Webcode: 01034109

Krautminderung bei Kartoffeln

Auch, wenn die Entwicklung des Kartoffelkrautes in diesem Jahr häufiger recht verhalten ist, wird in vielen Fällen eine Regulierung der Krautmasse erforderlich sein. Durch eine Minderung des Krautes wird sowohl eine Ernteerleichterung als auch Qualitätsverbesserung angestrebt, die Anforderungen unterscheiden sich dabei in den verschiedenen Produktionsrichtungen.

 

Im Pflanzkartoffelanbau spielt neben der Regulierung der gewünschten Knollengröße die Vermeidung der Virusableitung vom Kraut in die Knollen die wichtigste Rolle. Eine rechtzeitige Krautabtötung soll eine Abwanderung möglicher Viren durch die Stängel in die Knollen verhindern. Die bei der Produktion von Pflanzkartoffeln oft erforderliche sehr frühe Krautabtötung bringt eine hohe Gefahr des Wiederaustriebes des Krautes mit sich. Aber gerade der Sommerflug der virusübertragenden Blattläuse stellt eine hohe Gefahr dar, da das junge Grün von den Blattläusen bevorzugt angeflogen wird. Der Verlauf der Abwanderung der Viren beim Wiederaustrieb erfolgt durch die kurzen Stängel und kleinen Blätter wesentlich schneller und stellt somit eine besonders hohe Gefahr für eine späte Virusinfektion dar. Aufgrund dieser Situation muss der Wiederaustrieb in Pflanzkartoffeln unbedingt unterbunden werden. Bei der Pflanzgutproduktion beeinflusst der Zeitpunkt der Sikkation die jeweilige physiologische Reife der Kartoffeln und damit auch die Qualität des Pflanzgutes. Stärke ist die Energiespeicherform der Kartoffeln und beeinflusst folglich die Vitalität des Pflanzgutes. Zum Zeitpunkt der Abtötung sollte daher ein ausreichender Stärkegehalt vorliegen. Besonders bei einer Abtötung mit Reglone ist die Verminderung des Stärkegehaltes zu beachten. Weiter sollten die Kartoffeln die Blüte möglichst abgeschlossen haben, damit die Kartoffeln eine ausreichende physiologische Reife erreicht haben.     

Bei Speisekartoffeln stehen generell eine verwertbare Größensortierung und ein entsprechender Stärkegehalt je nach Sorte und Kochtyp im Vordergrund. Gefordert werden zudem ausgereifte, schalenfeste und gesunde Knollen. Das Erreichen einer optimalen Sortierung bestimmt dabei den optimalen Termin der Abtötung. Mit einer gut terminierten Krautabtötung kann der Anteil an Übergrößen begrenzt werden, so dass letztlich der Anteil an vermarktbarer Ware steigt. Eine Begrenzung des Stärkegehaltes verbessert je nach Sorte die Koch- und Geschmackseigenschaften. Durch die Abtötung der Kartoffeln wird weiter die Ausbildung von schalenfester Ware angestrebt. Durch eine Vielzahl ungeschützter Eintrittsöffnungen können die verschiedenen Erreger in die Knollen eindringen. Bei schalenfesten Kartoffeln wird daher auch die Gefahr einer Braunfäuleinfektion der Knollen gemindert. Infolge der Beseitigung des Krautes wird der Stoffwechsel der Kartoffel extrem eingeschränkt, wodurch die Abreife der Knollen gefördert wird. Mit zunehmender Reife der Knolle verbessert sich entsprechend die Schalenfestigkeit. Auch bei Speisekartoffeln kann Wiederaustrieb zu einer ungleichmäßigen Abreife der Knollen führen und damit auch eine höhere Beschädigungsrate bei der Ernte mitbringen. Höhere Lagerverluste können die Folge sein.

