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Wirksame Fungizid-Abschlussmaßnahme

Eine wirksame Fungizid-Abschlußmaßnahme bildet den Schwerpunkt der Krankheitsbekämpfung in Wintergerste, Winterroggen und Wintertriticale

Die weitgehend milde Winterwitterung hat insbesondere für die Wintergerste als auch bei frühen Winterroggen- und Triticalesaaten zu einer üppigen Bestandesentwicklung geführt. Dies ermöglichte die Ausbreitung erster Pilzinfektionen wie Mehltau in Wintergerste und Triticale, aber auch erste Braunrostpusteln in Winterroggen sowie Zwergrost in anfälligen Wintergerstensorten.

 

Resistenzentwicklung

Im Fokus stehen hier Gerstenkrankheiten wie Netzflecken oder Ramularia. Seit 2012 zeigten erste Netzfleckenisolate in Laboruntersuchungen eine verminderte Sensitivität gegenüber den Carboxamid-Wirkstoffen. Eine Kreuzresistenz zwischen Carboxamid-Wirkstoffen und denen aus der Wirkstoffgruppe der Strobilurine ist bisher nicht bekannt. Danach können sich diese beiden Wirkstoffgruppen mit einer Langzeitwirkung gegenseitig gegenüber Wirkverlusten und Resistenzbildung unterstützen. In der Gruppe der Strobilurine besitzt das Pyraclostrobin (F500) im Präparat Comet derzeit noch die sicherste Wirkung gegenüber Netzflecken. Nach dem derzeitigen Kenntnisstand besitzt zudem Prothioconazol als auch Cyprodinil eine berechenbare Wirkung gegen Netzflecken. Gegen Ramularia collo-cygni in Wintergerste haben Strobilurine hingegen keine Wirkung.  Ebenso schreitet die Carboxamid-Resistenz durch weitere Selektion voran. Wirksame Fungizidwirkstoffe gegenüber Ramularia sind derzeit nur Chlorthalonil-haltige Präparatekombinationen wie z.B. Amistar Opti oder Zakeo Opti.  Das Prothioconazol z.B. im Input Classic besitzt die beste Wirksamkeit in der Gruppe der Azolwirkstoffe gegen dieses Pathogen.

Zulassungsveränderung

Nachdem über Jahre der Zulassungsstand überwiegend durch Neuzulassungen gekennzeichnet war, zeigen nun verschärfte Zulassungsbedingungen ihre Wirkung. So werden Präparate mit dem Wirkstoff Propiconazol im Jahr 2019 zuletzt anwendbar sein. Hierzu gehören Mittel wie Cirkon, Taspa, Gladio, Agent, Achat, Tilt und Bolt XL. Auch für Alto 240 EC (Cyproconazol) war das Zulassungsende 31.12.2018 mit einer Abverkaufsfrist am 30.06.2019 und einer Aufbrauchfrist bis zum 30.06.2020 benannt.

Neu zugelassen wurde das Fungizid Gigant, bestehend aus dem Carboxamid Isopyrazam mit 125 g/l sowie Prothioconazol mit 150 g/l. Die Zulassung besteht für Weizen, Gerste, Roggen und Triticale gegen die wesentlichen Pathogene mit weitem Anwendungsfenster von BBCH 31 bis 69. Die Vermarktung erfolgt solo und im Pack mit Zakeo Opti, dieses entspricht dem Amistar Opti.

Neu vermarktet in 2019 und nur in Gerste zugelassen wird das Fungizid Kayak. welches 300 g/l Cyprodinil enthält, eine Aufwandmenge von 1,5 l/ha und einen Gewässerabstand von 1 m bei 90 % Abdriftminderung hat. Der Bekämpfungsschwerpunkt ist gegen Netzflecken in Gerste. Gegen weitere Pathogene z.B. Zwergrost sollte mit Mischungspartnern wie Ampera oder Rubric gearbeitet werden. Eine Gesamtübersicht der zugelassenen Präparateauswahl mit Einzelheiten zur Zulassung und Wirkung finden Sie im Netz auf der Seite www.lwk-niedersachsen.de unter Webcode 01034969.

