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Krautfäulebekämpfung in Kartoffeln 2019

Mittelwahl und Strategie entscheidend für Bekämpfungserfolg und Resistenzvorbeuge!

 

Phytophthora Krautfäulejahre sind Kartoffeljahre. Die Bedeutung dieser Aussage wird jedem durch das Jahr 2018 sehr deutlich. In einem extrem trockenen Jahr wie 2018 hatte die Krautfäule keine Chance sich in den Beständen zu etablieren. Gleichzeitig lässt die Trockenheit die Kartoffeln so stark leiden, dass die Erträge deutlich sinken. In den Versuchen der Bezirksstelle Emsland in 2018 lag der Ertrag um 55% unter dem im nassen Jahr 2017. In 2018 konnten in den Fungizidversuchen demnach keine verwertbaren Ergebnisse erzeugt werden. Die im Folgenden gegebenen Strategie- und Mittelempfehlungen basieren auf den langjährigen Versuchen der Landwirtschaftskammer Niedersachsen. Darüber hinaus gibt es einen neuen Wirkstoff gegen Krautfäule dessen Vor- und Nachteile hier diskutiert werden.

Phytophthora infestans, der Erreger der Kraut- und Knollenfäule, überwintert u.a. an latent infizierten Knollen im Pflanzgut, in Abfallhaufen am Feldrand oder an Durchwuchskartoffeln. Als Basis des Integrierten Pflanzenschutzes, mit dem Ziel Pflanzenschutzmittelanwendung auf das notwenige Maß zu beschränken und Resistenzen vorzubeugen, sollten folgende Punkte immer Berücksichtigung finden:

  • Kartoffelaufwuchs an Lager- oder Abfallstätten zwecks Vermeidung unnötiger Infektionsquellen konsequent bekämpfen, z.B. durch Abdecken von Steinhaufen.
  • Durchwuchs- bzw. Unkrautkartoffeln in anderen Kulturen konsequent bekämpfen, um Infektionsquellen frühzeitig auszuschalten.
  • Pflanzgutqualität beachten, vor allem bei eigenem Nachbau. (Knollenbefall durch Phytophthora!)

Gerade nach der verstärkten Kindelbildung in 2018 ist das Potential für Kartoffeldurchwuchs deutlich höher als in Vorjahren. Neben der Konkurrenzwirkung zur Hauptkultur ist das wichtigste Problem für die Gesundheit der Kartoffelpflanze, dass die Durchwuchskartoffeln als sehr frühe und dauerhafte Infektionsquelle für alle Krankheitserreger und Schädlinge der Kartoffel fungieren. Ein phytosanitärer Effekt einer geplanten Anbaupause ist dadurch aufgehoben. Hier gilt es durch entsprechende Maßnahmen frühzeitig gegenzusteuern. Eine effektive Bekämpfung von Durchwuchskartoffeln ist aktiver Resistenzschutz der Fungizide und nachhaltige Vorbeuge vor fruchtfolgebedingten Schadursachen.