Bei Industrie- oder Veredlungskartoffeln, insbesondere bei Chipskartoffeln, spielt das sortenspezifische Unterwassergewicht eine entscheidende Rolle, um die sortenspezifischen Backeigenschaften voll auszuschöpfen. Ein zu frühes Abtöten vermindert den sortenspezifischen Stärkegehalt. Die Krautminderung sollte daher grundsätzlich erst dann erfolgen, wenn die physiologische Reife der Kartoffel erreicht ist.

Bei Stärkekartoffeln spielt der sortenspezifische Stärkegehalt eine übergeordnete Rolle. Ein zu frühes Abtöten kann auch gleichzeitig mit erheblichen Ertragsverlusten einhergehen. Eine Abtötung des Krautes ist bei dieser Produktionsrichtung nur in Ausnahmefällen erforderlich. Dies wäre bei der Einlagerung schalenfester Kartoffeln der Fall. Hier sind dann in der Regel einmalige Anwendungen in die abreifende Kartoffel angeraten.

 

Qualitäts- und Ertragsverluste vermeiden!

Insbesondere bei der Pflanzkartoffelproduktion spielt die Regulierung der Größenfraktion eine entscheidende Rolle. Hier kann es notwendig sein, in einem noch voll im Wachstum befindlichen Kartoffelbestand die Regulierung vorzunehmen. Je jünger und aktiver die Kartoffelpflanzen bei der Abtötung sind, umso langsamer tritt die Schalenfestigkeit ein. Je weiter die natürliche Abreife vorangeschritten ist, desto geringer ist das Risiko der Qualitätsbeeinträchtigung durch die Krautabtötung. Durch die Abtötung des Kartoffelkrautes wird die Einlagerung von z. B. Suberin in die äußeren Zellschichten der Knollen initiiert, die zu einer Verdickung und Stabilisierung der Schale und damit zur Schalenfestigkeit führen kann. Wird die chemische Krautabtötung bei einem physiologisch voll aktiven Kartoffelbestand durchgeführt, kann das plötzliche Zerstören des Blattapparates bei der Pflanze zu Störungen im Wachstums- und Wasserhaushalt führen. Durch diesen Vorgang können die Knollen in Mitleidenschaft gezogen werden und infolge dessen kann es zu Gefäßbündelverbräunungen und Nabelendnekrosen kommen. Die Gefahr ist besonders groß, wenn die Sikkation in extremen Trockenphasen oder bei Hitzestress durchgeführt werden muss. Zusätze von Additiven (Ölen) können unter Stressbedingungen die Gefahr der beschriebenen Qualitätsverschlechterungen erhöhen. Nach einer Krautabtötung wird empfohlen, die Knollen noch ca. drei Wochen im Boden nachreifen zu lassen, um entsprechende schalenfeste Ware ernten zu können.

 

Verschiedene Verfahren der Krautminderung:

1. Krautminderung durch Krautschlagen:

Durch den Soloeinsatz des Krautschlägers kann die von den Erntemaschinen aufgenommene Krautmenge deutlich verringert werden. Bei der Ernte kann so eine störungsfreie Dammaufnahme gewährleistet werden. Bei einem alleinigen Einsatz des Krautschlägers entwickelt sich die Schalenfestigkeit der Knolle langsamer, als bei den im Folgenden genannten Verfahren. Ein weiterer Nachteil ist die geringe Flächenleistung sowie die Gefahr des Wiederaustriebes mit den damit verbundenen Risiken. Mit dem Krautschlagen besteht aber auch die Gefahr, dass mit dem Arbeitsgang Bakterien übertragen werden und dass durch das Befahren mehr grüne Knollen entstehen.

2. Kombinierte Verfahren (Krautschlagen plus chemische Behandlung):
Das Kraut wird mechanisch geschlagen und anschließend erfolgt eine chemische Behandlung. Die Kartoffeln sollten nach den Schlägeln noch über eine Stängellänge von ca. 20 cm verfügen, um somit eine ausreichende Wirkstoffaufnahme bei der nachfolgenden chemischen Abtötung zu gewährleisten. Durch die Ergänzung einer chemischen Applikation auf die Reststängel etwa 1 bis 3 Tage nach der mechanischen Krautminderung wird der Wiederaustrieb deutlich reduziert bzw. verhindert. In Versuchen zeigte sich, dass zur Verhinderung des Wiederaustriebes 1,0 l/ha Shark oder 0,8 l/ha Quickdown gut geeignet sind.

