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Pilzliches Farbspiel in Weiß, Rot und Blau

Das Zersetzen von Holz durch Pilze ist ein natürlicher, ja sogar notwendiger Prozess, der die stofflichen Kreisläufe in Gang hält. Doch häufig finden solche Abbauvorgänge früher statt, als Waldbesitzenden lieb sein kann. Bezirksförster Dieter Scholz war den Pilzen auf der Spur in der Land & Forst 15/19. 

Warum ist Sägeholz auf einmal nur noch als Industrieholz eingestuft? Ist das nur böser Wille des Holzkäufers? Diese Fragen beschäftigen in den letzten Monaten viele Waldbesitzende. Betroffen sind vor allem diejenigen, in deren Wäldern so große Windwurfmengen anfielen, dass sie erst spät aufgearbeitet und verkauft werden konnten. Ein solches Angebot ruft stets Pilze auf den Plan, denn sie sind die ersten Organismen, die die Hölzer zersetzen und eine Entwertung herbeiführen.

Zellulose- und Ligninabbau

Im Wesentlichen sind zwei Zersetzungsprozesse relevant:

  • Braunfäule: Pilze zersetzen die Zellulose des Holzes zu braunem Pulver, oft mit würfelartigem Aussehen (z.B. der berüchtigte „Hausschwamm“).
  • Sogenannte Weißfäule: verursacht durch Ligninabbau der Pilze. Der Prozess wird wegen der rötlichen Färbung des befallenen Kernholzes auch als Rotfäule bezeichnet (bekannte Vertreter: Hallimasch und Wurzelschwamm).

Pilze benötigen für ihr Wachstum einen bestimmten Holzfeuchtegehalt. Liegt also Holz länger in dem für Pilze förderlichen Milieu, kommt es schnell zur Besiedelung mit verfärbenden Pilzen: Beispiele sind die sogenannte Bläue und die Rotstreifigkeit an Nadelhölzern.

Bläuepilze (rasch auftretend z.B. auf frische Holzeinschlag im Sommer) verursachen keine Holzfäule. Zumindest in der Anfangsphase handelt es sich hier eher um ein kosmetisches Problem, das die technischen Eigenschaften zunächst nicht beeinträchtigt. Die Sporen des Bläuepilzes werden sowohl über die Luft, als auch durch Borkenkäfer übertragen. Daher kommt es auch zu einer Besiedlung von frischem Fichten-Käferholz.

Auch bei der Rotstreifigkeit, verursacht durch den Blutenden Nadelholz-Schichtpilz, ist in der Anfangsphase noch von einem optischen Problem (streifenförmige rote Verfärbungen) auszugehen; bei fortgeschrittenen Stadien sind aber Festigkeitsverluste nicht auszuschließen.

Obendrein die Holzbrüter

Das Risiko der Abwertung möchten Holzkäufer nicht übernehmen und stufen daher bei der Holzabnahme die Qualität und damit den Preis deutlich herab. Hierfür muss ein gewisses Verständnis aufgebracht werden, denn einhergehend mit den oben genannten Pilzen findet oft auch eine Besiedlung mit holzbrütenden Insekten wie Holzwespe, Bockkäfer und/oder Lineatus (Nutzholzborkenkäfer) statt. Endkunden bewerten solches Schnittholz meist negativ oder lehnen es ganz ab, weil es ihrem Anschein nach faul ist oder „Holzwurmlöcher“ enthält.

Es gilt also, vorbeugend wenig geeignete Bedingungen für Pilze und Insekten zu schaffen, um deren Vermehrungspotenzial zu senken. Dazu kann das Holz entweder heruntergetrocknet oder in Nasslagern mit Beregnung oder Folienlagern konserviert werden. Bei der Beregnung verfärbt sich das Holz zwar auch, doch die Besiedlung findet lediglich in den äußersten Grenzschichten zwischen Rinde und Holz statt. Der Holzkörper wird dabei nicht beeinträchtigt, selbst wenn es von außen betrachtet danach aussieht. Gut erkennbar ist dies beispielsweise bei der Nasslagerung von Buchenstämmen: äußerlich wirken sie völlig vergammelt, aber wenige Millimeter unter der Rinde ist das Holz schneeweiß.


Kontakt:
Dieter Scholz
Bezirksförster
Telefax: 05565 911249
E-Mail:


Stand: 13.10.2021