Webcode: 01033754

Erstes Projektjahr des Demonstrationsvorhabens: "Einnetzen von Obstkulturen zum Schutz gegen die Kirschessigfliege (Drosophila suzukii)"

Die Kirschessigfliege (KEF) hat sich deutschlandweit ausgebreitet und ist inzwischen auch in Niedersachsen etabliert. Ihre Fähigkeit intakte Früchte zu befallen sowie sich durch kurze Generationszyklen und hohe Reproduktionsraten massiv zu vermehren, verursacht im Kirsch- und Beerenobstanbau zum Teil erhebliche Schäden. Die Anbauer stehen somit bei der Regulierung des Schaderregers vor einer besonderen Herausforderung. In der Bekämpfungsstrategie spielen neben chemischen Pflanzenschutzmaßnahmen vorallem auch nichtchemische Maßnahmen eine wichtige Rolle. Das Einnetzen von Obstkulturen mit engmaschigen Netzen stellt eine praktikable, technische Schutzmaßnahme dar, die jedoch mit einem finanziellen und arbeitstechnischen Mehraufwand verbunden ist.


Seit Anfang 2017 läuft begleitend zu diesem Thema das Demonstrationsvorhaben: "Einnetzen von Obstkulturen zur Bekämpfung der Kirschessigfliege" in Niedersachsen. Das Projekt ist Teil eines bundesweiten Vorhabens, das im Auftrag des Bundesministeriums für Ernährung und Landwirtschaft (BMEL) von der Bundesanstalt für Ernährung (BLE) gefördert wird.

Das Ziel des Gesamtprojektes ist die Bewertung des Einnetzungsverfahrens in enger Kooperation mit Praxisbetrieben und die Kommunikation der Ergebnisse in die Praxis. Die Bewertung erfolgt hinsichtlich des Auftretens der KEF und weiterer ausgewählter Schaderreger und Nützlinge. Zudem werden abiotische Faktoren wie Temperatur und relative Luftfeuchtigkeit erfasst und betriebswirtschaftliche Daten erhoben und ausgewertet. Die Bearbeitung des beim Pflanzenschutzamt der Landwirtschaftskammer Niedersachsen angesiedelten Teilprojektes erfolgt durch Julian Lindstaedt und Jan-Henrik Wiebusch in enger Zusammenarbeit mit sechs Praxisbetrieben im Alten Land, der Obstbauversuchsanstalt Jork (OVA) und dem Obstversuchsring des Alten Landes e.V. (OVR).

Bundesweit sind neben der LWK Niedersachsen auch das LTZ Augustenberg in Baden-Württemberg und die LWK Nordrhein-Westfalen an dem Projekt beteiligt. Die bundesweite Koordination erfolgt durch das Institut für Obstbau des Julius Kühn-Instituts (JKI) in Dossenheim.

Nach dem ersten Projektjahr
Die erste Pflanzenschutzsaison bestätigte die positiven Erfahrungen zur Schutzfunktion einer engmaschig eingenetzten Dachanlage. Trotz des gebietsweit niedrigen Befallsdruckes wurden in diesen Anlagen weniger Eiablagen festgestellt und weniger KEF gefangen als in den Vergleichsanlagen.

Das Risiko des Eindringens von KEF besteht hauptsächlich während der Öffnung der Einnetzung für Ernte- bzw. Pflanzenschutzmaßnahmen. Aber auch Defekte im Netz wie z.B. durch verschobene Maschen, Scheuerstellen an Pfählen bzw. Seilklemmen und Brandlöcher durch heiße Auspuffrohre ermöglichen den Eintritt des Schaderregers und müssen konsequent repariert werden. Darüber hinaus ist vor allem der Bodenabschluss des Netzes problematisch. Bedingt durch die im Jahresverlauf wachsende Vegetation im Auflagebereich des Netzes entstehen Eintrittspforten für die KEF. Ein langer Überstand des Netzes am Boden hat sich als gute Lösung für dieses Problem herausgestellt.

Die Temperatur und die relative Luftfeuchte (2m über Bodenniveau) zeigten keine messbaren Unterschiede zwischen eng- und weitmaschig eingenetzten Dachanlagen. Wie erwartet, zeigte der Vergleich zwischen eingenetzten Dachanlagen und eingenetzten Freilandanlagen aber, dass der Temperaturanstieg ausschließlich durch die Überdachung und nicht durch die Einnetzung verursacht wird.

Die Schutzfunktion der Netze bei niedrigem Befallsdruck kann nach der ersten Saison bestätigt werden. Ob dies auch in einem Jahr mit hohem Befallsdruck gegeben ist, muss sich jedoch in den folgenden Projektjahren noch bestätigen.

 

Am 25.07.2018 findet ein Hofseminar zum Einnetzten von Kirschanlagen in Jork statt. Mit diesem Link erhalten Sie Informationen zu der Veranstaltung und können sich auch gleichzeitig zum Seminar anmelden.

 

Weitere Informationen zu dem Projekt erhalten Sie mit diesem Link (öffnet eine neues Fenster).


Kontakt:
Julian Lindstaedt
Betreuer Demonstrationsbetriebe
Telefon: 04162 6016-183
Telefax: 04162 6016-600
E-Mail:
Jan-Henrik Wiebusch
Projektbetreuer
Telefon: 04162 6016-118
Telefax: 04162 6016-600
E-Mail:


Stand: 31.05.2018