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Grünroggen und andere Zwischenfrüchte richtig silieren

Der 2. Dürresommer in Folge hat zum Teil dramatisch an den Futterreserven vieler Betriebe gezehrt. Grünroggen und andere Winterzwischenfrüchte können einen Beitrag dazu leisten, die Futterlücken zu schließen. Erfahren Sie mehr, wie Sie gute Qualitäten hinsichtlich Futterwert und Gärqualität erzielen können.

 

Viele Futterbaubetriebe im nordwestdeutschen Raum durchleben aktuell schwierige Zeiten. Dem zweiten Dürresommer in Folge schließt sich insbesondere im nördlichen Niedersachsen auf dem Dauergrünland eine starke Problematik mit Mäusefraß und Tipula an. Welsches Weidelgras und Grünroggen bieten die Möglichkeit zum Schließen von Futterlücken und wurde im vergangenen Herbst verstärkt angebaut. Bei extrem angespannter Futtersituation kann auch die Ernte winterharter Zwischenfrüchte eine weitere Option sein.
Das Silieren des Welschen Weidelgrases stellt im Allgemeinen kein Problem dar. Im Folgenden soll daher der Fokus auf andere Winterzwischenfrüchte gelegt werden, die entweder direkt zur Futtergewinnung gedrillt wurden oder erst auf den zweiten Blick und vor allem bei Futternot in Betracht kommen.

In „normalen“ Jahren ist der Grünroggen vor allem als früh räumende Vorfrucht zu Mais in der Fruchtfolge von Biogasanlagen vertreten. Die Entscheidung dazu beruht oft auf einem Rechenexempel mit sprichwörtlich spitzem Bleistift, da die Kosten je Dezitonne Trockenmasse bzw. die Kosten je Energieeinheit MJ NEL allgemein etwas höher als beim Silomais liegen. Bei Beerntung beider Früchte als Ganzpflanzen sind zudem nur selten positive Humusbilanzen darstellbar. In diesem Jahr ist die Perspektive vieler Betriebsleiter jedoch eine andere. Die Bedeutung der Kostenfrage nimmt ab, sobald es elementar an Futter fehlt. Besondere Situationen erfordern bekanntlich besondere Maßnahmen. So können neben Grünroggen und Ackergras auch andere winterharte Zwischenfrüchte zu Lückenfüllern in der Not werden, welche ursprünglich zur Einarbeitung als Gründünger vorgesehen waren.
Während Silomais durch seine chemischen Eigenschaften, konkret wegen dem üppigen Angebot an Zucker und Stärke, allgemein gut siliert, ist bei den benannten Kulturen einigen Punkten besondere Aufmerksamkeit zu schenken. Der Vergärungserfolg beim Grundfutter ist nicht dem Zufall geschuldet. Milchsäurebakterien verstoffwechseln Kohlenhydratverbindungen zu Milch- und in Teilen auch zu Essigsäure. Dieser Prozess wirkt pH-Wert-absenkend und ist wesentliches Ziel der Silierung. Daher gilt es, die Ausgangsbedingungen möglichst so zu beeinflussen, dass die Milchsäurebakterien in ihrer Aktivität und Vermehrung gefördert, andere Gegenspieler hingegen gehemmt werden. Dazu zählen Buttersäurebakterien (Clostridien), Hefen, Pilze und Enterobakterien.
Entscheidend sind vor allem 2 Dinge: erstens ausreichend verfügbare Zuckerverbindungen für die Milchsäurebakterien und zweitens ein angepasster Anwelkgrad. So geht aus Tabelle 1 hervor, dass der Zuckergehalt zwischen den Futterarten bereits um weit über 100 g/kg TM schwanken kann. Doch Zucker ist für die Silierfähigkeit nicht das alleinige Maß. Von Bedeutung ist auch der Anteil puffernd wirkender Substanzen und damit der Z/PK-Quotient. Der Z/PK-Quotient zeigt das Säuerungspotential auf, indem Zucker (g/kg TM) und Pufferkapazität (Milchsäure in g/kg TM, die für eine Absenkung des pH-Wertes auf 4,0 benötigt wird) gegenübergestellt werden. Siliergut mit einem Z/PK-Quotienten von unter 2,0 gilt als schwer vergärbar. Der Vergärbarkeitskoeffizient (VK) fasst darüber hinaus die Gäreignung auf Basis des Z/PK-Quotienten und des Trockenmassegehalts (TM) in einer weiteren Kennzahl zusammen. Er errechnet sich aus der TM zum Zeitpunkt der Ernte, addiert mit dem 8-fachen Z/PK Quotienten. Ein rascher Feuchtigkeitsentzug ist von Vorteil, da so die Lebensbedingungen für die trockenheitsempfindlichen Buttersäurebakterien erschwert werden. Ab einem Vergärbarkeitskoeffizienten von 45 und höher können zumeist buttersäurefreie Silagen erwartet werden.

