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Fehlende Liquidität - Wie gehe ich damit um?

Die finanzielle Situation ist nach den letzten Jahren auf vielen landwirtschaftlichen Betrieben angespannt. Wenig Regen, mäßige Preise und steigende Auflagen haben nicht nur die Stimmungslage vieler Landwirte die letzten Jahre geprägt, sondern häufig auch deren Kontostände. Gerade in solchen Zeiten ist eine sorgsame Liquiditätsplanung unerlässlich. Sie dient dem Betriebsleiter als Planungs- und Entscheidungsgrundlage und professionalisiert die Kommunikation mit finanzierenden Banken.

1. Erstellen einer Liquiditätsplanung

Die Liquiditätsplanung stellt bei der Betriebsführung ein zentrales Steuerungsinstrument dar, das nicht nur in schwierigen Situationen wertvolle Hinweise liefert. Die monatliche Planung sämtlicher Zahlungsströme über einen Zeitraum von 12 bis 24 Monaten hilft Ihnen unteranderem folgende Punkte zu erkennen:

• Wie entwickelt sich meine Liquiditätssituation in den nächsten Monaten?

• Welche Monate sind kritisch?

• Welchen Finanzierungsrahmen benötige ich?

• Wann besteht ein Liquiditätsüberschuss?


 

Auf dieser Grundlage lassen sich Investitionen und Finanzierungen sorgfältig planen. Weitere Erkenntnisse lassen sich aus einem nachgelagerten Soll/Ist Vergleich ableiten. Hier werden oft Gründe für finanzielle Probleme deutlich und lassen sich auch Optimierungspotentiale erkennen. Ihr betriebswirtschaftlicher Berater kann Sie bei der Erstellung unterstützen.

 2. Rechnungen zeitnah schreiben und auf zügige Zahlung achten

Es sollte darauf geachtet werden, dass Leistungen zeitnah abgerechnet werden. Gerade bei erbrachten Lohnarbeiten ist es in der Praxis häufig, dass die Bezahlung erst deutlich zeitversetzt erfolgt. Schreiben Sie daher zügig Rechnungen mit engem Zahlungsziel und überwachen den Eingang der Zahlung.

 3. Ernte zeitnah vermarkten

Zudem sollten Sie bei knapper Liquidität und entsprechenden Kapitalkosten ihre Ernte möglichst zeitnah vermarkten. Hier gilt insbesondere die bekannte Regel "Liquidität geht vor Rentabilität", zumal die Hoffnung auf höhere Preise generell unsicher ist. Achten Sie dabei auf ein zeitnahes Zahlungsziel nach der Lieferung.

 4. Gespräch mit Steuerberater

Bei sich andeutenden rückläufigen Gewinnen sollten Sie das Gespräch mit Ihrem Steuerberater suchen um zu erörtern, ob es Möglichkeiten gibt die Steuervorauszahlungen zu reduzieren und ob dies sinnvoll ist. Sorgen Sie dafür, dass der Jahresabschluss des abgelaufenen Wirtschaftsjahres zeitnah fertiggestellt wird. Dieser liefert Ihnen wichtige Informationen und lässt evtl. Steuerrückzahlungen erwarten.

 5. Investitionen überdenken

Investitionen benötigen direkt Liquidität, oder bedingen nachfolgenden Liquiditätsabfluss über die Rückführung eines Kredits. Daher sollten Sie in wirtschaftlich schwierigen Zeiten Investitionen genau hinterfragen. Ersatzinvestitionen, wie die Anschaffung eines neuen Grubbers, lassen sich häufig verschieben ohne dass es kurzfristig negative Auswirkungen auf den Betrieb hat. Anders verhält es sich bei Wachstumsinvestitionen, hier sollte Sie von Ihren vorher sorgfältig ausgearbeiteten Plänen nicht abweichen.

6. Rechtzeitig Kontakt zur Bank aufnehmen

Eine zentrale Rolle spielt die Anpassung des betrieblichen Finanzierungsrahmens. Hier werden in der Praxis oft Fehler gemacht. Anstatt rechtzeitig den Kontakt mit der Bank zu suchen und über eine Ausweitung der Betriebsmittelfinanzierung zu sprechen, findet dieses oft erst notgedrungen statt, wenn Überziehungen aufgelaufen sind. Dabei verschlechtern Kontenüberziehungen das Rating spürbar. Hier unterscheidet sich das kaufmännische Können der Betriebsleiter deutlich. Ratsam ist es daher auf Grundlage der Liquiditätsplanung die Finanzierungslinie an zukünftige Gegebenheiten anzupassen. Dabei sollten Sie der finanzierenden Bank auch erläutern auf welche Ursachen dieses zurückzuführen ist.

Fehlende Liquidität kann entstehen in Folge von:

1. Wachstum
2. niedrigen Preisen
3. strukturellen Problemen

7. Die richtige Kommunikation mit der Bank

Die aufgezählten Gründe für erhöhten Liquiditätsbedarf unterscheiden sich in ihrer Bewertung fundamental. Bei Vorliegen der ersten beiden Gründe sollte der Bank gegenüber mit Nachdruck erläutert werden, dass keine strukturellen Gründe der Auslöser sind. Das Wachstum finanziert werden muss erscheint plausibel. Auch ein erhöhter Liquiditätsbedarf in Folge rückläufiger Preise lässt bei sonst geordneten Verhältnissen oft die Ausweitung der Finanzierungslinie zu. In diesem Zusammenhang sollten auch Überlegungen zur Rentabilität des Betriebes angestellt werden und wie bei durchschnittlichen Preisen die Linie wieder reduziert werden kann. Aber auch wenn strukturelle Gründe verantwortlich sind, so sollte Sie sich dem aktiv stellen. Häufig ist zu beobachten, dass hier von den Betroffenen nach Ausreden gesucht wird. Dieses ist kontraproduktiv und vergrößert das Problem, da mit der Zeit die Probleme im Regelfall zunehmen und die Handlungsbereitschaft der Banken häufig abnimmt. Nutzen Sie in solchen Fällen vielmehr die verbleibende Zeit um Ihren Betrieb strukturell umzubauen.

 8. Umschuldung in Betracht ziehen

Lassen sich in sehr guten Jahren hohe Kapitaldienste in Folge zu kurz gewählter Finanzierungslaufzeiten noch schultern, so erfolgt bei schwacher Liquiditätslage dieses nun über den Aufbau kurzfristiger Verbindlichkeiten mit weitaus höheren Zinssätzen. Wird dieses festgestellt, so sollte dringend gehandelt werden und mit der Bank über eine Umschuldung gesprochen werden. Diese reduziert über längere Laufzeiten den Kapitaldienst in einen leistbaren Bereich und wandelt teure kurzfristige Verbindlichkeiten wieder in günstigere langfristige Verbindlichkeiten um.

Zusammenfassend lässt sich sagen, dass Sie als Betriebsleiter Ihre Liquiditätssituation nicht nur als Ergebnisse äußerer Einflussfaktoren sehen sollten. Vielmehr ist es Ihre unternehmerische Aufgabe die betrieblichen Prozesse so zu lenken, dass die Liquiditätslage gestaltungsfähig bleibt. Eine gründliche und regelmäßig überarbeitete Liquiditätsplanung ist die Grundlage hierfür. Die Berater der LWK Niedersachsen stehen Ihnen als kompetente und erfahrende Ansprechpartner in dieser Angelegenheit gerne zur Verfügung.


Kontakt:
Patrik Meier
Berater Wirtschaftsberatung
Telefon: 0531 28997-128
Telefax: 0531 28997-111
E-Mail:


Stand: 14.10.2020