Webcode: 01033579

Herbizidresistenzen – in diesem Frühjahr gezielt vermeiden

 

Aufgrund der nur geringen Behandlungsquote im Herbst ist in diesem Frühjahr bei Gräsern und Unkräutern mit einem stärkeren Unkrautbesatz zu rechnen. Nur der frühe Vogel fängt den Wurm – eine frühzeitige Unkrautbekämpfung entscheidet in diesem Frühjahr ob sich Herbizidresistenzen ausdehnen können, oder nicht.

Aufgrund des erst kaum messbaren Vegetationsendes werden die noch unbehandelten Herbstkeimer und auch die wärmebedürftigen Frühjahrskeimer wie z.B. Gänsefuß, Melden, Knöteriche und Storchschnabelarten deutlich weiterentwickelter sein, als in anderen Jahren mit einem „richtigen“ Winter. Erschwerend kommt in diesem Frühjahr die zunehmende Resistenzsituation zur Bekämpfung von Ackerfuchsschwanz, Windhalm und Kamille sowie Vogelmiere hinzu, insbesondere wenn die Unkräuter im Herbst nicht bekämpft wurden. In dem nachfolgenden Beitrag finden sie eine Beschreibung der aktuellen Resistenzsituation von Ackerfuchsschwanz, Windhalm, Kamille und Vogelmiere, aber auch Resistenzvermeidungsstrategien und Empfehlungen mit etablierten Resistenzen auf eigenen Flächen längerfristig umzugehen.

 

Resistenzsituation für Ackerfuchsschwanz und Windhalm im Frühjahr 2018

Auf den norddeutschen Flächen, die seit Jahren intensiv in engen Getreidefruchtfolgen bewirtschaftet werden, brechen ganze Wirkstoffgruppen bei der Gräserbekämpfung weg. Insgesamt wurden bis zum Jahr 2017 im Pflanzenschutzamt der LWK Niedersachsen 616 Samenproben von Ackerfuchsschwanz werden im sogenannten „Biotest“ auf metabolische Herbizidresistenz und bei Bedarf auf weitergehende Target-site Resistenz (TSR) untersucht. Das aktuelle Ergebnis ist erschreckend: Auf knapp 50 % der Standorte wurde eine mittlere bis starke ALS-Resistenz gegenüber Atlantis nachgewiesen, Tendenz deutlich zunehmend! Besonders die typischen Marschstandorte erfahren eine extreme Resistenzzunahme von Ackerfuchsschwanz gegenüber fast allen Wirkstoffgruppen. Auf über immer mehr Standorten wurde sogar eine Target-Site-Resistenz gegenüber der gesamten Gruppe der Sulfonylharnstoffe beobachtet.

Auch weitere Herbizide aus der Gruppe der ALS-Hemmer sind betroffen, so zeigen rund die Hälfte der gegenüber Atlantis resistenten

niedersächsischen Standorte auch eine deutliche Wirkungseinschränkung gegenüber Maister Power. Fast die Hälfte der untersuchten Proben zeigt in Niedersachsen keine ausreichende Wirkung mehr für die Wirkstoffgruppe der DIM, Focus Ultra ist besonders betroffen und in einem geringeren Umfang auch Select 240 EC. Die Gruppe der FOP (dazu gehören Herbizide wie z.B. Ralon, Ralon Super, Topik 100) zeigt im niedersächsischen Resistenzmonitoring, dass nur ca. 13 % der Proben eine sensitive Wirkung haben. Der Wirkstoff Pinoxaden (Wirkstoffgruppe DEN, enthalten in Axial 50 SC und Traxos) weist für Ackerfuchsschwanz leider auch schon auf zahlreichen Standorten eine Herbizidresistenz auf.

Damit aber nicht genug. Der Anteil an Standorten mit einer multiplen Resistenz, also eine Wirkungseinbuße gegenüber mehreren Wirkstoffgruppen, nimmt in Niedersachsen ebenfalls zu. In der Summe zeigen die Herkünfte mit einer nachgewiesenen hochgradigen Resistenz gegenüber Atlantis WG gleichzeitig auch eine Resistenz zu 37 % gegen Focus Ultra bzw. 16 % gegen Select und 93 % gegen Ralon Super und 87 % gegen Axial 50 auf. Mangels Wirkung können demnach beide Wirkstoffgruppen auf den betroffenen Standorten nicht mehr empfohlen werden!

