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Herbstdüngung - gute Planung ist notwendig

Mit der Getreideernte beginnen die Überlegungen für die Folgenutzung der Flächen in der nächsten Saison. Gleichzeitig kommt die Frage nach einer möglichen Herbstdüngung ins Spiel. Von der nachfolgenden Kultur ist auch eine mögliche Düngung im Herbst abhängig. Diese sollte daher gut vorgeplant sein, denn mit der Novelle der Düngeverordnung sind einige wesentliche Neuerungen zu beachten, die in diesem Artikel beschrieben werden.

Mit den neuen rechtlichen Vorgaben der am 01. Mai 2020 in Kraft getretenen Düngeverordnung sind die Möglichkeiten für die Düngung im Herbst noch einmal konkretisiert und geändert worden. Grundsätzlich sind aber die Vorgaben der DüV aus 2017 bestehen geblieben.

Ein kurzer Überblick:
- nach wie vor bezieht sich die Düngung nach der Ernte nicht nur auf organische Dünger, wie Gülle, Gärreste, Geflügelmiste etc., sondern auf alle stickstoffhaltigen Düngemittel, also auch mineralische N-Dünger. Ausgenommen sind davon Festmiste von Huf- und Klauentieren sowie Komposte. Diese dienen aufgrund der geringen N-Verfügbarkeiten der Ernährung der Hauptfrucht in der folgenden Vegetationsperiode. Die Gefahr von Stickstoffverlagerungen ist zu diesem Zeitpunkt gering. 

- die Stickstoffdüngung im Herbst ist ebenfalls am N-Bedarf der Kultur sowie den bekannten Höchstmengen (max. 60 Gesamt-N/30 NH4-N) auszurichten. Vor der Düngung muss der Düngebedarf ermittelt und dokumentiert werden. Nach welcher Vorgehensweise der N-Bedarf der jeweiligen Kultur ermittelt und die maximal zu düngende N-Menge berechnet wird, ist durch die Düngebehörde bereits in der L+F Nr. 28/2020 (S. 21 – 23) erläutert worden.

Folgerichtig wirkt sich die Bedarfsermittlung im Herbst und die daraus resultierende Anrechnung der Düngung nach den neuen Vorgaben nicht nur auf die Düngung der unmittelbar folgenden Hauptvegetation aus, sondern reicht je nach Zeitpunkt, Düngerform (fest, flüssig) und Kultur auch möglicherweise noch in das weitere Folgejahr hinein. Deshalb gilt es folgende Fragen zu klären: 
- Welche Kulturen können im Herbst noch gedüngt werden?
- Welche N-Mengen können zu den Kulturen aufgebracht werden?
- Welche N-Mengen müssen im folgenden Jahr zu den Hauptkulturen angerechnet werden?

Zukünftige rechtlichen Regelungen!
Über den § 4 (1) 5. der DüV ist die organische Düngung zu den Vorkulturen des Vorjahres mit einem Abschlag von 10 % bei der Düngebedarfsermittlung im Frühjahr zu berücksichtigen. Diese Regelung galt bereits mit der DüV von 2017.
Mit der neuen Regelung in § 4(1) 7. muss zukünftig auch der verfügbare N-Anteil aus der Herbstdüngung zu Winterraps und Wintergerste bei der Düngebedarfsermittlung im Frühjahr zu diesen beiden Kulturen berücksichtigt werden. Inwieweit und zu welchem Zeitpunkt die Anrechnung der 10% N-Nachlieferung nach §4 (1) 5. dann zu Raps und Gerste zusätzlich berücksichtigt werden muss, konnte bis Redaktionsschluss nicht endgültig geklärt werden. Dieses wird dann zur Düngebedarfsermittlung im Frühjahr 2021 relevant. 

Was geht also noch?
Um Licht in das Dunkel zu bringen, soll an verschiedenen Beispielen die zukünftige Vorgehensweise bei der Berechnung der maximal zulässigen Düngermenge und der daraus abzuleitenden Anrechenbarkeiten bei der Düngebedarfsermittlung im Folgejahr erläutert werden. Dabei wird an verschiedenen ausgewählten Fruchtfolgepaaren die Vorgehensweise (bei der Berechnung der möglichen Düngermenge im Herbst sowie bei der Anrechnung im Folgejahre) beschrieben.

Fruchtfolge in Ackerbauregionen
In Ackerbauregionen stehen Zuckerrüben, Winterraps und Wintergetreide in der Fruchtfolgewahl an vorderster Stelle. Zunehmend wird auch Silo- bzw. Körnermais eingebunden, um den Blattfruchtanteil zu erhöhen und den Druck enger Fruchtfolgen zu entschärfen. Winterraps und Wintergerste sind die beiden Kulturen, zu denen nach der geltenden Düngeverordnung eine Düngung im Herbst noch möglich ist. Neu ist seit der Novelle vom 01.05.2020, dass der im Herbst ausgebrachte N-Dünger bei der Düngebedarfsermittlung im Frühjahr mit dem verfügbaren N-Anteil (i.d.R. die Summe aus Nitrat- und Ammoniumstickstoff) anzurechnen ist. Zu beachten ist, dass bei organischem Dünger aufgrund der kaum messbaren Nitrat-Gehalte dieses dem jeweiligen NH4-Anteil entspricht und nicht dem anrechenbaren Anteil! Bei mineralischen N-Düngern muss der Stickstoff-Gehalt zu 100% abgezogen werden.