  • Wintergerste

Empfehlungen:

Einfachfungizidmaßnahme (Abbildung 1):

Die einmalige Anwendung von Fungiziden in der Vegetationsperiode ist in Wintergerste für die Bestände geeignet, auf denen ein verzögertes Auftreten von Blattkrankheiten als auch der Anbau blattgesunder Sorten, wie z.B. LG Veronika, Toreroo, Tamina oder KWS Keeper die Schadenswahrscheinlichkeit senkt. Wird es notwendig mit der Einfachfungizidmaßnahme auch gegen Ramularia abzusichern, muss diese Spritzung ca. eine Woche früher im Vergleich zur Abschlussmaßnahme einer Spritzfolge appliziert werden. Dadurch besteht grundsätzlich die Gefahr, spät auftretende Ramulariainfektionen nicht mehr sicher zu erfassen. Daher sollte die Aufwandmenge der eingesetzten Präparate, die zwischen BBCH 39 (Fahnenblattstadium) und BBCH 49 (Grannenspitzen) eingesetzt werden, höher sein als in der Spritzfolge.  Geeignete Präparatekombinationen wären z.B. die Chlorthalonil-haltigen Mittel Aviator Xpro Opti, Gigant Opti oder auch Elatus Era + Amistar Opti. Statt Gigant Opti kann bei stärkeren Netzflecken-Infektionen auch das Cyprodinil-haltige Bontima + Zakeo Opti mit voller Aufwandmenge eingeplant werden.

Zweifachfungizidmaßnahme (Abbildung 2):

Tritt bereits höherer Ausgangsbefall an Blattkrankheiten nach Vegetationsbeginn auf, ist eine Zweifachfungizidspritzfolge sicherer. In der frühen Schossphase bieten sich Präparate wie z.B. Capalo, Ampera oder auch Input Classic an, die bei Bedarf auch mit Wachstumsreglern kombiniert werden können. Bei vorrangigem und stärkerem Netzfleckenbefall kann auch das bereits beschriebene Cyprodinil-haltige Kayak mit 1,5 l/ha zum Einsatz kommen. Frühe Mehltauinfektionen sollten durch den Zusatz von Mehltauspezialpräparaten wie z.B. Vegas (0,3 l/ha) oder Corbel (0,5 l/ha) kontrolliert werden. Eine zweite Fungizidmaßnahme ab dem Ährenschieben muss gegen späte Infektionen insbesondere gegenüber Ramularia Sicherheit bringen. Hier bieten sich Ramularia-wirksame Kombinationsprodukte wie Elatus Era Opti, Gigant plus Zakeo Opti, Aviator Xpro Opti an. Eine Fungizidspritzfolge ermöglicht es, die Abschlussbehandlung bis ins Ährenschieben hinauszuzögern. Zu diesem Einsatztermin werden neben den oberen Blättern auch die wesentlich an der Ertragsbildung beteiligten Grannen und Spelzen der Ähre direkt benetzt. Carboxamid-freie Fungizidlösungen wie z.B. Amistar Opti plus Prosaro bzw. Input Classic sind grundsätzlich möglich und zeigen häufig gleichwertige Ertragsresultate wie Carboxamid-haltige Lösungen in Fungizidversuchen.

Versuch Gemeinschaftsprogramm (Abbildung 3):

Das Befallsgeschehen im Trockenjahr 2018 kann auch im Fungizidgemeinschaftsversuch der LWK Niedersachsen abgelesen werden. Zwergrost war mit einer Befallsstärke größer 60 % die wichtigste Krankheit, gefolgt von Mehltauinfektionen mit ca. 20 %. Im Vergleich zur Kontrolle wurde der Ertrag der behandelten Versuchsglieder signifikant um etwa 15 % durch den Fungizideinsatz abgesichert. Unterschiede zwischen den Fungizidbehandlungen d.h. ein-, zwei- oder dreigliedrige Spritzfolge traten nicht auf. In diesem Versuchsprogramm war 2018 eine Einfachfungizidmaßnahme in BBCH 39/49 mit Elatus Era Opti in Ertrags- als auch Rostwirkung bereits ausreichend. Zudem waren Carboxamid-freie Fungizidkombinationen wie Amistar Opti + Prosaro den Carboxamid-haltigen Fungizden in Wirkung und Ertrag ebenbürtig.

