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Starke Sorten für die Winterlücke - Ergebnisse der Grünroggen - Versuche 2018

Bei knappen Grundfuttervorräten ist der Anbau von Grünroggen als Winterzwischenfrucht eine gute zusätzliche Alternative. Die Sortenversuche zeigen das hohe Potential bewährter und neuer Sorten.

 

Grünschnittroggen ist nicht nur ein wichtiges Substrat für Biogasanlagen. Auch für die Nutzung als Grünfutter in der Rindviehfütterung lässt er sich gut verwenden. Der Grünroggen unterscheidet sich von den Körnernutzungssorten durch eine wesentliche höhere Massenbildung nach Vegetationsbeginn im Frühjahr und auch ein früheres Ährenschieben. Damit macht die frühe Ernte Mitte April - Anfang Mai einen Zweitfruchtanbau möglich. Ein weiteres Hinauszögern des Erntetermins führt zwar zu höheren Erträgen, jedoch steigen mit Beginn des Ährenschiebens die Rohfasergehalte, womit die Qualität insgesamt stark absinkt.

 

Anspruchslose Kultur

Der Grünroggen selber ist ausgesprochen winterhart und anspruchslos. Eine solche Anbaufolge mit z.B. Mais braucht allerdings Standorte mit ausreichender Wasserversorgung, da der Grünroggen bedingt durch sein hohes Massenwachstum auch einiges an Wasser verbraucht. Die normalerweise ausreichend vorhandene Winterfeuchtigkeit kann der Grünroggen optimal nutzen. Besonders vorteilhaft ist aber gerade in Anbetracht der momentanen Situation mit hohen Rest N-min Gehalten auf beernteten Flächen die Nährstoffaufnahme des Grünroggens vor Vegetationsruhe, sowie seine früh einsetzende und hohe Nährstoffaufnahme zu Vegetationsbeginn.

Eine N-Düngung im Herbst ist nach der neuen Düngeverordnung unabhängig von der Vorfrucht nicht mehr zulässig. Das weitere Anbaumanagement ist unkompliziert. Hinsichtlich der Pflanzenschutzintensität ist ein deutlich geringerer Aufwand im Vergleich zum Körnerroggen notwendig. Es ist maximal mit einer einmaligen Fungizidmaßnahme in der Schossphase in Kombination mit einer wachstumsregulatorischen Maßnahme zu kalkulieren. Oftmals ist auch gar keine Pflanzenschutz - Maßnahme erforderlich, wie es z.B. in diesem Frühjahr an vielen Standorten der Fall war.

Durch die energetische Nutzung in der Biogaserzeugung haben sowohl der Anbauumfang als auch die züchterischen Aktivitäten im Bereich Grünroggen stark zugenommen. So gibt es mittlerweile 14 speziell für die Nutzungsrichtung Winterzwischenfruchtanbau zugelassene Grünschnittroggensorten.

 

Sortenversuche

Die zunehmende Anzahl an Sorten erfordert ein objektives Prüfsystem und daraus resultierende Sortenberatung. Allerdings ist aufgrund der im Vergleich zu anderen Kulturen geringeren Anbaufläche kein eigenständiger Landessortenversuch etablierbar. Um dennoch eine offizielle Sortenberatung zu ermöglichen, hat die bayerische Landesanstalt für Landwirtschaft (LfL) einen deutschlandweiten Sortenversuch ins Leben gerufen. Gemeinsam mit anderen Bundesländern sowie dem Bundessortenamt werden bestehende Wertprüfungen, die im Rahmen der Sortenzulassung deutschlandweit angelegt werden, um ein gemeinsames Sortiment ausgewählter, zugelassener Sorten erweitert. Die Erträge der zugelassenen Sorten werden an der LfL in Bayern zusammengefasst und statistisch ausgewertet. Die Ergebnisse stehen anschließend den beteiligten Bundesländern zur Verfügung und bilden die Grundlage einer unabhängigen, statistisch abgesicherten Sortenberatung.

