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Unkrautbekämpfung in Kartoffeln verträglich durchführen

Die verhaltende Jugendentwicklung der Kartoffel führt zu einer relativ späten Abdeckung des Bodens, die Unkräuter haben daher über eine lange Zeit viel Raum sich zu entwickeln. Das erwartete Unkrautspektrum, die Bodenart und –beschaffenheit und auch die Kartoffelsorte bilden in der jeweiligen Situation die Grundlage der Entscheidung zum Herbizideinsatz.

Ein zeitiger Dammaufbau trägt dazu bei, dass die Kartoffeldämme zum Zeitpunkt der Behandlung gut abgesetzt sind. Gleichzeitig wird so auch ein zügiger Unkraut­auflauf gefördert, sodass schon vor dem Auflaufen der Kartoffeln ein Großteil der Unkräuter über die Blattwirkung der Herbizide erfasst werden kann.

Einen wesentlichen Baustein möglicher Nachauflauflösungen stellt der Wirkstoff Metribuzin dar. Als reine Metribuzinprodukte werden in dieser Saison Sencor liquid, Mistral, Profi Metribuzin und Citration zur Verfügung stehen. Zu beachten ist, dass die breiter wirksamen Herbizide Arcade, Artist und Metric ebenfalls Metribuzin enthalten.

Aus Gründen des Herbizidresistenzmanagementes sollte eine übermäßige Verwendung dieses Wirkstoffes aus der Wirkstoffgruppe der Triazine sollte vermieden werden. Minderwirkungen beim Einsatz von Triazin-Herbiziden ist besonders beim Weißen Gänsefuß und der Gemeinen Melde zu beobachten, aber auch gegenüber dem Schwarzen Nachtschatten zeigt Metribuzin regional nicht mehr die volle Wirkung.

Weiter ist die Verträglichkeit der ausgepflanzten Sorte gegenüber Metribuzin zu beachten. Auch wenn keine deutliche Schädigung der Blätter zu erkennen ist, kann der Metribuzineinsatz Ertrag kosten. Die Bezirksstelle Uelzen der LWK Niedersachsen führt seit Jahren Versuche zur Metribuzinverträglichkeit durch. In der Tabelle 1 sind die Sorten dargestellt, die sich in den Versuchen als Metribuzinunverträglich erwiesen haben.

Tabelle: Metribuzinunverträgliche Sorten

Der Wirkstoff Prosulfocarb ist in den letzten Jahren mehrfach in Biogemüse nachgewiesen worden. Neben einer primären Verflüchtigung bei der Applikation des Wirkstoffes, kann es bei dafür empfindlichen Wirkstoffen zu einer sekundären Verdunstung des Wirkstoffes kommen. Neben dem Boxer, Filon, Phytavis Defi enthält auch das Herbizid Arcade den Wirkstoff Prosulfocarb.  Um hier die Gefahr der Verflüchtigung und Abdrift herabzusetzen, sind folgende Auflagen und Hinweise zu beachten:

  • gesamte Fläche ist mit einer 90 % Abdriftminderung zu behandeln; mindestens 300 l/ha Wasser
  • Fahrgeschwindigkeit darf 7,5 km/h nicht überschreiten
  • Windgeschwindigkeit darf bei der Ausbringung 3 m/s nicht über­schreiten.

Auch bei dem Einsatz der clomazonehaltigen Herbizide kann es in der zu Schäden an angrenzenden Pflanzen. Um hier die Gefahr der Schäden zu begrenzen, hat der Gesetzgeber die clomazonehaltigen Herbizide mit Auflagen belegt, die das Risiko von Schäden an anderen Kulturen begrenzen sollen. Betroffen von diesen Auflagen sind die reinen Clomazoneprodukte wie u.a. Clomazone 360 CS, Angelus, Libeccio, Centium 36 CS, Gamit 36 AMT, wie auch die Herbizide, die neben Clomazone noch weitere Wirkstoffe enthalten: METRIC, Novitron DamTec, Sinopia.

 

  • Anwendung der Mittel in Abhängigkeit von den vorhergesagten Tageshöchsttemperaturen:
    • < 20 °C          ganztägige Anwendung möglich
    • 20 – 25 °C      Anwendung nur von 18.00 - 09.00 Uhr
    • > 25 °C          keine Anwendung möglich
  • Nach der Anwendung sind im Umkreis von 100 m um die Anwendungsfläche im wöchentlichen Turnus einen Monat lang Pflanzen auf Aufhellungen zu prüfen. Aufhellungen sind uns und dem Zulassungsinhaber sofort zu melden.