Wie ist also in diesem Beispiel vorzugehen und welche N-Mengen aus der Herbstdüngung und der organischen Düngung zu den Vorkulturen des Vorjahres sind für die Düngebedarfsermittlung relevant?
In einer Fruchtfolge mit Raps und Weizen können im Herbst bis zu 60 kg Gesamt-N oder 30 kg NH4-N zu Raps ausgebracht werden. Je nach Düngerform muss zunächst die maximal auszubringende Düngermenge berechnet werden. Hinweise und Beispiele dazu sind auf der Homepage der LWK Niedersachsen unter dem Webcode 010 36991 in der Tabelle „Beispielsrechnungen zur ordnungsgemäßen Düngung im Herbst“ zu finden. Je nach Düngerform ist in der Regel der Gesamt-N- oder der NH4-Gehalt die limitierende Grenze für die maximale Düngermenge. Die zuerst erreichte bzw. berechnete Grenze legt die max. zulässige Düngermenge für die im Herbst auszubringende N-Menge fest. In der Regel liegt der NH4-Anteil bei flüssigen organischen Düngern bei rd. 50% vom Gesamt-Stickstoffgehalt. Geflügelmiste, wie z.B. Puten- oder Hähnchenmiste oder auch HTK enthalten eher geringere NH4-Gehalte. Die entsprechenden N-Gehalte der organischen Dünger ergeben sich bei der Aufnahme organischer Dünger aus der Deklaration, bei Verwendung von im Betrieb anfallenden organischen Düngern können auch Richtwerte der LWK Niedersachsen (Webcode: 01032851, Tabelle: „Nährstoffgehalte in organischen Düngern“) herangezogen werden. In „roten Gebieten“ ist nach der LandesDüngeverordnung eine Wirtschaftsdüngeranalyse verpflichtend. Die N-Gehalte bei mineralischen Düngern sind zu 100% anzusetzen.

Folgendes Beispiel soll die Vorgehensweise verdeutlichen (Tab.1): Bei einer Gülle mit 5 kg Ges-N und 2 kg NH4-N berechnet sich die im Herbst max. zulässige Düngermenge aus der zuerst erreichten Grenze, demzufolge können max. 12 m² zum Raps ausgebracht werden.
 

Tabelle 1: Berechnung der maximalen Ausbringmenge

Düngerform max. 60 kg Gesamt-N max. 30 kg NH4-N max. Ausbringmenge
Gülle mit 5 kg Gesamt-N und 2 kg NH4-N 60 kg Gesamt-N / 5 kg = 12 m³  30 kg NH4-N / 2kg = 15 m³ 12 m³

 

Wie ist nun in der Düngebedarfsermittlung (DBE) im folgenden Frühjahr vorzugehen? (Die Beispielrechnungen finden Sie im Anhang)

Im Frühjahr muss der verfügbare N-Anteil (NH4-N) aus der Herbstdüngung in der DBE angerechnet werden, nach der oben beschriebenen Rechnung (12m3 + 2kg NH4-N) sind demzufolge 24 kg N abzuziehen.
Des Weiteren ist nach §4 (1) 5 auch die N-Nachlieferung aus der organischen Düngung zu den Vorkulturen des Vorjahres mit 10% in Abzug zu bringen. In der Düngebedarfsermittlung müssten, im vorliegenden Beispiel zum Winterraps, nochmal 10% des organischen N in Abzug gebracht werden, sofern eine organische Düngung zur vorangegangenen Kultur erfolgt wäre. Nach Abzug des dann vorliegenden aktuellen Nmin-Wertes errechnet sich dann die noch im Frühjahr zu düngende restliche N-Menge (Abb 1.: Beispiel Raps-Weizen).
 
In ersten Beispiel bleiben für die Düngung des Rapses nach Abzug aller zu berücksichtigenden N-Mengen rd. 146 kg N/ha übrig. In Abzug werden 24 kg verfügbares N aus der Herbstdüngung sowie der dann aktuelle Nmin gebracht. Dieser ist in diesem Beispiel mit 35 kg N kalkuliert. Weitere Abschläge, wie z.B. für den Humusgehalt, sind hier nicht berücksichtigt worden.
Damit der Raps mit dieser Stickstoff-Menge einen guten Pflanzenbestand mit einer entsprechenden Ertragserwartung bilden kann, ist eine gute Vorwinterentwicklung notwendig. Diese setzt optimale Startbedingungen im Herbst voraus. Pflanzenbauliche Faktoren, wie eine gute und frühe Saatbettbereitung mit einer intensiven Bodenlockerung in Kombination mit einem standortangepassten Saattermin und der Auswahl gesunder, winterharter Sorten gewinnen in dieser Hinsicht zunehmend an Bedeutung, da so eine effiziente N-Verwertung zu gewährleisten ist. Es gilt also abzuwägen und zu prüfen, ob die Düngung im Herbst notwendig ist oder besser ins Frühjahr verlagert werden kann, um dann eine höhere Stickstoffausnutzung zu ermöglichen.

