Webcode: 01035890

Bunt ist die schönste Farbe der Welt – Inklusion in der Ausbildung

Inklusion aus 360 Grad Perspektive: So könnte der Titel des letzten Seminars auf der Dehésa San Francisco im Süden Spaniens lauten. Dort verbrachten 13 angehende AusbilderInnen der Berufe Hauswirtschaft, Landwirtschaft und Gartenbau gemeinsam mit zwei Organisatoren der Landwirtschaftskammer Niedersachsen zehn intensive, vielfältige und persönlichkeitserweiternde Ausbildungstage.

Zur Seite stand den TeilnehmerInnen eine externe Fachleitung aus dem Bereich Rehabilitationspädagogik, die gemeinsam mit der Gruppe in diversen Rollenspielen und aktivierenden sowie selbst reflektierenden Aufgaben das Seminarangebot bereicherte. Die Hauptthemen dieser Reise waren die verschiedenen Bereiche der Arbeit mit und Ausbildung von Menschen mit Einschränkungen.

Für einige der TeilnehmerInnen war dieses Gebiet zu Beginn des Seminars noch völliges Neuland. Sie hatten wenig Berührungspunkte mit Menschen mit Einschränkungen in ihrem Alltag. Für sie war anfangs der Leitgedanke von Inklusion, dass Menschen, die nicht der „gesellschaftlichen Norm“ entsprechen, in die Gesellschaft eingegliedert werden müssten. Wie dies aber geschehen könnte und in wie weit sich diese Menschen oder auch die Gesellschaft verändern müssten, war den Teilnehmern zu diesem Zeitpunkt noch ein Rätsel. Andere TeilnehmerInnen hatten in der Familie oder dem Bekanntenkreis bereits Erfahrungen im Alltag mit Menschen mit Einschränkungen sammeln können und konnten bei Gesprächen und Rollenspielen wertvolle Impulse geben, um die Feinwahrnehmung der Teilnehmer in entscheidenden Situationen zu verbessern.

Diese bunte Truppe mit völlig unterschiedlichen Hintergründen, Wissensständen, Konfliktlösungsansätzen und -strategien begab sich nun also gemeinsam auf eine Reise, um sich mit dem Thema Inklusion in der Ausbildung auseinanderzusetzen. Es wurden theoretische und rechtliche Aspekte der Ausbildung von und Arbeit mit Menschen mit Einschränkungen geklärt. Des Weiteren lag der Fokus des Seminars aber auch auf dem Erlernen wichtiger Kernkompetenzen im Umgang mit Menschen mit Handicap. Hierbei zeigte sich immer wieder, dass bei keinem Menschen etwas vorausgesetzt werden kann, egal ob mit oder ohne Einschränkungen. Jeden Menschen muss man neu kennen lernen, nicht vorab beurteilen. Jeder hat seine persönlichen Stärken und Schwächen, die es zu erkennen und wahrzunehmen gilt. Nur so kann der/die AusbilderIn beispielsweise einen möglichst individuellen und passenden Ausbildungsplan erstellen und eine/n Auszubildende/n gemäß ihrer Stärken fordern und bei Schwächen fördern.

Um die angehenden AusbilderInnen in ihrer Offenheit und Unvoreingenommenheit zu fördern, wurden kulturelle Ausflüge veranstaltet, bei dem die Teilnehmer des Seminars auf völlig fremde Menschen mit teilweise völlig anderen Sichtweisen oder Ansichten trafen. Diesen neuen Situationen galt es immer mit Offenheit, Neugierde und ohne Vorurteile zu begegnen, denn es sollte geübt werden, Neues so zu sehen, wie es tatsächlich ist, anstatt wie man es sich bereits im Kopf zurecht gelegt hatte. Auch die verzaubernde, ruhige und ursprüngliche Dehésa San Francisco trug einen bedeutenden Teil zum Gelingen dieser Öffnung und Selbstreflexion bei, da sie die Seminarteilnehmer aus ihrer Komfortzone lockte und sowohl klimatisch, als auch vegetativ einen kompletten Gegensatz zur Heimat darstellte. Schon der Kursort selbst stellte die Teilnehmer täglich auf die Probe, sich offen und aufgeschlossen Neuem gegenüber zu zeigen und selbstsicher auf Menschen mit fremder Sprache und fremden Bräuchen oder Tagesabläufen und Gepflogenheiten zuzugehen.

Nach diesen zehn Tagen der Selbstreflexion, des gemeinsamen Lernens und der Teamarbeit im gegenseitigen Vertrauen auf die Stärken und um die Schwächen des Anderen, konnten die Teilnehmer des Seminars eines ganz klar für sich feststellen: Gerade der Ausbildungsfunktion kommt in der Inklusion eine enorme Bedeutung zu. Hier können die Grundsteine für Toleranz, Akzeptanz und das Vertrauen in sich und seine eigenen Fähigkeiten gelegt werden. Als AusbilderIn hat man die Chance und die Pflicht jungen Menschen offen zu begegnen und sie in diesem offenen, unvoreingenommenen Denken zu unterstützen.

Inklusion ist bunt, so bunt wie die Menschen auf dieser Erde. Wie ihre Wahrnehmung der Welt, ihre Träume, Wünsche, Stärken und Schwächen. Inklusion bedeutet nicht, dass sich die Gesellschaft zurücklehnen und erwarten kann, dass Menschen mit Einschränkungen oder Menschen, die nicht in die „gesellschaftliche Norm“ passen sich anpassen oder verbiegen müssen, um dazu zu gehören. Die Gesellschaft muss dafür sorgen, dass jede/r als normal gilt, dass jede/r jemand Besonderes ist und jede/r Teil dieser Gesellschaft ist. Mit Schwächen, die es zu fördern gilt und Stärken, die genutzt werden wollen!

Ein Bericht von Spanien-Praktikant Markus Kattau

Weitere Informationen zur Inklusion in der Ausbildung und Beschäftigung finden Sie hier.



Kontakt:
Dr. Dietrich Landmann
Bildungsbeauftragter national / international
Telefon: 05551 6004-131
Telefax: 05551 6004-160
E-Mail: