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Mehr Vielfalt bei geringerem Risiko - Ergebnisse der Getreide - GPS - Versuche 2018

Ein relativ schlechtes Getreide-Jahr neigt sich dem Ende zu. Die letzten Monate machen besonders deutlich, dass es auch in Energiepflanzen-Fruchtfolgen nicht ohne gut durchdachte, vielseitige Aufstellung geht.

 

Getreide-GPS zählt neben dem Mais zu den bedeutenden Substraten in der Biogasproduktion, wobei sich auf einigen Standorten durchaus konkurrenzfähige Erträge erzielen lassen. Auch in der Fütterung ist GPS-Getreide z.B. für Milchkühe und Bullen in Kombination mit Grassilage gut geeignet.

Außerdem besteht die Möglichkeit, im Verlauf der Vegetation flexibel zu reagieren und eventuell kalkuliertes Mähdruschgetreide doch zu silieren. Neben den speziellen Silonutzungs- Sorten prüfen wir in unseren Versuchen daher auch Sorten, die potentiell für eine Doppelnutzung geeignet sind.

Im Herbst 2017 wurden die Versuche zu Winterroggen und –triticale an 3 Standorten angelegt. Zum einen an dem langjährig für die Energiepflanzenversuche genutzten Lehmstandort Poppenburg sowie an den beiden Sandstandorten Werlte und Holtorfsloh. Der Marschstandort Otterham, der in der Vergangenheit immer wieder ein sehr hohes Ertragspotential der GPS-Triticale auf schwereren Standorten zeigte, stand in diesem Jahr leider nicht für die GPS-Prüfung zur Verfügung (s. Tab. 1).

Auf den leichteren Standorten und in trockenen Jahren kann der Roggen im Gegensatz zur Triticale sein Ertragspotenzial ausschöpfen, was die diesjährigen Versuchsergebnisse zeigen. Auf besseren Standorten mit ausreichender Wasserverfügbarkeit ist die GPS-Triticale bei hoher Kornertragsleistung in Kombination mit guter Massenbildung meistens ertragsstärker.

 

Entwicklungsbedingungen der Versuche 2017 / 18

Die Aussaat des Getreides konnte an fast allen Standorten wie geplant bis Anfang Oktober realisiert werden. Nach dem viel zu nassen Spätsommer bot sich in der letzten Septemberwoche auf allen Standorten die Möglichkeit der Bestellung. Bedingt durch die stark wassergesättigten Böden gab es sogar auf den Sandstandorten vereinzelt Probleme mit Schneckenfraß.

Der regenreiche Trend des Spätsommers setzte sich im Herbst fort und so fielen von Oktober bis Januar in keinem Monat weniger als 100 mm Niederschlag. Im Dezember und Januar gab es einzelne Nachtfröste und Schneeschauer bei relativ milden Temperaturen.

Im Februar war es im Vergleich zu den Vormonaten dann relativ trocken mit vielen Frosttagen, bei bis zu -15 Grad.

Der März fiel im Vergleich zu den Vorjahren unterdurchschnittlich aus in Bezug auf Niederschlag und Temperatur, und so gab es bis dahin ca. 2 Wochen Rückstand der Vegetation mit nur wenig Auswinterungsschäden.

Da die Temperaturen in Summe im Zeitraum April - Mai wieder überdurchschnittlich waren, kam die Entwicklung der Bestände gut voran. Nachdem es bis Ende April noch ausreichend feucht war, folgten aber dann bis jetzt 4 Monate, die von Wärme und extremer Trockenheit geprägt waren bzw. sind. So wurden bereits im Mai die ersten Getreidebestände „notgehäckselt“. Am Standort Holtorfsloh erfolgte dann Ende Mai eine Beregnungsgabe von 25 mm. Die Vegetation holte sehr sprunghaft auf, so dass es Anfang Juni schon wieder einen Vorsprung gegenüber dem langjährigen Mittel von 7 bis 10 Tagen gab, der sich auch im deutlich früheren Erntezeitpunkt der GPS-Versuche widerspiegelte.