Neuzulassungen für die Saison 2019

Es gibt zwei Neuzulassungen für die Saison 2019. Ein neues Mittel mit dem bekannten Wirkstoff Cymoxanil (225 g/l) ist Cymbal Flow der Firma Belchim Crop Protection. Es darf max. 6 mal pro Saison mit einer Aufwandmenge von max. je 0,5 l/ha angewendet werden und es muss laut Zulassung immer in Mischung mit Ranman Top (0,5 l/ha) oder Shirlan (0,4 l/ha) eingesetzt werden. Bei dem Mittel Cymbal Flow muss bei 90% Abdriftminderung auch in Mischung mit den genannten Mitteln der länderspezifische Mindesabstand von 1 Meter zu Gewässern eingehalten werden. Die zweite Neuzulassung ist das Mittel Zorvec Enicade der Firma Corteva, ehemals DuPont. Hierbei handelt es sich um den neuen Wirkstoff Oxathiapiprolin (100 g/l). Es darf max. 4 mal pro Saison mit einer max. Aufwandmenge von 0,15 l/ha angewendet werden. Versuche haben gezeigt, dass es eine etwa 3 – 4 Tage längere Wirkungsdauer als vergleichbare systemische Mittel hat. Je nach Witterung ist mit diesem Produkt ein Spritzabstand von 10 – 14 Tagen möglich. Es hat neben der sehr guten vorbeugenden Wirkung auch eine gute kurative und sporenabtötende Wirkung. Darüber hinaus bietet es durch seine systemische Verteilung auch guten Schutz für den Krautneuzuwachs und vor Stängelbefall. Es ist durch eine sehr gute Regenfestigkeit gekennzeichnet, vergleichbar mit Revus. Ein sehr wichtiger Punkt bei diesem Mittel ist das Resistenzmanagement. Der Wirkstoff im Zorvec Enivade ist stark resistenzgefährdet. Deshalb darf das Mittel, laut Zulassung, immer nur im Wechsel mit anderen Mitteln eingesetzt werden und dies im frühen Bereich der Spritzfolge. Aus Resistenzschutzgründen wird das Mittel nur in Tankmischung empfohlen und im Pack mit Manzate (1,5 kg/ha; Mancozeb 750 g/kg) als Zorvec Enicade NZEB vermarktet. Es ist zu beachten, dass das Mittel Zorvec Enicade bei 90% Abdriftminderung einen Gewässerabstand von 1 Meter und das Mittel Manzate von 10 Metern hat. Das Mittel Zorvec Enicade wird schon seit rund 10 Jahren in Kammerversuchen geprüft und besticht durch herausragende Bekämpfungsleistungen. Damit die Wirkung möglichst lange erhalten bleibt, sollten alle Beteiligten die Empfehlungen und Vorgaben zum Resistenzschutz in der Praxis umzusetzen.

Mit der richtigen Strategie zum Erfolg!

Die sichere Kontrolle der Kraut- und Knollenfäule ist Voraussetzung für einen erfolgreichen Kartoffelanbau. Dazu steht aktuell eine große Bandbreite hoch wirksamer Fungizide zur Verfügung. Ziel der Krautfäulebekämpfung muss es sein, nennenswerten Befall gar nicht erst entstehen zu lassen. Dazu sind die oben genannten Maßnahmen zur Vorbeuge grundsätzlich immer sinnvoll. Die verschiedenen Fungizide haben verschiedene Eigenschaften und unterscheiden sich auch z.T. deutlich in ihren Kosten. Deshalb sind eine gute Strategie und eine gezielte Mittelwahl sehr wichtig. Strategieversuche haben gezeigt, dass der gewählte Spritzstart und die eingehaltenen Spritzabstände entscheidend für den Bekämpfungserfolg sind. Für die Ermittlung des Spritzstartes stehen Online-Prognosemodelle zur Verfügung. Jeder Warndienst- oder Wetterfaxabonnent hat über ISIP eine Zugangsberechtigung zu diesen Online-Prognosemodellen und kann sich so einen Überblick über die aktuelle Befallssituation in seiner Region unter www.isip.de verschaffen. Die Modelle berechnen den möglichen Epidemiebeginn, d.h. der Spritzstart muss kurz vorher erfolgen. Obwohl die Modelle den Ablauf der befallsfreien Zeit mit hoher Sicherheit voraussagen, sollte man seine Bestände regelmäßig auf Frühinfektionen kontrollieren. Insbesondere früh gepflanzte und beregnete Bestände sollten intensiver beobachtet werden.

