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Gerechte Verteilung bei Brennholz statt Ausverkauf

In der langen Geschichte der Brennholznutzung hat sich das Blatt immer wieder einmal gewendet. Förster Dieter Scholz erklärte in der Land & Forst 50/17, wie es zur Einführung der sogenannten Reiheholzberechtigungen kam und wie sich ihr Wert wandelte.

Holz war jahrhundertelang ein lebenswichtiger Grundstoff für die Bevölkerung: nicht nur als Bauholz und zum Heizen. Es war auch ein unverzichtbarer Energielieferant für die Metallverhüttung, für die Glas- und die Salzherstellung. Lange schien dieser Rohstoff unendlich verfügbar zu sein. Doch der Holzhunger stieg unaufhörlich und der Wald wurde durch Rodung, Streu- und Plaggennutzung, Waldbeweidung und weitere Eingriffe chronisch übernutzt.

Geplünderter Wald

Im ausgehenden Mittelalter wurde der Rohstoff deshalb zunehmend knapp. Erst im 18. und 19. Jahrhundert setzten sich klarere Besitzverhältnisse und Waldordnungen durch. Dies ist der historische Hintergrund der Nutzungsberechtigungen, die in der Folge festgeschrieben wurden. Diese Rechte wurden als Dienstbarkeiten aufgefasst und als Holzgerechtsame, Reiheholzberechtigung oder Deputat bezeichnet.

Die Gerechtsame unterschieden sich örtlich stark voneinander in Art und Weise, Menge und den eingeräumten Rechten – zum Beispiel als Bau- oder Nutzholzgerechtsame, Brennholz- oder Holzbesen- Reiser-Gerechtsame oder auch nur auf bestimmte Holzarten wie Weichholz bezogen. Weil viele Holzberechtigungen bis heute ihre Gültigkeit besitzen, lohnt sich ein Blick auf ein solch historisches Dokument – ein Beispiel aus einem städtischen Forst aus dem Jahre ????:

„Das Grundstück Plan Nr…. ist mit einer Holzberechtigung der Reihehöfe und der geistlichen Institute belastet und zwar für jeden Vollmeierhof mit 4 Malter melirtem Holze und 1 Schock Abschlagwasen, für den Halbmeier-, Groß- und Kleinkothof, jede Brinksitzerstelle mit 2 Malter meliertem Holze und ½ Schock Wasen, für die Pfarre mit 7 Malter melirtem Holze und 4 Schock Wasen und für die Schule mit 2 ½ Malter melirtem Holze und ½ Schock Wasen“.

Was bitte sind Malter?

Übersetzt in die heutige Lesart bedeutet das: Meliertes Holz ist höherwertiges (im Sinne der Energieholzausbeute), langsamer gewachsenes schwereres und meist gespaltenes Holz zur Verwendung eher im Siede-, Brau-, Bäcker- und Fleischergewerbe. Abschlagwasen entsprechen aufgearbeitetem gebundenem Reiserholz. Es entstand bei der historischen Niederwaldbewirtschaftung im Mittelalter durch eine typische Form der Brennholzgewinnung; dabei wurden stockausschlagfähige Bäume im Kurzumtrieb alle 10 bis 20 Jahre „auf den Stock gesetzt“. Die Abschlagwasen waren somit eher zum Anheizen bzw. als Brennholz gedacht.

Die Maßeinheit „Schock“ entspricht 60 Stück. Bei der Maßeinheit „Malter“ muss hinterfragt werden, ob es sich um einen „Braunschweiger Malter“ (= 1,859 Raummeter) oder einen „hannoverschen Malter“ (= 1,9937 Raummeter) handelte. Die historischen Maß- und Währungseinheiten schwankten örtlich stark. Ein Vollmeierhof, mancherorts auch Vollspänner genannt, war ein großer Bauernhof, ein Kothof (oder auch Kotten, Kate oder Katten) ein Kleinbauer; Brinksitzer waren noch kleinere Höfe und Abbauer neu hinzugezogene Siedler.

Als Holz „out“ war

Seit der Nachkriegs- und Wiederaufbauzeit nach dem Zweiten Weltkrieg wurde zunehmend auf Brennholznutzung verzichtet. Holz war „out“, kostete nicht viel und das Heizen war trotzdem immer noch aufwändiger als mit der neuen komfortablen Heizung mit Öl, Gas oder Elektrik. Die Berechtigungen wurden teilweise durch Bezahlung abgelöst. Ein Verkauf der Berechtigung ist allerdings allgemein nicht vorgesehen, sondern die Gerechtsame ist mit dem Hof verbunden und wird mit dem Hof vererbt. Die Holzberechtigungen wurden daher lange Zeit kaum noch wahrgenommen – bis sich die Zeiten erneut änderten. Energie ist in den letzten Jahren wieder deutlich teurer geworden und damit einhergehend sind die Brennholzpreise enorm gestiegen. Moderne Öfen sind chic und verbrennen das Holz deutlich effizienter. Zudem ist die Selbstorganisation des Brennstoffes oft eine beliebte Ausgleichstätigkeit zum Büroalltag.

Da besinnt sich so mancher Berechtigter und meldet wieder seinen Bedarf an. So hat die Bereitstellung von „Reiheholz“ wieder sprunghaft zugenommen.

Fazit

Brennholz In der langen Geschichte der Brennholznutzung hat sich das Blatt immer wieder einmal gewendet. Förster Dieter Scholz beschreibt, wie es zur Einführung der sogenannten Reiheholzberechtigungen kam und wie sich ihr Wert wandelte. Gerechte Verteilung statt Ausverkauf Die Entwicklung des Bedarfs an Reiheholzberechtigungen ist ein gutes Beispiel dafür, wie notwendig die langfristige Betrachtung von Forst- und Holzwirtschaft sein kann.


Kontakt:
Dieter Scholz
Bezirksförster
Telefax: 05565 911249
E-Mail:


Stand: 02.09.2021