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Knollenschutz von Anfang an

Zur Bekämpfung von Rhizoctonia solani war die klassische Knollenbeizung beim Pflanzen über Jahrzehnte die Standardmethode schlecht hin. Doch dieses Verfahren wurde immer mehr von der Furchenbehandlung abgelöst, so dass es sich zum Standard entwickelt hat. Mit Ortiva, welches beim Legen der Kartoffeln auf die Furche gespritzt wird, lässt sich nicht nur Rhizoctonia hervorragend bekämpfen. Es wird auch der Knollenbefall mit Silberschorf und Colletotrichum deutlich reduziert.

 

Für Sie als Landwirt stellt sich somit die Frage, ob immer eine Furchenbehandlung notwendig ist, oder ob es Einsparpotentiale gibt. Um hierauf eine Antwort zu finden, sollten wir uns mit den einzelnen Krankheiten etwas auseinandersetzen:

 

Silberschorf:

Zunächst ist festzuhalten, dass der Erreger des Silberschorfs (Helminthosporium solani) nur an den Knollen auftritt. Der oberirdische Teil der Pflanzen bleibt unberührt. Befall lässt sich zur Ernte nicht oder nur als schwach verfärbte Flecken erkennen. Da die Symptome zu diesem frühen Zeitpunkt meist sehr unauffällig sind, werden sie leicht übersehen oder nur bei eingehender Betrachtung bzw. nach dem Waschen der Knolle wahrgenommen. Werden die Kartoffeln allerdings spät geerntet, können bereits beim Einlagern die typischen Silberschorfsymptome auftreten. In der Regel entwickeln sich die Symptome erst während der Lagerung, so dass der Silberschorf eine echte Lagerkrankheit ist. 

Die silbergraue Färbung an der Knolle, die der Krankheit auch den Namen gegeben hat, entsteht, wenn sich die befallenen Korkzellen vom übrigen Zellverband lösen und Luft in diesen Hohlraum eindringt. Das Licht wird reflektiert und ruft die silberartige Verfärbung hervor, die vor allem bei rotschaligen Knollen besonders auffällig ist. Die Läsionen weisen eine unregelmäßige Form und Gestalt auf. Ihre Größe hängt von der Schwere des Befalls ab - auch die gesamte Knolle kann mit Silberschorf befallen sein.

Eine sichere Diagnose dieser Krankheit ist nur mit einer ausreichenden Vergrößerung (ca. 25 –fach) möglich. Dann lassen sich dunkle Sporenträger, die von der Form an Tannenbäume erinnern, auf den Befallsstellen erkennen.   

 

Wie äußert sich der Befall mit Colletotrichum?  

Auch der Erreger der Colletotrichum-Welkekrankheit (Colletotricum coccodes) verursacht auf der Knollenschale Symptome. Die hell- bis dunkelgrauen, unregelmäßig geformten Flecke sind extrem leicht mit Silberschorf zu verwechseln. Eine sichere Diagnose ist hier ebenfalls nur mit guter Optik (25-fache Vergrößerung) möglich. Es lassen sich dann dunkle, etwa 0,2 – 0,5 mm große Punkte (= Myzelzusammenballungen) erkennen. Diese sklerotienartigen Gebilde sind mit dunklen Borsten besetzt und haben somit ein völlig anderes Aussehen als die Sporenträger des Silberschorfs.

Im Gegensatz zum Silberschorf befällt Colletotrichum neben der Knolle auch andere Pflanzenteile. So kann der Pilz das Wurzelsystem zerstören und dadurch die Welke einzelner Triebe oder der gesammten Pflanze verursachen. Im Feld sind dann braun-grüne Stängel zu sehen, an denen die Blätter schlaff herunterhängen und unter Braunfärbung vertrocknen. Später bilden sich auf den absterbenden bzw. abgestorbenen Kartoffelstängeln die bereits oben beschriebenen, sklerotienartigen Gebilde und ermöglichen im Feld eine sichere Erregeransprache.  

