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Weichen für Förderung gestellt: Extremwetterrichtlinie in Kraft

Am 30. März hat das Land Niedersachsen eine neue Förderrichtlinie in Kraft gesetzt, um die privaten und kommunalen Waldbesitzer in den kommenden vier Jahren bei der Bewältigung von Extremwetterereignissen im Wald finanziell zu unterstützen. Anträge auf Maßnahmen zur Abwehr und Beseitigung von Schäden, insbesondere durch Borkenkäfer, können seitdem bei der LWK Niedersachsen gestellt werden.

Der Wald steht unter Druck - und mit ihm seine Eigentümer und Bewirtschafter. Begonnen hatte alles mit dem Orkantief „Friederike“ im Januar 2018. Die großen Mengen an geworfenem Nadelholz stellten nicht nur die Aufarbeitung und Vermarktung vor enorme Herausforderungen, sie boten zeitgleich dem Borkenkäfer ideale Bedingungen, das warme Frühjahr in seinem Sinne zu nutzen. Die darauffolgenden Hitzeperioden in den Sommermonaten 2018 und 2019 schwächten den Wald zusätzlich. Im Frühjahr 2020 ist nun erneut einer Massenvermehrung des Borkenkäfers entgegenzutreten.

Die neue Richtlinie enthält deshalb vielfach Maßnahmen, welche bereits aus der Waldschutzrichtlinie des vergangenen Jahres bekannt sind. Hierzu zählen u.a. Pauschalen für die Anlage und Behandlung von Fangholzhaufen, die Polterbehandlung, für den Einsatz geschulter Hilfskräfte zum Auffinden neuer Befallsherde und für den vorgeschalteten Holztransport aus dem Wald.

Erweiterter Maßnahmenkatalog

Darüber hinaus stehen nun Mittel für die Beschaffung und den Aufbau von Trinet-Fangsystemen und deren Nachrüstsets sowie für die Aufarbeitung von befallenem Nadelholz einschließlich des Brutuntauglichmachens des Reststammes zur Verfügung. Da inzwischen nicht nur die Fichte von den Wettereignissen betroffen ist, wurden nun auch Maßnahmen zur sicheren Entnahme und Aufarbeitung von Kalamitäts-Laubholz in die Richtlinie aufgenommen. Somit können Gefahren abgängiger Buchen- oder Eschenbestände im Rahmen der Förderung beseitigt werden. Zudem werden die Ausgaben für die forstfachliche Vorbereitung, Leitung und Koordinierung all jener Maßnahmen als förderfähig anerkannt und anteilig erstattet. Dieses gilt auch – mit einem reduzierten Fördersatz – für den Einsatz eigenen Personals.

Zum Gegenstand der Förderung zählen außerdem Maßnahmen zur Überwachung und Eindämmung anderer Pflanzenschädlinge bei behördlicher Anordnung sowie von Mäusen nach dokumentierter Überschreitung der Schadschwellen.

In einem gesonderten Teil regelt die neue Richtlinie auch alle Maßnahmen zur Wiederaufforstung von geschädigten Beständen. Mit Beginn des nachgeordneten Antragsverfahrens zu diesem Bereich werden bald auch hierzu weitere Informationen veröffentlicht. Aufgrund der zeitlichen Priorisierung startet das Verfahren aber zunächst mit den Waldschutzmaßnahmen.

Möglichkeiten der Antragstellung

Die Förderung soll grundsätzlich allen antragsberechtigten Waldbesitzern zugänglich gemacht werden. Hierzu ist es möglich, als Waldbesitzer Einzelanträge ab der Bagatellgrenze von 500 Euro zu stellen. Bei besitzübergreifenden Maßnahmen innerhalb eines forstwirtschaftlichen Zusammenschlusses kann aber auch die Vereinigung einen solchen Antrag stellen. So mag zum Beispiel eine Forstbetriebsgemeinschaft (FBG) beim Aufstellen von Fanglinien, bei gemeinsam koordinierten Harvester- oder Mulchereinsätzen, der Behandlung gepolterten Holzes oder dessen Zwischentransport anstelle ihrer Mitglieder die Rolle des Zuwendungsempfängers übernehmen. Das Antrags- und Nachweisverfahren kann so deutlich schlanker abgewickelt werden.

Die Richtlinie unterliegt den Bestimmungen der De-minimis-Regelung. Im Falle der Antragstellung durch eine FBG muss sich diese dann folgerichtig auch den Beihilfebetrag auf ihr „Förderkonto“ anrechnen lassen, welches eine Förderhöchstsumme von 200.000 Euro innerhalb von drei Jahren zulässt. Daneben bleibt die Möglichkeit bestehen, einen Sammelantrag für seine Mitglieder zu stellen. Hierbei sind jedoch für jeden Waldbesitzer gesonderte Arbeitspläne zu erstellen. In diesem Fall gelten die einzelnen Waldbesitzer als Endbegünstigte und übernehmen somit auch die Beihilfesumme. Diese Form des Antrags erfordert jedoch ein höheres Maß an Aufwand in der Beantragung und Bearbeitung sowie im Nachweis der durchgeführten Maßnahmen als die beiden einfachen Varianten.

Jetzt Anträge stellen

Beim Antragsverfahren gilt das bei der Förderung übliche Vorgehen. Der Antrag kann mithilfe des betreuenden Försters digital im Forstförderprogramm angelegt und anschließend ausgedruckt und unterschrieben werden. In den antragannehmenden Regionalstellen und der zentralen Bewilligungsstelle der Forstlichen Förderung der Landwirtschaftskammer Niedersachsen werden die Waldschutzanträge derzeit vor allen anderen Anträgen bearbeitet, um eine zügige Umsetzung zu gewährleisten. Das ist entscheidend, denn der Antragsteller darf erst mit erfolgter Bewilligung mit den geplanten Maßnahmen beginnen.

Dass diese Reihenfolge eingehalten wurde, wird auch im späteren Verwendungsnachweis des Auszahlungsantrages dokumentiert. Weitere Informationen, sowie eine Anleitung und begleitende Vordrucke zur Antragstellung sind auf der Internetseite der Forstlichen Förderung unter Extremwetterfolgen-Richtlinie 2020 abrufbar.

 


Kontakt:
Dr. Philipp Schomaker
Leiter Sachgebiet Zentrale Bewilligungstelle Forstliche Förderung
Telefon: 0511 3665-1134
Telefax: 0511 3665-1518
E-Mail:


Stand: 20.05.2020