Spritzstart

Die eingesetzten Fungizide zum Spritzstart sollen einen möglichen Befall ausgehend von infizierten Knollen bekämpfen. Zu diesem Zweck sind systemisch wirkende Mittel erforderlich (Tabelle 1). Die systemisch wirkenden Mittel Ridomil Gold MZ, Fantic M und Epok sind durch die Wirkstoffe Metalaxyl und Benalaxyl besonders resistenzgefährdet. Gegenüber diesen Wirkstoffen werden im Laufe einer Saison regelmäßig resistente Stämme selektiert. Diese Mittel sollten deshalb maximal einmal zum Spritzstart eingesetzt werden. Wichtig: Der Spritzstart muss vor dem ersten Befall erfolgen. Darüber hinaus sollten die genannten Mittel niemals mit reduzierter Aufwandmenge eingesetzt werden. Bei hohen Niederschlägen bzw. feuchten Dämmen und hohem Infektionsdruck aus der Umgebung können auch bereits zum Spritzstart zusätzlich Kontaktmittel mit sporenabtötender Wirkung sinnvoll sein (Tabelle 2). In Abbildung 1 ist eine Empfehlung für die Spritzfolgestrategie dargestellt.

Hauptphase und Spritzabstände

In der Hauptwachstumsphase bis in die Blüte hinein sollten vor allem die lokalsystemischen Mittel (Tabelle 3) im Wechsel zur Anwendung kommen. In der frühen Hauptwachstumsphase bei wärmeren Temperaturen findet jeden Tag enormer Laubzuwachs statt. Um in dieser Phase den Neuzuwachs zu schützen können speziell systemische Mittel wie Zorvec Enicade NZEB oder Infinito zum Einsatz kommen. Generell sollten bei hohem Infektionsdruck und bereits aufgetretenem Befall in der Hauptwachstumsphase zur Wirkungsabsicherung Kontaktwirkstoffe wie Fluazinam oder Cyazofamid (Ranman Top) zugesetzt werden. In Phasen mit unbeständiger Witterung und infektionsfördernden Bedingungen sind leistungsstarke vorbeugende Mittel wie Revus (Top) oder Carial flex zu empfehlen. Bei anhaltender Trockenheit und insgesamt eher geringem Infektionsdruck können lokalsystemische Mittel mit höherem Mancozebanteil zum Einsatz kommen. Aus Resistenzschutzgründen ist generell in der gesamten Spritzfolge darauf zu achten, dass ein Wirkstoffwechsel betrieben wird. Solange starker Krautzuwachs vorhanden ist, sollten Spritzabstände eher um zwei bis drei Tage verkürzt werden, wohingegen die Spritzabstände in Phasen ohne wesentlichen Krautzuwachs eher verlängert werden können. Die Wahl der Spritzabstände hängt natürlich von weiteren Faktoren wie Witterung, Sortenanfälligkeit und dem generellen Infektionsgeschehen ab.

Abreifephase und Abschluss

Zum Ende der Blüte und in der Abreifephase zum Ende der Saison sollte die Spritzfolge mit sporenabtödenden Kontaktmitteln wie Ranman Top oder fluazinamhaltigen Mitteln abgeschlossen werden. Die letzte Behandlung kann in Kombination mit der evtl. geplanten Sikkationsmaßnahme erfolgen. Für Kartoffelbestände bei denen eine längere Lagerdauer vorgesehen ist (z.B.: Pflanzkartoffeln) sollte in der Abreifephase nach der Anwendung der Kontaktmittel unbedingt eine Erfolgskontrolle im Bestand vorgenommen werden, um möglichen Nachbefall und letztlich Knollenbefall zu verhindern.

Krautfäulebekämpfung – Fazit für die Praxis

  • Durchwuchskartoffeln konsequent bekämpfen
  • Neuer potenter Wirkstoff im Mittel Zorvec Enicade
  • Spritzstart nach regionalem Warndienstaufruf ausrichten
  • Zum Spritzstart systemische oder lokalsystemische Mittel verwenden
  • Resistenzschutz über die Spritzfolge realisieren = Wirkstoffwechsel!
  • Spritzabstände nach Wachstum und Infektionsdruck anpassen
  • Bei sporulierendem Befall Stoppspritzungen durchführen.

Kontakt:
Dr. sc. agr. Hendrik Hanekamp
Leiter Fachgruppe Pflanze
Telefon: 05931 403-201
Telefax: 05931 403-222
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Stand: 31.05.2019