Anwendungszeitpunkt je nach Herbizid anpassen:

Die Produkte Bandur, Artist, Novitron, Metric, Centium 36 CS oder andere Clomazoneherbizide sollten spätestens eine Woche vor dem Durchstoßen der ersten Keime eingesetzt werden. So lassen sich Schäden an den Kartoffeln vermeiden. Proman dagegen kann bis kurz vor dem Durchstoßen eingesetzt werden. Die Produkte Arcade und Sencor Liquid / Mistral u.a. können in Metribuzinverträglichen Sorten auch im zeitigen Nachauflauf ausgebracht werden. Ein sehr früher Einsatz der entsprechenden Herbizide (über 10 Tage vor dem Auflaufen) ist dann gerechtfertigt, wenn der Damm stabil ist, die Böden feucht sind, im Weiteren aber keine wesentlichen Niederschläge erwartet werden.

Besonders unter trockenen Bedingungen oder auf humosen Böden hat es sich bei dem Einsatz kurz vor dem Auflaufen der Kartoffeln bewährt, die geplanten Herbizide durch den Zusatz von Quickdown anzuschärfen. Durch die Zumischung von 0,4 l/ha Quickdown + 1,0 l/ha Toil werden viele bereits aufgelaufene Unkräuter heruntergebrannt. Optimal wird Quickdown so eingesetzt, dass nach der Anwendung noch ca. 5 Stunden Tageslicht folgen.

Im Nachauflauf sind neben dem Metribuzin-haltigen Produkten Sencor WG, Sencor Liquid und Mistral auch Rimsulfuron-haltige Präparate wie Cato / ESCEP + Formulierungshilfsstoff oder Titus + Trend einsetzbar. Bewährt hat sich auch die Kombination aus Metribuzin und Rimsulfuron + Formulierungshilfsstoff mit einer guten Breitenwirkung einschließlich Kamille, Klettenlabkraut und Windenknöterich. Diese Anwendung sollte in einer Wuchshöhe der Kartoffeln bis 5 cm erfolgen, spätere Anwendungen bis max. 15 cm Wuchshöhe sind möglich, das Verträglichkeitsrisiko durch die stärkere Wirkstoffaufnahme der Kultur nimmt aber deutlich zu. Bei späteren Anwendungen nimmt auch die Abschirmung der Unkräuter zu, so dass mit einem größeren Anteil nicht erfasster Unkräuter gerechnet werden muss.

Je feuchter, desto besser für die Bodenherbizide. Eine Anwendung sollte auf einen feuchten, abgesetzten Kartoffeldamm erfolgen. Aber gerade unter trockenen Bedingungen kann die Herbizidstrategie auch nach den Ansprüchen an die Bodenfeuchtigkeit der jeweiligen Herbizide ausgerichtet werden. Für eine optimale Wirkung benötigen die Produkte Artist und etwas abgemildert auch Boxer für eine optimale Wirkung relativ feuchte Böden. Metribuzin (z.B. Mistral WG) und Proman nehmen bei dem Feuchtigkeitsbedarf eine mittlere Stellung ein. Einen relativ geringen Feuchtigkeitsanspruch, daher auch unter trockenen Bedingungen Wirkungsvorteile haben z.B. Novitron, Metric, Centium 36 CS und auch Bandur.

Setzen Sie die Herbizide relativ früh ein, ist der Erfolg der Maßnahme auch von der Wirkungsdauer der eingesetzten Produkte abhängig. Über eine relativ lange Wirkungsdauer verfügen z.B. Artist, Bandur, Centium und Novitron. Von einer etwas kürzeren Dauerwirkung ist bei Metric auszugehen. Über eine mittlere Wirkungsdauer verfügen die metribuzinhaltigen Herbizide und Proman. Von einer realtiv kurzen Wirkungsdauer kann man bei Boxer ausgehen. Boxer sollte daher auch frühestens 7 Tage vor dem Durchstoßen platziert werden.