  • Winterroggen

Empfehlungen (Abbildung 4):

Stärkerer Befall mit Braunrost trat 2018 in Winterroggen erst nach dem Ährenschieben auf. In der aktuellen Situation 2019 ist witterungsbedingt leichter Ausgangsbefall an Braunrost zu finden. Das aktuelle Sortenspektrum in Winterroggen besitzt zudem eine Reihe von Sorten mit hoher Festigkeit gegenüber Braunrost. Hierzu gehören die Sorten KWS Daniello, SU Composit oder auch KWS Binntto. Eher anfällig gegen Braunrost sind die Sorten SU Forsetti oder SU Cossani. Die Wirksamkeit von Fungizidmaßnahmen auf die Befallsentwicklung von Braunrost in Winterroggen wird anhand der Resultate eines Gemeinschaftsprogrammes der LWK Niedersachsen deutlich (Abbildung 5). In diesem Fungizidversuch wurde die Dauerwirkung verschiedener Fungizidabschlußbehandlungen auf den Befall mit Braunrost, Rhynchosporium sowie dem prozentualen Anteil Grüner Blattfläche geprüft. Neben dem Aufwandmengenvergleich der Mittel Adexar und Elatus Era wurde auch die Wirkung Carboxamid-freier Fungizidkombination gegen Braunrost geprüft. Im Vergleich zur Kontrolle war sowohl die prozentuale Grüne Blattfläche erhöht, als auch der Roggenertrag durch den einmaligen Fungizideinsatz verbessert. Allerdings war die Ertragswirkung statistisch nicht absicherbar. Die bonitierte Befallsstärke von Braunrost lag in der Kontrolle bei ca. 20 %. Der auftretende Blattbefall wurde durch Elatus Era mit 0,75 l/ha am besten kontrolliert. Ältere Carboxamid-freie Kombinationen wie z.B. Fandango + Folicur oder Azoxystar + Folicur erzielten eine vergleichbare Leistung zum Carboxamid-haltigen Adexar oder Elatus Era bzw. Priaxor.

Aktuell ist in Roggenbeständen schlagbezogen geringer Ausgangsbefall an Braunrost festzustellen, so dass ein Fungizideinsatz mit Rost-wirksamen Azolen wie z.B. Capalo, Ampera oder Folicur im Schossen (BBCH 31-33) wahrscheinlich wird. Dort, wo aufgrund hoher Getreideanteile in der Fruchtfolge und sehr früher Aussaattermine Infektionen mit Halmbruch zu berücksichtigen sind, besitzen Präparate wie Ampera, Kantik oder Capalo in voller Aufwandmenge eine begrenzte Wirkung gegen dieses Pathogen. Den höchsten Wirkungsgrad gegen Halmbruch besitzt das Mittel Unix. Deutlichen Einfluss auf das Halmbruchinfektionsrisiko hat die Resistenz der Sorte, der Getreideanteil in der Fruchtfolge und ein späterer Aussaattermin.

Tritt zu Beginn des Schossens Mehltau auf, kann Azolen wie Epoxion oder Osiris ein Vegas oder Corbel hinzugegeben werden. Mittel wie Capalo oder Ceralo besitzen neben der Rostwirkung auch eine deutliche Mehltaukontrollleistung. Die Abschlußmaßnahme ab dem Ährenschieben des Winterroggens stellt über Jahre hinweg die wichtigste Fungizidmaßnahme hinsichtlich der Ertragswirkung dar. Bei der Präparateauswahl ist zu beachten, dass eine lang anhaltende Wirkung auf Braunrost gefordert ist. Dies kann über Fungizide sichergestellt werden, die Wirkstoffe aus der Gruppe der Carboxamide und/oder Strobilurine enthalten. Hierzu gehören Mittel wie Elatus Era (0,75 l/ha), Priaxor plus Osiris (1,0 + 1,0 l/ha) oder auch die Carboxamid-freie Tankmischung aus Fandango plus Folicur (0,75 + 0,75 l/ha). Bei sehr spät auftretendem Braunrost ab der Roggenblüte können reine Azol-Präparate wie Osiris (1,8 – 2,0 l/ha), Orius (1,2 l/ha) oder auch Rubrik (0,6 – 0,8 l/ha) eingesetzt werden. Diese Präparate haben einen Anwendungszeitraum bis BBC 69. Diese Azolfungizide bekämpfen sowohl Braunrost, als auch späten Schwarzrost.