Bis im Jahre 2013 wurden diese multiplen Resistenzen eher auf den Marschböden im Dienstgebiet gefunden, seit 2014 nehmen sie aber besonders auf den typischen Ackerfuchsschwanzstandorten in Südniedersachsen zu.

Der Vergleich von 129 Wirkungsversuchen, die im Zeitraum von 2007 bis 2016 in Niedersachsen zur Bekämpfung von Ackerfuchsschwanz im Winterweizen durchgeführt wurden verdeutlicht, dass der Wirkungsgrad auch von Atlantis WG in den vergangenen 10 Jahren auf den Praxisflächen in Niedersachsen deutlich abnahm.

Der im Raps eingesetzte Wirkstoff Propyzamid (enthalten in Kerb flo, Cohort, Groove und Milestone) zeigt beim Ackerfuchsschwanz noch keine Ermüdungserscheinungen, ebenso wie der hier nicht gezeigte Wirkstoff Pendimethalin (enthalten in Malibu, Picona und Stomp Aqua). Der bodenwirksame Wirkstoff Flufenacet (enthalten in Cadou SC, Herold, Bacara forte) zeigt bei knapp 10 % der untersuchten Verdachtsfälle für Ackerfuchsschwanz eine beginnende Herbizidresistenz.

Windhalm weist gegenüber dem Wirkstoff Iodosulfuron (enthalten in Husar bzw. Husar OD) auf fast zwei Dritteln der untersuchten Standorte eine Resistenz auf. Broadway ist auf einzelnen Standorten gegen Windhalm noch etwas wirkungssicherer als Husar und Husar OD, allerdings bestätigen die laufenden Resistenzuntersuchungen auch hier die vermuteten Resistenzverdachtsfälle. Anders als bei Ackerfuchsschwanz scheinen die ACCase-Hemmer mit der Untergruppe der DIM Focus Ultra und Select 240 EC noch vollkommen wirksam zu sein, die Gruppe der FOP (Beispiel Agil-S) allerdings zeigt schon in fast 50 % keine ausreichende Wirkung mehr. Erste Resistenzentwicklungen in Windhalm gegen Axial 50 (Wirkstoffgruppe „DEN“) wurden in Niedersachsen nur auf einzelnen Standorten entdeckt, 81 % der untersuchten Proben zeigen noch ausreichende Wirkungen. Allerdings sind bereits zwei Target-site Resistenzen bestätigt, bundesweit leider deutlich mehr, Tendenz steigend.

Die Bodenwirkstoffen Flufenacet (enthalten in Cadou SC, Herold, Cadou forte und Bacara forte),

Pendimethalin (enthalten in Malibu, Picona und Stomp Aqua), Flurtamone (enthalten in Cadou forte und Bacara forte) und Propyzamid (enthalten in Kerb flo. bzw. Milestone) sowie die Accase-Hemmer in den Produkten Focus Ultra und Select 240 EC zeigen gegen Windhalm noch keine resistenzbedingten Wirkungsminderungen.

Gegenüber Broadway zeigen mittlerweile knapp 50 % der Windhalme auf den beprobten Standorten eine mittlere bis starke Resistenz gegenüber ALS-Hemmern. Besonders die Anteile der Samenproben, die nur noch geringe Wirkungsgrade (bis 40 % Wirkung) aufweisen, haben im letzten Jahr deutlich zugenommen, vermutlich eine Folge der zunehmend gefundenen Target-site Resistenzen gegen ALS-Hemmer. Die gegen Broadway resistenten Windhalme weisen gleichzeitig multiple Resistenzen gegenüber Pinoxaden (Wirkstoffgruppe DEN enthalten in Axial 50 EC und Traxos) und Propaquizafop (Wirkstoffgruppe der FOP, enthalten in Agil-S).

 

Was kann der Praktiker jetzt tun?

Die exakte Verbreitung von Ackerfuchsschwanz und Windhalm wurde auf Landkreisebene von den Pflanzenschutzberatern der Bezirksstellen der Landwirtschaftskammer Niedersachsen geschätzt.

