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Task Force Waldschäden: Lagebericht zur Borkenkäfersituation im Februar 2019

Das ausreichende Brutmaterial aus den vergangenen Winterstürmen 2017/2018 und die langanhaltende trockene und warme Witterung in der Vegetationsphase 2018, bildeten optimale Bedingungen für den Borkenkäfer. Wie wird die Entwicklung in 2019 weitergehen, wie bereiten wir uns vor und wie handeln wir? Die Landwirtschaftskammer Niedersachsen hat zum Jahresbeginn die Task Force Waldschäden beim Geschäftsbereich Forstwirtschaft ins Leben gerufen und die Zusammenarbeit mit der Nordwestdeutschen Forstlichen Versuchsanstalt intensiviert.

Im letzten Jahr war vielerorts die Entwicklung der Jungkäfer bereits 2 Wochen früher als in normalen Jahren abgeschlossen. Auch kam es im letzten Jahr vermehrt zu einer 3. Generation und Geschwisterbruten, was zu einem explosionsartigen Anstieg der Population führte. Die Erkennung von befallenen stehenden Bäumen gestaltete sich 2018 durch die langhaltende Trockenheit als sehr schwierig. Auf Grund des fehlenden Harzdrucks der Fichten blieben nicht selten eindeutige Befallsmerkmale wie Harztropfen und Harztrichter aus. Auch konnte sehr trockenes Bohrmehl vom Wind leicht weggeweht werden.

Insgesamt entwickelten sich in den niedersächsischen Wäldern besorgniserregende Waldschäden mit historischem Ausmaß. Der Borkenkäferfraß wurde ab dem Sommer 2018 zwar soweit möglich durch rechtzeitige Entnahme der befallenen Bäume bekämpft, aber der Befall setzte sich bis in den Herbst fort und es werden in den Beständen laufend weitere Nester mit Borkenkäfern in der Rinde festgestellt.

Auf Grund der geschilderten Bedingungen ist für das Frühjahr 2019 mit einer sehr hohen Borkenkäferausgangspopulation zu rechnen.

Wesentlich ist bei beginnendem Schwärmflug der Borkenkäfer ab einer Temperatur von ungefähr 17 °C über mehrere Tage, trockener Witterung und einer gewissen Tageslänge frischen Befall so schnell wie möglich zu erkennen und zu bekämpfen. Das ist für den Zeitraum ab Mitte April zu erwarten.

Zur Vorbereitung auf diese Aufgaben bietet die Nordwestdeutsche Forstliche Versuchsanstalt (NW-FVA) seit Anfang Februar 2019 intensive fachliche Unterstützung durch Schulungen für die Fachkräfte in allen Waldbesitzarten.

Für die Umsetzung der Maßnahmen in unseren Wäldern ist eine höhere Personalanzahl als im Normalbetrieb und eine optimale Systemverknüpfung (Waldfläche/Eigentümer - Betreuungsorganisation – Forstwirtschafticher Zusammenschluss - Vermarktungsorganisation) dringend notwendig.

Für die Früherkennung und die Auslösung einer Maßnahmenkette bei frischem Borkenkäferbefall werden sehr viele Kräfte in der Fläche benötigt. Sie müssen nicht alle zwingend „qualifiziertes Forstfachpersonal“ (Bezirksförster) sein. Für diesen Zweck geschulte „kundige Personen“, die für eine gewisse Zeit beauftragt werden, können diese Arbeit leisten. Die zuvor beschriebene Schulung durch die NW-FVA kann für diesen Personenkreis deutlich auf die real im Wald durchzuführenden Handlungsabläufe reduziert werden.

Zusätzlich kann jeder zur Bekämpfung des Borkenkäfers beitragen, indem er die Augen offenhält und Befall an die zuständige Bezirksförsterei meldet.

 

Notwendige Instrumente zur Erkundung, Schadensaufnahme und Bearbeitung stehen unmittelbar vor der Anwendung. Hierzu zählen zum Beispiel Luftbilderfassung und Auswertung, mobile App-Schadensmeldungen und digitale Arbeitsaufträge.

Zur Ausgestaltung der notwendigen und zugesagten öffentlichen Förderung erfolgen die Informationen sobald möglich.

Aktuell hat die Vorbereitung einer Borkenkäferbekämpfung der 1. Generation 2019 oberste Priorität. Diese dient der Vermeidung und effektiven Begrenzung frischen Stehendbefalls. Da Fangsysteme nur an Bestandesrändern oder in entsprechend großen Lücken mit Vorbefall eingesetzt werden, sind alle Positionen mit Borkenkäferbefall jetzt unbedingt festzustellen und zu dokumentieren. Etwa ab dem 1. April 2019 ist hier eine Kontrolle zur Erkennung von frischem Stehendbefall durchzuführen, insbesondere das Absuchen der Stämme in diesen Bereichen auf Harztropfen, Harztrichter und Reste von Bohrmehl. Für diese Kontrolltätigkeit sind die ausführenden Personen jetzt fortzubilden oder zu schulen.

Da die Fangsysteme alle pheromongestützt arbeiten, sind Störungen dieser künstlichen Lockstoffe auszuschalten. Bereits heute erkennbare Störungsquellen, wie geschwächte Fichten in der Nähe der geplanten Fangstandorte, sind zu beseitigen. Aufstellen der Fallen Anfang bis Mitte April, „Scharfstellen“ erst vor Schwärmbeginn.

In der arbeitsintensiven Zeit von etwa Mitte April bis Ende Mai soll durch die beschriebene Kontrolle frischer Stehendbefall möglichst schon beim Einbohren der Käfer erkannt werden. Befallene Stämme sind dann sofort zu fällen, aus dem Bestand zu bringen und müssen danach abgefahren, geschält oder mit Pflanzenschutzmitteln behandelt werden.

Schlitzfallen sind nicht geeignet bei höheren Käferdichten und werden als Bekämpfungsmittel nicht empfohlen.

Im Forst zugelassene Insektizide gegen Borkenkäfer mit Stand Januar 2019 sind:

 

Mittelname

Zulassungsnummer

Ende Zulassung

Voraussichtl. Ende Aufbrauchfrist

KARATE FORST flüssig

005618-00

31.12.2019

30.06.2021

Fastac Forst, Fastac Forst Profi

024012-00024012-60

31.07.2020

31.01.2022

Cyperkill Forst, FORESTER

006439-60 006439-00

31.10.2019

30.04.2021

TRINET P

007691-00

31.07.2020

31.01.2022

Storanet

007598-00

31.07.2020

31.01.2022

 

 

 

 

Die wichtigsten Eckdaten zum Erkennen und Bekämpfen von akutem Borkenkäferbefall finden Sie in unserem Flyer (Woran erkenne ich einen Befall mit Borkenkäfern? Eine kurze Zusammenfassung der wichtigsten Hinweise).

 

 

 

Die Nordwestdeutsche Forstliche Versuchsanstalt informiert über die aktuelle Lage zur Borkenkäferproblematik und gibt Hinweise für den Praktiker.

Informationen zum Thema Borkenkäfer finden Sie auf den Seiten der NW-FVA unter dem Link:

Aktuelle Waldschutz-Infos der NW-FVA


Kontakt:
Thomas Ahrenholz
Leiter TF Waldschäden
Telefon: 0511 3665-1442
Telefax: 0511 3665-1513
E-Mail:
Diana Jacobi
Train4Clim, Projektleiterin
Telefon: 0511 3665-1148
Telefax: 0511 3665-1513
E-Mail:


Stand: 20.02.2019