Die Ernte der GPS-Versuche konnte noch termingerecht durchgeführt werden. Lediglich in Poppenburg kam es zu einer leichten Verzögerung des Erntetermins. Im Vergleich zum Vorjahr erfolgte die Beerntung in Werlte 13 Tage früher, in Holtorfsloh 7 und in Poppenburg 6 Tage eher. Von einer differenzierten Beerntung musste in diesem Jahr aufgrund der insgesamt sehr zügigen Abreife abgesehen werden.

 

Versuchsergebnisse 2018

Winterroggen

Im LSV Winterroggen standen insgesamt 5 Sorten, davon 2 in Silonutzung (KWS Progas und KWS Propower) sowie 3 in Körnernutzung zugelassene Sorten (KWS Binntto, SU Performer, SU Nasri) in den Versuchen (s. Tab. 2 und 4).

Obgleich ein Pilzbefall die Methanproduktion nicht stört und man nicht ganz so viel Augenmerk auf die Pflanzengesundheit legen muss wie bei der Körnernutzung, erweisen sich nicht nekrotisierte, möglichst gesunde GPS- Pflanzenbestände als optimal für die Silierung. Am Standort Holtorfsloh traten trotz nur 1-maliger Fungizidmaßnahme keine Krankheiten auf. In Poppenburg reichte die einmalige Fungizidmaßnahme nicht aus, um den Befall mit Blattkrankheiten (Braunrost und Rhynchosporium) zu verhindern und in Werlte kam es trotz 3-maliger Fungizidspritzung noch zu leichtem Braunrostbefall. Die Abstufungen entsprachen hierbei den entsprechenden Einstufungen des Bundessortenamtes zu den jeweiligen Sorten, wobei insbesondere KWS Propower und KWS Binntto positiv als sehr gesunde Sorten auffielen.

Mehrjährige Ergebnisse und Empfehlungen: Winterroggen-GPS

Ertraglich zeigte sich im Mittel aller Standorte die Sorte KWS Progas, mittlerweile schon mehrjährig geprüft, mit 165 dt TM / ha an der Spitze. Diese reine Silonutzungssorte ist daher aufgrund ihrer sehr guten Leistungen Sorte an allen Standorten für den GPS-Anbau zu empfehlen.

Auf ähnlichem Niveau (163 dt TM / ha) konnte sich die jetzt 2-jährig geprüfte Sorte KWS Propower behaupten. Sie bringt im Vergleich zum KWS Progas eine deutliche Verbesserung in Bezug auf die Gesundheit (Braunrost, Rhynchosporium) sowie die Standfestigkeit. Sie wird damit auch uneingeschränkt empfohlen.

Bei den Doppelnutzungs-Sorten liefert der bereits 3-jährig geprüfte SU Performer stabil hohe Erträge bei guter Gesundheit. Der seit 2017 geprüfte KWS Binntto liegt im sehr guten Mittelfeld. Beide Sorten sind daher insbesondere bei gewünschter Flexibilität in Bezug auf die Nutzung zu empfehlen.

Der ebenfalls 2-jährig geprüfte SU Nasri zeigt konstant gute Leistungen, bildet aber in der Ertragshöhe im Mittel der Standorte knapp das Schlusslicht.

 

Wintertriticale

Zusätzlich zum Roggen wurden 2017 auch wieder GPS-Triticaleprüfungen angelegt (s. Tab. 3 und 5). Sowohl in der Praxis als auch in den Versuchen zeigt sich, dass die Triticale insbesondere auf den schwereren Standorten mit ausreichender Wasserverfügbarkeit in der Lage ist, ihre Vorteile auszuspielen.

