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Weniger Torf in Baumschulen – Start des neuen Praxisprojektes ToSBa

Das Modell- und Demonstrationsvorhaben "Praxiseinführung von torfreduzierten Substraten in Baumschulen" (ToSBa) stellt sich der Frage: "Wie können unter Praxisbedingungen hochwertige Containergehölze auch in stark torfreduzierten Substraten erzeugt werden?" Die Landwirtschaftskammern Niedersachsen und Schleswig-Holstein unterstützen dazu 10 Modellbetriebe über drei Vegetationsperioden bei der Umstellung ihrer Substrate.

Reduktion des Torfanteils in gärtnerischen Erden – ein Muss

Torf ist eine endliche Ressource und bei seinem Abbau werden klimaschädliche Gase freigesetzt. Zu den von der Bundesregierung im Klimaschutzplan 2050 festgehaltenen Zielen und Maßnahmen gehört daher eine deutliche Reduktion des Torfanteils in gärtnerischen Erden. Auch die Baumschulbranche stellt das vor große Herausforderungen, da Torf als Kultursubstrat nahezu ideale Eigenschaften aufweist und die Kulturführung durch langjährige Erfahrung daran angepasst ist. Tatsächlich finden neben Torf aber schon lange auch andere organische und mineralische Ausgangsstoffe Anwendung im Gartenbau. Rohstoffe wie Rindenhumus, Holzfasern, Komposte oder auch Kokos-Abfallprodukte haben bereits Einzug in die Praxis gehalten und sich mit Anteilen bis zu 20-30 % im Substrat bewährt. Begrenzend auf höhere Anteile wirken sich zum Teil die Verfügbarkeit, die Qualität (inkl. aller physikalischen und chemischen Eigenschaften), der Preis und letztlich auch das steigende Kulturrisiko aus.

Doch die Erfahrungen und Erkenntnisse aus den bisher durchgeführten umfangreichen Versuchen zum Torfersatz konnten zeigen, dass eine noch stärkere Torfreduzierung für eine Mehrzahl der Baumschulkulturen durchaus möglich ist.

 

 

Das Modell- und Demonstrationsvorhaben ToSBa

Das Modell- und Demonstrationsvorhaben ToSBa soll nun die Praxistauglichkeit stark torfreduzierter Substrate unter Beweis stellen. Das erklärte Ziel: mindestens 50 % Torfersatz am Ende der Projektlaufzeit - gerne mehr! Hierzu werden in zwei für die Baumschulbranche Deutschlands bedeutenden Anbauregionen – das Ammerland (NI) und Pinneberg (SH) – insgesamt 10 Modellbetriebe einbezogen. Die Betriebe sollen einen guten Querschnitt durch die national vertretenen Kulturen und Betriebsstrukturen bilden. In den beiden Modellregionen werden Regionalkoordinatoren eingesetzt, die die Betriebe intensiv beraten und die Substratumstellung engmaschig begleiten. Für das Ammerland sind Inga Binner und Pia Bunger von der Landwirtschaftskammer Niedersachsen in den Betrieben im Einsatz und im Kreis Pinneberg stehen Hendrik Averdieck und Thorsten Ufer der Landwirtschaftskammer Schleswig-Holstein bei allen Fragen und Problemen unterstützend zur Seite. Die Gesamtkoordination des Vorhabens übernimmt die Landwirtschaftskammer Niedersachsen an der Lehr- und Versuchsanstalt für Gartenbau in Bad Zwischenahn-Rostrup. Zu Beginn werden die Betriebe hinsichtlich torfreduzierter Substrate und einer angepassten Kulturführung geschult.  Für jeden einzelnen Betrieb werden dann in Zusammenarbeit mit dessen Substratlieferanten und Beratern individuelle Strategien für den Torfersatz erarbeitet, die im Laufe der vierjährigen Projektlaufzeit mit Hilfe der gewonnenen Erfahrungen angepasst werden.

 

Erkenntnisse gehen gleich in die Praxis über

Die im Vorhaben gewonnenen Erkenntnisse und Erfahrungen werden immer zeitnah in der Fachpresse, auf Vorträgen und Feldtagen veröffentlicht und diskutiert. Interessierte Gärtner sind außerdem stets eingeladen, den teilnehmenden Betrieben einmal über die Schultern zu schauen. So sollen anderen Baumschulen deutschlandweit die Berührungsängste mit torfreduzierten Substraten genommen werden.

"Wir freuen uns sehr über das große Interesse der hiesigen Baumschulen am Thema Torfersatz und die schnelle Bereitschaft der Betriebe, bei diesem Modell- und Demonstrationsvorhaben mitzuwirken. Die nächsten 4 Jahre werden eine spannende und erkenntnisreiche Zeit werden und sicherlich einen wichtigen Beitrag dazu leisten, den Baumschulen deutschlandweit den Übergang von reinen Torfsubstraten zu stark torfreduzierten Substraten zu erleichtern."

 

Die Förderung des Vorhabens erfolgt aus Mitteln des Bundesministeriums für Ernährung und Landwirtschaft (BMEL) aufgrund eines Beschlusses des deutschen Bundestages. Die Projektträgerschaft erfolgt über die Bundesanstalt für Landwirtschaft und Ernährung (BLE).

 

           


Kontakt:
Dr. Inga Binner
Gesamtkoordination Projekt ToSBa
Telefon: 04403 9796-47
Telefax: 04403 9796-10
E-Mail:


Stand: 09.11.2020