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Wuchsregulierung im Raps: Bleiben Sie standhaft!

Im letzten Jahr spielte die Wuchsregulierung keine Rolle, die Bestände blieben kurz und gesund. Der frühe Vegetationsbeginn in diesem Jahr kann zu kritischen Situationen führen. Schätzen Sie Ihre Bestände richtig ein, beugen Sie Lager vor und reagieren Sie mit der richtigen Strategie!

 

Die Ausgangssituation - Die Rapsbestände präsentieren sich in diesem Jahr extrem unterschiedlich. Konnte trotz der trockenen Aussaatbedingungen ein gleichmäßiger und früher Auflauf erzielt werden, haben sich durch die milde Witterung im weiteren Jahresverlauf in der Regel gute bis sehr gute Bestände etabliert. Durch den sehr frühen Vegetationsbeginn in diesem Jahr, ist in solchen Situationen ggf. mit einer stärkeren Lagerneigung zu rechnen. Beobachtungen auf vielen Praxisschlägen zeigen auch einen überdurchschnittlichen Auflauf von Durchwuchsraps. Derart dichte Bestände mit teilweise über 100 Pflanzen/m² sind potentiell auch stärker lagergefährdet.  Leider gibt es vielfach aber auch Schläge oder Teilflächen mit sehr schlecht entwickelten Pflanzen. Oft sind die Saatkörner nach der Bestellung angekeimt und dann vertrocknet. Diese Bestände sind jetzt mitunter extrem ausgedünnt. Hin- und wieder mussten sogar Umbruchentscheidungen getroffen werden. In anderen Fällen lagen die Körner lange ungekeimt im Boden und entwickelten sich erst mit Einsetzen der ersten ergiebigen Herbstniederschläge. Hier stehen jetzt gleichmäßig verteilt genug Einzelpflanzen, diese sind aber oftmals schlecht entwickelt. Die Versuchsergebnisse der letzten Jahre zeigen immer wieder, dass der von wachstumsregulierenden Präparaten der Situation angepasst werden muss! Einerseits soll Lager unbedingt vermieden werden. Andererseits kann man sich schnell Ertrag „wegspritzen“, wenn gestresste Bestände zu stark eingekürzt werden!

Fungizidwirkung - Neben der rein wuchsregulierenden Wirkung, wird immer wieder auch die fungizide Leistung der Produkte diskutiert. Hier vor allem die Wirkung auf Wurzelhals- und Stängelfäule (Phoma/Leptosphaeria maculans). Die Fungizidleistung der im Schossen eingesetzten Pflanzenschutzmittel im Frühjahr tritt allerdings in den Hintergrund. Viel größeren Einfluss auf die Pilzentwicklung am Wurzelhals hat der Infektionstermin im Herbst und die weitere Witterungsentwicklung. Der nasse Herbst im Jahr 2017 führte durchaus zu relativ frühen Herbstinfektionen. Diese konnten sich aber im Dürre-Frühjahr 2018 nicht wesentlich weiterentwickeln, so dass Phoma in 2018 kaum eine Rolle in der Praxis spielte. Größeren Einfluss auf die Stängelgesundheit, als der Fungizideinsatz, hat hier ohnehin die Genetik der Sorten. Im Herbst 2018 wurden kaum frühe Infektionen gesetzt, so dass die Ausgangssituation für das kommende Frühjahr zunächst positiv zu bewerten ist.

Einsatztermin - Für eine Absicherung gegen Lager hat sich über die Jahre eine gezielte Behandlung zum Schossen mit entsprechenden Präparaten bewährt. Der Raps sollte deutlich erkennbar in die Schossphase übergehen. Die viel zitierte „Gummistiefellänge“ ist allerdings nicht das Maß der Dinge. Entscheidender als die absolute Länge der Pflanzen, ist das Wachstum der Pflanzen, das im Anschluss der Behandlung folgt. Hier sollte möglichst in eine Schönwetterphase mit starken Wachstum appliziert werden. Vor dem Hintergrund der äußeren Bedingungen sind auch die angegebenen Aufwandmengen zu verstehen. Kaltes Wetter mit geringem Wachstum bedingt in der Regel höhere Aufwandmengen! Ein gezielter Applikationstermin mit angepasster Aufwandmenge ist in der Regel besser, als ein ungezieltes Splitting mit reduzierten Mengen!