Im Herbst 2017 war es zu nass, im Frühjahr zu trocken. Andererseits auch bedingt durch die diesjährige Standortauswahl (1 Lehm- und 2 Sandstandorte) bleibt die GPS-Triticale in der niedersächsischen Verrechnung im Mittel über alle Sorten und Standorte mit rund 10 dt / ha weniger TM-Ertrag hinter dem GPS-Roggen.

In der Prüfung standen in diesem Jahr mit Tender PZO, HYTMax und Borowik sowie der in 2018 neu zugelassenen Sorte Trimasso 4 vom BSA in der Silonutzung geprüfte Sorten. Mit Lombardo und Jokari (EU-Sorte) wurden 2 Körnernutzungssorten getestet. Die beiden letztgenannten und auch die Sorte Trimasso sind damit potentiell geeignete Doppelnutzungssorten.

Positiv hervorzuheben bei den neu aufgenommenen Kandidaten sind für die Sorte Trimasso die deutlich geringere Anfälligkeit gegenüber Gelbrost im Vergleich zur Sorte Tender PZO. Die Sorte Jokari ist die frühreifste Sorte im Sortiment bei gleichzeitig geringer Anfälligkeit gegenüber Gelb- und Braunrost.

Die insgesamt höchsten Erträge konnten an unserem Lehmstandort in Poppenburg erzielt werden, die niedrigsten am leichtesten Standort Holtorfsloh.

Die Sortenrangierung veränderte sich an den 3 Standorten insgesamt leicht.

Mehrjährige Ergebnisse und Empfehlungen: Wintertriticale-GPS

Die bereits 3-jährig geprüfte Sorte Tender PZO zeigte im Mittel über alle Standorte eine deutlich herausragende Ertragsleistung und ist daher uneingeschränkt für alle Standorte zu empfehlen. Positiv hervorzuheben ist neben dem Ertragspotential die sehr gute Standfestigkeit der Sorte und die sehr geringe Anfälligkeit für Mehltau und Braunrost.

Die 5-jährig geprüfte Sorte HYT Max schneidet mit einer sehr guten, stabilen Ertragsleistung ab. Ein Nachteil der Sorte, der in diesem Jahr nicht zum Tragen kam, ist die hohe Anfälligkeit gegenüber Gelbrost und Blattseptoria.

Die 3-jährig geprüfte Sorte Borowik bestätigte gleichermaßen ihr stabil hohes Ertragsergebnis des Vorjahres und ist damit uneingeschränkt zu empfehlen.

Die 2-jährig geprüfte Sorte Lombardo konnte Jahr ertraglich nicht ganz mithalten. Als geeignete Doppelnutzungssorte ist sie für den Anbau mit flexibel geplanter Nutzung zu empfehlen. Für eine Bewertung der erst einjährig geprüften Sorte Trimasso ist es trotz bisher sehr positivem Trend noch zu früh. Als potentiell geeignete Doppelnutzungssorte ist sie für den Probenanbau interessant.

Die bisher erst einjährig geprüfte Sorte Jokari konnte zwar ihre Frühreife unter Beweis stellen, blieb aber ertraglich betrachtet deutlich hinter dem übrigen Sortiment zurück.

 

Fazit

- GPS-Getreide ist ein vielseitig einsetzbares Substrat.

- Es bietet die Möglichkeit der Auflockerung von Fruchtfolgen

- Es besteht ein ausreichend großes Zeitfenster für die anschließende Nutzung mit Zweit oder Zwischenfrucht.

- Speziell für die GPSNutzung gezüchtete Sorten haben insbesondere bei Triticale Vorteile.

- Beim Roggen gibt es sehr gut geeignete Doppelnutzungssorten, bei Triticale vielversprechende Perspektiven.

- Triticale gehört auf schwere Standorte mit ausreichender Wasserverfügbarkeit.


Kontakt:
Thekla-Karina Niehoff
Beraterin Energiepflanzen
Telefon: 0511 3665-4207
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E-Mail:
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Beraterin Grünland, mehrj. Ackerfutterbau und Futterkonservierung
Telefon: 0441 801-428
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Stand: 08.10.2018



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