Da derzeit noch nicht abschließend geklärt ist, inwieweit der organische Stickstoff aus der Herbstdüngung berücksichtigt werden muss, sind dafür nochmal 6 kg (10% von 60 Gesamt-N) bei der Düngebedarfsermittlung im Folgejahr zum Weizen abzogen.
Zu beachten ist weiterhin, dass in den zukünftig festgelegten „roten Gebieten“ ab dem 01.01.2021 zusätzlich ein Abschlag von 20% der berechneten N-Düngung zu Raps vorzunehmen ist. Eine N-Düngung ab Herbst 2021 darf dann nur erfolgen, sofern mittels einer Nmin-Probe vor der Aussaat nachgewiesen wird, dass ein Düngebedarf besteht. Beträgt die Menge an verfügbarem Bodenstickstoff zu diesem Zeitpunkt weniger als 45 kg N/ha, so kann eine N-Düngung erfolgen. Auch hier sollte sorgfältig überlegt werden, ob selbst bei einem bestehenden Düngebedarf im Herbst die N-Gabe erst im Frühjahr ausgebracht werden sollte. Bei einer um 20% reduzierten Düngermenge kann somit eine bessere N-Ausnutzung sichergestellt werden. 

Ein weiteres Berechnungsbeispiel soll die Vorgehensweise für eine Fruchtfolge mit Wintergerste – Ackergras – Silomais abbilden. 
  
In diesem Beispiel wird bei der Herbstdüngung mit der gleichen N-Menge wie im vorigen Beispiel gerechnet, also auch mit 60 kg Ges-N und 24 kg verfügbarem N im Frühjahr. Die Gerste ist sowohl zur Aussaat im Herbst mit 60 kg N als auch zum Vegetationsbeginn mit 80 kg organischem Stickstoff angedüngt. Nach der Ernte der Wintergerste wird Ackergras angebaut. Dieses wird im Herbst und April vor der Aussaat des Silomais beerntet. Da im Herbst eine Ernte erfolgt, kann das Ackergras mit 80 kg organischem Stickstoff angedüngt werden. Zu Vegetationsbeginn werden noch einmal 60 kg organischer Stickstoff zum 1. Schnitt ausgebracht. Bei der Düngebedarfsermittlung zur Wintergerste müssen also zunächst 24 kg verfügbares N aus der Herbstdüngung und der aktuelle Nmin-Wert angesetzt werden.  

Zur Folgekultur Silomais ist bei der Bedarfsermittlung in 2022 der zur Gerste und Ackergras ausgebrachte organische Stickstoff in Abzug zu bringen. In der Summe 16 kg N zuzüglich des aktuellen Nmin-Wertes und – mit 10% N-Nachlieferung aus der Herbstdüngung zur Wintergerste kalkuliert – noch einmal 6 kg N. So stehen zur Düngung des Silomais 128 kg N zur Verfügung.
Anhand dieser Berechnungsbeispiele wird deutlich, dass es schon im Vorfeld der Fruchtfolgeplanungen sinnvoll ist, die auszubringenden Stickstoffmengen zu dokumentieren und die Nachlieferung aus der Organik sowie den verfügbaren Stickstoff aus der Herbstdüngung bei der Düngebedarfsermittlung in der Hauptvegetation einzukalkulieren. Weitere Berechnungsbeispiele zu den Möglichkeiten einer Herbstdüngung und der Berücksichtigung der rechtlich geforderten Abschläge bei verschiedenen Fruchtfolgen finden Sie im Anhang. 

Fazit: 
•    Die Herbstdüngung steht nach der neuen Düngeverordnung weiterhin stark im Fokus. 
•    Grundsätzlich muss zunächst ermittelt werden, ob ein Düngebedarf vorliegt. 
•    Für die Kulturen Raps und Gerste muss der im Herbst ausgebrachte Stickstoff bei der Bedarfsermittlung im Frühjahr angerechnet werden.
•    Diese Regelung gilt sowohl für organische als auch mineralische Stickstoffdünger.
•    Die Notwendigkeit einer Herbstdüngung in Wintergerste und Winterraps sollte daher unbedingt geprüft und eine mögliche Verlagerung ins Frühjahr überlegt werden.
•    Eine gute Fruchtfolgeplanung ist wichtig, um mit den über die Düngeverordnung geregelten Anrechenbarkeiten und Abschlägen den Überblick über die ausgebrachten Stickstoffmengen zu behalten. 

 


Kontakt:
Dr. Dagmar Matuschek
Pflanzenbau und Grundwasserschutz
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Stand: 04.09.2020