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Nmin-Richtwerte 2019

Die Trockenheit und hohen Temperaturen im Jahr 2018 führten häufig zu Mindererträgen. Infolgedessen war häufig eine verringerte N-Ausnutzung gegeben. Dieses ist vermutlich neben den geringen Winterniederschlägen und den hohen Temperaturen die Hauptursache für zumindest teilweise erhöhte Nmin-Werte im Frühjahr 2019.

 

Die monatelange Trockenheit, die phasenweise sehr hohen Temperaturen und die regional sehr unterschiedlichen Erträge haben schon nach der Ernte 2018 deutliche Spuren hinterlassen. So zeigten bereits Nmin-Untersuchungen nach der Ernte, dass durch wärmebedingt hohe Mineralisierungsraten und nicht ausgenutzten Stickstoff z.T. sehr hohe Nmin-Restmengen im Boden verblieben sind. Die Nmin-Werte veränderten sich auch bis zum Vegetationsende kaum, da bis zum Dezember hin mineralisationsfördernde Temperaturen vorhanden waren und nur wenig Niederschläge fielen. Nur an sehr wenigen Standorten, vorrangig auf sehr leichten, sandigen Böden, war die Wassersättigung zum Vegetationsende erreicht. Auch derzeit fehlt noch an vielen Standorten das Wasser. Häufig sind die Böden unterhalb von 60 – 70 cm noch immer vollkommen ausgetrocknet und es fehlen Wassermengen von 50 bis zu 200 mm. Die Niederschlagsmessungen des DWD aus Braunschweig zeigen, dass je nach Region noch zwischen 83 bis 145 mm Niederschlag im Vergleich zum langjährigen Mittel fehlen. Allein die Region Braunlage, stellvertretend für die Höhenlagen, ist derzeit relativ gut mit Niederschlägen versorgt.  

Im Vergleich zum letzten Winter mit hohen Niederschlägen und eher niedrigen Nmin-Werte, liegen die Nmin-Werte zu Winterungen in dieser Saison deutlich höher und führen zu einer entsprechenden Reduktion des N-Düngebedarfs. Ebenso befindet sich bei den meisten untersuchten Flächen der größte Anteil des verfügbaren Stickstoffs in der mittleren und untersten Bodenschicht. Es ist davon auszugehen, dass dieser Stickstoff bei genügender Bodendurchfeuchtung auch düngewirksam ist. Für die Winterkulturen Raps und Getreide liegen die Nmin-Werte für die 5 verschiedenen Boden-Klima-Räume (BKR) Niedersachsens jetzt vor.

Winterraps: Der Winterraps ist die Kultur, bei der die geringsten Abweichungen zu den 5-jährigen Durchschnittswerten auftreten. So liegen die Nmin-Werte für die leichten, sandigen Böden (BKR 9, 46, 51), das Hügelland (BKR 11, 34) und die Marschen (BKR 52) auf dem Niveau der 5-jährigen Durchschnittswerte. Auf den sandigen Böden Nordwest (BKR 48, 50) und den Lehmböden (BKR 45, 47) weichen die Nmin-Werte zwischen 10 bis 20 kg nach oben hin ab. In den Bodenprofilen zeigt sich eine sehr gleichmäßige Verteilung der Nmin-Mengen. Der Winterraps wurde im Herbst 2018 unter teilweise sehr trockenen Bedingungen ausgesät und bildete auf den Flächen gute Bestände, wo eine gute Wasserversorgung gegeben war. Nicht wenige Schläge mussten infolge des geringen Auflaufs umgebrochen werden. Auf diesen Flächen wurde dann in den meisten Fällen Wintergetreide ausgesät.

Winterweizen: Beim Winterweizen spielt die Vorfrucht in diesem Jahr eine entscheidende Rolle. Beim Rübenweizen liegen die Nmin-Werte je nach BKR zwischen 49 kg/ha und 72 kg/ha (Abweichung zum 5-jährigen Mittel von 3 kg bis 14 kg), beim Winterweizen mit Blattvorfrucht zwischen 42 kg auf den sandigen Böden des nordwestlichen Niedersachsens bis 80 kg/ha auf den Marschen. Auch auf den sandigen Böden im Nordosten ist der Nmin-Werte mit 50 kg/ha um 10 kg höher als das 5-jährige Mittel. Die Ausnahme bilden hier die Höhenlagen, die einen geringeren Nmin-Wert von 51 kg/ha in diesem Jahr anzeigen.