Herbizidempfehlungen für Metribuzin-verträgliche Sorten

Bei geringem Unkrautbesatz aus noch leicht bekämpfbaren Gänsefußarten, Kamille und Vogelmiere, d.h. ohne nennenswertes Auftreten von Klette, wie es auf einigen leichteren Sandböden teilweise anzutreffen ist, kann der Bestand sehr preiswert mit einer Spritzfolge aus z.B. Mitral 0,4 – 0,5 kg/ha in den Auflauf der Kartoffel und einer späteren Nachbehandlung mit ca. 150 – 200 g/ha Metribuzinwirkstoff behandelt werden. Treten Hirse oder doch etwas Klette auf, kann bei der Nachbehandlung Rimsulfuron 20 g/ha + FHS  zugesetzt werden. Um die Kartoffeln dann nicht zu sehr zu belasten, sollte die Aufwandmenge von z.B. Mitral auf 0,15 – 0,2 kg/ha in der Mischung mit Rimsulfuron + FHS reduziert werden. Diese relativ preiswerte Spritzfolge kann auch auf stärker humosen Böden sinnvoll sein, wenn die Bodenherbizide ihre Wirkung nicht voll entfalten können.  Wird doch etwas mehr Klette erwartet, empfiehlt es sich, bei der ersten Herbizidspritzung in den Auflauf der Kartoffeln 250 – 350 g/ha Metribuzin mit Boxer ca. 1,5 – 2,0 l/ha gegen Klette in der Wirkung zu verstärken. So kann erreicht werden, dass die Klette bei der Folgebehandlung noch nicht zu groß ist und von der Mischung aus Metribuzin + Rimsulfuron sicher erfasst wird. Mit zunehmender Bodengüte steigt häufig auch der Besatz an Klettenlabkraut. Langjährig gute Erfolge gegen Gänsefußarten, Kamille, Vogelmiere und stärkerem Klettenbesatz sind in Metribuzin – verträglichen Kartoffelsorten durch die bewährte Kombination aus Boxer 3,0 – 4,0 l/ha und z.B.  Mistral 0,3 – 0,4 kg/ha zu erwarten. Synergieeffekte sichern die Breitenwirkung dieser Kombination zusätzlich ab. Gerade das Boxer benötigt für eine sichere Wirkung ausreichend Bodenfeuchtigkeit. Unter trockenen Bedingungen bietet Bandur eine größere Wirkungssicherheit. Der Wirkstoff Aclonifen aus dem Bandur ist im Boden relativ stabil zu sein, so dass bei einer Wiederbefeuchtung nach Trockenphasen noch Wirkung zu erwarten ist.

Ist neben Klettenlabkraut auch stärkerer Windenknöterichbesatz zu bekämpfen, hat auch die Kombination aus Centium 36 CS 0,2 l/ha + z.B. Mitral 0,4 – 0,5 kg/ha eine starke Wirkung, allerdings mit deutlicher Schwäche gegen Kamille und Nachtschatten. Eine sichere Bekämpfung des Nachtschattens ist mit den vorhandenen Herbiziden kaum möglich. Teilwirkungen sind von Prosulfocarbhaltigen Mischungen, von Artist und Novitron DamTec zu erwarten. Ist bereits erster Nachtschatten aufgelaufen, lassen sich die Wirkungsgrade durch den Zusatz von 0,3 – 0,4 l/ha Quickdown + 0,75 – 1,0 l/ha Toil deutlich verbessern.

Ergibt sich eine Bekämpfungssituation in der Metribuzin-freie Lösungen gefordert sind, bedingt durch Sortenunverträglichkeit oder Standorte mit eingeschränkter Metribuzinwirkung, sollte Bandur in die Bekämpfungsstrategie eingegliedert werden. Eine breite Verunkrautung aus Gänsefußarten und Klette sowie Kamille und Vogelmiere kann mit der Mischung aus Bandur 2,5 l/ha + Boxer 2,0 – 2,5 l/ha erfasst werden. In den letzten Jahren war in Kartoffelbeständen häufiger stärkeres Auftreten von Windenknöterich zu beobachten. Muss hiermit gerechnet werden, kann die Wirkung der Basisherbizide wie Bandur 3,0 l/ha oder Boxer 3,0 – 3,5 l/ha durch den Zusatz von z.B. Centium 36 SC 0,2 l/ha gegen dieses Unkraut verbessert werden. Gerade unter trockenen Bedingungen hat sich in diesen Fällen die Mischung aus Bandur 3,0 l/ha + Centium 36 CS 0,2 l/ha bewährt. Eine höhere Blattaktivität der angesprochenen Vorauflaufkombination wird auch durch den Zusatz von 0,3 – 0,4 l/ha Quickdown + 0,75 – 1,0 l/ha Toil deutlich verbessern.