Auf den leichten Standorten, auf denen vorrangig Windhalm vorkommt, werden hohe Bestandesdichten aufgrund erhöhter Lageranfälligkeit nicht angestrebt, obgleich auf diese Weise das Ungras eher verdrängt würde. Auf diesen Standorten sind mehrfache Herbizidbehandlungen (Herbst und Frühjahr) mittlerweile Standard. Darüber hinaus ist die Aussaatstärke beim Wintergetreide an den Aussaattermin gebunden. In den daraus resultierenden dünneren Beständen des früh ausgesäten Wintergetreides entwickelt sich das einher auflaufende Ungras nahezu ohne nennenswerte Konkurrenz. Der Einfluss der Bodenbearbeitungsform (wendend/nicht wendend) hängt von dem Unkrautbesatz in der Vorfrucht und der Witterung im Bearbeitungszeitraum ab. Nicht wendende Bodenbearbeitung hat sich auf den leichteren Standorten in den vergangenen 10 Jahren durchgesetzt. Dies wiederum begünstigt den Auflauf und die Vermehrung von Unkrautsamen von Windhalm. Ackerfuchsschwanz war bis vor wenigen Jahren mehr auf die schweren Marschböden beschränkt, jedoch findet sich Ackerfuchsschwanz zunehmend auch auf typischen Windhalmstandorten in Vergesellschaftung. Insbesondere wenn sich die Etablierung auf diesen Standorten eher unbeobachtet ergab, waren die Herbizidanwendungen meist gegen Windhalm ausgerichtet und daher oft für Ackerfuchsschwanz unterdosiert.

Sowohl zur Windhalm- wie auch zur Ackerfuchsschwanzbekämpfung hat daher die Herbizidvorlage im Herbst mit bodenwirksamen flufenacethaltigen Herbiziden eine unumstrittene Bedeutung bei der Vermeidung von Herbizidresistenzen im Getreide. Blieb diese Herbizidmaßnahme im letzten Herbst aus, steigt das Risiko einer möglichen Herbizidresistenz alleine dadurch, weil sich deutlich mehr Ungräser sich entwickelt haben.

Aus Sicht eines effektiven Resistenzvermeidungskonzepts ist ein Wirkstoffwechsel in der Fruchtfolge zwingend erforderlich. Damit gemeint ist, dass besonders gefährdete Wirkstoffgruppen, wie z.B. die Sulfonylharnstoffe, nur einmal pro Kultur und einmal pro Fruchtfolge (ca. 3 Jahre) zur Anwendung kommen. Eine häufigere Anwendung dieser Wirkstoffgruppen würde die Entwicklung von Windhalm- und Ackerfuchsschwanzresistenzen auf einem Standort nur unnötig beschleunigen. Es gilt weiterhin zu bedenken, dass ALS-Hemmer nur bei optimalen Anwendungsbedingungen eingesetzt werden sollten.  Zu niedrige Luftfeuchtigkeit oder zu hohe Temperaturen im späten Frühjahr verschlechtern die Wirkung von Herbiziden und selektieren zusätzlich Biotypen mit einer metabolischen Resistenz. Vor der Anwendung von ALS-Hemmern sollte daher immer eine Kontrolle der Luftfeuchtigkeit erfolgen. Diese kann sich innerhalb kurzer Zeiträume schnell ändern. Haben die Gräser nach längerer Trockenheit bereits eine verstärkte Wachsschicht gebildet, ist die Wirkstoffaufnahme deutlich reduziert. Additivzusätze verbessern die Wirkung der ALS-Hemmer zusätzlich, auch beim Atlantis wird die Wirkung gegen Ackerfuchsschwanz durch einen Zusatz von AHL abgesichert.

