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Jakobs-Greiskraut

Jakobs-Greiskraut - Erkennen und Bekämpfen

Das Jakobs-Greiskraut (umgangssprachlich Jakobskreuzkraut) enthält in allen Teilen der Pflanze Pyrrolizidin-Alkaloide, die für Säugetiere toxisch sind.

Das Jakobskreuzkraut (JKK) ist - wie über 20 weitere Kreuzkrautarten -  in Deutschland heimisch. Allerdings hat die Verbreitung dieser, unter den Kreuzkrautarten insbesondere für Pferde giftigsten Spezies, innerhalb der letzten Jahre regional stark zugenommen.

Insbesondere an Weg- und Waldrändern, Ödland, Kies- und Geröllflächen, Autobahnstreifen, Straßen und Bahnböschungen sowie auf extensiv genutztem Grünland und wenig gepflegten, stark beanspruchten Standweiden findet das JKK ideale Wachstums- und Vermehrungsbedingungen. Als konkurrenzschwacher Lichtkeimer besiedelt diese Art bevorzugt lückige Bestände, wobei sonnige und trockene Standorte sowie Sand- und Tonböden mit mäßigem Stickstoffgehalt favorisiert werden. Eine Nachmahd nach der Beweidung wird auf Pferdeweiden vielfach nicht mehr durchgeführt, wodurch die nicht gefressenen Unkräuter auf der Weide stehen bleiben. Auch führt eine hohe Beweidungsdichte zu einem Kahlfraß der Weiden, auf denen sich das JKK ohne Konkurrenz der gewünschten Gräser etablieren kann. Gegenüber den schnell wachsenden Kulturarten in einem üppigen, dichten Grünlandbestand auf einer Schnittwiese besitzt diese Art eine geringe Konkurrenzkraft. Gerade der Trend zu extensiver Bewirtschaftung mit später Mahd hat die Ausbreitung des spätblühenden JKK in den letzten Jahren begünstigt. Da der Früherkennung eine besondere Bedeutung zukommt, sollte man sich das Aussehen des Jakobskreuzkrautes verinnerlichen. Nicht selten kommt das Jakobskreuzkraut in Vergesellschaftung vor und es bestehen Verwechslungsmöglichkeiten mit anderen Kreuzkräutern oder Wiesenunkräutern (z.B. Wiesenpippau, Ferkelkraut, Rainfarn). JKK ist eine zwei- bis mehrjährige Pflanze. Bereits im Frühjahr bildet sie am Boden Rosetten und ist damit für das geübte Auge schon in diesem Stadium zu erkennen.

Die Pflanze erreicht eine Höhe von 30 – 100 cm und hat ihre Blütezeit von Juni bis September. Rosettenblätter sind am Stängelansatz gefiedert, während die Stängelblätter durchgehend stark gefiedert sind. Die Stängelblätter sind unterseits spinnwebig wollig bis kahl, der Stängel ist kantig und gerillt. Zur Blütezeit sind die Grundblätter meist verwelkt.

Die goldgelben Blüten sind als Zungen- und Röhrenblüten in 15 - 20 mm breiten Körbchen angeordnet und von 13 Blütenblättern umgeben, ähnlich der Struktur einer Mageritenblüte. Die Enden der Blütenhüllblätter weisen häufig dunkle Spitzen auf. Nach der Blütezeit bildet die Pflanze, ähnlich dem Löwenzahn, flugfähige Samen, die durch den Wind verbreitet werden. Neben der Blattform ist die Wurzel auch ein wichtiges Unterscheidungskriterium. Das Wurzelsystem des JKK ist von der Pfahlwurzel ausgehend büschelartig verzweigt.

Als verwandte und ebenfalls giftige Arten sind z.B. das Frühlingskreuzkraut, Alpenkreuzkraut, Raukenblättriges Kreuzkraut, Wasserkreuzkraut und das Gemeine Kreuzkraut, welches auch in vielen Hausgärten zu finden ist, zu nennen.

Grundsätzlich ist eine Ausrottung dieser heimischen Pflanzenart weder möglich noch aus ökologischer Sicht sinnvoll. Dort, wo Jakobskreuzkrautbestände weit ab von Weideflächen blühen, müssen diese nicht unbedingt beseitigt werden.

