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Fachveranstaltung am 12.02.2019 - Gartenbau ohne Torf - Geht das?

Dieser Frage ging die Fachveranstaltung zum Thema Torfersatzstoffe am 12. Februar 2019 an der LVG Hannover-Ahlem der Landwirtschaftskammer Niedersachsen anlässlich des zu Ende gehenden Projekts TeiGa („Torfersatzstoffe im Gartenbau“) nach. In dem von Niedersächsischen Ministerium für Ernährung, Landwirtschaft und Verbraucherschutz geförderten Forschungsverbundprojekt erforschten die beteiligten Institutionen Alternativen zum Torf in den Bereichen Baumschule (Lehr- und Versuchsanstalt für Gartenbau (LVG) Bad Zwischenahn), Zierpflanzenbau (Lehr- und Versuchsanstalt für Gartenbau (LVG) Hannover-Ahlem) und Gemüsebau (Institut für Gartenbauliche Produktionssysteme (IGPS) der Leibniz Universität Hannover). Die Vorstellung der erzielten Ergebnisse war zentraler Bestandteil des Tages.

Prof. Dr. Bernhard Beßler, Geschäftsbereichsleiter Gartenbau der LWK Niedersachen, begrüßte über 170 Interessierte aus der Branche. Seit über 30 Jahren werde am Standort Ahlem an Alternativen zu Torf geforscht. Die gut besuchte Veranstaltung zeige, dass dieses Thema auch in gärtnerischer Praxis, Industrie und Politik angekommen ist. „Wir kommen weiter“, freute sich Beßler über die hohe Akzeptanz für einen vernünftigen Austausch zwischen allen Beteiligten.

In seinem Grußwort dankte Prof. Dr. Ludwig Theuvsen, Niedersächsisches Ministerium für Ernährung, Landwirtschaft und Verbraucherschutz, allen am Projekt Beteiligten ausdrücklich. Die LVG Ahlem biete den passenden Rahmen, um sich zu alternative Substratausgangsstoffen auszutauschen. Das steigende Bewusstsein der Bevölkerung verdeutliche den hohen Stellenwert des Themas Torfersatz. Theuvsen lobte die gute Vernetzung des TeiGa-Projekts mit dem Niedersächsischen Torfersatzforum und stellte die unbestreitbaren Erfolge des Forschungsverbundprojekts heraus. Dennoch sei es wichtig, weiterhin in diesem Bereich zu arbeiten.

