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Ahlemer Forum Produktion und Einzelhandel am 14.01.2020

Fachkräftemangel, eine Arbeitswelt im Umbruch und die Diskussion um die umfangreiche Verwendung von Kunststoffen im Gartenbau: das waren die Kernthemen am Vormittag des diesjährigen Ahlemer Forums.

Nach einer Begrüßung durch Prof. Dr. Bernhard Beßler, Leiter des Geschäftsbereichs Gartenbau der LWK Niedersachsen, Olaf Beier und Hans-Jürgen Weese, Vorsitzender und stellvertretender Vorsitzender des Fachverbandes Einzelhandel und Dienstleistung im Wirtschaftsverband Gartenbau Norddeutschland e.V., und Herrn Andreas Kröger, Präsident des Wirtschaftsverbandes Gartenbau Norddeutschland e.V., stellten zunächst Marcel-Alexander Janßen, Carina-Anna Bertels und Simone Heckmann, LWK Niedersachsen, Berufsbildung im Gartenbau, drei Aspekte zum Fachkräftemangel im niedersächsischen Produktionsgartenbau vor.

Herr Janßen nahm die Besucher/innen mit auf eine „Reise“ durch die Statistik der gärtnerischen Aus-, Fort- und Weiterbildung. Er stellte dabei heraus, dass es große fachrichtungsspezifische Unterschiede in der Entwicklung der Ausbildungszahlen gibt. Der Bedarf an Fachkräften sei groß, aber ein echter Mangel gehe aus den blanken Zahlen nicht hervor.
Wie man ein attraktiver Ausbildungsbetrieb wird, erklärte Frau Bertels, Ausbildungsplatzaquisiteurin bei der LWK Niedersachsen. Gerade die Fragen, die der potenzielle Azubi oft nicht stellt, gelte es im Voraus zu beantworten: „Kann ich mit dem Beruf im sozialen Umfeld punkten?“, „Wie modern ist der Betrieb?“, „Welche „Extras“ werden angeboten?“
Die - professionelle! - Nutzung von Social Media Plattformen und Messengern könne dabei helfen.
Über eine weitere Möglichkeit, engagierte Mitarbeiter/innen für den Betrieb zu finden, informierte Frau Heckmann die Besucher/innen: die Beschäftigung von Werker/innen im Gartenbau. Dabei gab sie Informationen zum Umfang der erlernten Kenntnisse, Fähigkeiten und Fertigkeiten von Werker/innen und nannte Voraussetzungen, die ein Betrieb, der Werker/innen beschäftigen möchte, erfüllen sollte.

Einen umfassenden Überblick über Maßnahmen, Mittel und Wege, mit denen kleine und mittelständische Unternehmen in einer „Arbeitswelt im Umbruch“ erreichen, dass ihr Personal zufrieden und motiviert bleibt, und wie man attraktiv für (junge) potentielle Mitarbeiter/innen wird, gab Lutz-Peter Kremkau, Geschäftsführer von Kremkau Raumbegrünung e.K.

Der nächste Programmpunkt führte die Besucher/innen vom Thema Fachkräftemangel hin zu einem ähnlich intensiv diskutierten Thema: Umweltverschmutzung durch Kunststoffe und ob und wie diese im Gartenbau reduziert oder ersetzt werden können.
Hierzu stellte Professor Dr. Karl Schockert von der Gesellschaft für Kunststoffe im Landbau (GKL) e.V., Neustadt a. d. Weinstraße, neben den Möglichkeiten und Grenzen beim Recycling von Biokunststoffen auch verschiedene Sammelsysteme, Standards und Zertifizierungen zur Förderung einer nachhaltigen und integrierten Produktion vor.

Für den Nachmittag standen zwei Veranstaltungsteile zur Auswahl, die parallel in der LVG Ahlem und in Räumlichkeiten der Justus von Liebig Schule im Nachbargebäude angeboten wurden.