Die genannten Kennzahlen und Zielwerte mögen zunächst etwas theoretisch anmuten, sind für die praktischen Erntearbeiten jedoch von großer Bedeutung. Für die Pflanzengruppe der Ährengräser, zu welcher auch der Grünroggen zählt, wird der optimale Erntezeitpunkt allgemein zu Beginn des Ährenschiebens empfohlen. Als Vorfrucht zu Mais drängt in der Regel jedoch die Ackerbestellung der Folgekultur und ist daher meist termingebend für die Ernte des Grünroggens. Wie eine Versuchsanstellung der LWK Niedersachsen aus 2019 zeigte, muss diese eigentlich recht frühe Ernte hinsichtlich der Inhaltsstoffe nicht von Nachteil sein. Bei einer Ernte im EC-Stadium 39 (Fahnenblatt voll entwickelt) wurden hohe Energiedichten von 6,8 MJ NEL ermittelt. Problematisch in dieser noch jungen Phase ist aber der niedrige Trockenmassegehalt. Beispielhaft hierfür ist in der Tabelle 1 Grünroggen mit einer TM von 16 % gelistet. Obwohl der Z/PK-Quotient 2,4 beträgt, also ausreichend Zuckerverbindungen für die Milchsäuregärung enthalten sind, beläuft sich der Vergärbarkeitskoeffizient wegen zu geringer TM auf unzureichende 35. Hieraus leitet sich die Notwendigkeit zum Anwelken des Futters ab. Dies gilt gleichermaßen für jede Form der Grassilierung wie auch für andere Zwischenfrüchte.
Beginnend mit der Mahd, sollte bei der Ernte von Grünroggen grundsätzlich auf eine angemessene Schnitthöhe geachtet werden. Da es sich um eine Ackerkultur ohne dichte Narbe handelt, werden mit niedrigen Schnitthöhen kaum Mehrerträge, jedoch deutlich größere Schmutzeinträge in das Futter realisiert. Sofern die Mähtechnik variable Schnitthöhenverstellung erlaubt, sollte diese mit mindestens 8 cm oder höher gewählt werden. Wie zuvor beschrieben, gehen mit Ernten in frühen Entwicklungsstadien hohe Energie- und Nährstoffgehalte einher. Nachteilig sind jedoch die niedrigen TM-Gehalte, welche die Gäreignung reduzieren und zum Austritt von Sickersäften führen können. Ein intensives Anwelken ist anzuraten, welches durch den Einsatz von Mähaufbereitern beschleunigt werden kann. Aus demselben Grund ist der Einsatz von Direktschneidwerken, mit der das Mähen und Häckseln in einem Arbeitsgang möglich wird, eher kritisch zu sehen. Zwar fallen die Maschinenkosten zunächst geringer aus, jedoch überwiegen in der Regel die Nachteile von späteren Minderqualitäten des Futters. Bei der GPS-Ernte in späteren Entwicklungsstadien kann sich die Situation jedoch anders darstellen. Ab Erreichen der Teigreife weist oftmals bereits der stehende Bestand ausreichende Trockenmassegehalte auf, sodass hier der Einsatz von Direktmähtechnik eine sinnvolle Option darstellt. 
Die Witterung im April bietet jedoch oftmals noch keine besonders intensive Verdunstung. Allzu große Anwelkleistungen sind daher nicht zu erwarten und nicht immer kann mit dem Häckseln bis zum Erreichen des idealen Trockenmassegehalts gewartet werden. Um Fehlgärungen entgegenzuwirken, bietet sich der Einsatz von Siliermitteln der DLG-Wirkungsrichtungen 1a oder 1b an. Ist der Austritt von Sickersäften zu erwarten, sind entsprechende Vorkehrungen zu treffen. Eine üppige Strohmatte am Grund des Fahrsilos kann austretende Flüssigkeiten bis zu einem gewissen Punkt auffangen. Analog zur Grassilagewerbung, sollte die theoretische Häcksellänge der Trockenmasse angepasst werden und sich im Bereich zwischen 20 und 40 