 

Längerfristig zu beachten

Neben dem regelmäßigen Wirkstoffwechsel über die Fruchtfolge sind weitere flankierende Maßnahmen erforderlich, ohne die eine effektive Resistenzvermeidung auf lange Sicht kaum möglich sein wird. Das Resistenzrisiko steigt, wenn regelmäßig ein hoher Unkrautbesatz bereits vor dem Herbizideinsatz geduldet wird. Je mehr Unkräuter da sind, desto eher kann ein mutiertes Unkraut mit der entsprechenden Resistenzeigenschaft herausselektiert werden. Auch steigt das Resistenzrisiko zum Beispiel in einer engen Getreidefruchtfolge insbesondere dann, wenn ortstypisch ein sehr früher Saatzeitpunkt gewählt oder wenn vollständig auf den Pflug verzichtet wird. Besonders bei frühen Saatterminen, also im September und Oktober kann sich ein stärkerer Unkrautbesatz vor dem Winter entwickeln und damit auch ein größeres Herbizidresistenzrisiko. Erst bei der Erweiterung der Fruchtfolge mit Blattfrüchten wird ein Herbizidwirkstoffwechsel im Sinne eines Resistenzmanagements ermöglicht. Weiterhin sind besonders der ortsübliche „nicht verfrühte“ Saattermin sowie der Pflugeinsatz und eine intensive Stoppelbearbeitung als Maßnahmen zu nennen, um den Unkrautbesatz vor der ersten Herbizidmaßnahme und damit das Risiko einer Herbizidresistenz deutlich zu reduzieren. Bei Saatterminen bis Ende November ist die Keimrate von Ackerfuchsschwanz deutlich geringer als bei früheren Saatterminen. Der Einsatz von Glyphosat vor oder kurz nach Saat hilft zusätzlich bei einem starken Ungrasbesatz, kann aber eine extensive Stoppelbearbeitung im Sinne des Resistenzmanagements nicht vollständig ersetzen.

Auf Flächen wo erstmals eine Herbizidresistenz zu beobachten ist, kann ein einmaliges Unterpflügen, gefolgt von einem mehrjährigen Pflugverzicht die weitere Ausdehnung einer resistenten Population mindern. Allerdings ist dann die Überlebensdauer der Unkrautsamen im Boden zu beachten. In Abhängigkeit von der Bodenart, der biologischen Bodenaktivität und den ackerbaulichen Einflüssen können Ackerfuchsschwanz bis zu 10 Jahre im Boden überleben, Flughafer sogar bis zu 12 Jahre, Trespen nur 2-3 Jahre und Windhalm bis zu 5 Jahre.

Mit zunehmendem Anteil von Sommerungen und Blattfrüchten in der Fruchtfolge wird eine nachhaltige Minderung des Samenpotentials erreicht, da die Samen von Ungräsern nur eine begrenzte Zeit keimfähig sind und nach der Bodenbearbeitung zur Sommerung deutlich vermindert auflaufen. Ein jährlicher Wechsel zwischen Blatt- und Halmfrucht kann die Verunkrautung mit Windhalm oder Ackerfuchsschwanz, im Vergleich zu Fruchtfolgen mit 67 % Getreideanteil, fast halbieren. Sorten mit guter Konkurrenzkraft sowie homogene, lückenfreie Bestände helfen ebenfalls den Unkrautbesatz zu unterdrücken und unterstützen so ein effektives Resistenzmanagement.

Eine angepasste Bodenbearbeitung unterstützt ein Anti-Resistenzmanagement zusätzlich, so bewirkt eine intensive Stoppelbearbeitung eine verbesserte Strohrotte. Die Stroh- und Spreuverteilung wird gleichmäßiger und damit verbessert sich der gleichmäßige Aufgang der Unkrautsamen. Je gleichmäßiger das Unkraut aufläuft, umso niedriger ist das auflaufende Unkrautpotential später in der Kultur. Allerdings sind 6-8 Wochen Keimruhe beim Ackerfuchsschwanz keine Seltenheit. Unterstützend auf eine schnellere und gleichmäßigere Unkrautentwicklung nach dem Grubbereinsatz wirkt ein zusätzlicher Arbeitsgang mit einer Crosskill-Walze insbesondere dann, wenn der zweite Grubberstrich nach später Ernte nicht mehr möglich ist. Auch ein zeitiger Pflugeinsatz im August, insbesondere für schwere Böden, bewirkt eine abgetrocknete Krume und die damit einhergehende Saatbettvorbereitung ist feinkrümeliger und lässt eher eine verzettelte „Unkrautwelle“ vermeiden.

