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Erfahrungsaustausch der Milchautomatenbetreiber beschäftigt sich mit hygienischen Schwachstellen am Milchautomaten

Im Rahmen des jährlichen Erfahrungsaustausches für Milchautomatenbetreiber stand diesmal die Hygiene im besonderen Blickfeld der TeilnehmerInnen. Zur Bewertung gesundheitlicher Risiken und der Einwirkungsmöglichkeit der Erzeuger in Bezug auf Hygienemaßnahmen an Rohmilchautomaten wurde Dipl.- Ing Konrad Könneke vom Landesamt für Verbraucherschutz und Lebensmittelsicherheit (LABVES), eingeladen.

Könneke ging in seinem Vortrag besonders auf die Bedeutung der Reinigung und Desinfektion der mit Milch in Berührung kommenden Oberflächen ein.

Doch was bedeutet eigentlich sauber und rein? Definiert wurde der Begriff Reinigen als die Entfernung von unerwünschten Substanzen von Oberflächen.
Der Begriff Sauber wird unterschieden in physikalische/chemische Sauberkeit, wonach Schmutzablagerungen und Rückstände von der Oberfläche entfernt werden und biologischer Sauberkeit, welche die Entfernung und Abtötung aller lebenden Mikroorganismen meint.

Dies bedeutet, dass eine Anlage, die bakteriologisch einwandfrei ist, nicht unbedingt sauber ist. Durch Aufbau von zunächst sterilem Schmutz sei die Gefahr des Festsetzens von Keimen nicht auszuschließen, so der Sachverständige. Die Grundvoraussetzung ist, dass alle mit Produkt in Berührung kommenden Anlagenteile auch reinigungsfähig sein müssen!

Hier sind sowohl Materialbeschaffenheit als auch die Anlagenkonstruktion an sich entscheidend. So ist z.B. sicherzustellen, dass das Material auch einer Desinfektion (thermisch oder chemisch) standhält.
Da der Erfahrungsaustausch auf einem landwirtschaftlichen Betrieb mit Milchautomat stattfand, konnte sich direkt vor Ort darüber ausgetauscht werden, wo Schwachstellen der Reinigung sind und wie diese kontrolliert werden können. Ebenso wurde besprochen, wie ein Nachweis von Reinigung und Desinfektion zu dokumentieren ist. Hier spielen nicht nur Sichtkontrollen eine Rolle, sondern auch die Sichtbarmachung von Rückständen (z.B. mittels UV-Strahler), die mikrobiologischen Untersuchungen sowie Tests auf organische Anhaftung.

Den Teilnehmern an diesem Erfahrungsaustausch war sehr bewusst, dass der Verkauf von Rohmilch über einen Milchautomaten über den gesetzlichen Standard hinausgehende Eigenkontrollen erforderlich macht.

Unter den anwesenden Betrieben schwankt die Absatzmenge der Milch ab Automat zwischen 15 und 60 Litern pro Tag, je nach Automatenmodell und örtlichen Gegebenheiten. Ein Automat am Hof erreicht damit leider nicht immer so viele Kunden, dass dieser Absatzweg rentabel wäre, dennoch  - so die Meinung der Erzeuger - dürfe auch die Wirkung für die Öffentlichkeitsarbeit nicht unterschätzt werden. Dass Milch zapfen am Automaten verbinden viele Kunden mit Transparenz und einem Erlebniswert. Was lohnend ist, was geleistet werden kann (Arbeitsaufwand, Befüllen, Reinigen etc.), muss demnach immer für den Einzelfall abgewogen werden.

Aufgrund der eher niedrigen Absatzmengen am Milchautomat wurde am Nachmittag noch einmal das Thema Bauernhofeis als weitere/zusätzliche Alternative des Milchdirektabsatzes diskutiert. Eingeladen war hierzu Kristina Stöver vom Intscheder Bauernhofeis.

Die Direktvermarkterin beschrieb sehr anschaulich ihren Weg von der Idee bis zur Verwirklichung. Auch wenn das patengeschützte Konzept Bauernhof-Eis der holländischen Firma IceDelite eine breite Skala an Schulung und Ausrüstung (Zuckermischungen, Rezepte, Etikettenvordrucke etc.) liefert, um den Eis-Betrieb zu starten, läuft es laut Kristina Stöver nicht von allein.
Neben einem guten Standort sind auch die hohen Investitionskosten (für Konzept, Räumlichkeiten, Maschinen etc.) nicht unerheblich. Des weiteren seien die hygienerechtlichen Voraussetzungen nicht zu unterschätzen! Diese übertreffen die Anforderungen des Aufwandes für Milchautomaten noch um ein Vielfaches. Auch für die Rentabilität des Betriebszweiges müsse ständig neu gekämpft werden.

Obgleich das Konzept Bauernhof-Eis damit wirbt, milcherzeugenden Betrieben die Freiheit eines unabhängigen Unternehmers mit der Unterstützung und Erfahrung einer großen internationalen Marke zu bieten, warnten sowohl Laves-Mitarbeiter Könneke als auch die praktizierende Eisherstellerin die Teilnehmer vor zu hohen Erwartungen.

 

 


Kontakt:
Sandra Raupers-Greune
Beraterin Garten, Hof- und Dorfgrün, Direktvermarktung, Landfrauenverband
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Stand: 30.10.2019