Nochmals höher liegen die Weizenflächen mit Getreidevorfrucht. Dort sind die Nmin-Werte für die leichten, sandigen Böden, die Lehmböden und Marschen bis zu 30 kg höher im Vergleich zu den Vorjahren. Selbst auf den sandigen Böden im Nordosten liegt der Nmin-Werte im Mittel der untersuchten Flächen bei 51 kg N/ha. Auf den Lehmböden sind im Mittel 74 kg und auf den Marschen 87 kg N/ha anzurechnen. Die Ursache hierfür beruht vor allem auf der frühen Getreideernte und ist auf eine geringere N-Ausnutzung durch die Getreidevorfrucht und eine geringere N-Immobilisierung durch das Stroh zurückzuführen. Erst mit zunehmenden Niederschlägen im Dezember sanken die Nmin-Werte teilweise ab, ein Zeichen für eine N-Immobilisierung im Boden.

Auf die Einsaat einer Zwischenfrucht wurde teilweise nach Getreide aufgrund der Trockenheit verzichtet, da zu befürchten war, dass die Saat aufgrund der Trockenheit nicht vernünftig auflief. Eine gut etablierte Zwischenfrucht nimmt den mineralisierten Stickstoff auf, sofern genügend Feuchtigkeit vorhanden ist. Im Nachhinein zeigte sich auf vielen Flächen, dass eine Zwischenfruchtansaat auch trotz Trockenheit gelungen ist.

Die Einteilung der Nmin-Werte nach Blatt-, Zuckerrübe- und Getreidevorfrucht zeigt, dass bei Vorfrucht Zuckerrübe der größte Anteil Proben (36 bzw. 46%) bis 75 kg Nmin liegen, sehr hohe Werte > 100 kg Nmin bisher nur in geringem Maß auftreten. Trotzdem kann es auf Einzelschlägen auch bei sehr guten Zuckerrübenerträgen zu hohen Nmin-Vorräten kommen. Bei Vorfrucht Getreide sind die Nmin-Werte über die hohen Nmin-Klassen relativ konstant verteilt. So liegen 24% der Flächen im Bereich > 100 kg Nmin. Bei Weizenflächen mit Blattvorfrucht (Kartoffel, Mais, Raps) sind 39% der Flächen der Gruppe zwischen 25 - 50 kg Nmin, aber auch 24% der Flächen der Gruppe 76 – 100 kg Nmin zugeordnet.

Zur genaueren Betrachtung wurden die Flächen nochmals nach den Vorfrüchten Kartoffel, Mais und Raps getrennt dargestellt. Sowohl bei Vorfrucht Kartoffeln als auch Mais liegen jeweils 42% der Flächen in der Nmin-Klasse 25 – 50 kg. Dieses sind vorrangig Flächen aus der Region Nordost, in der die Flächen beregnet sind. Das lässt den Schluss zu, dass unter Beregnung eine bessere N-Ausnutzung erfolgt ist und demzufolge geringere Restmengen an Stickstoff im Boden vorlagen. Die Flächen mit Vorfrucht Kartoffel stammen vorrangig aus unberegneten Regionen im nordwestlichen Niedersachsen mit langjähriger organischer Düngung. Insbesondere bei Vorfrucht Raps finden sich auch im Bereich 76 – 100 kg Nmin 30% der untersuchten Flächen. Angesichts der durchweg schlechten Rapserträge im letzten Jahr und einer damit einhergehenden schlechten N-Ausnutzung ist dieses Ergebnis nachvollziehbar.

Wintergerste/Winterroggen/Triticale: Bei den übrigen Wintergetreidearten übersteigen die Nmin-Werte nur geringfügig die 5-jährigen Durchschnittswerte. Dies kann teilweise auf die etwas höhere N-Aufnahme bis zum Winter zurückgeführt werden. Zu beachten ist aber, dass zwischen den einzelnen Kulturen und in Abhängigkeit der Vorfrüchte relativ hohe Spannweiten zu beobachten sind.

Nmin-Werte zu den Sommerungen auf mittlerem Niveau

Aufgrund der teilweise hohen Niederschlagsmengen Mitte März verzögerte sich die Nmin-Probenahme, so dass die Nmin-Richtwerte zu den Sommerungen in diesem Jahr etwas später als in den vorangegangenen Jahren vorliegen. Im Gegensatz zu den Winterungen zeigen sich hier über die verscheidenen Bodenklimaräume eher durchschnittliche Bodenvorräte an Stickstoff.

Auf den leichten, sandigen Standorten (Boden-Klima-Raum 9, 46, 51) liegen die Nmin-Werte für die untersuchten Flächen zu Kartoffeln, Zuckerrüben und Sommergetreide zwischen 31 und 42 kg N/ha. Damit liegen die Nmin-Werte im Vergleich zu den 5-jährigen Durchschnittswerten (in Klammern) nur geringfügig höher.