mm bewegen. Zusätzlich lohnt sich ein Kontrollblick auf das Erntegut bei den Walzarbeiten. Insbesondere grobstängeliges Pflanzenmaterial kann ein sehr hohes Rückfederungsvermögen aufweisen. Ein Solches kann sich negativ auf die Verdichtbarkeit auswirken und auch bei eigentlich niedriger Trockenmasse eine kürzere Häcksellänge erfordern. Ansonsten sind bei den Silierarbeiten die bekannten Regeln der guten fachlichen Praxis zu befolgen. Zu den Wichtigsten zählt das Vorhalten ausreichender Walzkapazitäten. Mindestens ein Viertel der stündlichen angefahrenen Frischmasse sollte als Tonnage in Form von Verdichtungsfahrzeugen im Fahrsilo zur Verfügung stehen. Hohe Reifendrücke über 2 bar vermindern die Aufstandsfläche und steigern somit die Tiefenwirkung. Auch wenn Zwillingsbereifungen dieses Bestreben eigentlich konterkarieren, können sie unter Sicherheitsaspekten an steilen Schrägungen sinnvoll sein. Einseitige Zwillingsbereifungen können einen guten Kompromiss darstellen. Nach Beendigung der Erntearbeiten ist das Silo umgehend mit geeigneten Folien gasdicht zu verschließen. So werden durch die Veratmung von vorhandenem Restsauerstoff schnell anaerobe Bedingungen geschaffen und das Einströmen von neuem Sauerstoff wird unterbunden. Gerade bei der Silierung von jungen, proteinreichen Aufwüchsen kommt es vermehrt zur Bildung starker Gärgashauben. Aus diesem Grund sollte vorbeugend besonders auf eine schwere Abdeckung der Folienränder und -übergange geachtet werden. Die besagten Gärgashauben können zu größeren Anteilen gefährliche nitrose Gase enthalten. In Kontakt mit Lungenschleimhäuten bilden sie Salpetersäure oder salpetrige Säure aus. Daher ist auf die Annäherung zu austretendem Gas, insbesondere auf dessen händisches Ablassen, unter allen Umständen zu verzichten! Zudem würde das Öffnen des Silos ein erneutes Eindringen von Sauerstoff ermöglichen. Die Siloverschluss ist mindestens 6 bis 8 Wochen zu wahren. Erscheint dies wegen zur Neige gehender Futterreserven als nicht möglich, so sollte ein kleineres Silo zur Überbrückung angelegt werden.
Eine weitere Option zur Futtergewinnung bietet die Nutzung von Maisuntersaaten des Vorjahres. Gräserdominierte Mischungen unterscheiden sich in der Bewirtschaftung und Konservierung nur wenig von vergleichbaren Ackergrasbeständen mit Welschen Weidelgras. Kritisch ist jedoch die noch vorhandene Maisstoppel. Weit problematischer als deren minderwertige Futterqualität, ist die Einschleppung von Verunreinigungen und Schaderregern in das Futter, welche sich negativ auf den Siliererfolg auswirken. Sofern es die aktuelle Bestandeshöhe noch zulässt, kann ein zeitnaher Arbeitsgang mit einer Walze Abhilfe schaffen. Crosskillwalzen eignen sich gut zum Niederdrücken der verbliebenen Stoppeln. Jedoch kann auch der Einsatz einer schweren Glattwalze sinnvoll sein. Meist bleibt nach den Erntearbeiten durch Reifenspuren und Maisreihen ein unebenes Relief zurück. Diese Unebenheiten können so teilweise wieder eingeebnet werden, was einer sauberen Mahd und Futteraufnahme zuträglich ist. Schwierig ist die Entscheidung, ob das gemähte Pflanzenmaterial zum Anwelken breit abgelegt oder direkt in erntebereite Mittelschwade gebracht werden soll. Bei einem Arbeitsgang mit dem Kreiselschwader sind deutlich höhere Einträge von Maisstoppeln zu erwarten. Es besteht somit ein Zielkonflikt zwischen Anwelkgrad und möglichem Schmutzeintrag durch Ernterückstände. Die Entscheidung für eine dieser Verfahrensweisen sollte vor Ort anhand der konkreten Beschaffenheit der Bestände getroffen werden.