Für die Produktionsgärtner/innen lag der Schwerpunkt des Nachmittages bei den Themen Energieeffizienz und Reduzierung von CO2 Emissionen, sowie bei der aktuellen Zulassungssituation von Pflanzenschutzmitteln für den Zierpflanzenbau.
So erfuhren die Besucher/innen anhand von zahlreichen Praxisbeispielen von Thomas Daniel, LWK Schleswig-Holstein, Technik im Gartenbau, ob sich Fördermaßnahmen aus dem Energieeffiziensprogramm bei Einzelmaßnahmen zur Optimierung bestehender Systeme oder beim Neubau von Gewächshäusern und Anlagen lohnen und welche Voraussetzungen für die Beantragung erfüllt sein müssen.

Über Möglichkeiten der Erdwärmenutzung zur Reduktion von CO2-Emissionen im Gartenbau informierte Prof. Dr. Dieter Michalzik, GeoDienste GmbH, Wunstorf. Verschiedene Arten der Geothermie, die Nachnutzung von Altbohrungen, Auflagen und der Genehmigungsprozess wurden dargestellt. Herr Michalzik wies außerdem darauf hin, dass zahlreiche Fördermittel vorhanden seien und es sich lohne, bei Erneuerungen von Wärmeversorgungssystemen die Nutzung geothermischer Energie in Betracht zu ziehen.


Auslaufende und widerrufene Zulassungen, viele neue Auflagen und Restriktionen beim Einsatz von Pflanzenschutzmitteln, schränken die Möglichkeiten des chemischen Pflanzenschutzes im Zierpflanzenbau immer weiter ein. Hintergründe dazu und wie Gärtner/innen alternative Maßnahmen möglichst effektiv einsetzten können, stellte Elisabeth Götte, LWK Nordrhein-Westfalen, Pflanzenschutzdienst, den Teilnehmer/innen vor.

Beim Nachmittagsschwerpunkt Einzelhandel standen trockenheitsverträgliche Staudensortimente und Ideen zur Integration von Gastronomie-Angeboten in Einzelhandelsgärtnereien und Gartencentern im Mittelpunkt.

Der Hamburger Gartenplaner, Jörg Pfenningschmidt, referierte über ein mögliches Sortiment trockenheitsverträglicher Stauden für Einzelhandelsgärtnereien. Trockenheit war das Thema der letzten beiden Sommer, wie Pfennigschmidt einleitete. Mit der Erfahrung aus der Anlage von Privatgärten und öffentlichen Grünflächen, hat der Gartenplaner pointiert ein Sortiment trockenheitsverträglicher und pflegeleichter Stauden vorgestellt, welches den vielfältigen Anforderungen in unseren Gärten gerecht werden kann. Nach vielen wertvollen Beispielen aus der Praxis schloss der Referent mit den Worten, dass gute Kenntnisse über die Verwendung von Pflanzen das Alleinstellungsmerkmal für den Beruf des Gärtners sind und somit unerlässlich für eine gute Beratung und Planung. 

Daniel Kükenhöhner, Inhaber des Planungsbüros Petzinger, gab wertvolle Tipps und Informationen zur Warenpräsentation und zur Gestaltung von Einzelhandelsgärtnereien und Gartencentern. Ein Schwerpunkt seines Vortrages lag auf der Darstellung der Herausforderungen und der Potenziale bei der Integration von Gastronomiebereichen in Gartencenter. Kükenhöhner wies wiederholt darauf hin, dass die Mitarbeiter das größte Potenzial sind. Nach weiteren Tipps zur Wegeführung, der Beleuchtung und der Profilschärfung wagte der Referent noch einen Blick in die Zukunft. Er regte die Teilnehmer an, mögliche Synergien verschiedener Bereiche zu erkennen und zu nutzen. Zukünftig könnte Indoor Farming mit Lebensmittelgeschäften und Cafés kombiniert werden – eine neue Form der Produktion und Vermarktung.  

Während der Programmpausen konnten sich die Besucher und Besucherinnen an Ständen zum Projekt TerZ, dem Modell- und Demonstrationsvorhaben zum Einsatz torfreduzierter Substrate im Zierpflanzenbau, zur Arbeit der Willkommenslotsin der LWK Niedersachsen, Agnes Schrader-Mazarguil und zur Initiative „Gärtner. Der Zukunft gewachsen.“ des ZVG informieren.


Kontakt:
Jelka Henneberg
Versuchswesen Zierpflanzen
Telefon: 0511 4005-2607
Telefax: 0511 4005-2200
E-Mail:


Stand: 22.01.2020