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Sichere Krautfäulebekämpfung – eine Überlebensstrategie für die Kartoffel

 

Voraussetzung eines erfolgreichen Kartoffelanbaues ist die sicherere Kontrolle von Phytophthora infestans, dem Erreger der Krautfäule. Es werden mittlerweile hervorragende Fungizide angeboten, die eine relativ gute Kontrolle der Krautfäule ermöglichen, die aber auch entsprechende Kosten Versuchen. Es gilt also, für die jeweilige Situation die eine optimal angepasste Fungizidstrategie zu finden.

Kann sich der Erreger auf einer Pflanze etablieren, kommt es zu den typischen schokoladenbraunen, deutlich abgegrenzten Blattflecken. In der Regel weisen diese Blattflecken einen hellgrünen Hof auf. Bei hoher Luftfeuchte (in den Morgenstunden bei Tau oder nach Niederschlägen) ist auf der Blattunterseite zwischen krankem und gesundem Gewebe ein weißer Pilzrasen deutlich zu erkennen.

Der Krautfäule-Erreger (Phytophthora infestans) überdauert den Winter in latent (nicht sichtbar) infizierten Kartoffelknollen. Gerade von infizierten Ausfallkartoffeln oder auf Abfallhaufen auswachsenden Kartoffeln kann die Ausbreitung der Sporen ausgehen.

Rückblick 2017

In der frühen Wachstumsphase der Kartoffeln war der Krautfäuledruck 2017 zunächst gering. Die erste Krautfäule wurde vielfach um den 10. Juni gefunden.

In der letzten Junidekade fielen regional stärkere Niederschläge um 110 mm, davon fielen innerhalb von zwei Tagen (29. / 30. Juni) in einigen Landesteilen über 75 mm! Besonders in den Senken stand in diesen Fällen das Wasser zwischen den Reihen. Unter solchen Bedingungen ist auch von einer direkten Infektion zwischen den Kartoffelpflanzen durch das Bodenwasser auszugehen.  

Auf der anderen Seite ist nach dem extremen Regen mit einem verstärken Auftreten der Krautfäule auch an Ausfallkartoffeln, in den Hausgärten oder auf Abfallhaufen zu rechnen. Entsprechend stark war dann nachfolgend auch die Verbreitung der Sporangien in der Region. Durch die anhaltend hohen Niederschläge ab Mitte Juli, in Kombination mit schwülwarmer Witterung blieb der Infektionsdruck durch Phytophthora anhaltend hoch.

 

Neue Fungizide 2018

Für die nächste Saison stehen noch keine neuen Fungizide zur Verfügung. Ein neuer, sehr vielversprechender Wirkstoff der Firma DuPont ist derzeit in Deutschland noch nicht zugelassen. Es wird aber für die neue Saison einige Änderungen gegeben: So wurde für das bewährte Fungizid Tanos eine Zulassungsverlängerung ausgesprochen, in diesem Zuge wurden jedoch die Auflagen für die Anwendung dieses Fungizides verschärft. So darf Tanos zukünftig nur noch maximal 2 mal angewendet werden (früher maximal 8 Anwendungen). Auch sind die Abstandauflagen zu Gewässer verschärft wurden. Eine Anwendung mit Düsen ohne Abdriftreduzierung ist zukünftig nicht mehr möglich, es müssen mindestens Düsen der Abdriftminderungsklasse 50 % verwendet werden. Aber auch noch mit 90 % Abdriftreduzierung ist zu Gewässern ein Abstand von mindestens 5 m einzuhalten. Zusätzlich ist jetzt eine Hangauflage zu beachten: ab 2 % Hangneigung ist ein Abstand von 20 m zu Gewässer einzuhalten. Bei dem bewährten Fungizid Curzate M wurde die maximal zugelassene Aufwandmenge von 2,5 kg/ha auf zukünftig 2,3 kg/ha reduziert.