Mittelwahl - Für die Auswahl der Produkte ist die Einschätzung des evtl. Lagerrisikos wichtig. Hier spielt der Standort und damit auch die Wasserversorgung bzw. die Nährstoffversorgung eine große Rolle, ebenso die Bestandsdichte und die bisherige Entwicklung der Pflanzen. Letztlich sind natürlich auch die Länge und die Lageranfälligkeit der angebauten Sorte maßgeblich. Einen Überblick gibt die Empfehlungsdarstellung. Dünne Bestände kommen oftmals auch komplett ohne Wuchsregulierung aus. In normal entwickelten, aber als standfest eingeschätzten Sorten hat sich eine Anwendung mit einem tebuconazol-haltigen Produkt bewährt. Die Produkte sind preiswert und die Einkürzung ist nicht so aggressiv, dass Ertragseinbußen befürchtet werden müssen. Die meisten Versuchsergebnisse in diesem Bereich sind in der Vergangenheit mit dem Markenprodukt Folicur erzielt worden. Beim Handel wird allerdings überwiegend auf Generika bzw. Parallelimporte zurückgegriffen. Dagegen ist im Prinzip nichts einzuwenden und die Wirkung kann evtl. sogar besser sein als beim Original! Allerdings können nicht sämtliche am Markt befindlichen Produkte in aktuellen Versuchen geprüft werden. Gute Ergebnisse werden in der Regel erzielt, wenn es sich um 250er EW-Formulierungen handelt. Oftmals basieren diese Produkte auf Zulassungserweiterungen des Originals. Hier ist darauf zu achten, dass das Folicur, und entsprechend auch viele Parallelimporte, im Frühjahr nur bis auf 5 m am Gewässer eingesetzt werden darf! Eine Ausnahme stellt das in Versuchen ebenfalls geprüfte Helocur dar. Helocur kann in gleicher Aufwandmenge mit dem länderspezifischen Mindestabstand von 1 m eingesetzt werden und erzielte in Versuchsergebnissen sehr gute Wirkungen. Aufwandmengen von 0,5-1,0 l/ha haben sich je nach Situation bewährt. Die stärkste Einkürzungswirkung der Produkte hat Carax. Allerdings werden vor allem höhere Aufwandmengen in kritischen Situationen nicht immer gut vertragen und Ertragsdepressionen können die Folge sein. Carax sollte deshalb vor allem in dichten Beständen und lagergefährdeten Sorten eingesetzt werden. In der Regel reichen Aufwandmengen von maximal 0,6 l/ha aus. In Extremsituationen können auch mal 0,9 l/ha eingesetzt werden. Die volle zugelassene Aufwandmenge von 1,4 l/ha sollte aber in keinem Fall ausgeschöpft werden. Einen sehr guten Kompromiss aus Einkürzung und Verträglichkeit stellt Toprex dar. Mit Aufwandmengen von 0,35-0,5 l/ha erzielt man ebenfalls sehr gute Einkürzungseffekte! Toprex wurde in der Vergangenheit eher selten in der Praxis eingesetzt, was mit der sehr selbstbewussten Preisgestaltung des Herstellers zusammenhing. Mittlerweile ist das Produkt im Preis auf das praxisübliche Niveau abgesenkt worden, so dass einem Einsatz auch aus wirtschaftlicher Hinsicht nichts entgegenspricht. Die Wirtschaftlichkeit dieser – wie auch jeder anderen- Pflanzenschutzmaßnahme ist immer wieder auf´s neue zu hinterfragen! Während der Einsatz in den 90er Jahren bis Anfang der Jahrtausendwende obligatorisch und hoch wirtschaftlich war, stellt sich die Situation aktuell anders dar. Größere Ertragsvorteile erzielen Sie vor allem, wenn Lager verhindert wird. Tritt Lager nicht auf, sind die Ertragsvorteile oftmals gering, so dass hier oft von einer „Versicherungsmaßnahme“ gesprochen wird. Dies hängt sicherlich auch mit dem eingesetzten Sortenmaterial zusammen. Außerdem hat sich die Bestandsarchitektur auch aufgrund der fast ausnahmslos eingesetzten Hybridsorten verändert. Vielfach werden heute nur noch die Hälfte der Körner gedrillt, wie früher. Umso wichtiger ist es, Ertragsverluste, durch übertriebenen Einsatz zu vermeiden.

Tankmischungen - Der Wachstumsreglertermin wird vielfach auch genutzt, um gleichzeitig Insektizide oder Spurennährstoffe auszubringen. Grundsätzlich sind Mischungen möglich. Aufgrund der pH-Wert-Verschiebung, sollten die Spurennährstoffe -und hier vor allem Bor- als letzte Komponente in den Tank gefüllt werden. Bei Mehrfachmischungen sind ggf. vorher Mischversuche in kleinen Mengen durchzuführen.

Bienengefährlichkeit beachten - Die eingesetzten Produkte sind im Soloeinsatz als bienenungefährlich (B4) eingestuft. In Kombination mit Insektiziden verändern sich die Bienenauflagen. Hier sind die Auflagen der Insektizide zu berücksichtigen, wenn sich bereits frühblühende Rapspflanzen oder auch blühende Unkräuter im Bestand befinden! Die wichtigste Änderung betrifft das Biscaya. Tankmischungen mit Biscaya und den empfohlenen Produkten werden neuerdings als bienengefährlich (B1) eingestuft und unterliegen damit einem Anwendungsverbot auf blühenden Pflanzen! Aber auch Kombinationen mit anderen Insektiziden werden mindestens als B2-Mischungen gewertet. Es gibt zur Zeit keine wirksamen wuchsregulierenden Fungizide mehr, die in Mischung mit Insektiziden bienenungefährlich bleiben! Beachten Sie auch die Gewässerabstandsauflagen der Insektizide. Es gibt kein Pyrethroid am Markt, das mit weniger als 5 m am Gewässer ausgebracht werden darf.

Fazit

  • Der frühe Vegetationsbeginn könnte in diesem Jahr zu längeren Beständen führen.
  • Beurteilen Sie das Lagerrisiko Ihrer Schläge individuell! Die Ausgangsituation ist in diesem Jahr sehr unterschiedlich.
  • Gestresste Bestände nicht zu stark einkürzen! Gegebenenfalls auf die Maßnahme verzichten.
  • Behandeln Sie nach Möglichkeit in eine Schönwetterperiode!
  • Eine gezielte Maßnahme führt in der Regel zu den besten Ergebnissen.
  • Tankmischungen mit Insektiziden oder Blattdüngern sind möglich, aber beachten Sie ggf. die Bienen- und Gewässerauflagen der Insektizide!

 


Kontakt:
Frank Reese
Berater Pflanzenbau und Pflanzenschutz
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Stand: 21.03.2019