  • Einen Überblick über mögliche Substratausgangsstoffe als Torfersatz lieferte Michael Emmel, LVG Hannover-Ahlem, als Einstieg in das Tagesprogramm. Er wies auf die Vielzahl möglicher Torfalternativen hin und stellte die wichtigsten Kriterien zur Auswahl und Eignung dieser Stoffe zur Kultur gartenbaulicher Erzeugnisse vor. Mit den zur Verfügung stehenden Mengen der stark eingesetzten alternativen Ausgangsstoffe könne bislang jedoch nur ein Teil des Torfs in gartenbaulich genutzten Substraten ersetzt werden.
  • Vermarktungsmöglichkeiten der Torfreduzierung im Gartenbau aus Sicht eines Konzerns stellte Tobias Theurkauf, toom Baumarkt – REWE Group, vor. Ressourcenschonung sei für die Verbraucher bei Topfpflanzen von Bedeutung, sodass durch eine stetige Entwicklung des Sortiments zukünftig vollständig auf Torf in Blumenerden verzichtet werden soll. Der Endkunde könne für das Thema sensibilisiert werden und anhand einer gesonderten Auslobung torffreier Produkte mit entsprechenden Siegeln ergäbe sich die Möglichkeit zur Mitbewerberdifferenzierung. Die Mithilfe von Lieferanten und die Eignung von Kulturen zum torffreien Anbau stellten die Grundlagen für diese Maßnahmen dar.
  • Im Anschluss erläuterte Jan Solbach, IGPS der Leibniz Universität Hannover, Versuchsergebnisse zur Anzucht von Gemüsepflanzen und der Produktion von Topfkräutern in torffreien Substraten. Gemüsejungpflanzen eigneten sich gut für die Kultur in torfreduzierten Substraten. Die in diesem Produktionszweig üblichen Erdpresstöpfe ließen sich jedoch nicht ohne Torf in ausreichender Qualität herstellen. Topfkräuter konnten in Abhängigkeit von der Substratmischung auch ohne Torf produziert werden. Zu beachten sei jedoch eine mögliche Auswirkung der Substratzusammensetzung auf die Ernährung der Pflanzen. Zusatzbelichtung mit LEDs biete die Möglichkeit, eventuell dadurch hervorgerufene Wachstumsdefizite auszugleichen.
  • Dr. Stefanie Grade, Klasmann-Deilmann, gab einen Ausblick auf die Zukunft der Torfreduzierung aus Sicht eines Substratherstellers. Für ein Traditionsunternehmen der Torfindustrie stelle der Verzicht auf diesen Rohstoff einen Umbruch dar. Dennoch werde daran gearbeitet, zukünftig 30 % alternative Ausgangsstoffe in den Substraten zu einzusetzen. Anzahl und Menge geeigneter Rohstoffe seien hier die begrenzenden Faktoren. Blicke man weiter in die Zukunft, so müsse auch die Entwicklung anderer Ressourcen und Anbausysteme in Betracht gezogen werden. Die zunehmende Technisierung schließe Kreisläufe und trage zur Nachhaltigkeit bei. Torfreduzierung sei daher möglich und gewollt, offene Fragen müssten gemeinsam in der Branche angegangen werden.
  • Ergebnisse torfreduzierter und torffreier Gehölzanzucht in der Baumschule wurden von Mario Reil, LVG Bad Zwischenahn, vorgestellt. Mit Holzfasern und Kokosmark habe man für diese Fachsparte gut geeignete Torfalternativen. Aufgrund abweichender Substrateigenschaften müsse die Nährstoffversorgung hinsichtlich Stickstoffimmobilisierung und Auswaschung beachtet werden, um Minderwuchs zu verhindern. Dann sei die Kultur in torfreduzierten und –freien Substraten möglich. Teilweise verbessere sich die Qualität der Pflanzen gegenüber Torfsubstraten und auch bei der Haltbarkeiten ließen sich keine wesentlichen Unterscheide feststellen.
  • Aus dem Zierpflanzenbau informierte Niklas Ahrens, LVG Hannover-Ahlem, über Torfersatz von der Jungpflanze bis zum Endverbraucher. Der Verzicht auf Torf sei sowohl im Bereich der Vermehrung, als auch bei der Kultur verkaufsfertiger Ware möglich. Es gäbe allerdings nicht ein Substrat für alle Kulturen und Kulturstadien, sodass die Wahl des Kulturmediums anhand dieser Kriterien erfolgen sollte. Darüber hinaus sei es anzuraten, die Nährstoffgehalte und den pH-Wert im Substrat regelmäßig zu überprüfen, um gegebenenfalls die Düngung anpassen zu können.

Erfahrungsberichte aus Praxisbetrieben, welche von TeiGa bei der Kultur in Substraten ohne Torf begleitet wurden, rundeten die Veranstaltung ab. Die Betriebe waren erfreut über die Möglichkeit, torffreie Substrate zu testen. Auch wenn nicht in allen Fällen in zu Torfsubstrat vergleichbarer Qualität produziert werden konnte, bestehe weiterhin Interesse an der Thematik und die Bereitschaft, den Torfanteil der Substrate in den Betrieben schrittweise zu reduzieren. Die eventuell höheren Kosten für Substrate seien dabei ein ausschlaggebender Faktor.

Abschließend sprach Frau Dr. Gerlinde Michaelis, Leiterin der LVG Bad Zwischenahn, Ihren Dank an die Mitarbeiter des Projekts und die jeweiligen Institutionen, beteiligte Substratlieferanten und Praxisbetriebe sowie das Niedersächsische Ministerium für Ernährung, Landwirtschaft und Verbraucherschutz als Geldgeber aus. Sie lobte die enge Zusammenarbeit aller Projektpartner und zeigte sich zufrieden mit den erzielten Ergebnissen. Dabei müssten jedoch die vielen Einflussfaktoren, welche auf Substrat und Kultur einwirken, beachtet werden. Die eingangs gestellte Frage „Gartenbau ohne Torf – Geht das?“ könne heute noch nicht vollständig beantwortet werden, das TeiGa-Projekt habe jedoch wichtige Erkenntnisse geliefert.

Alle Beteiligten lobten die gute Stimmung und die angeregten Diskussionen während der Veranstaltung.

              

          


Kontakt:
Mario Reil
Projekt TeiGa - Torfersatzstoffe im Gartenbau
Telefon: 04403 9796-47
Telefax: 04403 9796-10
E-Mail:
Niklas Ahrens
Telefon: 0511 4005-2142
Telefax: 0511 4005-2200
E-Mail:


Stand: 04.03.2019