Für das Fungizid Canvas haben sich dagegen die Auflagen nicht geändert, hier tritt nur ein neuer Name in Erscheinung: Aus Canvas ist jetzt Gachinko geworden. Es handelt sich bei Gachinko um ein Kontaktfungizid mit dem Wirkstoff Amisulbrom (200 g/l).

Plexus ist ein neues Fungizid für die kommende Saison mit den bewährten Wirkstoffen Cymoxanil und Fluazinam. Die zugelassene Aufwandmenge von Plexus beträgt 0,6 l/ha. Neu ist auch das Produkt Presidium mit den Wirkstoffen Dimethomorph und Zoxamide. Dimethomorph ist z.B. auch in den Fungiziden Agrobat Plus und Banjo Forte enthalten. Zoxamide ist z.B. auch in dem bekannten Fungizid Electis enthalten.   

 

Der Spritzstart ist entscheidend

Ausschlaggebend für eine erfolgreiche Krautfäulebekämpfung ist der rechtzeitige Spritzstart. Mit der ersten Fungizidbehandlung soll, das Hochwachsen des Pilzes von der Pflanzknolle durch den Kartoffelstängel vermindert werden. Je nach Höhe der Niederschläge von Mai bis Mitte Juni kann der Spritzstart sowohl vor Reihenschluss der Kartoffeln als auch deutlich später erforderlich werden. Idealerweise sollte der Fungizidschutz 7 bis 12 Tage vor dem ersten Krautfäuleauftreten auf dem Schlag beginnen. In Normaljahren ohne frühen Stängelbefall eignet sich zur Ermittlung des Spritzstarts das Prognosemodell SIMBLIGHT 1 (www.isip.de). Schwieriger wird es, wenn die Kartoffelfläche im besonderem Maße von Nässe betroffen ist. Ist die Fläche über mehrere Tage nicht befahrbar sind, ist etwa 10 bis 14 Tage später mit Stängelbefall zu rechnen!  Es sollte auch früher behandelt werden, wenn in der Region Krautfäule an Ausfall- oder Kulturkartoffeln auftritt.

In Regionen mit Frühkartoffelanbau unter Folien- oder Vliesabdeckung sind weitere Risiken zu beachten. Die kleinklimatischen Verhältnisse unter der Abdeckung führen, zusammen mit dem sehr frühen Auflauf dieser Bestände, zu einer frühzeitigen Entwicklung des Krautfäuleerregers. Sollten sich hier Symptome zeigen, ist es ratsam, die Folie zu entfernen und sofort eine Behandlung mit lokalsystemischen Präparaten plus sporiziden Partner vorzunehmen.

Zum Spritzstart sollten Systemische oder lokalsystemische Fungizide zum Einsatz kommen. Der systemische Wirkstoff Metalaxyl-M,enthalten in Ridomil Gold MZ, Epok und auch das Benalaxyl aus dem Fantic M sollten möglichst nur einmal eingesetzt werden. Gegenüber diesem Wirkstoff entwickeln sich in Laufe einer Saison regelmäßig resistente Stämme. Zu Beginn der Saison haben diese eine geringe Bedeutung. Ist in den Beständen jedoch bereits sporulierender Befall zu finden, sollte eine Anwendung dieser Produkte nicht mehr erfolgen.