 

Wie sind Silberschorf und Colletotrichum zu bekämpfen?

In den von uns durchgeführten Versuchen konnten wir mit der Knollenbeizung beim Legen keine bzw. geringe Effekte auf die beiden Erreger erzielen. Durch die Furchenbehandlung mit Ortiva ließ sich der Knollenbefall mit Colletotrichum und Silberschorf zum Teil deutlich reduzieren (s. Grafik 3 und 4). Dabei erzielten 3 l/ha Ortiva erwartungsgemäß die beste Wirkung. Durch eine Verringerung der Aufwandmenge auf 2 l/ha fiel der Bekämpfungserfolg geringfügig ab.

Insgesamt lässt sich festhalten, dass die Ausbringung von Ortiva in die Furche den Befall mit Silberschorf und Colletotrichum auf der Knolle deutlich reduziert. Die Anwendung von Ortiva trägt zu einer maßgeblichen Qualitätsverbesserung bei. Dieser Aspekt spielt vor allem bei eingelagerter Ware eine besondere Rolle, weil es bei ungünstigen Lagerungsbedingungen schnell zu einer Zunahme von z.B. Silberschorf kommen kann. Da die Furchenbehandlung mit Ortiva diesem Befallsanstieg entgegenwirkt, ist diese Maßnahme ein absolutes Muss, wenn qualitativ hochwertige Kartoffeln (z.B. Pflanz- und Packware) längere Zeit gelagert werden sollen!

 

Welche Einbußen verursacht Rhizoctonia solani?

Colletotrichum und Silberschorf sind nicht die einzigen Erreger, die bei der Vermarktung Probleme bereiten können. Auch Rhizoctonia solani ist in der Lage erhebliche Qualitätseinbußen hervorzurufen. So beeinflusst der Pilz die Sortierung negativ. Kommt es z.B. zu Stolonenbefall, werden zahlreiche neue Seitenstolonen gebildet. Hierdurch entstehen  viele kleine, teilweise deformierte Knollen, die sog. Grützeknollen. Umgekehrt werden an Pflanzen mit verringerter Stängelzahl wenige große Knollen gebildet, die ebenfalls Missbildungen wie Einschnürungen, Verformungen oder Rauhschaligkeit aufweisen können. Insofern führt der Befall mit Rhizoctonia solani neben Ertragseinbußen zu einem erhöhten Anteil an Über- und Untergrößen - Qualitätseinbußen sind die Folge.

Erhebliche Qualitätsprobleme verursacht vor allem das sog. „dry-core-Symptom“. Es handelt sich hierbei um Löcher von ca. 3 mm Durchmesser, die von der Knollenoberfläche bis ca. 1 cm tief in die Knolle reichen. Wegen dieses Aussehens werden sie leicht mit Drahtwurmfraß verwechselt. Im Unterschied zu den Fraßlöchern des Drahtwurms sind beim Rhizoctonia-Befall Epidermisfetzen zu sehen, die am Lochrand leicht überstehen. Diese Symptome werden durch Drahtwurmbefall gefördert. Sie entstehen aber auch, wenn Rhizoctonia solani durch die Lentizellen in die Knollen eindringt. Dies ist bei feuchten Bodenbedingungen besonders gut möglich.

Ein Vermarktungsproblem stellen auch die schwarzen pockenähnlichen Sklerotien dar, die auf der Kartoffelschale haften und dem Pilz zur Überdauerung dienen.

Zusammenfassend lässt sich festhalten, dass die Form der Qualitätsbeeinträchtigung durch Rhizoctonia vielfältig ist. Da der Schaden vor allem in einer Minderung der Qualität besteht, sollte eine Bekämpfung dann erfolgen, wenn Top-Qualitäten wie z.B. im Pflanz- und Speisekartoffelanbau, gefordert werden.  

 

Wie sehen die Bekämpfungserfolge bei Rhizoctonia solani aus?