Eine weitere Möglichkeit besteht in der Futternutzung von winterharten Zwischenfruchtgemengen. Ursprünglich sind diese meist als einzuarbeitender Gründünger vor der Maisbestellung vorgesehen gewesen. Ihre Schnittnutzung ist jedoch aus verschiedenen Gründen sprichwörtlich als Griff zum letzten Strohhalm in der Futternot zu verstehen. Die Vielfalt vertretener Saatmischungen ist groß, ebenso wie die mit ihnen verbundenen Herausforderungen. Einige Mischungen bestehen nicht zu 100 % aus winterharten Arten. In der Folge können Aufwüchse abgestorbenes Pflanzenmaterial enthalten, deren phytosanitärer Zustand sich negativ auf Silierung und Futtereignung auswirkt. Grundsätzlich sind keine hohen Futterqualitäten von solchen Beständen zu erwarten. Ähnlich wie beim Grünroggen, schränken zudem niedrige Trockenmassegehalte die Silierbarkeit ein. Das Austreten von Sickersäften ist wahrscheinlich. Anwelkmaßnahmen zur Steigerung der TM-Gehalte gestalten sich schwierig. Mit Kreiselschwadern sind nach vorheriger Breitablage große Schmutzeinträge über Anhaftungen zu befürchten. Der Einsatz von Bandschwadern kann diesbezüglich zu besseren Ergebnissen führen, jedoch sind mit diesem Maschinentyp zugleich höhere Kosten verbunden.  Auch hier wäre zum Einsatz von Präparaten der Wirkungsrichtungen 1a oder 1b für feuchtes und schwer silierbares Futter zu raten. Dabei handelt es sich vorwiegend um chemische Produkte auf Basis von Formiat, Ameisensäure oder nitrithaltigen Salzen. Leider zählen sie mit Preisen zwischen 2 und 4 € je Tonne Frischmasse zu den relativ kostenintensiven Siliermitteln. Zudem kommt eine überschaubare Ertragserwartung, auf welche sich die anfallenden Maschinenkosten der Ernte verteilen. In Anbetracht der Kombination dieser ungünstigen Rahmenbedingungen sollten Kosten, Nutzung und Risiken einer Silierung derartiger Zwischenfruchtmischungen sorgfältig abgewägt werden. Eine tägliche Mahd und Frischfütterung des Materials wäre arbeitswirtschaftlich mit großem Aufwand verbunden. Das Risiko von Fehlgärungen ließe sich jedoch ausklammern und Schmutzeinträge reduzieren. Zweifelsohne wäre dies noch lange keine optimale, in Anbetracht ernster Futternöte jedoch eine evtl. hinnehmbare Alternative.
Zusammenfassend lassen sich mit der Grünroggenernte gute Futterqualitäten realisieren. Unter Beachtung einiger Punkte bei der Konservierung können zudem auch gute Siliererfolge erzielt werden. Die Schnittnutzungen von Untersaaten vorheriger Maisbestände und von Zwischenfruchten sind mit mehreren Herausforderungen bei der Beerntung und der Konservierung verbunden. Durch Futterknappheit können sie in einzelbetrieblichen Fällen jedoch notwendig erscheinen. Sinn und Unsinn dieser Maßnahmen sind schlussendlich an den Grenzkosten möglicher Alternativen zu bemessen. Diese können ggf. im Futterzukauf oder in der Silierung von Marktfruchtgetreide als GPS bestehen.
 


Kontakt:
Karsten Bommelmann
Telefon: 04271 945 200
E-Mail:
Meike Backes
Leiterin Fachbereich Grünland und Futterbau
Telefon: 0511 3665-4453
Telefax: 0511 3665-4508
E-Mail:


Stand: 25.03.2020



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