Besteht auf Flächen mit hoher Bodenfeuchte bzw. anhaltend hohen Niederschlägen, die zu einem Durchfeuchten der Dämme führen, die Gefahr von frühem Stängelbefall, müssen vorbeugend auch bei den Folgebehandlungen systemische Fungizide eingesetzt werden. Bei hohen Infektionsdruck, wenn in der Umgebung bereits Krautfäule zu beobachten ist, sollten bereits bei den ersten Spritzungen Sporizide zugesetzt werden. Wie die Versuche aus Jahr 2016 bei hohen Infektionsdruck zum Spritzstart zeigen (Abb. 1) hat sich unter extremen Bedingungen eine Wirkstoffkombination aus Propamocarb + Cymoxanil + Cyazofamid (Ranman Top) oder Fluazinam (z.B. Proxannil + Ranman Top oder Infinito + Tanos + Shirlan, ……) bewährt. Bei mittlerem Infektionsdruck ohne Befall können systemische oder lokalsystemische Präparate ohne sporiziden Partner in den ersten Spritzungen zum Spritzstart verwendet werden. In der Frühen Hauptwachstumsphase der Kartoffeln wächst das Laub oft so zügig, dass wenige Tage nach der Behandlung wieder viel ungeschützte Blattmasse vorhanden ist. Bei starkem Krautfäuledruck ist die Gefahr von Infektionen an Blättern, die nicht ausreichend geschützt sind, deshalb besonders hoch. Unter diesen Bedingungen empfiehlt sich der Einsatz von lokalsystemisch beziehungsweise teilsystemisch wirkenden Fungiziden. Diese Präparate durchdringen die Blätter und können in gewissem Umfang auch den Neuzuwachs schützen.

Bei den Folgebehandlungen richtet sich die Präparatewahl in erster Linie nach der Witterung und dem Befallsgeschehen: So sind bei unbeständiger Witterung leistungsstarke Mittel wie Infinito oder Revus (Top) zu bevorzugen. Bei weiterhin kritischen Krautfäulebedingungen lässt sich die Wirkungssicherheit der teil­systemischen Präparate durch die Zugabe der sporenabtötenden Präparate (Ranman Top oder Fluazinam-Präparate) deutlich erhöhen. Bei niedrigem Kraut­fäuledruck (anhaltende Trockenheit, keine Beregnung) reicht der Einsatz teilsystemischer Präparate mit hohem Mancozebanteil aus. Über die Spritzfolge hinweg ist darauf zu achten, dass ein Wirkstoffwechsel betrieben wird, um einer möglichen Resistenzentwicklung vorzubeugen.

Die Abstände zwischen den Behandlungen hängen von verschiedenen Faktoren ab, den entscheidenden Einfluss übt die Witterung aus. Wenn ein hoher Infektionsdruck vorherrscht, im Bestand aber noch kein Befall vorhanden ist, können die Folgespritzungen mit systemischen oder lokalsystemischen Mitteln in Kombination mit sporiziden Partnern mit reduzierten Aufwandmengen durchgeführt werden.

Spritzabstand in Abhängigkeit vom Infektionsdruck
Infektionsdruck Spritzabstand
sehr niedrig 13 - 14 Tage
niedrig 10 - 12 Tage
mittel 9 - 11 Tage
hoch 8 - 9 Tage
sehr hoch 5 - 7 Tage

Bei sehr hohem Infektionsdruck sollten bei der Folgebehandlung Cymoxanil – haltige Fungizide + Sporizid Berücksichtigung finden. Nach einem Starkregen oder Hagel kann es zu Stängelbruch kommen (regional 2017). In diesem Fall sollte möglichst kurzfristig nachbehandelt werden und ein Cymoxanil – haltiges Fungizid + Sporizid eingesetzt werden.

Um mögliche Rückstände von Propamocarb am Erntegut zu vermeiden, sollten Proxanil und Infinito nur bis zur Blüte eingesetzt

werden. Bei mittlerem Infektionsdruck kann die weitere Spritzfolge aus lokalsystemischen oder sporiziden Mitteln ohne weiteren Mischpartner bestehen.  Herrschen niedrige Infektionsbedingungen vor, sind Folgespritzungen mit den kostengünstigeren Mancozeb- oder Metiram-haltigen Kontaktmitteln möglich. Um die Entwicklung möglicher Resistenzen zu vermeiden, sollte bei der Auswahl der Fungizide über die Saison auf den Wechsel unterschiedlicher Wirkklassen (FRAC) geachtet werden.