In den von uns durchgeführten Versuchen ließ sich mit einer Knollenbeizung beim Pflanzen bzw. mit einer Furchenbehandlung der Sklerotienbefall auf der Knolle reduzieren (s. Grafik 3 und 4). Im Gegensatz zu Colletotrichum und Silberschorf konnten die herkömmlichen Beizen (Moncut, Monceren Pro) zumindest bei Rhizoctonia ansprechende Wirkungsgrade erzielen. Doch auch bei diesem Erreger war die Furchenbehandlung mit Ortiva den klassischen Beizvarianten überlegen. Insofern ist auch bei Rhizoctonia die Furchenbehandlung mit Ortiva das Bekämpfungsverfahren schlechthin!

 

Was ist bei der Furchenbehandlung zu beachten?

Die Furchenbehandlung unterscheidet sich gänzlich vom klassischen Beizverfahren. Während hier Knollen und Boden besprüht werden, darf bei der Furchenbehandlung ausschließlich der Boden behandelt werden. Ein Knollenkontakt ist unter allen Umständen zu verhindern. Andernfalls sind deutliche Verträglichkeitsprobleme vorprogrammiert. Um eine direkte Benetzung des Pflanzgutes mit Ortiva zu vermeiden, sind die Düsen am Legegerät entsprechend anzuordnen. Laut Herstellerfirma hat es sich bewährt, 1/3 der Spritzflüssigkeit vor die Knollenablage in die offene Furche und 2/3 der Spritzflüssigkeit hinter der Knollenablage in den Erdstrom zu applizieren.

Doch auch wenn diese Vorgaben beachtet werden, ist speziell auf leichten, humusarmen Böden mit Auflaufproblemen zu rechnen. Vor diesem Hintergrund empfehlen wir auf den sandigen Böden der Lüneburger Heide maximal 2 l/ha Ortiva einzusetzen (s. Grafik 1 und 2). Auf diese Weise steigt die Verträglichkeit deutlich an, während der Wirkungsabfall, der sich aus der Aufwandmengenreduktion ergibt, relativ gering bleibt.

Aus unserer Sicht ist der Einsatz von 2 l/ha Ortiva ein idealer Kompromiss aus Verträglichkeit und Wirkungssicherheit und hat sich deshalb zu einer Standardempfehlung für Qualitätskartoffeln entwickelt. Lediglich bei Sorten mit empfindlichem Auflaufverhalten (z.B. Allians, Belana, Laura oder Regina) empfehlen wir die Aufwandmenge weiter zu reduzieren und nur 1 l/ha Ortiva einzusetzen. Doch selbst mit dieser geringen Menge fällt die Wirkung immer noch besser aus als mit den herkömmlichen Standardbeizen. Insofern stellt für uns die Furchenbehandlung das Standardverfahren für nicht drainierten Flächen dar.

Die herkömmliche Beize (z.B. Moncut, Monceren Pro, Risolex flüssig) dagegen hat nur mehr auf drainierten Flächen ihre Berechtigung, da dort die Furchenbehandlung mit Ortiva nicht erlaubt ist.

Und noch eine Auflage darf in diesem Zusammenhang nicht unerwähnt bleiben:  Flächen, auf denen eine Furchenbehandlung mit Ortiva erfolgt ist, dürfen im Folgejahr nicht mit dem Wirkstoff Azoxystrobin (enthalten z.B. in Amistar Opti bzw. Zakeo Opti) behandelt werden. Da in diesem Jahr aber noch ein Credo anstelle von Amistar/Zakeo Opti in der Gerste eingesetzt werden kann, ist diese Auflage in 2018 nicht weiter dramatisch. Erst in 2019 wird es bei der Fruchtfolge Gerste nach Kartoffeln zu Problemen bei der Ramulariabekämpfung in der Gerste kommen, wenn bis dahin kein neues Fungizid mit dem Wirkstoff Chlorthalonil zugelassen wird.  