 

Resistenzsituation Kamille und Vogelmiere

Seit 2012 steht die Resistenzentwicklung von Kamille und Vogelmiere intensiver im Fokus der Betrachtung. Bundesweit wurde bereits für fast 60 Standorte eine Kamillenresistenz bestätigt, in Norddeutschland davon ca. ein Drittel, Tendenz steigend. Vogelmiere ist auf fast 40 Standorten (10 in Niedersachsen) resistent. Neben den Bodenwirkstoffen im Herbst, werden im Frühjahr zur Bekämpfung von Nachaufläufern von Kamille und Vogelmiere aber auch anderen dikotylen Frühjahrsunkräutern ALS-Herbizide aus der HRAC-Gruppe B eingesetzt, besonders Tribenuron oder Metsulfuron sind nunmehr daher stark resistenzgefährdet. Nur in je einem Fall wird eine Resistenzentwicklung von Kamille und Vogelmiere gegenüber dem Wirkstoff Florasulam bestätigt.

Die Ursache für die Resistenzentwicklung von dikotylen Unkräutern ist vorrangig in der Selektion dieser Biotypen durch überzogene Reduktion der Aufwandmenge, einhergehend mit einer eingeschränkten Wirkstoffpalette, zu sehen. Nur selten bis gar nicht werden Wirkstoffgruppen gewechselt oder kombiniert. Immer häufiger wird in der Praxis zunächst eine Minderwirkung und später eine Herbizidresistenz durch zu stark reduzierte Wirkstoffmengen beobachtet. 

Ackerbaulich Maßnahmen im Resistenzmanagement wie Fruchtfolgeerweiterung, intensivere Bodenbearbeitung oder Saatterminverschiebung greifen bei den Vogelmieren nur bedingt und bei den Kamillearten wie z.B. die Echte Kamille (M. recutita, MATCH) oder die Geruchlose Kamille (M. inodora, MATIN) nur bedingt. Beide Kamillearten überleben als Samen im Boden sehr lange, keimen ganzjährig und sind in allen Ackerbaukulturen zu finden.

Die Vermeidung weiterer Resistenzen gegenüber Kamillearten ist nur möglich, wenn es künftig gelingt die Anwendung von soliden Aufwandmengen der vorhandenen Herbizide und optimierte Anwendungszeiträume (möglichst im frühen Unkrautstadium, möglichst bei hoher Luftfeuchtigkeit) sicherzustellen. Gleichzeitig muss der Wirkstoffwechsel über die Fruchtfolge und die Kombination von wirksamen Wirkstoffen in möglichst hoher Konzentration bzw. Aufladung im Auge behalten werden. Diese Voraussetzungen sind zum Beispiel mit den Herbiziden Ariane C oder dem neu zugelassenen Zypar besonders möglich, da hier weitere Wirkstoffe wie Clopyralid aber auch Halauxifen-Methyl eine Wirkung absichern. Auch das Pointer Plus oder Antarktis enthalten den Wirkstoff Florasulam in einer hohen Konzentration und ermöglichen so durch die Wirkstoffkombination eine Resistenzvermeidung.

In den letzten Jahren wurde, aus Gründen möglicher antagonistischer Effekte, die Gräserbehandlung und die Bekämpfung der dikotylen Unkräuter zeitlich getrennt durchgeführt. Meistens werden die Gräser zuerst bekämpft und eine Woche später die dikotylen Unkräuter. Sind die dikotylen Unkräuter allerdings wie in diesem Jahr sehr weit entwickelt, kann diese Maßnahme auch vorgezogen werden. Für Antarktis, Biathlon 4D und Zypar sind Mischungen mit Atlantis WG möglich, Axial 50 darf mit Zypar und Broadway darf mit Pixxaro EC kombiniert werden.