Für den schlagspezifischen Spritzabstand müssen weitere Faktoren beachtet werden. Bei starkem Krautwachstum sollten die Spritzabstände um 2 bis 3 Tage verkürzt werden. Ist dagegen das Wachstum des Krautes weitgehend abgeschlossen, kann der Abstand zur Folgebehandlung auch um 1 – 2 Tage verlängert werden. Auch die Sortenempfindlichkeit spiegelt sich in den Spritzabständen wider. In gegenüber Krautfäule anfälligen Sorten sollten die Spritzabstände um 1 – 2 Tage kürzer gehalten werden, als bei einer mittleren Anfälligkeit. Befindet sich bereits sporulierender Befall in einem Bestand sind ebenfalls die Spritzabstände deutlich verkürzt werden. Einen großen Einfluss hat auch die Niederschlagsintensität. Nach stärkeren Niederschlägen, in der Summe nach der letzten Krautfäulespritzung über 25 mm sind die Spritzabstände ebenfalls kürzer zu fassen. Nach einer vollständigen und intensiveren Durchfeuchtung der Dämme sollten kurzfristig systemische Wirkstoffe ausgebracht werden.  Zu beachten ist bei sehr hohen Krautfäuledruck, dass viele Krautfäulefungizide sind mit einem Spritzabstand von mindestens sieben Tagen zugelassen. Falls nun witterungsbedingt kürzere Abstände notwendig sind, sollten die Produkte gewechselt werden, um der Zulassungssituation gerecht zu werden. Aktuelle Informationen zum regionalen Infektionsdruck und den dazugehörigen Spritzabständen stehen unter SIMPHYT 3 (www.isip.de).

 

Stoppspritzungen

Bei sporulierendem Blatt- oder Stängelbefall wird es teuer, in diesem Fall sind konsequente Stoppspritzungen erforderlich. Besonders vor Niederschlägen oder Beregnungsmaßnahmen sollten diese Behandlungen durchgeführt werden. Bewährt haben sich Kombinationen aus Cymoxanil-haltigen Mitteln (z.B. Tanos, Proxanil, Zentanil M, Curzate, Carial Flex) oder Infinito plus sporiziden Partner in vollen Aufwandmengen. Die zweite Stoppspritzung muss im Abstand von spätestens ca. drei Tagen erfolgen. Hierfür entweder wieder die Cymoxanil-haltigen Mittel oder Infinito plus sporiziden Partner oder alternativ z.B. Revus, Valbon oder Valis M plus sporiziden Partner einsetzen. Nachteil der Cymoxanil-haltigen Fungiziden ist die im Vergleich zu den anderen teilsystemischen Mitteln um etwa zwei bis drei Tage kürzere Wirkungsdauer. Gegebenenfalls können auch weitere Stoppspritzungen erforderlich werden.

 

Abschlussbehandlungen

Zur Abreife der Kartoffeln steht der Schutz der Knollen vor Braunfäule im Vordergrund. Phytophthora-Sporen werden so lange gebildet,

wie grünes Kartoffelkraut vorhanden ist. Durch Wind, Tau- und Regentropfen gelangen diese in den Boden und bleiben dort etwa drei Wochen infektionsfähig. Während der Rodearbeiten besteht die größte Gefahr für Knolleninfektionen (Braunfäule).

Mit beginnender Abreife, aber spätestens drei Wochen vor der Ernte, zum Schutz des Erntegutes Abschlussbehandlungen durchführen. Dazu für die letzten zwei bis drei Behandlungen sporizide Wirkstoffe (z.B. Carneol, Nando, Shirlan, Terminus oder Ranman Top) einsetzen. Die letzte Behandlung kann in Kombination mit der Sikkation erfolgen.

 


Kontakt:
Lüder Cordes
Berater Pflanzenbau und Pflanzenschutz
Telefon: 05021 9740-132
Telefax: 05021 9740-138
E-Mail:
Dirk Mußmann
Berater Pflanzenbau und Pflanzenschutz
Telefon: 05021 9740-133
Telefax: 05021 9740-138
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Stand: 17.05.2018