellen Kartoffeldünger 7+12+17+2 oder 12+12+17+2 sind chloridarm und damit auch für Verarbeitungs- und Stärkekartoffeln geeignet. Regional werden auch entsprechende chloridarme Mischdünger angeboten. Die mineralische UFD bringt insbesondere Vorteile bei Kartoffeln mit einer kurzen oder mittleren Vegetationszeit, wie z.B. Pflanz- sowie frühe Speise-, Verarbeitungs- und Stärkekartoffeln.

 

Einsatz organischer Dünger

In den letzten Jahren wurden bei der LWK Niedersachsen Versuche zur organischen Unterfußdüngung (UFD) mit Gärresten in Kartoffeln durchgeführt. Dabei wurden diese in 75 cm Abstand und ca. 20-25 cm tief in den Boden injiziert. Vergleichend dazu wurden der Gärrest auch breitflächig appliziert sowie rein mineralische Vergleichsvarianten (breit und UFD) in den Versuch einbezogen. Zusammenfassend lassen sich folgende Aussagen treffen:

  • Der Einsatz von Gärresten stellt nach mehrjährigen Prüfungen eine sinnvolle Ergänzung der mineralischen Düngung auch im Kartoffelbau dar. Um eine zügige Jugendentwicklung sicherzustellen, wird eine mineralische Startdüngung empfohlen.
  • Auf nicht langjährig organisch gedüngten Flächen führte im Mittel der Jahre die Unterfuß-Platzierung von Gärresten im Vergleich zur Ausbringung mit Schleppschläuchen zu ertraglichen Vorteilen.
  • Bei der Unterfuß-Platzierung ist der Bodenzustand zu beachten, d. h. es muss eine gute Befahrbarkeit der Fläche und eine ausreichende Abtrocknung des Bodens auf Einbringtiefe gegeben sein, um unerwünschte Verdichtungen zu vermeiden. Gerade auf den lehmigeren und druckempfindlichen Böden kommt die organische Unterfussdüngung hier an ihre Grenzen.
  • Einsatzmöglichkeiten der organischen UFD werden zunächst vorrangig bei Stärkekartoffeln und Verarbeitungskartoffeln gesehen (nicht für Frühlieferungen, da späte Mineralisation).

Grundsätzlich ist darauf zu achten, dass maximal 2/3 des Stickstoffs durch die organischen Dünger gegeben werden, um mit einer mineralischen Nachdüngung noch ausreichend reagieren zu können. Angerechnet werden im Normalfall 60-70% des Gesamt-N. Wichtig für eine richtige Bestimmung der Ausbringmenge ist die Kenntnis der Nährstoffgehalte. Achten Sie daher beim Bezug von organischen Düngern, z.B. Gärsubstrate oder HTK, darauf korrekte Analyseergebnisse zu erhalten!

 


Kontakt:
Lüder Cordes
Berater Pflanzenbau und Pflanzenschutz
Telefon: 05021 9740-132
Telefax: 05021 9740-138
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Stand: 29.03.2018