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Herbizidstrategien in Möhren: Auf Vorauflaufbehandlung nicht verzichten

Früher konnte man bei Möhren ohne Probleme bis nach dem Auflauf warten und hat dann mit einer Herbizidmaßnahme die aufgelaufenen Unkräuter noch gut erfasst. Das ist mit den heute zur Verfügung stehenden Mitteln nicht mehr möglich.

Auch wenn es verlockend ist und der Unkrautdruck auf der Fläche gering erscheint, kann man bei Möhren nicht auf eine Vorauflaufbehandlung verzichten. Möhren brauchen recht lange für die Keimung und haben eine langsame Anfangsentwicklung. Bis sie für eine Nachauflaufbehandlung groß genug sind haben die Unkräuter so viel Vorsprung, dass sie mit den zur Verfügung stehenden Herbiziden nicht mehr ausreichend erfasst werden.

Zur Verfügung stehende Herbizide

In Tabelle 1 finden Sie die aktuell in Möhren zugelassenen Herbizide. Gegenüber den Vor­jahren gibt es nur geringfügige Veränderungen. Neu ist in dieser Saison, dass Betasana SC jetzt eine Zulassung für den Einsatz im Nachauflauf hat. Es ist in diesem Jahr keine einzel­betriebliche Genehmigung für das Mittel mehr notwendig. Für Bandur gibt es eine weitere Erweiterung der Zulassung mit einer Splittinganwendung 1 l/ha Vorauflauf + 2 x 0,75 l/ha im Nachauflauf.

Mit den 6 auch schon im letzten Jahr zugelassenen Gräsermitteln (teilweise mit erhöhten Aufwandmengen zur Queckenbekämpfung) ist die Situation bei den einkeimblättrigen Unkräutern entspannt. Alle Mittel zeigen zwar eine unzureichende Wirkung gegen einjährige Rispe, diese wird aber durch den rechtzeitigen Einsatz von Bandur und Sencor Liquid in der Strategie mit erfasst.

Für „Notfälle“ in der etablierten Kultur gibt es mit Roundup PowerFlex die Möglichkeit eine Zwischenreihenbehandlung mit Abschirmung durchzuführen. Mit Roundup Rekord können Einzelpflanzen gezielt im Streichverfahren behandelt werden. Die Möglichkeit von Schäden an der Kultur muss dabei beachtet werden und die Verwendung der entsprechenden Technik ist zwingend notwendig.

Vor- und Nachauflaufbehandlungen

Für die Behandlung gegen zweikeimblättrige Unkräuter vor dem Auflauf der Möhren stehen Bandur, Stomp Aqua und Centium 36 CS zur Verfügung. Standard sind Tankmischungen Bandur + Centium oder Bandur + Centium + Stomp. Entscheidend für die Wirkung ist eine ausreichende Bodenfeuchtigkeit.

Im Nachauflauf der Möhren können Bandur, Stomp Aqua, Sencor Liquid und Betasana SC zum Einsatz kommen. Die Strategie muss an die auftretenden Unkräuter angepasst werden. Standard sind ein bis zwei Behandlungen mit Bandur + Sencor Liquid. Beide Mittel haben aber keine ausreichende Wirkung gegen Schwarzen Nachtschatten. Der Schwarze Nachtschatten ist auf vielen Flächen in Niedersachsen in den letzten Jahren zu einem Problem geworden. Wenn er auftritt, müssen Stomp Aqua oder Betasana SC in die Strategie mit eingebaut werden. Ein großes Problem ist, dass auch diese Mittel den Schwarzen Nachtschatten nur im sehr jungen Stadium (Keimblatt bis maximal 2 Blätter) erfassen. Größere Pflanzen sind so robust, dass sie durchwachsen. Ganz wichtig ist daher eine regelmäßige Bestandeskontrolle (ein- bis zweimal wöchentlich) ab Anfang Mai, in warmen Jahren auch schon ab Ende April, auf auflaufenden Nachtschatten. Bei Stomp Aqua wird dabei die beste Wirkung bei möglichst zeitnaher Ausbringung zum Auflauf des Nachtschattens erzielt – je nach Saatzeitpunkt dann entweder vor dem Auflauf oder nach dem Auflauf der Möhren.