Im Boden-Klima-Raum 48, 50 (leichte sandige Böden Nordwest) beträgt der mittlere Nmin-Wert zu Sommergetreide 32 kg N/ha und zu Kartoffeln 40 kg N/ha und liegt in gleicher Größenordnung wie das 5-jährige Mittel, bzw. für Sommergetreide deutlich darunter.
Höhere Nmin-Werte sind bei den leichten und mittleren Lehmböden des Boden-Klima-Raumes 45, 47 zu verzeichnen. Die mittleren Nmin-Werte zu Kartoffeln liegen bei 43 kg N/ha, zu Sommergetreide bei 41 kg N/ha und zu Zuckerrüben bei 64 kg N/ha.

Auf den kalten, schwer erwärmbaren Böden des Hügellandes (BKR 11, 34) sind nur Zuckerrüben-Flächen untersucht worden. Der Nmin-Wert liegt im Mittel bei 41 kg N/ha. Der Anbau von Kartoffel und Sommergetreide stellt in diesen Regionen und für diese Böden eher eine Ausnahme dar, so dass hier keine Nmin-Werte zu diesen Kulturen vorliegen. Sollten Flächen mit diesen Kulturen bestellt werden, so kann in diesem Fall der Nmin-Wert der Zuckerrüben für die Düngebedarfsermittlung herangezogen werden.

Auf den Marschen liegen die Nmin-Werte bei 60 kg N/ha zu Sommergetreide und 53 kg N/ha zu Kartoffeln und damit nur für das Sommergetreide geringfügig über dem 5-jährigen Durchschnittswert.

Die Nmin-Werte weisen in diesem Jahr durchgängig, wie auch schon bei den Winterungen, eine enorme Streubreite auf. Dieses ist auf folgende Besonderheiten zurückzuführen:
Aufgrund der schwierigen Witterungslage 2018 mit der extremen Trockenheit wurde auf vielen Flächen auf einen Zwischenfruchtanbau verzichtet. Auf einigen Flächen hingegen, wo eine Zwischenfrucht angebaut wurde, konnte sich diese trotz der Trockenheit etablieren. Durch die lange Vegetationszeit bis in den Dezember war auf vielen Flächen eine N-Mineralisation zu verzeichnen, so dass z.T. ein sehr hoher Anstieg der Nmin-Werte im Herbst bis zum Vegetationsende zu beobachten war.

Eine Differenzierung der Nmin-Werte hinsichtlich eines vorangegangenen Zwischenfruchtanbaus ergab bei den Sommerkulturen in diesem Frühjahr keine großen Differenzierungen im Nmin-Wert. Hohe Nmin-Werte bis weit über 100 kg N/ha traten sowohl mit, aber auch auf Flächen ohne Zwischenfruchtanbau auf.

Ebenso waren auf Flächen, auf denen in 2018 extreme Mindererträge durch die Trockenheit auftraten, deutlich höhere Nmin-Werte mit einer hohen Streubreite zu verzeichnen. Durch besondere Bewirtschaftungsverhältnisse, wie eine langjährige organische Düngung, Anbau von Leguminosen oder Kleegrasmischungen gab es auch vereinzelt sehr hohe Nmin-Werte.

Nmin zu Mais

Mit der Beprobung der Maisflächen wurde in der 2. Märzdekade begonnen. Es wurden ca. 140 Maisflächen in diesem Jahr untersucht. Das entspricht in etwa dem Probenumfang der letzten Jahre. Auf den leichten Standorten (BKR 9; 46; 51 sowie 48; 50) liegen die Nmin -Werte im Durchschnitt der im BKR untersuchten Flächen bei 35 bzw. 30 kg N/ha und entsprechen damit in etwa den Werten im fünfjährigen Mittel. Die Nmin-Werte sind relativ gleichmäßig über die Bodenschichten verteilt.

Auf den Böden mit einem höheren N-Mineralisationspotential, den Lehmböden des Bodenklimaraumes 45; 47 sind im Mittel der untersuchten Flächen 49 kg N/ha zu finden. Dieser Nmin-Wert entspricht gleichfalls in etwa dem mehrjährigen Mittelwert. Auch hier ist der mineralisierte Stickstoff gleichmäßig über die drei Bodenschichten verteilt. Auf den schweren Lehmböden des Hügellandes (BKR 11; 34) liegt der Nmin-Wert zu Mais um ca. 15 kg N/ha unter dem Wert im fünfjährigen Mittel. Auf den Marschen hingegen entspricht der Nmin-Wert zu Mais in etwa dem fünfjährigen Durchschnittswert. Analog zu den Vorjahren weisen die Marschen im Vergleich zu den übrigen Bodenklimaräumen die höchsten Nmin-Werte auf. Die höheren Nmin-Werte dürften auf diesen Standorten maßgeblich auf eine höhere N-Nachlieferung infolge höherer N-Gehalte im Boden und höherer Bodenwassergehalte zurückzuführen sein.

