Webcode: 01033917

Im Garten ein Summen – Stippvisite in die Welt der Blütenbesucher

Wer hätte das gedacht: Die allseits bekannte Honigbiene ist nur eine von mehr als 560 Bienenarten, die meist ganz anders leben als ihre Verwandten. Honigbienen leben in einem Staat mit vielen Bienen. Die freilebenden Wildbienen hingegen produzieren kein Wachs und leben solitär, also alleine. Mit diesen wichtigen Unterschieden begann die Osnabrücker Bienenexpertin Janina Voskuhl das Halbstagsseminar „Im Garten ein Summen“ das von der Landwirtschaftskammer Niedersachsen, BSt Braunschweig angeboten wurde.

„Viele haben beim Thema Bienensterben nur das „Nutztier“ Honigbiene im Kopf. Die Wenigsten denken an die 568 anderen Bienenarten, die in Deutschland vorkommen“, verdeutlicht Voskuhl die unbekannte Vielfalt. Das kommt, weil Wildbienen und ihre Verwandten deutlich weniger bekannt sind. Sie spielen jedoch eine wichtige Rolle im Ökosystem, sind für die Bestäubung der Blüten einer Vielzahl von Pflanzen verantwortlich und haben daher auch einen großen wirtschaftlichen Nutzen.

Nach einer anfänglichen theoretischen Einführung im Seminarraum des Waldforums Riddagshausen ging es dann zu Fuß in den Klostergarten, um die Insekten einmal in freier Natur aufzuspüren. Obwohl hier in diversen Beeten eine Vielzahl von Blumen blühten, war es anfangs nicht leicht, die kleinen Blütenschwärmer zu finden, denn leicht haben es die schützenswerten Wildbienen heute nirgends. Da sie je nach Art von Anfang März bis Ende Oktober fliegen, benötigen sie eine große Vielfalt an Blüten als Nahrung.

Besonders das Überleben auf dem Land sei für Bienen mittlerweile nicht mehr so einfach, erläuterte Voskuhl den TeilnehmerInnen. „Dort fehlt es vielfach an Feldrainen und Hecken, an Wildkräutern in den großflächigen Äckern. In der Stadt hingegen gibt es eher kleinflächige Strukturen wie Parks, Kleingärten oder Botanische Gärten, die die Bienen so dringend benötigen“, weiß die studierte Landschaftsentwicklerin. Es gäbe sogar Arten, die ihren Nistplatz direkt im Stadtzentrum haben. „Kleine Sandhäufchen in den Fugen des Kopfsteinpflasters können bspw. von der Anwesenheit der Bärtigen Sandbiene zeugen“, verrät sie. Von derartigem Insiderwissen wollten die Seminarteilnehmer noch mehr profitieren und so fing Vosskuhl mit ihrem Insektenkescher geschickt ein paar Exemplare verschiedenster Wildbienenarten von den Blüten, sodass sie in Ruhe betrachtet werden konnten. Natürlich wurden alle gefangenen Wildbienen nach kürzester Zeit wieder am selben Ort freigelassen – ein wichtiger Gesichtspunkt, wie Voskuhl erläuterte: „Alle Wildbienen sind streng geschützt. Das Fangen ist nur mit Ausnahmegenehmigungen zu Forschungszwecken erlaubt.“ Das kurze Fangen machte es möglich, die Unterschiede zwischen Wildbienen und ebenso zahlreichen Schwebfliegen zu erkennen: „Schwebfliegen haben zwei Flügel, Bienen vier“, so Voskuhl. Die fleißigen Bienen in den Brombeerblüten sammelten übrigens nicht nur Nektar, sondern auch Pollen. Während der Nektar eine Art „Flugbenzin“ darstellt, ist der Pollen der Eiweißlieferant der Bienen, die damit ihre Larven aufziehen. Diese Arbeit wird von den meisten Bienen ganz allein ausgeführt: Etwa 95 Prozent der Bienen sind nämlich Einzelgänger. Nur wenige von ihnen besiedeln kleine Löcher in abgestorbenen Bäumen oder verlassenen Schneckenhäusern, etwa 75 Prozent der Wildbienen nisten im Boden. Dort graben sie bis zu einem Meter tiefe Gänge, die sie teilweise mit Blütenblättern auskleiden, um die Stabilität zu verbessern.

Ziel der Veranstaltung die alle TeilnehmerInnen begeisterte, war es, Interesse für Wildbienen zu wecken und  Ängste abzubauen. Wer mehr über Bienen weiß, kann im unmittelbaren Wohn- und Lebensumfeld viel entdecken. Wer sich mit ihnen auskennt, wird sensibel mit ihnen umgehen und hat einen guten Blick für ihr Verhalten. Ein weiteres Ziel des Veranstaltungsangebotes war es, Menschen zu motivieren, Bienen zu schützen und zu erklären, wie jeder Gartenbesitzer Lebensräume für die bedrohten Insekten schaffen kann, so Organisatorin Sandra Raupers-Greune.

Und so bot der kurzweilige Nachmittag für die Interessierten noch eine Menge spannendes Wissen. Wer das nächste Mal eine geschwächte Hummel im Garten findet, der weiß nun, dass er ihr ein wenig Zuckerwasser zur Stärkung anbieten kann, aber keinen Honig. Und er hat gelernt, dass Hummeln selten stechen – und wenn doch, so warnen sie zuvor, indem sie ihr mittleres Hinterbein heben. Zumindest, falls es ein Weibchen ist, denn die männlichen Bienen haben gar keinen Stachel.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 


Kontakt:
Sandra Raupers-Greune
Beraterin Garten, Hof- und Dorfgrün, Direktvermarktung, Landfrauenverband
Telefon: 0531 28997-127
Telefax: 0531 28997-111
E-Mail:


Stand: 28.06.2018