Aus Niedersachsen fließt in diese Verrechnung der Standort Obershagen im Landkreis Hannover ein. Um noch besser die hiesigen Verhältnisse abbilden zu können, ist der emsländische Standort Werlte ein weiterer separater Prüfstandort für Niedersachsen. In Obershagen konnte der Versuch wegen anhaltender Niederschläge und unzureichender Befahrbarkeit erst am 19. Oktober gedrillt werden. Die Entwicklung der Sorten war durch die milden Temperaturen von November bis Januar gut.  Auswinterungsschäden gab es nicht. Blattkrankheiten traten nicht auf. Die Ernte erfolgte an beiden Standorten (Werlte + Obershagen) in der 1. Maiwoche bei günstigen Witterungsbedingungen.

 

Versuchsergebnisse Grünroggen

Neben einem hohen Trockenmasseertrag sollte die Standfestigkeit ein weiteres wichtiges Kriterium für die Sortenwahl sein. Tabelle 1 zeigt zusätzlich zu den diesjährigen Ergebnissen die entsprechende Einstufung der Lagerneigung durch das Bundessortenamt.

Im Rahmen der Wertprüfung mit integriertem Anhangssortiment wurden in 2018 neun zugelassene Grünroggen - Sorten geprüft. Der Versuch wurde deutschlandweit an insgesamt zehn Standorten durchgeführt. Um die Auswertung zu differenzieren, sind die Orte grob in zwei Anbaugebiete unterteilt. Die Standorte in Thüringen, Sachsen, Sachsen-Anhalt und Bayern wurden als eher winterkalte Gebiete zusammengefasst (Gebiet 1), während die Standorte in den Bundesländern Schleswig-Holstein, Niedersachsen, Nordrhein-Westfalen und Hessen als Standorte mit milden Wintern gekennzeichnet sind (Gebiet 2).

 

Mehrjährige Ergebnisse

Für den Vergleich der Sorten untereinander liefern allerdings die mehrjährigen Ergebnisse gesichertere Aussagen gegenüber den einjährigen Ergebnissen von 2018. In Tabelle 2 wird das relative Ertragspotential der Sorten im Mittel der letzten vier Jahre (2015-2018) dargestellt. Abgesehen von einer Ausnahme liegen die Trockenmasseerträge der Sorten mehrjährig betrachtet eng beieinander.

Insgesamt ist die Ertragsleistung in 2018, gerade auch auf den wintermilden Standorten mit -12 dt TM /ha deutlich unter dem mehrjährigen Mittelwert geblieben.

Die Sorte Vitallo überzeugt sowohl im bundesweiten Anbau als auch auf den niedersächsischen Standorten nicht nur durch einen guten Ertrag, sondern auch durch eine geringe Lagerneigung. Ansonsten zählen die Sorten Protector, Turbogreen und Traktor zu den mehrjährig geprüften, trockenmasseertragsstärksten Sorten, besonders auch unter niedersächsischen Bedingungen. Für die ertragsschwächste Sorte Terogrün wurde jedoch der höchste Proteingehalt ermittelt, was für Futterzwecke von Interesse ist.

Der Versuch wird in den nächsten Jahren fortgeführt.

 

Fazit

Mit dem Anbau von Grünroggen steht im Frühjahr ein zeitig zu erntendes Grünfutter zur Verfügung. Es ist daher vor dem Hintergrund der Futterknappheit besonders interessant. Der Anbau ist unkompliziert und das Futter vielseitig entweder zur Rinder- oder Biogasfütterung verwendbar. Grünroggen eignet sich gut für ein Zweinutzungssystem mit Mais. Es setzt jedoch ein ausreichendes Auffüllen der Böden mit Niederschlägen über Winter voraus. Bei der Sortenwahl sollte auf aktuelle Ergebnisse geachtet werden, um das züchterische Potential im Hinblick auf den Ertrag zu nutzen. Lohnenswert ist zudem der Blick auf weitere Eigenschaften wie der Lagerneigung und den Rohproteingehalt.


Kontakt:
Thekla-Karina Niehoff
Beraterin Energiepflanzen
Telefon: 0511 3665-4207
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E-Mail:
Dr. Christine Kalzendorf
Beraterin Grünland, mehrj. Ackerfutterbau und Futterkonservierung
Telefon: 0441 801-428
Telefax: 0441 801-432
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Stand: 08.10.2018



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