Aufgrund der Sommertrockenheit war es nicht immer möglich, eine Zwischenfrucht vor Mais zu bestellen, so dass insgesamt weniger Zwischenfruchtschläge gegenüber den Vorjahren beprobt wurden. Eine Differenzierung zwischen den Flächen mit und ohne Zwischenfruchtanbau zeigte, wie auch schon bei den übrigen Sommerungen nur geringfügige bzw. keine gerichteten Unterschiede in den Nmin-Werten. Liegen infolge des Zwischenfruchtanbaues deutlich höhere Nmin-Werte vor, ist dieses vermutlich auf eine bereits beginnende N-Mineralisation aus dem Zwischenfruchtaufwuchs zurückzuführen. Unter diesen Umständen - Zwischenfruchtanbau und organischer Düngung - wird eine eigene Nmin-Probe im Bedarfsfall empfohlen.

Fazit: Grundsätzlich liegt in diesem Frühjahr eine extrem hohe Streuung der Nmin-Werte vor. Sofern eigene Flächen durch besondere Bewirtschaftungsbedingungen oder andere Vorfrüchte, wie z.B. Kleegras, von dieser Einteilung abweichen, wären in diesem Fall eigene Nmin-Untersuchungen sinnvoller, um damit die erforderliche Düngebedarfsermittlung durchführen zu können.

Des Weiteren ist Folgendes zu beachten:

- Sofern für einen BKR kein Nmin-Wert angegeben sein sollte, kann auf einen entsprechend vergleichbaren BKR zurückgegriffen werden.

- bei großer Differenzierung von Bodenarten innerhalb eines Boden-Klima-Raumes kann auf einen entsprechenden Nmin-Wert eines vergleichbaren Bodenklimaraumes zurückgegriffen werden (z.B. Fläche in BKR 45 mit Bodenart Sand, dann kann der Nmin-Wert aus BKR 9, 46, 51 für die entsprechende Kultur berücksichtigt werden)

- Liegen betriebseigene Flächen im BKR 45, 47, die einen hohen Tongehalt aufweisen (Tongehalt über 25 % Ton), so können für diese Flächen die Nmin-Werte des Boden-Klima-Raumes 11, 34 herangezogen werden.

- Liegt für eine Fläche eine eigene Nmin-Probe vor, z.B. für Stoppelweizen, so kann dieser Nmin-Wert auf die Schläge oder Bewirtschaftungseinheiten eines Betriebes übertragen werden, sofern alle Bewirtschaftungsbedingungen gleich sind (Frucht, Vorfrucht, Bodenart, Humusgehalt und P-Versorgung)

- Auf flachgründigen Schlägen, die nachweislich nur bis 60 cm beprobt werden können (z.B. aufgrund einer Gesteinsschicht), ist in diesem Fall nur der Nmin-Wert für den durchwurzelbaren Bereich bis 60 cm anzurechnen. Dieses sollte über eine Bodenuntersuchung nachzuweisen sein. 


WICHTIG:

Wenn Sie Ihre DBE mit der von der LWK Niedersachsen zur Verfügung gestellten Excel Anwendung durchgeführt haben, können Sie die neuen gültigen Nmin Werte unkompliziert einlesen.

  • Laden Sie die Excel Datei: „LWK Nmin - Richtwerte 2019_DBE(02)“ herunter.
  • Speichern Sie die Datei auf Ihrem Computer im gleichen Ordner wie die Anwendung zur DBE.
  • Achten Sie darauf, dass der Dateiname weiterhin „LWK Nmin - Richtwerte 2019_DBE(02)“ lautet und nicht „Kopie von…“
  • Öffnen Sie die Anwendung zur DBE (die heruntergeladene Datei müssen Sie nicht öffnen).
  • Gehen Sie im Bereich Bedarf Acker auf die Schaltfläche „Nmin aktualisieren“.
  • Es erscheint ein Fenster, in dem nach der Ziffernendung der Tabelle gefragt wird. In diesem Fall geben Sie 1 oder 01 ein.
  • Im anschließenden Fenster wählen Sie „aktuelle Werte“ aus.
  • Die neuen Werte werden automatisch eingelesen und die bereits geplanten Schläge aktualisiert.
  • Es werden jetzt alle Nmin Werte auf die diesjährigen Richwerte aktualisiert. Eigene Nmin Werte bleiben bestehen.

Kontakt:
Dr. Dagmar Matuschek
Pflanzenbau und Grundwasserschutz
Telefon: 0511 3665-4365
Telefax: 0511 3665-4525
E-Mail:
Tim Eiler
Leiter Sachgebiet Düngerecht
Telefon: 0441 801-735
Telefax: 0441 801-440
E-Mail:


Stand: 07.06.2019



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