3. Chemische Verfahren:

Die größte Bedeutung hat zurzeit die rein chemische Krautbeseitigung. Eine tragende Säule der Krautminderung stellt bisher Reglone dar. Die Zulassung von Reglone ist kurzfristig um 1 Jahr bis zum 30.06.2019 verlängert worden. Diese Verlängerung ist auch für die Produkte Profi Deiquat Super, Reglex, Reglor wirksam. Nach dem aktuellen Stand wird auch Shark nicht mehr lange zur Verfügung stehen. Die Zulassung von Shark läuft am 30.09.18 aus. Das Herbizid Quickdown verfügt noch über eine Zulassung bis zum 31.01.19.

Als neues Produkt zur Krautregulierung wird in der kommenden Saison das Präparat Beloukha mit dem Wirkstoff Pelargonsäure (680 g/l) zur Verfügung stehen. Entsprechend der Zulassung beschränkt sich der Einsatz von Beloukha auf die Kraut- und Stängelsikkation nach dem Krautschlagen. Durch den Einsatz der Pelargonsäure wird die Kutikula der benetzten Pflanzenteile zerstört. Die Zellen verlieren verstärkt Wasser und fangen an zu vertrocknen. Je wärmer und strahlungsreicher die Witterung in den Tagen nach der Anwendung ist, desto schneller tritt die Wirkung ein. Von der Vertriebsfirma wird der Einsatz des Produktes in der Solo-Anwendung mit einer Aufwandmenge von 16 l/ha mit einer Konzentration von 6% in 260 l/ha Wasser oder von 8% in 200 l/ha Wasser empfohlen. Nach ersten Versuchsergebnissen, die jedoch ohne vorherigem Krautschlagen erfolgten, war die Wirkung gegenüber dem bisherigen Standard deutlich langsamer und nicht durchschlagend. In Mischung mit anderem Sikkationspräparaten konnte aber eine Wirkungsverstärkung ermittelt werden. Gerade zur Pflanzguterzeugung stellt die Pelargonsäure jedoch keine wirkliche Alternative zu den bewährten Spritzfolgen dar.

Reglone ist sowohl im Konsum- als auch im Pflanzkartoffelanbau zugelassen. Bei der Krautabtötung verfügt es über die schnellste Wirkung. Die geringe Antrocknungszeit (es ist bereits nach 30 Min. regenbeständig), gewährleistet einen sicheren Einsatz bei unbeständigem Wetter. Die Anwendung von Reglone sollte vorzugsweise in Beständen mit beginnender Abreife zum Einsatz kommen. Die Gefahr des Wiederaustriebes in noch recht aktiven Beständen ist bei der Verwendung von Reglone relativ hoch. Reglone ist solo sowohl in abreifenden als auch in grünen Beständen einsetzbar. Im Konsumanbau ist Reglone mit einer Anwendung mit maximal 2,5 l/ha zugelassen. Bei der Produktion von Pflanzkartoffeln ist Reglone mit der Aufwandmenge von 5 l/ha bei maximal einer Anwendung zugelassen. In der Pflanzgutvermehrung besteht zusätzlich die Möglichkeit zwei Anwendungen im Abstand von 3 Tagen durchzuführen und dabei jeweils maximal 2,5 l/ha einzusetzen. In krautstarken Pflanzkartoffeln hat sich das Splittingverfahren bewährt: Vorbehandlung mit 0,3 – 1,5 l/ha Reglone, gefolgt von ca. 1,0 - 2,5 l/ha im Abstand von 3 Tagen. Zur Abtötung relativ krautreicher Kartoffelbestände eignet sich Reglone sehr gut, um den Bestand zunächst zu öffnen, damit bei einer nachfolgenden Behandlung mit Shark oder Quickdown auch die Stängel der Pflanzen erfasst werden und so eine sichere Abtötung der Pflanzen erreicht wird. Die Anwendung von Reglone erfordert eine intensive Benetzung, es werden daher Wasseraufwandmengen von 400 – 800 l/ha empfohlen. Der Anwendung in taufeuchten Beständen steht nichts entgegen, die Wirkung fällt in der Regel besser aus. Bei einer Anwendung in den frühen Morgenstunden ist die untere Wasseraufwandmenge in der Regel ausreichend. Die Wartezeit bei Reglone beträgt 10 Tage.