Versuchsergebnisse

Bereits seit mehreren Jahren ist die Bekämpfung des Schwarzen Nachtschattens in Möhren einer der Schwerpunkte der Versuchstätigkeit des Pflanzenschutzamtes der Landwirtschaftskammer Niedersachsen. Neben den derzeit zugelassenen Mitteln Stomp Aqua und Betasana SC wird auch seit längerem das derzeit in der Kultur noch nicht zugelassene Mittel Oblix 500 (Wirkstoff Ethofumesat) bearbeitet. Es hat sich in bisherigen Versuchen als gut wirksam gegen Nachtschatten und in Möhren als gut verträglich erwiesen.

Abb. 1: Möhren und Schwarzer Nachtschatten keimen manchmal gleichzeitig

In der Praxis treffen in manchen Jahren auflaufende Möhren und auflaufender Schwarzer Nachtschatten zeitlich zusammen (Abb. 1). Bisherige Empfehlungen gehen davon aus, dass die Herbizide in Möhren im Nachauflauf erst ab dem 1-Blatt-Stadium eingesetzt werden sollten. Teilweise ist bis dahin dann aber der Nachtschatten für eine wirksame Bekämpfung schon zu groß. Es fehlen Strategien, die auf Problemstandorten die Entwicklung des Nachtschattens bis zu einer ausreichenden Größe der Möhren verhindern oder zumindest das Wachstum verzögern. Im Jahr 2019 sollte daher in einem Versuch geprüft werden, wie Möhren auf einen Herbizideinsatz in der Keimung reagieren. Eingesetzt wurden Stomp Aqua und Oblix 500 + Hasten (Zusatzstoff) mit verringerten Aufwandmengen in die Keimung der Möhren hinein. Als Vergleich dienten die Standardstrategien mit und ohne Stomp Aqua im Nachauflauf. Außerdem sollte in einer Variante mit Stomp Aqua und Oblix 500 im Nachauflauf die Bekämpfung spät auflaufender Wellen von Nachtschatten geprüft werden.

Bis weit in den Mai hinein waren im Frühjahr 2019 die Nächte sehr kalt, teilweise mit Bodenfrösten. Die Möhren liefen dadurch langsam und verzettelt auf. Die Bodenfeuchtigkeit war noch ausreichend, so dass die Vorauflaufbehandlungen eine gute Wirkung zeigten. Die Behandlung mit Stomp Aqua und Oblix 500 am 18.04. in den Auflauf der Möhren hinein (BBCH 09-10) wurde von den Möhren sehr gut vertragen. Es konnten gegenüber den anderen Varianten und der Kontrolle keine Pflanzenschäden festgestellt werden.

Durch den langsamen Auflauf der Möhren fand die erste „normale“ Nachauflaufbehandlung erst am 23.05., rund 7 Wochen nach der Aussaat, statt. Schwarzer Nachtschatten trat auf der Versuchsfläche nur in geringem Umfang und aufgrund der Kälte auch recht spät auf. Zu Versuchsende waren auch in der Kontrolle nur wenige kleine Einzelpflanzen vorhanden, die zudem vom Weißen Gänsefuß, Hühnerhirse, Vogel- und Windenknöterich unterdrückt wurden. Die Wirksamkeit der Strategien gegen den Nachtschatten kann daher nur eingeschränkt beurteilt werden.

Alle Strategien zeigten eine gute Wirkung gegen Weißen Gänsefuß und Vogelknöterich. Windenknöterich wurde in den Strategien mit Oblix 500 besser erfasst als in den anderen Varianten. Oblix 500 zeigte auch eine deutliche Wirkung auf Gemeine Hühnerhirse.

Im Jahr 2020 soll an der Frage der Verträglichkeit von Herbizidmaßnahmen im sehr frühen Stadium der Möhren und an Möglichkeiten zur Bekämpfung spät auflaufender Unkräuter – speziell Nachtschatten – weiter gearbeitet werden.

Fazit

  • Bei Möhren unbedingt Vorauflaufbehandlungen einplanen.
  • Rechtzeitige und regelmäßige Bestandeskontrollen auf Schwarzen Nachtschatten durchführen.
  • Bei Auftreten von Nachtschatten Herbizidstrategie anpassen: Stomp Aqua und Betasana SC frühzeitig einbauen.
  • Oblix 500 ist gut wirksam und verträglich, derzeit aber nicht zugelassen. Eine Zulassungserweiterung wird bearbeitet.
  • Nachtschattenbekämpfung ist nur im frühen Stadium bis maximal 2 Blättern möglich.

Weitere Versuche zur Verträglichkeit von Herbiziden in keimenden Möhren werden durchgeführt.


Kontakt:
Ulrike Weier
Pflanzenschutz im Gemüse- und Obstbau
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Telefax: 0511 4005-3112
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Stand: 02.04.2020