Eine vorbeugende Maßnahme auf den Weideflächen ist, die Grasnarbe geschlossen zu halten, Trittschäden und andere mechanischen Belastungen zu vermeiden und – was besonders wichtig ist – die Flächen nicht zu überweiden. Geilstellen müssen regelmäßig ausgemäht und Lücken nachgesät werden. Das geschieht am Besten Ende August bis Anfang September, wenn es warm und hinreichend feucht ist. Zu diesem Zeitpunkt ist der Altgrasbestand nicht so konkurrenzfähig. Eine nachfolgende, angepasste Düngung fördert die Gräser als Konkurrenzpflanzen. Ein Aussamen des Jakobskreuzkrautes muss unbedingt verhindert werden. Das gilt für die betroffene Wiese oder Weide und auch für angrenzende Flächen. Bei Neuansaat oder Nachsaat darf kein kontaminiertes Saatgut ausgebracht werden.

Bei geringem Aufkommen von Jakobskreuzkraut auf Wiesen oder Weiden empfiehlt es sich, zeitig im Frühjahr mit dem Ausstechen der Einzelpflanzen zu beginnen. Bei höheren Pflanzendichten ist es sinnvoll, die Pflanzen vor Blühbeginn zu mähen oder die Fläche zu diesem Zeitpunkt zu mulchen. Da der Schnitt von den Tieren keinesfalls gefressen werden darf, muss er abgefahren oder vernichtet werden. Die gemähten Pflanzen werden mit großer Wahrscheinlichkeit im gleichen Jahr wiederaustreiben, so dass eine zweite Mahd eingeplant werden muss. Es ist allerdings Vorsicht geboten, da das Jakobskreuzkraut bei regelmäßiger Mahd/ Mulchen stärker vegetativ austreibt, was auch dazu führen kann, dass die jungen Rosetten eher gefressen werden.

Wer Herbizide einsetzen will, muss sachkundig sein, oder ggf. eine Sachkundeprüfung über den Umgang mit Pflanzenschutzmitteln ablegen. Darüber hinaus darf nur ein für diesen Anwendungsbereich zugelassenes Pflanzenschutzmittel eingesetzt und mit geprüften Pflanzenschutzgeräten ausgebracht werden. Die Pflanzenschutzmaßnahme muss dokumentiert werden, bei der Anwendung sind alle Anwendungsbestimmungen des ausgebrachten Pflanzenschutzmittels zu beachten, die der jeweiligen Gebrauchsanleitung zu entnehmen sind. Für eine ausreichende Wirkung der Pflanzenschutzmittel müssen die Pflanzen ausreichend Blattmasse gebildet haben und dürfen nicht verholzt sein. Der optimale Zeitpunkt für den Herbizideinsatz ist daher nach dem Wiederaustrieb der Pflanzen.

Die Entfernung des Jakobskreuzkrautes sollte vorrangig noch vor der Samenreife und möglichst mit Wurzel erfolgen, sonst wäre ein Wiederaustrieb aus den Wurzelresten möglich.

Die Entsorgung herausgerissener oder abgemähter Pflanzen muss dabei zum Ziel haben, möglichst ein erneutes Auskeimen und Wachsen zu verhindern. Als geeignete Maßnahmen für blühende Pflanzen bieten sich vorrangig an:

  1. Verbrennen in einer Müllverbrennungsanlage
  2. Entsorgung über den Restmüll (Vergärung oder Müllverbrennung)
  3. Entsorgung als Bioabfall, sofern ein Verfahren angewandt wird, das eine vollständige Abtötung der Samen gewährleistet, z.B. Vergärung in Biogasanlagen.
  4. Blattrosetten ohne blühende Triebe können kompostiert werden oder auf der Fläche verbleiben.

Die in manchen Gemeinden favorisierte Entsorgung über die Biotonne ist bei Schadpflanzen grundsätzlich nicht geeignet, da eine vollständige Abtötung aller Samen mit den meisten Kompostierungsverfahren nicht gewährleistet ist.


Kontakt:
Dr. Dirk Wolber
Herbologie
Telefon: 0511 4005-2169
Telefax: 0511 4005-3169
E-Mail:
Goßswinth Warnecke-Busch
Herbologie
Telefon: 0511-4005-2199
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Stand: 07.07.2020