Liegt eine Bekämpfungssituation vor, in der bereits Unkräuter stärker aufgelaufen sind bzw. sich im Laubblattstadium befinden, kann bis kurz vor dem Durchstoßen der Kartoffeln eine Kombination aus  Boxer + Metribuzin + Quickdown 0,4 l/ha + Toil 1,0 l/ha zum Einsatz gelangen. Diese Situation ergibt sich häufig nach frühem Anhäufeln mit nachfolgend lange anhaltenden Trockenperioden. Diese Maßnahme ist auch auf Standorten mit hohen Humusgehalten empfehlenswert. Schäden an vereinzelt aufgelaufenen Kartoffeln wachsen sich im Allgemeinen wieder heraus, trotzdem sollten blattaktive Mischungen nicht im Vermehrungssegment erfolgen.

Besonders auf den schweren Böden kann auch der Ackerfuchsschwanz zu einem Problem werden. Da der Ackerfuchsschwanz im Wesentlichen ein Herbstkeimer ist, ist der Besatz in Kartoffeln häufig eher gering. Ist eine Bekämpfung erforderlich bzw. zu erwarten, kann dies im Vorauflauf mit 2,5 kg/ha Artist bis kurz vor dem Durchstoßen erfolgen. Gegen bereits aufgelaufenen Ackerfuchsschwanz kann auch im Nachauflauf mit 2,5 l/ha Focus Ultra + 2,5 l/ha Dash oder 0,75 l/ha Select 240 EC + 1,0 l/ha Radiamix gearbeitet werden.

Quecken und Hirsen niederhalten

Insbesondere in Fruchtfolgen mit Mais ist mit einem verstärkten Hirseauflauf zu rechnen. Durch den verzettelten Auflauf kommen die Hirsearten häufig relativ spät, so dass ihre Bekämpfung mit eingeplant werden muss. Metribuzin hat zwar eine beachtliche Wirkung auf Hirse, diese reicht mit den applizierten Teilmengen oder auf sorptionsstarken, humusreichen Böden nicht aus, so dass auf vielen Ackerflächen eine gezielte Nachbehandlung gegen dieses Ungras erfolgen muss. Um eine gute Wirkung gegen Hirse zu erzielen, reichen im Allgemeinen 50 – 75 % der zugelassenen Aufwandmenge der FOP’s oder DIM’s aus. Dabei unterstützt der Zusatz von Additiven die Wirksamkeit. Eine gute Benetzung wird ebenso durch eine Wasseraufwandmenge von 250 l/ha mit entsprechender Düsenausstattung erzielt. Eine höhere Wirkstoffaufwandmenge ist dann zu wählen, wenn Queckenbesatz vorhanden ist. Bei starker Verqueckung hat sich auch eine Splittinganwendung mit jeweils Rimsulfuron 25 g/ha + FHS im Abstand von 8 Tagen bewährt. Vorrangig sollten Quecken durch den kostengünstigen Einsatz von Glyphosat-haltigen Produkten nach der Ernte der Vorfrucht kontrolliert werden. Der Vorteil der Rimsulfuron-haltigen Präparate zu den FOP’s und DIM’s in der Gräserbekämpfung liegt auch in der zusätzlichen Wirkung gegen einige Unkräuter wie z.B. Klettenlabkraut.

Fazit: Die Palette der im Kartoffelanbau zur Verfügung stehenden Herbizide ist groß. Die Metribuzinverträglichkeit der angebauten Sorte steht bei der Auswahl der Herbizidstrategie im Vordergrund. Die Kenntnis der zu erwartenden Verunkrautung ist eine Voraussetzung gezielt die optimale Herbizidlösung zu finden. Die jeweiligen Bodenverhältnisse, insbesondere die erwartete Bodenfeuchte, sollte bei der Herbizidauswahl berücksichtigt werden.


Kontakt:
Lüder Cordes
Berater Pflanzenbau und Pflanzenschutz
Telefon: 05021 9740-132
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Stand: 03.04.2020