Shark und Quickdown + Toil können sowohl im Pflanz- als auch im Konsumkartoffelanbau eingesetzt werden. Die Produkte sind im Wesentlichen für die Zweitbehandlung zur Abtötung der Stängel und Verhinderung des Wiederaustriebes geeignet. Es ist zu beachten, dass die Behandlung bei sonnigem Wetter mindestens 5 Std. vor Sonnenuntergang (am Besten vormittags) durchgeführt wird, weil die Wirkungsweise dieser Mittel auf die Unterbrechung des physiologischen Prozesses der Bildung des Chlorophylls beruht. Vor dem Einsatz in grünen Beständen ist es wichtig, dass das Blätterdach geöffnet oder entfernt wird, weil beide Präparate hauptsächlich auf den Stängel wirken und diese auch treffen müssen. Ihr Einsatz sollte daher 1 - 3 Tage nach dem Abschlägeln erfolgen, wenn das Schlägelgut abgetrocknet ist. Es ist erforderlich, dass die Stängel bei der Anwendung von Shark oder Quickdown noch eine Länge von min. 20 cm aufweisen. Wenn das Blätterdach chemisch vorweg geöffnet wurde, empfiehlt es sich, die Mittel erst dann einzusetzen, wenn die Blätter auch vollständig abgestorben sind, dies ist meist 4 - 7 Tage nach dem Einsatz von Reglone der Fall. Sollen Shark oder Quickdown solo eingesetzt werden, wird eine ausreichende Wirkung nur in bereits stärker abreifenden Beständen zu erwarten sein. Bei noch weitgehend grünen Pflanzen ist von diesen Produkten keine ausreichende Wirkung zu erwarten, da zu wenig Wirkstoff an die Stängel gelangt. Erfolgt eine ausreichende Benetzung auch der Stängel, erreichen Shark und Quickdown eine relativ gute Unterdrückung des Wiederaustriebes. Die Anzahl der Behandlungen ist zulassungsgemäß bei Quickdown + Toil auf zwei Behandlungen mit jeweils 0,8 + 2,0 l/ha und bei Shark auf eine Behandlung mit 1,0 l/ha festgelegt. Die Anwendung muss jeweils spätestens 14 Tage vor der Ernte erfolgen. Aufgrund der langsamen Wirkung ist die Gefahr von Gefäßbündelverbräunungen und Nabelendnekrosen nach der Anwendung von Shark relativ gering. Shark und Quickdown sind reine Kontaktherbizide. Um eine erfolgreiche Wirkung zu erzielen ist es wichtig, dass alle Pflanzenteile durch die Wasseraufwandmenge ausreichend benetzt werden. Es hat sich gezeigt, dass je nach Krautwüchsigkeit der abzutötenden Kartoffelsorte 300 - 600 l/ha Wasser erforderlich sind. Eine Anwendung auf taufeuchten Pflanzen ist möglich, solange es nicht zu einem Ablaufen der Spritzbrühe kommt. Quickdown und Shark sind ca. 1 – 2 Stunden nach der Behandlung regenfest.

 


Kontakt:
Lüder Cordes
Berater Pflanzenbau und Pflanzenschutz
Telefon: 05021 9740-132
Telefax: 05021 9740-138
E-Mail:


Stand: 10.08.2018



PDF: 30389 - 53.322265625 KB   Präparate zur Krautminderung   - 53 KB