 

Vorgehensweise im Stärkekartoffelanbau

Wie bereits oben ausgeführt, ist eine Furchenbehandlung mit Ortiva im Qualitätskartoffelanbau gesetzt, da sich hierdurch die Qualitäten deutlich steigern lassen. Auf eine Besonderheit sind wir aber noch nicht eingegangen – den Anbau von Stärkekartoffeln. Hier kommt es auf den Stärkeertrag an. Dieser hängt bekanntlich sowohl vom Knollenertrag als auch vom Stärkegehalt ab. Letzterer kann bei starkem Rhizoctoniabefall deutlich verringert sein, weswegen sich auch bei Stärkekartoffeln eine Behandlung oft lohnt. Doch dies hängt letztlich davon ab, ob die äußeren Rahmenbedingungen ein hohes Befallsniveau erwarten lassen.

 

Welche Faktoren beeinflussen den Befall mit Rhizoctonia?

Hier ist an erster Stelle die Häufigkeit des Kartoffelanbaus zu nennen: Je weiter die Kartoffeln in der Fruchtfolge stehen, desto geringer ist das Befallsrisiko und umgekehrt. Werden die Kartoffeln in einem 5jährigen Rhythmus angebaut, kann von einem geringen Infektionsrisiko ausgegangen werden. Erfolgt der Kartoffelanbau dagegen alle 3 Jahre auf derselben Fläche, muss mit einem hohen Infektionsrisiko gerechnet werden. 

Als weitere Einflussfaktoren sind die Bodenart, der Humusgehalt und die organische Düngung zu nennen. So ist das Befallsniveau auf leichten, sandigen Böden eher gering. Dagegen tritt die Krankheit auf schweren Böden, die kalt, feucht und wenig durchlüftet sind, bevorzugt auf. Bezüglich der organischen Substanz im Boden ist festzuhalten, dass der Befall umso stärker wird, je humusreicher die Ackerkrume (über 4-5 %) ist. Eine Strohdüngung bzw. jegliche Form der organischen Düngung muss daher kritisch gesehen werden.

Eine entscheidende Rolle spielt auch die Bodentemperatur. Bei niedrigen Temperaturen wird die Knollenkeimung verzögert. Je länger die weißen Keime im Boden bleiben, desto eher können die Triebspitzen vom Erreger befallen werden. Entsprechend hoch ist dann der Befall.  Daher wirken alle acker- und pflanzenbaulichen Maßnahmen, die einen zügigen Pflanzenauflauf fördern, einer Infektion mit Rhizoctonia entgegen.

Besonders hinweisen möchten wir auf die Verwendung von gesundem Pflanzgut, das weitestgehend frei von Pocken bzw. Sklerotien sein sollte. Auf diese Weise lassen sich der Ertrag und die Qualität des Erntegutes nachhaltig steigern.

Hieraus wird deutlich, dass auch im Stärkekartoffelanbau die Möglichkeit, auf eine Beizung bzw. Furchenbehandlung zu verzichten, sehr begrenzt ist.

 

Wir fassen zusammen:

Im Qualitätskartoffelanbau hat sich die Furchenbehandlung mit Ortiva zum Standard entwickelt. Hierdurch wird der Befall mit Silberschorf, Colletotrichum und Rhizoctonia an der Knolle stark vermindert und der Marktwarenertrag deutlich gesteigert. Wehmutstropfen ist neben der Drainauflage die mangelnde Verträglichkeit von Ortiva. Da die durch Ortiva hervorgerufenen Auflaufverzögerungen bzw. Fehlstellen leicht mit Pflanzgut-bedingten Auflaufproblemen verwechselt werden können, sollten zur sicheren Ursachenforschung Nullparzellen ohne Beizung angelegt werden.

 


Kontakt:
Jürgen Pickny
Berater Kartoffelspezialberatung
Telefon: 0581 8073-165
Telefax: 0581 8073-159
E-Mail:
Dr. Luitpold Scheid
Leiter Fachgruppe Pflanze
Telefon: 0581 8073-114
Telefax: 0581 8073-159
E-Mail:


Stand: 07.03.2018



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