 

Resistenzmanagement bei einer vorhandenen Herbizidresistenz

Vermeidungsstrategien sind wie eine Risikoversicherung zu sehen. Wenn sich die Resistenzen erst einmal im Betrieb etablieren, wird die ökonomische Wertschöpfung in der pflanzenbaulichen Produktion unvermeidbar sinken. Es gibt mittlerweile zahlreiche Untersuchungen, die eine Verminderung des Deckungsbeitrages in Getreide bei einer etablierten Resistenz zwischen 40-70 % schätzen. Die möglichen Ertragsverluste durch die Konkurrenz von resistenten Ungräsern und Unkräutern können schnell 10-50 % betragen, je nach Ertragspotential des Standortes und Intensität bei der Düngung und im Pflanzenschutz. Im intensiven Ackerbaubetrieb könnten bei einer vorhandenen Resistenz erhebliche Mehrkosten von ca. 400 Euro/ha und mehr zu erwarten sein. Diese Mehrkosten fallen möglicherweise zum Bewältigen der vorhandenen Herbizidresistenz wie zum Beispiel von resistentem Ackerfuchsschwanz oder resistentem Windhalm gegenüber ALS-Hemmern durch einen intensiveren Herbizideinsatz (mehr Behandlungstermine und mehr Wirkstoffkombinationen), sowie mit flankierenden ackerbaulichen Maßnahmen (intensivere Grundboden- und Saatbettbereitung) an. Schnell sind auch noch höhere Kosten bei sogenannten „multiplen Herbizidresistenzen“ vorstellbar, hier wären dann mehrere Herbizidwirkstoffgruppen nicht mehr ausreichend wirksam. Es lohnt sich also im Vorfeld eine Herbizidresistenz frühzeitig zu erkennen und möglicherweise hinauszuzögern oder gar zu vermeiden.

 

Resistenzvermeidung bei Schadgräsern durch Herbizidmanagement in der Fruchtfolge

Eine veränderte Fruchtfolge kann mehr Zeit zur Bodenbearbeitung bringen. Allein der Anbau von Wintergerste bringt gegenüber Stoppelweizen zwei bis drei Wochen mehr Zeit zur Stoppelbearbeitung vor Raps. Die nachhaltige Unkrautbekämpfung, nach Einbau von Sommerungen in der Fruchtfolge, verbessert sich nochmals durch die Kombination von Stoppelbearbeitungsgängen im Herbst und Einsatz von Glyphosat nach dem Wiederergrünen, wie es auch vor Winterungen gemacht wird. Allerdings sollte bei der Bestellung der Sommerung eine unnötige Bodenbearbeitung vermieden werden, damit es nicht zu einer Keimstimulierung und Auflauf von z.B. Ackerfuchsschwanz aus tieferen Bodenschichten kommt.

 

 Fazit

  • Die Wirkung von Herbiziden lässt zunehmend nach, zahlreiche Wirkstoffgruppen und zunehmende Unkrautarten sind betroffen.
  • Die Mehrkosten eine vorhandene Herbizidresistenz zu managen belasten den Deckungsbeitrag bzw. den ökonomischen Erfolg eines ackerbaulichen Produktionsverfahrens erheblich.
  • Durch einseitigen Selektionsdruck entstehen schnell Resistenzen, wenn keine flankierenden ackerbaulichen Maßnahmen zum Einsatz kommen. Als wichtigste ackerbaulich flankierende Maßnahmen sind zu nennen:
  1. Eine angepasste, möglichst weitgestellte Fruchtfolge mit einem hohen Anteil an Sommerungen,
  2. eine intensive Bodenbearbeitung und
  3. die Vermeidung von ortsüblich verfrühten Saatterminen im Wintergetreide.
  • Neue Herbizide und Wirkstoffgruppen sind nicht in Sicht, daher ist ein Umdenken der Praxis in längerfristige „Wirkstoffplanungen“ zwingend erforderlich, um Herbizidresistenzen mittelfristig zu vermeiden und nachhaltig Ackerbau betreiben zu können.
  • Unterdosierung von Wirkstoffe sind in diesem Frühjahr aufgrund der zunehmenden Selektion von resistenten Unkräutern nicht zielführend. Solide Aufwandmengen und optimierte Anwendungszeitpunkte sowie Anwendungstechnik ist wichtiger denn je.
  • Ein Wirkstoffwechsel und die Kombination von unterschiedlichen Wirkstoffklassen mit guter Herbizidwirkung ist dringend erforderlich um langfristig die Wirkung der Herbizide gegen Ungräser und Unkräuter sicherzustellen.

 


Kontakt:
Dr. Dirk Wolber
Leiter Herbologie
Telefon: 0511 4005-2169
Telefax: 0511 4005-2120
E-Mail:


Stand: 22.03.2018