  • Wintertriticale

Mehltau, Gelb- und Braunrost sind die wichtigsten Blattkrankheiten, die in Triticale zur Ertragsabsicherung zu kontrollieren sind. Der Befall an Blattkrankheiten ist derzeit im Wesentlichen auf Mehltau beschränkt. In Beständen ohne Gelbrost- und Mehltaubefall bildet die breit wirksame Abschlußbehandlung den Schwerpunkt des Fungizideinsatzes.

Empfehlungen (Abbildung 6):

Fungizidapplikationen vor dem Erscheinen des drittletzten Blattes (F-2) in BBCH 31/32 sind nicht notwendig, da ertragsrelevante Blattetagen zu diesem Zeitpunkt noch nicht geschoben sind. Ab diesem Entwicklungsstadium sollte erst beim Überschreiten der Bekämpfungsschwellen für ertragsrelevante Schaderreger eine Fungizidmaßnahme erfolgen. Vorzeitige Behandlungen führen allein zur Resistenzbildung gegen die genutzten fungiziden Wirkstoffe.

In getreidereichen Fruchtfolgen ist neben einem stärkeren Ausgangsbefall mit Blattkrankheiten die Gefahr für Halmbruchinfektionen höher. In dieser Situation wo gleichzeitig Mehltau zu kontrollieren ist, sind breitwirksame Präparate wie z.B. Capalo, Input Classic, Kantik oder auch Prosaro möglich. Eine Fungizidmaßnahme mit Unix bildet jedoch die wirksamste chemische Bekämpfungsmöglichkeit gegen Halmbruch. Ist nur eine Wirkung gegen Rostarten gefordert, stehen neben Capalo auch Osiris, Ampera und Orius in Triticale zur Verfügung. Als Mehltau-wirksame Mittel sind Vegas oder Talius zugelassen. Steht spät gesäte Triticale in Blattfruchtfolgen nach Mais und ist nur geringer Ausgangsbefall im Frühjahr festzustellen, konzentrieren sich die Fungizidmaßnahmen auf den vollständig geschobenen Blattapparat kurz vor dem Ährenschieben. Hier bieten sich Rost-starke Kombinationen wie Elatus Era plus Sympara, Aviator Xpro, Ceriax oder auch Gigant an. Diese Mittel wären auch in Spritzfolgen als Zweitfungizidmaßnahme zum Ährenschieben nach erfolgter Erstbehandlung zu Beginn des Schossens geeignet. Zudem kann insbesondere beim Anbau von Triticale nach Mais in Mulchsaatbestellung die Situation auftreten, den Bestand gegen Ährenfusariosen absichern zu müssen. Eine entsprechende Zulassung gegen diesen Schaderreger besitzen in Triticale z.B. die Fungizide Input Classic mit 1,25 l/ha als auch Osiris mit 2,5 – 3,0 l/ha. Bedenken Sie, dass Fungizideinsätze gegen Ährenfusariosen nur Wirkungsgrade von 50 – 70% erzielen. Vorbeugende pflanzenbauliche Maßnahmen im Rahmen des Integrierten Pflanzenschutzes wie der Anbau toleranter Sorten, das Zerkleinern von Maisstoppeln mit anschließender Pflugfurche bewirken eine deutliche höhere Herabsetzung der Schadenswahrscheinlichkeit.

Zusammenfassung:

  • Regelmäßige Feldkontrollen spätestens ab Schossbeginn helfen den Fungizideinsatz gezielt durchzuführen.
  • Die Gesunderhaltung der ertragsrelevanten Blätter F bis F-2 und der Ähre bilden den Schwerpunkt des Fungizideinsatzes in Wintergerste, Winterroggen und Wintertriticale.
  • Mehltaubefall sollte bei Überschreiten der Bekämpfungsschwelle (60 % Befallshäufigkeit) mit Spezialfungiziden kontrolliert werden.
  • Resistenzentwicklungen bei Netzflecken und Ramularia können über hoch wirksame Behandlungen mit Wirkstoffkombinationen, am besten allerdings über die Sortenwahl verlangsamt werden.

Bild 1: Früher Gelbrostbefall in Triticale tritt vornehmlich in anfälligen Sorten auf

  Bild 2: Frühe Aussaattermine und milde Witterung begünstigen den Befall von Mehltau

 


Kontakt:
Dr. Joachim Wendt
Leiter Fachgruppe Pflanze
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E-Mail:
Dirk Mußmann
Berater Pflanzenbau und Pflanzenschutz
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Stand: 27.03.2019